Die Russische Sozialistische Föderative Sowjetrepublik (RSFSR) (eigentlich Russländische Sozialistische Föderative Sowjetrepublik, russisch Росси́йская Сове́тская Федерати́вная Социалисти́ческая Респу́блика; Rossijskaja sowetskaja federatiwnaja sozialistitscheskaja respublika) war die größte und bevölkerungsreichste Unionsrepublik der Sowjetunion.
Sie wurde kurz nach der Oktoberrevolution am 7. November 1917 gegründet und gehörte 1922 zu den Gründungsmitgliedern der neu gegründeten Sowjetunion. Kurz vor deren Auflösung im Dezember 1991 wurde sie dann unter dem Namen Russische Föderation bzw. Russländische Föderation als juristischer Nachfolger der ehemaligen Sowjetunion unabhängig.
Inhaltsverzeichnis |
Die Februarrevolution 1917 beendete die Zarenherrschaft in Russland. Daraufhin trat eine Doppelregierung aus Parlament (Duma) sowie Arbeiter- und Soldatenräten (Sowjet) die Nachfolge an. Der Oktoberumsturz durch die kommunistischen Bolschewiki des Jahres 1917 veränderte den Charakter bzw. das Handeln der Sowjets (Räte) grundlegend. Der "begrenzte" Pluralismus, der in der Selbstbezeichnung des Jahres 1917 in der revolutionären Demokratie zum Ausdruck kam, ging zu Ende. Die Sowjets verstanden sich zunächst zwar entschieden parteilich als Interessenvertretung der ausgebeuteten Klassen, wovon sie Repräsentanten bzw. Vertreter der bürgerlichen Schichten und des politischen Liberalismus ausschlossen. Aber sie ließen Raum für unterschiedliche Auffassungen über die geeignetsten Mittel und Wege, das Los der Unterdrückten zu verbessern.
Die Bolschewiki und ihre linkssozialrevolutionären Genossen wollten diese Toleranz nunmehr nicht länger akzeptieren. Ihre Delegierten im zweiten Allrussischen Kongress der Arbeiter- und Soldatendeputiertenräte wählten noch am Abend des 25. Oktobers ein neues Exekutivkomitee (Ausübendes Komitee) aus den eigenen Reihen. Obwohl mit Lew Kamenew ein Befürworter einer sozialsozialistischen Allparteienkoalition an seiner Spitze stand, war die Gleichstellung damit faktisch bereits vollzogen. Der oberste Sowjet wurde zum Instrument der Bolschewiki.
Die neuen Machthaber bauten den Sowjet (Rat) systematisch zu einem alternativen Repräsentationsorgan der Vollbürger ihrer Definition aus. Ein erster Schritt bestand in der Einverleibung des Allrussischen Bauernsowjets, die der dritte Allrussische Kongress der Arbeiter- und Soldatendeputierten in der zweiten Januarwoche 1918 förmlich vollzog. Damit wurde ein zentrales Gremium geschaffen, das als Gegenmodell zum bürgerlichen Parlament fungieren konnte und auf die Provinz übertragbar war. Der zweite Schritt bestand in der Ausarbeitung einer förmlichen Verfassung, die eine solche Hierarchie von Räten auf vier Ebenen (ländliche Bezirke (russ.: wolosti), Kreise (uezdi), Gouvernements (gubernii) und Großregionen (Oblasti)) etablierte und die jeweiligen Kompetenzen regelte. Dieses Dokument, mit dem die Russische Sozialistische Föderative Sowjetrepublik (RSFSR) offiziell in die Staatenwelt eintrat, fixierte auch die prinzipiellen Eigenarten der Räteordnung im Unterschied zur parlamentarischen Demokratie.
Zu nennen sind dabei:
Nachdem das zaristische Russland im Februar 1917 zusammenbrach und von einer nachfolgende Doppelregierung regiert wurde, die im Oktober des selben Jahres durch den bolschewistischen Staatsstreich gestürzt wurde, sprachen sich einige Nationalebewegungen der "Nicht"russische Bevölkerung für einen eigenen Nationalstaat aus, nachdem sie bis dahin nur nach mehr Selbstbestimmung forderten. Von Sowjetrussland und seiner Roten Armee ging zwischen den Jahren 1918 und 1921 außerdem eine Restitution des ehemaligen Zarenreiches und dem damaligen Vielvölkerreiches aus. Von den ehemaligen Gebieten, die zum Zarenreich gehörten, wurden das vom Zarenreich besetzte Polen, die Baltischen Staaten und Bessarabien unabhängig.
Schon kurz nach der Gründung der UdSSR erweiterte sich das Gebiet der RSFSR. So wurden Anfang der 1920-er Jahre die Fernöstlichen Pufferstaaten zwischen Japan und Sowjetrussland (Fernöstliche Republik bzw. Küstenrepublik) und 1925 das Gebiet um die damalige kasachische Hauptstadt Orenburg russisch.
