Sanskrit

Sanskrit (संस्कृत)

Gesprochen in

Indien
Sprecher nur als Zweitsprache (1961: 190.000)
Linguistische
Klassifikation
Sanskrit
Offizieller Status
Amtssprache in Indien (eine von 22 anerkannten Nationalsprachen)
Sprachcodes
ISO 639-1:

sa

ISO 639-2:

san

ISO 639-3 (SIL):

san

Das Wort Sanskrit in Devanagari-Schrift
Das Wort Sanskrit in Devanagari-Schrift

Sanskrit (संस्कृत, n., saṃskṛta, von sam „zusammen“ und kṛta „gemacht“, wörtl: „zusammengefügt“, saṃskṛtā vāk: „zusammengesetzte Sprache“) ist die Sprache der ältesten indischen Literatur, der Veden und spielt vor allem im Hinduismus eine wesentliche Rolle. Sanskrit ist die klassische Sprache der Brahmanen, sie wurde erstmals von Panini im 4. Jahrhundert v. Chr. systematisiert.

Die Entstehung wird auf 1200 v. Chr. datiert, das zu dieser Zeit übliche Vedisch unterscheidet sich jedoch noch vom klassischen Sanskrit. Beim Sprachausbau des Hindi wurden sehr viele Sanskrit-Wörter verwendet. Sanskrit wird seit einigen Jahrhunderten hauptsächlich in Devanagarischrift geschrieben, gelegentlich auch in lokalen Schriften. Es ist heute eine weitgehend „tote“ Sprache wie Latein, aber immer noch die heilige Sprache der Hindus, da alle religiösen Schriften von den Veden und Upanishaden bis zur Bhagavad-Gita in Sanskrit verfasst wurden und häufig auch so vorgetragen werden. Auch für religiöse Rituale wie Gottesdienste, Hochzeiten und Totenrituale ist sie noch heute unerlässlich.

Beispiele für Sanskrit-Lehnwörter im Deutschen: Arier, Ashram, Avatar, Bhagwan, Chakra, Guru, Dschungel, Ingwer, Orange, Kajal, Mandala, Mantra, Moschus, Nirwana, Swastika, Tantra, Yoga

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Sanskrit ist in der Form des Vedischen die älteste der Indoarischen Sprachen. Aus ihm entstanden Sprachen wie Hindi, Urdu, Bengalisch, Marathi, Kashmiri, Panjabi, Nepalesisch und Romani. Vedisches Sanskrit (Vedisch) ist eine archaische Form des Sanskrit, in der die vier heiligen Veden der Hindus verfasst wurden. Vedisches Sanskrit unterscheidet sich von Klassischem Sanskrit in etwa wie Homerisches Griechisch von Klassischem Griechisch. Zu den wichtigsten Unterschieden zählen:

Sanskrit wurde im Gegensatz zum Prakrit als die reine und heilige Sprache bewertet und war immer eine Hoch- bzw. „Literatur“-Sprache für religiöse und wissenschaftliche Themen. Viele Sanskrittexte wurden mündlich überliefert, bevor sie in späteren Jahrhunderten (oft erst im Mittelalter) niedergeschrieben wurden. Das gilt auch für die älteste erhaltene Grammatik zum Sanskrit von Panini, der bereits im 5. bzw. 4. Jahrhundert v. Chr. in seinem Werk Ashtadhyayi die fast 4000 Regeln der Sanskrit-Morphologie beschrieb. In seiner ausgeklügelten Systematik entwickelte er die Konzepte der Phoneme, Morpheme und Wurzeln, die in die westliche Linguistik erst rund 2500 Jahre später Eingang fanden:

An erster Stelle stehen bei Panini die Vokale (a ā i ī u ū e ai o au), dann kommen - nach der Artikulationsstelle - von hinten nach vorne die Konsonantenreihen:

1. Gutturale (Kanthya, कण्ठय, kaṇṭhya),

2. Palatale (Talavya, तालव्य, tālavya),

3. Zerebrale (Murdhanya, मूर्धन्य, mūrdhanya),

4. Dentale (Dantya, ढन्त्य, dantya),

5. Labiale (Oshthya, ओष्ठ्य, oṣṭhya).

Am Ende der Liste stehen:

  • Halbvokale (ya, la, la, va)
  • Zischlaute (śa, ṣa, sa)
  • Hauchlaut (ha)

Diese (auf der genauen Beobachtung von Klängen basierende) Systematik des Sanskrit wurde einige Zeit vor den indischen Schriften (Brahmi, Devanagari) entwickelt.

