Ein Schandmal ist eine Amputation oder Narbe, die als Strafe für ein Vergehen oder Verbrechen eingesetzt wurde. Neben der unmittelbaren Bestrafung durch Schmerzen bestand der Zweck darin, die Schande der betreffenden Person für alle Zeit kenntlich zu machen.
Im Mittelalter bis weit in die Neuzeit wurden Gesetzesbrecher oft aus der Stadt oder aus der Grafschaft gebannt. Um sie an der Rückkehr nachhaltig zu hindern, wurden ihnen nicht selten auch sehr drastische Körperverletzungen angetan, mit dem Ziel, dauerhafte Spuren zu hinterlassen. Es wurden Finger, Hände oder andere Glieder abgehackt, Nase, Ohren oder Zunge abgeschnitten, Menschen wurden gebrandmarkt oder geblendet. Narbenbildende Hautverletzungen und aufgeschlitzte Ohrläppchen waren noch relativ humane Strafen, die auch relativ häufig verabreicht wurden.
Ein derart stigmatisierter Mensch konnte kaum noch in die Stadt zurückkehren, die ihn gebannt hat, er war auch sonst fast überall vogelfrei, konnte nicht in eine Zunft aufgenommen werden, eine Resozialisierung war so gut wie unmöglich. Es blieb ihm eigentlich nur die zweifelhafte Karriere als Söldner, Seemann, Pirat, Auswanderer oder das Dasein eines Randständigen und Gesetzesbrechers übrig.
Inhaltsverzeichnis |
Eine verbreitete Art des Schandmals war das Schlitzen der Ohrmuschel, das möglicherweise daher rührt, dass es in einigen Zünften üblich war, ausgestoßenen Mitgliedern den Zunftohrring auszureißen. Noch heute bezeichnet Schlitzohr einen gerissenen, durchtriebenen Burschen, der betrügerische Absichten zeigt. Allerdings schwingt heut zu Tage auch oft, je nach Diktion, eine Portion Anerkennung in diesem Ausdruck mit.
Eine andere Herkunft könnte das Schlitzen im Kennzeichnen mittelalterlicher Spione haben. Ihnen wurde ein Nagel durch das Läppchen getrieben und dann herausgerissen.
(Es wird auch behauptet, dass jemandem, der beim Lauschen an einer Tür ertappt wurde, die Ohrmuschel daran genagelt wurde. Folglich musste er sich irgendwann losreißen. Eine weitere Erzählung lautet, dass Bäcker, welche zu kleine Brötchen backten, ans Kirchentor genagelt wurden und sich eben nur durch einen gewagten Ruck wieder befreien konnten)
Al Capone ließ Abweichlern die Ohren beziehungsweise die Nase abschneiden, um sie zu stigmatisieren.
Der Verein "Internationaler Club der Schlitzohren" verleiht jährlich das Goldene Schlitzohr. Das Ziel des Internationalen Clubs der Schlitzohren ist es, bedürftigen Kindern weltweit zu helfen. Um dies zu erreichen, werden förderungswürdige Projekte ausgewählt und Spendengelder eingesetzt. Die Spendenmittel werden ohne Verwaltungskosten ihrem Zweck zugeführt. Preisträger sind u.a. Dr. Franz Josef Strauss, Sir Peter Ustinov, Thomas Gottschalk, Hans Dietrich Genscher, Heide Simonis, Mario Adorf, Prof. Dr. Dr. Karl Kardinal Lehmann, Sabine Christiansen.
Der Begriff Schlitzohr wird vom Verein in einem positiven Sinne ausgelegt.
Ebenfalls positiv legt die Junge Union im Kreis Paderborn den Begriff Schlitzohr aus und verleiht den Ehrentitel "Schlitzohr des Jahres" seit 1992.
Preisträger sind u.a. Reinhard Marx (Bischof von Trier), Willi Lüke (ehem. Bürgermeister der Stadt Paderborn), Wolfgang Weber (ehem. Rektor der Universität Paderborn), Jürgen Appenowitz (ehem. Geschäftsführer der Flugbetriebsgesellschaft Paderborn/Lippstadt), Reinhard Ebmeyer (Gründer des Offenen Kanals Paderborn), Robert Oelsmeier (Bürgermeister der Stadt Delbrück), Michael Keck (Senator des Karnevalsvereins Drei-Hasen), Harald Ehlers und Ines Böhm (Geschäftsführer der AWO und Leiterin des Aussiedler-Netzwerk »Wir für uns« (AWO, Caritas, DRK, Diakonisches Werk)), Heinz Paus (Bürgermeister der Stadt Paderborn).
| Wiktionary: Schlitzohr – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme und Übersetzungen |