San Vitale ist eine von 526-547 in Ravenna erbaute Kirche. Berühmt ist sie vor allem - wie die anderen byzantinischen Kirchen Ravennas - durch die Wandmosaike in ihrem Innern. Mit den anderen frühen Kirchenbauten in Ravenna gehört San Vitale zum UNESCO-Welterbe.
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Der Grundriss besteht aus einem oktogonalen Zentralbau, welcher mit einer Kuppel von 16 Meter Durchmesser überwölbt ist. Der Kern des Zentralbaues wird von einem zweigeschossigem ebenfalls achteckigem Umgang umgeben. Um die Schubkräfte der Kuppel ableiten zu können, spannen sich Rundbögen von den Oktogonalpfeilern, welche die Kuppel tragen, bis zu den Strebepfeilern in den Außenmauern. An die Außenwand ist im Osten eine Apsis angeschlossen. Der Grundriss folgt byzantinischen Vorbildern seiner Zeit, mit dem Unterschied, dass die Kuppel nach außen hin nicht in Erscheinung tritt, sondern von einem polygonalen Tambour mit Pyramidendach überdeckt wird.
Mit dieser Bauform wurde das bisherige klassische Repertoire christlicher Architektur um eine ganz neue Idee bereichert, die in zahlreichen bedeutenden Bauwerken aufgenommen und variiert worden ist, beispielsweise in einer besonders majestätischen Form in der Hagia Sophia in Konstantinopel, die wenig später (532) begonnen wurde. Auch die Aachener Pfalzkapelle von ca. 800 bezieht von hier entscheidende Anregungen. Karl der Große hatte 774 das Langobardenreich erobert, wurde 800 in Rom vom Papst zum Kaiser gekrönt und damit zum Schutzherren der Christenheit.
Dieser tendenziellen Abhängigkeit vom Papst in Rom, die in den Jahrhunderten danach eine so eminente Bedeutung erlangen sollte, wollte Karl aber offenbar eine andere Tradition entgegenstellen. Denn in seiner Pfalzkirche in Aachen übernahm er nicht die offizielle römische Bauform der Basilika, sondern den ravennatischen Zentralbau des arianischen Theoderichs, in dessen Nachfolge er sich sah. Aus Ravenna stammten auch Säulen und Kapitelle des Aachener Baus. Die Entscheidung für eine bestimmte Bauform hatte hier demnach einen deutlichen politischen Hintergrund, und das war häufig in der abendländischen Geschichte so. San Vitale ist also das Vorbild der Aachener Pfalzkapelle.
Das äußere Schema der Kirche wird im Inneren dadurch verkompliziert, dass die Wände der Konchen in zwei Geschossen mit Säulenstellungen aufgebrochen sind, wodurch, wenn man im Innenraum steht, die Raumkonzeption etwas verwirrend wirkt. Das Licht strömt von allen Seiten und von drei Geschossen herein, wodurch ein überwältigender Eindruck entsteht.
Pevsner: „In dem auf der Westseite gelegenen Narthex oder Vorraum versammelte sich die Gemeinde, bevor sie das Gotteshaus betrat. Für den Raumeindruck bestimmend ist ein Kranz von Nischen, in den das zentrale Achteck ausschwingt. Es ist ein rein künstlerisches Motiv ohne eigentliche statische Funktion. In beiden Geschossen werden die Nischen nicht von massiven Wänden begrenzt, sondern sie weiten sich in leichten Arkaden auf den Umgang hin aus, so dass zwischen den beiden Hauptteilen des Gebäudes jede klare Abgrenzung fehlt. Das zentrale Oktogon fließt frei in den Umgang hinüber und das letztere würde unverständlich sein, wollte man ihn als eine selbständige Raumeinheit betrachten. Auch wo geschlossenes Mauerwerk vorhanden ist, wird durch die Verkleidung mit Mosaiken die gleiche Atmosphäre des Unbestimmten, des traumhaft Verschwimmenden hervorgerufen: die goldschimmernden Bildgründe mit den dunklen ausgezehrten Gestalten der Heiligen in ihrer strengen Gebärde scheinen ebenso körperlos, ebenso unwirklich und geheimnisvoll wie die fallenden und steigenden Kurven des Oktogons. In der meisterlichen Ausführung der Kapitelle bestätigt sich die Absicht, die der Architekt im Räumlichen und im Geistigen erreichen wollte.
Das üppige Akanthus-Blattwerk, das man in Rom findet, ist hier ersetzt durch flachere verschlungene Muster, die oft spitzenartig durchbrochen auf die gerade ansteigende Oberfläche der Kapitelle aufgesetzt ist, so dass ein unbegrenzter Hintergrund überall dunkel durchschimmert. Es ist im Bereich der Dekoration das genaue Gegenstück zu dem Raumeindruck des Nischenkranzes, der sich gegen den dunklen Hintergrund des Rundgangs öffnet [...] Die Quellen, aus denen diese verfeinerten Raumvorstellungen stammen, sind ungewiss, aber sie sind eher in Italien als im Orient zu suchen. Eine damit vergleichbare Wirkung wurde schon sehr frühzeitig, nämlich um 125 n. Chr. in der Villa des Kaisers Hadrian bei Tivoli erreicht und die Kirche von S. Lorenzo in Mailand (ca. 450 bis 475, im sechzehnten Jahrhundert vollständig renoviert) kann als direkte Vorläufer von San Vitale bezeichnet werden.“ (Pevsner, Nikolaus: Europäische Architektur von den Anfängen bis zur Gegenwart. München 3. Auflage 1973, S. 37-41)
San Vitale beherbergt das komplexeste Mosaikenprogramm Ravennas. Interessant ist, dass auf den Mosaiken Kaiser Justinian und die Kaiserin Theodora so dargestellt sind, als seien sie die Gründer der Kirche und nicht Theoderich, an den jede Erinnerung ausgelöscht werden sollte, weil er Arianer war.
Karl der Große hat aber noch gewusst, wer S. Vitale tatsächlich errichten ließ, und bei seiner Pfalzkapelle in Aachen, die auf S. Vitale zurückgeht, hat er sich nicht auf Justinian bezogen, sondern auf seinen „germanischen“ Vorgänger Theoderich. Schließlich ließ er nicht umsonst „auch das Reiterdenkmal Theoderichs nach Aachen schaffen, ebenso wie ravennatische Säulen, um damit bewusst seine Nachfolge, neben der der römischen Kaiser, auch der des ersten großen germanischen Staatengründers zu dokumentieren.“ (Baumgart, Fritz: Ober-Italien. Köln 1977, S. 183-184)
Bischof Ecclesius, der zusammen mit Papst Johannes I. 525, ein Jahr vor dem Tode Theoderichs, nach Konstantinopel gereist war, begann 527 die Gründung der Basilika, die dem heiligen Vitalís geweiht wurde. Der Hl. Vitalis war ein römischer Soldat gewesen, der unter Kaiser Decius während der ersten Christenverfolgungen im Jahr 250 den Märtyrertod gestorben war.
Der Architekt der Basilika ist unbekannt.
Die Basilika wurde dann unter Bischof Maximian errichtet und wurde von dem reichen Bankier Giuliano Argentario finanziert. Am 19. April 548 wurde sie eingeweiht.
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