Indogermanische Sprache

Sanskrit gehört zum indischen Zweig der indogermanischen Sprachfamilie und hat damit einen gemeinsamen Ursprung mit der großen Mehrheit der modernen europäischen Sprachen, aber auch mit den klassischen Sprachen wie Latein und Griechisch. Die Verwandtschaft kann beispielsweise illustriert werden mit den Worten für Mutter und Vater: matr. und pitr. in Sanskrit; mater und pater in Latein sowie mētēr (μήτηρ) beziehungsweise patēr (πατήρ) im Altgriechischen, aber auch der Begriff yoga geht auf die selbe Wortwurzel wie lat. jugum, dt. Joch zurück. Bemerkenswert ist auch die ähnliche Grundstruktur in der Grammatik, etwa Geschlechter, Funktion der Kasus (Fälle), Tempora (Zeitgefüge), Modi.

Im Sanskrit sind alle acht Fälle der indogermanischen Ursprache erhalten geblieben: Nominativ, Vokativ, Akkusativ, Instrumentalis, Dativ, Ablativ, Genitiv und Lokativ. Zusätzlich zu Singular und Plural gibt es im Sanskrit noch den Dual.

Die Ähnlichkeiten zwischen Latein, Griechisch und Sanskrit spielten eine wichtige Rolle für die Entwicklung der Indogermanistik; erst als im Rahmen der Kolonialisierung Europäer nach Indien kamen und begannen, indische Literatur zu übersetzen, wurde die auffallende Ähnlichkeit der Sprachen entdeckt.

Phonologie und Schrift

Klassisches Sanskrit hat 48 Phoneme, vedisches Sanskrit hat 49.

Die Phoneme werden hier in ihrer traditionellen Reihenfolge beschrieben: Vokale, Plosive und Nasale (geordnet nach dem Artikulationsort, von hinten nach vorne) und schließlich Approximanten und Frikative.

Die Transliteration erfolgt in den beiden Systemen IAST (International Alphabet of Sanskrit Transliteration) und HK (Harvard-Kyoto).

Anmerkung: Die langen Vokale werden etwa doppelt so lang wie ihre kurzen Gegenstücke ausgesprochen. Darüber hinaus existiert für die meisten Vokale eine dritte Quantitätsstufe 'sehr lang', die z. B. im Vokativ Anwendung findet.

Vokale

Devanāgarī Diakritisches Zeichen mit “प् Aussprache Aussprache mit / p / IAST ITRANS Deutsch
/ ə / / pə / a a kurzer Schwa: wie e in alte
पा / ɑː / / pɑː / ā A langer Ungerundeter offener Hinterzungenvokal: wie a in Vater
पि / i / / pi / i i kurzer Ungerundeter geschlossener Vorderzungenvokal: wie i in singen
पी / iː / / piː / ī I langer Ungerundeter geschlossener Vorderzungenvokal: wie ie in Spiel
पु / u / / pu / u u kurzer Geschlossener hinterer gerundeter Vokal: wie u in Hund
पू / uː / / puː / ū U langer Geschlossener hinterer gerundeter Vokal: wie u in tun
पे / eː / / peː / e e langer Ungerundeter halbgeschlossener Vorderzungenvokal: wie e in dem
पै / əi / od. / ai / / pəi / od. / pai / ai ai ein langer Diphthong: wie ei in heilig
पो / οː / / poː / o o langer Gerundeter halbgeschlossener Hinterzungenvokal: wie o in rot
पौ / əu / od. / au / / pəu / od. / pau / au au ein langer Diphthong: wie au in haus
पृ /ɻˌ / / pɻˌ / R kurzer syllabischer Stimmhafter retroflexer Approximant wie ein Vokal: ungefähr wie ir in Americanisch Englisch bird
पॄ / ɻˌː / / pɻˌː / RR langer syllabischer Stimmhafter retroflexer Approximant wie ein Vokal: Eine längere Variante von / r̩ /
पॢ / ɭˌ / / pɭ̩ˌ / LR kurzer syllabischer Stimmhafter lateraler retroflexer Approximant wie ein Vokal: ungefähr wie l in Englisch handle
पॣ / ɭ̩ˌː / / pɭ̩ˌː / LRR langer syllabischer Stimmhafter lateraler retroflexer Approximant wie ein Vokal: Eine längere Variante von / ɭˌ /

