Sündenfall ist ein Begriff der christlichen Theologie. Er benennt und wertet zugleich das dritte Kapitel der Genesis, das von der Vertreibung des ersten Menschenpaares aus dem Garten in Eden erzählt, in christlicher Tradition. Die Tradition des antiken und derzeitigen Judentums, welche diese Schriften notierte, versteht die Vertreibung aus dem Garten in Eden anders und macht sie nicht zu einem Zentrum ihrer religiösen und intellektuellen Traditionen.
Inhaltsverzeichnis |
Der Begriff „Sündenfall“ entstand nicht im Tanach, sondern im spätjüdischen 4. Buch Esra: Ach, Adam, was hast du getan! Als du sündigest, kam dein Fall nicht nur auf dich, sondern auf uns, deine Nachkommen (4. Esra 7,118). Im Römerbrief (Röm 1 EU) legt Paulus die Erzählung Genesis 3 (Gen 3 EU) im Lichte von 4. Esra aus, die Adam bzw. Eva die Schuld für die Gottesferne der Menschheit und der Beginn allen Übels zuschiebt. Dabei steht Genesis 3 lediglich als erstes in einer Reihe urgeschichtlicher Verfehlungsgeschichten (Brudermord, Turmbau zu Babel), die grundsätzliche biblische Aussagen über das Wesen von Mensch und Menschheit zum Ausdruck bringen. Augustinus von Hippo hat sich dieser Interpretation des Paulus in seiner Erbsündenlehre angeschlossen.
Es gibt verschiedene Versuche, den Sündenfall zu deuten:
In Kapitel 2 der Genesis „pflanzt“ Gott den Garten Eden, in diesem Garten werden auch zwei besondere Bäume gesetzt: der Baum des Lebens und der Baum der Erkenntnis von Gut und Böse (Gen. 2,9). Von diesen Bäumen wird in der Folge (Gen. 2-3) nur mehr der Baum der Erkenntnis genannt. Da die Folgen des Sündenfalls (Vertreibung aus dem Garten Eden und damit Erkenntnis der eigenen Unzulänglichkeit) aber mit beiden Bäumen zusammenhängen, ist die Meinung der historisch-kritischen Exegese weit verbreitet, dass die beiden Bäume in einer späteren Tradition zu einem zusammengefasst wurden.
Gott vertreibt Adam und Eva aus dem Paradies, damit sie nicht vom Baum des Lebens essen und damit unsterblich werden. Folglich waren sie sterblich geschaffen.
Kritik: Wenn man den Kontext liest, kommt man zu der Erkenntnis, dass Adam und Eva erst nach dem Sündenfall sterblich wurden. Vgl. dazu Gen. 3, 3: "[...]aber von den Früchten des Baumes mitten im Garten hat Gott gesagt: Esset nicht davon, rühret’s auch nicht an, daß ihr nicht sterbet." Anhand dieses Verses erkennt man, dass sie sterben würden, wenn sie vom den Früchten essen würden, floglich mussten sie sterblich geschaffen sein und wurden nicht erst durch den Sündenfall sterblich.
Ursache für den Sündenfall war die Verleitung Adams durch Eva vom Baum der Erkenntnis zu essen.
In einer kulturgeschichtlichen Interpretation ist der Sündenfall ein Gleichnis zur Beschreibung des Wechsels vom Jäger und Sammler zur sesshaften Lebensweise mit Ackerbau und Viehzucht. Das einfache Leben von der Hand in den Mund wird aufgegeben und ersetzt durch Feldarbeit.
Der Preis der Erkenntnis und Innovation sind die Mühen der Arbeit.
Neben diesen Deutungen gibt es in der Exegese auch allegorische oder historisierende Deutungen.
Auch die Psychologie hat diese Bibelstellen untersucht und eigene Deutungen gefunden. (vgl. dazu: Archetyp vom Baum)