Die größten Änderungen des Gebietstandes der RSFSR geschahen jedoch um den zweiten Weltkrieg, die ersten Änderungen waren Folgen des Deutsch-sowjetischen Nichtangriffspaktes: Nach der Annexion Ostpolens durch die westlichen Sowjetrepubliken wurden einige Grenzgebiete im Osten, so die Stadt Smolensk, von den westlichen Mitgliedern der UdSSR an die RSFSR abgetreten. Die im Winterkrieg 1939/40 eroberten finnischen Gebiete wurden teilweise der RSFSR zugeschlagen, zum Teil aber mit den russischen Teilen Kareliens zur Karelo-Finnischen SSR vereinigt.
1944 trat die faktisch seit den 1920-er Jahren sowjetische Volksrepublik Tannu-Tuwa der UdSSR bei, um als ein autonomes Gebiet, später autonome Republik innerhalb Russlands zu werden.
Nachdem Finnland den Fortsetzungskrieg 1941-1944 verloren hatte, musste es 1947 weitere kleinere Gebiete (vor allem den einzigen Zugang Finnlands zum Nordmeer) an Russland abtreten. Im Westen gliederte die UdSSR den Osten Ostpreußens um Königsberg, die heutige Oblast Kaliningrad, in die RSFSR ein. Im Osten fielen die lange zwischen Russland und Japan umstrittenen und im zweiten Weltkrieg durch die UdSSR eroberten Inseln Sachalin und die Kurilen an die RSFSR.
1954 verringerte sich das Gebiet Russlands, als auf Anweisung Chruschtschows die Krim an die Ukraine transferiert würde. 1956 wurde die Karelo-Finnische SSR in die RSFSR als Autonome SSR Karelien eingegliedert.
In der RSFSR lebten nach der letzten Volkszählung, im Jahre 1989, ca. 147 Millionen Menschen, dies stellte ungefähr 51 % der gesamten Bevölkerung in der UdSSR dar. Die Bevölkerung setzte sich zu dieser Zeit, größtenteils, aus den folgenden Bevölkerungsgruppen zusammen:
| Nationalität | Bevölkerungsanzahl | Nationalitätenanteile |
|---|---|---|
| Russen | 120 Mio.¹² | 81,5 %¹ |
| Tataren | 5,5 Mio.¹² | 3,8 %¹ |
| Ukrainer | 4,3 Mio.¹² | 3,0 %¹ |
| Tschuwaschen | 1,8 Mio.¹² | 1,2 % |
| Baschkiren | 1,3 Mio.¹² | 0,9 % |
| Mordwinen | 1,0 Mio.¹² | 0,7 % |
| Gesamte RSFSR | 147 Mio.¹² | 100,0 % |
¹ Bevölkerungszahlen und Prozentzahlen, laut [1].
² Bevölkerungszahlen, laut [2]
Bei den über 27 Mio. "Nicht"-Russen, die in der RSFSR lebten nur 9,4 Mio.(Stand 1989) von ihnen in ihren eigentlichen jeweiligen nationalen bzw. historischen Gebieten, da sie durch Flucht, Umsiedlung oder aus eigenem Antrieb diese Gebiete verlassen hatten.
Armenische SSR | Aserbaidschanische SSR | Estnische SSR | Georgische SSR | Kasachische SSR | Kirgisische SSR | Lettische SSR | Litauische SSR | Moldauische SSR | Russische SFSR | Tadschikische SSR | Turkmenische SSR | Ukrainische SSR | Usbekische SSR | Weißrussische SSR
Transkaukasische SFSR (1922–1936) | Karelo-Finnische SSR (1940–1956)
Ostslawen | Kiewer Rus | Wladimir-Susdal | Republik Nowgorod | Großfürstentum Moskau | Zarentum Russland | Russisches Reich | Russische SFSR | Sowjetunion | Russische Föderation
Brockhaus-1809: Russische Horn- oder Jagd-Musik
Brockhaus-1911: Russische Reichsbank · Russische Literatur · Russische Schrift · Russische Sprache · Russische Sekten · Russische Freiwillige Flotte · Russische Esse · Russische Hornmusik · Russische Kunst · Russische Kirche
Herder-1854: Russische Sprache und Literatur · Russische Kirche
Meyers-1905: Russische Sekten · Russische Schrift · Russische Literatur · Russische Sprache · Türkisch-russische Kriege · Russische Zollcoupons · Russische Telegraphenagentur · Russische Handelskompanie · Russische Bäder · Reichsduma, russische · Russische Handtücher · Russische Kunst · Russische Kirche · Russische Jagdmusik
Pierer-1857: Russische Meile · Russische Literatur · Russische Militärcolonien · Russische Sprache · Russische Schaukel · Russische Kirche · Russische Bank · Russische Bäder · Russische britische Handelsgesellschaft · Russische Hornmusik · Russische Heizung
Roell-1912: Russische Südbahnen · Russische Südostbahnen · Russische Südwestbahnen · Russische Eisenbahnen · Russische Nordbahnen · Russische Nordwestbahnen