Anders als in den meisten europäischen Sprachen einschließlich des Deutschen sind , und im Sanskrit Vokale. Einige Grammatiken erwähnen noch ॡ , eine längere Version des , aber dieser Vokal tritt eigentlich im Sanskrit nicht auf und ist augenscheinlich in Analogie zu den anderen Vokalen hinzugefügt worden, um eine Symmetrie von langen und kurzen Vokalen zu komplettieren. Die Sanskrit-Grammatiker klassifizieren / eː / und / oː / für grammatikalische Zwecke als Diphthonge, aber sie werden als Monophthonge ausgesprochen. Wenn ein einzelner Konsonant ohne Vokal geschrieben werden soll, wird der sogenannte „halanta/virama“ (प्) verwendet. Dieser wird besonders am Ende eines Wortes verwendet. Ein Konsonant ohne irgendein diakritisches Zeichen bedeutet, dass ihm der kurze Vokal schwa (/ ə /) folgt.

Alle Vokale können nasaliert werden.

Konsonanten

Diese Tabelle gibt die Phonologie der Konsonanten in Sanskrit wieder.

Labial Labiodental Dental Retroflex Palatal Velar Pharyngal
Plosive unaspiriert p b t d ṭ (T) ट ḍ (D) ड c (ch) j k g
aspiriert ph bh th dh ṭh (Th) ठ ḍh (Dh) ढ ch (chh) jh kh gh
Nasale m n (N) ñ (J) (G)
Halbvokale v y
Approximanten l r
Frikative s (S) ś (z) ḥ (H) ः h

Daneben gibt es noch das anusvāra (ṃ (M) ं), das entweder die Nasalierung des vorhergehenden Vokals oder einen zum folgenden Konsonanten homorganen Nasal anzeigt.

Diese Tabelle zeigt die Liste der Sanskrit Konsonanten mit Aussprachebeispielen in Deutsch und Englisch.

Plosive
unaspiriert
Stimmlosigkeit
aspiriert
Stimmlosigkeit
unaspiriert
Stimmhaftigkeit
aspiriert
Stimmhaftigkeit
Nasal
Velar
/ kə /; Deutsch: klar

/ khə /; ≈Deutsch: kein

/ gə /; Deutsch: gehen

/ gɦə /; aspiriert / g /

/ ŋə /; Deutsch: ring
Palatal
/ cə /; ≈Deutsch: Deutschland

/ chə /; aspiriert / c /

/ ɟə /; ≈Englisch: joke

/ ɟɦə /; aspiriert / ɟ /

/ ɲə /; Englisch: finch
Retroflex
/ ʈə /; Americanisch Eng: hurting

/ ʈhə /; aspiriert / ʈ /

/ ɖə /; Americanisch Eng: murder

/ ɖɦə /; aspiriert / ɖ /

/ ɳə /; Americanisch Eng: hunter
Apico-Dental
/ t̪ə /; Tomate

/ t̪hə /; aspiriert / t̪ /

/ d̪ə /; Spanish: donde

/ d̪ɦə /; aspiriert / d̪ /

/ nə /; Deutsch: Name
Labial
/ pə /; Deutsch: Platz

/ phə /; Deutsch: Pik

/ bə /; Deutsch: Beruf

/ bɦə /; aspiriert / b /

/ mə /; Deutsch: mein
Non-Plosives/Sonorants
Palatal Retroflex Dental/
Alveolar
Velar/
Glottal
Approximant
/ jə /; Deutsch: Jude

