Samuel Richardson

Samuel Richardson (* 19. August 1689 in Mackworth, Derbyshire, England; † 4. Juli 1761 in London) war ein englischer Schriftsteller.

Samuel Richardson
Samuel Richardson

Richardson, als Sohn eines Schreiners geboren, erlernte zunächst den Beruf des Buchdruckers, und als er bereits als Drucker und Verleger sehr erfolgreich war (er brachte es in London zum Druckereibesitzer), bekam im 50. Lebensjahr 1740 den Auftrag, eine Sammlung von Musterbriefen für junge Damen zu verfassen. Die Arbeit an diesem Briefsteller, der schließlich 1741 unter dem Titel Familiar Letters veröffentlicht wurde, regte Richardson dazu an, einen Briefroman zu schreiben.

Das Werk mit dem Titel Pamela or Virtue Rewarded („Pamela oder die belohnte Tugend“) (1740), in dem sich ein tugendhaftes Dienstmädchen gegen die derben und brutalen Belästigungen ihres Herrn zur Wehr setzen muss, seinen sittlich verkommenen Herrn schließlich bekehrt, und sich dann von ihm heiraten lässt, wurde sofort ein großer Erfolg. Der Roman begründete nicht nur das Genre des „empfindsamen Romans“ (zu dessen bekanntesten deutschen Beispielen Goethes Werther gehört), sondern war auch eines der wegweisenden Werke in der Geschichte des Romans, da hier erstmals durchgängig eine subjektive Stimme den allwissenden Erzähler verdrängte.

Das Werk begründete zudem die Schule der empfindsamen Literatur. Gegen diese Art der Empfindsamkeit entwickelte sich schon bald eine Opposition, die beispielsweise in Henry Fieldings Parodie Shamela (1741) zum Ausdruck kam, die moralische Heuchelei und verklemmten Zweideutigkeiten des Buchs anprangerte. Den Erfolg von Richardsons Roman beeinträchtigte das jedoch nicht. Insgesamt 22 Jahre (1739-1761) überarbeitete Richardson Pamela (1739/40) und behielt dabei stets Ton und Ästhetik der Progression der Epoche im Blick; er markierte deshalb nicht nur ihren Beginn, sondern schrieb ihre Entwicklung literaturhistorisch mit.

Sein nächstes Buch, Clarissa (1748) verkaufte sich noch besser als Pamela - und das obwohl es aus 547 Briefen bestand und eine Länge von über einer Million Wörter hatte - womit es der längste Roman seiner Zeit war. Richardsons dritter Briefroman Sir Charles Grandison (1753) stellte im Unterschied zu den beiden Vorgängern einen Mann ins Zentrum der Handlung, und einen guten Mann zudem. Waren Pamela und Clarissa ständig Opfer böser, lüsterner Männer gewesen, entwirft Richarson in seinem letzten Roman in Sir Charles Grandison das Bild des idealen christlichen Gentleman. Auch dieser Roman wurde, obwohl er nochmals geringfügig länger war als Clarissa, ein großer Erfolg.

Auch in Deutschland wurden Richardsons Briefromane viel gelesen und übten Einfluss aus: Den ersten Versuch eines deutschen Briefromans startete Christian Fürchtegott Gellert mit dem Buch Leben der schwedischen Gräfin von G*** (1750). Einen enormen Erfolg konnte die Geschichte des Fräuleins von Sternheim (1771) von Sophie von La Roche verbuchen. Diese an Richardson angelehnte Geschichte eines 'gefallenen Mädchens' bzw. Fräuleins war unter anderem als Vorbild für Goethes Die Leiden des jungen Werthers (1774) von Bedeutung. Die Produktion deutscher Briefromane riss mit der Empfindsamkeit nicht ab, sondern reichte bis in die Zeit der Weimarer Klassik: Friedrich Schillers Schwägerin Caroline von Wolzogen veröffentlichte 1797 (zunächst anonym) ihren Roman Agnes von Lilien, der viele Elemente aus Richardsons Romanen aufnahm und zeitweise Schiller bzw. Goethe zugeschrieben wurde. Großen Einfluß hatten Richardsons Romane "Pamela" und "Clarissa" auch auf das deutsche bürgerliche Trauerspiel in seiner frühen, empfindsamen Phase, z.B. Lessings "Miß Sara Sampson" (1755) oder Pfeils "Lucie Woodvil" (1756).

Auch wenn Richardsons Romane heute nur noch wenige Leser ansprechen, war doch seine literaturgeschichtliche Bedeutung enorm: Er hat in einem Roman erstmals den Schwerpunkt ganz auf die innere Dramatik der Charaktere anstatt auf die äußere Handlung gelegt, und er hat erstmals ein ausführliches Psychogramm einer weiblichen Hauptfigur entworfen. Damit war Richardson wegweisend für spätere Autoren wie Jane Austen, Henry James die Geschwister Brontë, Thomas Hardy und selbst noch für John Cleland und D. H. Lawrence.

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