/ ɻə /; Americanisch Eng: tearing

/ lə /; Deutsch: lieben

/ ʋə /; ≈Deutsch: was
Sibilant/
Frikative

/ ɕə / od. / ʃə /; Deutsch: Schaf

/ ʂə /; Retroflex / ʃ /

/ sə /; Deutsch: wissen

/ ɦə /; ≈Deutsch: heim

Betonung

Im Sanskrit werden Silben durch einen sogenannten melodischen oder musikalischen Akzent betont, d.h., die betonte Silbe durch eine hörbar anderen Tonhöhe markiert. Sanskrit ist also eine gemäßigte Tonsprache. Indische Grammatiken definieren drei Töne (svara): udātta 'erhöht', anudātta 'nicht erhöht' und svarita. In der Transliteration wird udātta üblicherweise mit einem Akut (´) und anudātta mit einem Grave (`) angezeigt. Svarita tritt nur als Produkt euphonischer Vokalkombinationen auf und ist dadurch deutlich seltener als die beiden anderen Töne. Der Tonakzent ist im klassischen Sanskrit verloren gegangen (und wurde nur in vedischen Gesängen bewahrt).

Sandhi

Sanskrit hat ein komplexes System phonologischer Regeln namens Sandhi und Samaas, die auch in der Schriftsprache (außer in sogenannten pada-Texten) wiedergegeben werden. Sandhi meint die beim Kombinieren von Phonemen auftretenden Veränderungen, insbesondere an Wortgrenzen. Diese Vorgänge sind in jeder gesprochenen Sprache anzutreffen, im Sanskrit jedoch sind sie genau reguliert und kodifiziert.

Beispiele:

  • a + u → o (Kathopanishad)
  • o + i → avi
  • t + c → cc (Saccit)

Anfängern und ungeübten Lesern können Sandhi erhebliche Schwierigkeiten beim Lesen von Sanskrittexten bereiten. Sie erzeugen außerdem Mehrdeutigkeiten, die von guten Dichtern genutzt werden, um Gedichte zu schreiben, die auf verschiedenartige und durchaus widersprüchliche Weisen gelesen werden können - je nachdem, wie der Leser die Sandhi auflöst.

Schrift

Devimahatmya in Sanskrit auf Palmblättern, Bihar oder Nepal, 11. Jahrhundert
Devimahatmya in Sanskrit auf Palmblättern, Bihar oder Nepal, 11. Jahrhundert

Sanskrit hatte in seiner Geschichte keine einzelne mit ihm assoziierte Schrift. Ashoka benutzte die Brahmi-Schrift für seine Säuleninschriften (die nicht in Sanskrit, sondern in Prakrit-Dialekten und anderen Sprachen verfasst wurden). Ungefähr zur selben Zeit wie die Brahmi-Schrift wurde auch die Kharoshthi-Schrift benutzt. Später, etwa im vierten bis achten nachchristlichen Jahrhundert, war die aus der Brahmi-Schrift abgeleitete Gupta-Schrift vorherrschend in Gebrauch. Etwa im 8. Jahrhundert entwickelte sich aus dem Gupta die Sharada-Schrift, die vom 12. Jahrhundert an über Zwischenstufen wie Siddham wiederum durch Devanagari abgelöst wurde. Daneben wurde noch in zahlreichen anderen Schriften geschrieben, z. B. Kannada im Süden oder in bengalischer Schrift im Norden; diese unterscheiden sich aber nur in der Zeichengestalt und in der Hinzunahme einzelner Zeichen zur Darstellung neuer Laute, nicht aber im Grundprinzip von Devanagari.

Seit dem Mittelalter und insbesondere heute ist Devanāgarī ('die in der Stadt der Götter benutzte (Schrift)') die am weitesten verbreitete und gebräuchlichste Schrift für Sanskrit. Gelegentlich finden sich in Gegenden Indiens, in denen Devanagari nicht die übliche Gebrauchsschrift ist, noch Texte in lokalen Schriften.

Die Schrift kam erst relativ spät nach Indien und war auch dann nur von untergeordneter Bedeutung, da Wissen meist mündlich vermittelt und auswendig gelernt wurde. Nach Thomas William Rhys Davids könnte die Schrift von Händlern aus dem Nahen Osten nach Indien gebracht worden sein. Sanskrit, das ausschließlich zu sakralen Zwecken benutzt wurde, blieb jedoch bis weit in die klassische Periode Indiens eine rein mündliche Sprache.

Seit dem 19. Jahrhundert gibt es auch eine Transliteration des Sanskrit in lateinischer Umschrift. Die gebräuchlichste Umschrift ist gegenwärtig IAST (International Alphabet of Sanskrit Transliteration), der akademische Standard seit 1912. Andere Transliterationssysteme wurden entwickelt, um die Schwierigkeiten bei Anzeige und Druck der notwendigen Sonderzeichen für Sanskrit zu umgehen, so etwa das früher gängige Harvard-Kyoto und ITRANS, ein verlustloses Transliterationssystem, das vor allem im Internet weite Verbreitung findet.

In der Wissenschaft verwendet man für die Transkription und Reproduktion ganzer Texte und längerer Ausschnitte entweder lateinische Umschrift oder Devanāgarī. Individuelle Namen und einzelne Wörter werden in Texten, die in europäischen Sprachen verfasst sind, meist in lateinischer Umschrift wiedergegeben. Für religiöse Zwecke bedient man sich aber bevorzugt der Devanagarischrift, manchmal auch zusammen mit Glossen in lateinischer Umschrift.

Morphologie

Sanskrit ist wie Deutsch oder Latein eine flektierende Sprache, hat jedoch eine noch viel umfangreichere Flexionsmorphologie als diese. Im Allgemeinen wird die grammatikalische Funktion eines Substantivs oder Verbs innerhalb eines Satzes durch Suffixe ausgedrückt. Die folgenden Abschnitte benutzen das IAST-Transliterationsschema.

Verben

Die Konjugation der Verben im Sanskrit hat folgende Kategorien:

  • Drei Genera Verbi: Aktiv (Parasmaipada), Medium (Atmanepada), Passiv, welches in der Regel durch das Medium repräsentiert wird (auch in unpersönlicher Form: „Es soll gegangen werden“ = höfliche Form für „Geht bitte!“)
  • Präsensstamm für Präsens und Imperfekt
  • Futurstamm für Futur und Konditionalis
  • Aoriststamm für Aorist
  • Perfektstamm für Perfekt
  • Drei Modi: Indikativ, Optativ, Imperativ. Der Optativ im Aorist wird Prekativ genannt, wobei der ausgedrückte Wunsch gegenüber dem Optativ Präsens dann stärker formuliert wird. Außerdem finden sich Reste eines vierten Modus, dem Injunktiv in der Aoristform, welche Prohibitiv genannt wird. Ehemals war die Bez. für Verbotenes jedoch nur eine unter seinen Funktionen.
  • Drei Personen je Numerus: 1. Person (prathamapuruṣa), 2. Person (madhyamapuruṣa), 3. Person (uttamapuruṣa). Im Sanskrit ist die 1. Person „Er/Sie/Es“ bzw. „Sie“ (Pl) und die 3. Person „Ich“

Präsenssystem

Die Verben des Sanskrit wurden von den alten indischen Grammatikern in 10 Klassen zur Formbildung im Präsenssystem eingeteilt. Viele Verben können nach mehreren Präsensklassen flektiert werden. Man vermutet, dass diese Klassen ursprünglich auch semantische Unterschiede kennzeichneten. Im Sanskrit gibt es meist jedoch keine Bedeutungsdifferenzierung mehr (z. B. bibharti (3. Kl.) und bharati (1. Kl.) sind synonym). Die 10 Klassen kann man in athematische und thematische Klassen kategorisieren. Thematisch bedeutet dabei, dass der Stamm mittels eines Themavokals - im Sanskrit a als letzter Vokal des Stammes - gebildet wird. Bei athematischen Stämmen erfolgt die Bildung anders. Nach Zählung der indischen Grammatiker hat man folgende Präsensklassen:

  1. Präsensklasse: thematisch, Themavokal a tritt an vollstufige Wurzel. Bsp. √bhṛ, Vollstufe √bhar, bharati („er trägt“)
  2. Präsensklasse: athematisch, Stamm ist identisch mit Wurzel. Bsp. √as, asti („er ist“)
  3. Präsensklasse: athematisch, Stamm wird mit Reduplikation gebildet, Bsp. √dhā, dadhāti („er legt“)
  4. Präsensklasse: thematisch, Suffix ya tritt an die vollstufige Wurzel, wenn der Wurzelsonant a ist, sonst an die schwundstufige Wurzel. Bsp. √pś, paśyati („er sieht“)
  5. Präsensklasse: athematisch, Suffix nu/no tritt an die Wurzel, Bsp. √stṛ, stṛnoti („er streut“), stṛnumaḥ („wir streuen“), stṛnvanti („sie streuen“)
  6. Präsensklasse: thematisch, Themavokal a tritt an die schwundstufige Wurzel. Bsp. √tud, tudati („er stößt“)
  7. Präsensklasse: athematisch, die Wurzel wird durch Infix na/n ergänzt. Bsp. √yuj, Stamm: yunaj, yunakti („er verbindet“)
  8. Präsensklasse: athematisch, Suffix o/u tritt an die Wurzel, Bsp. √kṛ, karoti („er macht“)
  9. Präsensklasse: athematisch, Suffix nā/nī tritt an die Wurzel, Bsp. √pū, pūnati („er reinigt“)
  10. Präsensklasse: thematisch, Suffix aya tritt an die Wurzel. Bsp. √pūj, pūjayati („er ehrt“), √cur, Vollstufe √cor, corayati ("er stiehlt"), √du, Dehnstufe √dāv, dāvayati („er brennt“),

Mit den so gebildeten Stämmen können im Präsenssystem die Präsens- und Imperfektformen im Aktiv und Medium gebildet werden. Die folgende Tabelle zeigt die Präsens- und Imperfektkonjugation für die 1. Präsensklasse am Beispiel des Verbs √bhṛ (tragen).

Präsens Imperfekt
Indikativ Optativ Imperativ Prohibitiv Indikativ
Aktiv Singular 1. Person bhar-ā-mi bhar-ey-am bhar-ā-ni mā bhar-am a-bhar-a-m
2. Person bhar-a-si bhar-e-ḥ bhar-a mā bhar-aḥ a-bhar-a-ḥ
3. Person bhar-a-ti bhar-e-t bhar-a-tu mā bhar-at a-bhar-a-t
Dual 1. Person bhar-ā-vaḥ bhar-e-va bhar-ā-va mā bhar-āva a-bhar-ā-va
2. Person bhar-a-thaḥ bhar-e-tam bhar-a-tam mā bhar-atam a-bhar-a-tam
3. Person bhar-a-taḥ bhar-e-tām bhar-a-tām mā bhar-atām a-bhar-a-tām
Plural 1. Person bhar-ā-maḥ bhar-e-ma bhar-ā-ma mā bhar-āma a-bhar-ā-ma
2. Person bhar-a-tha bhar-e-ta bhar-a-ta mā bhar-ata a-bhar-a-ta
3. Person bhar-a-nti bhar-ey-uḥ bhar-a-ntu mā bhar-an a-bhar-a-n
Medium Singular 1. Person bhar-e bhar-ey-a bhar-ai mā bhar-e a-bhar-e
2. Person bhar-a-se bhar-e-thāḥ bhar-a-sva mā bhar-athāḥ a-bhar-a-thāḥ
3. Person bhar-a-te bhar-e-ta bhar-atām mā bhar-ata a-bhar-a-ta
Dual 1. Person bhar-ā-vahe bhar-