Als Scharfschützen werden Soldaten bezeichnet, die durch selektiven, gezielten Schusswaffeneinsatz ihren Kampfauftrag bzw. Einsatzzweck erreichen. Eine prinzipiell ähnliche Rolle kommt den Präzisionsschützen bei Polizei und Antiterror-Einheiten zu. Die operativen Rahmenbedingungen (Ablauf, Ziele und Rechtsgrundlagen) unterscheiden sich dabei jedoch grundlegend. Gemeinsam ist Scharf- und Präzisionsschützen, dass sie eine hochspezialisierte Ausbildung durchlaufen und auf besondere Einsatzmittel (v. a. Scharfschützenwaffen) zurückgreifen. Beide Schützenarten erfüllen auch eine Reihe weiterer wichtiger Funktionen als Aufklärer und Beobachter, beim Identifizieren und Sichern potentieller Stellungen von Heckenschützen und in Sonderrollen, zum Beispiel als Artilleriebeobachter.
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Militärische Scharfschützen (engl. Sniper) sind Soldaten, die als Spezialisten im Schießen auf weite Entfernungen und bei Tag und Nacht vielfältige militärische Aufgaben wahrnehmen. Scharfschützen operieren allein, im Zweierteam, im Fünf-Mann-Team oder eingebunden in ihre Einheit. Sie überwachen und sichern Räume und Objekte, beschaffen Informationen, wirken im offenen Auftreten als Abschreckung, und lokalisieren, identifizieren und eliminieren feindliche Ziele. Scharfschützen operieren überwachend im eigenen Hinterland, eingebunden in die Truppe im Frontverlauf oder nicht selten auch hinter feindlichen Linien, teilweise sogar tief im feindlichen Hinterland.
Bei der Ausübung ihrer Aufgaben ist die Tarnung besonders wichtig, Scharfschützen sind hier deshalb besonders geschult und ausgerüstet. Es gilt die Regel: 80 % Material der Natur (Äste, Gras, Erde) und 20 % künstliche Tarnung (Decken, Tarnanzüge) als Tarnmaterial verwenden. Sie beschaffen und übermitteln Informationen über gegnerische Truppenbewegungen, bekämpfen wertvolle Einzelziele (Weich-und Hartziele, also Personenziele oder Material) und demoralisieren die gegnerische Truppe.
In Zweierteams operieren sie vergleichsweise unabhängig. Diese Teams bestehen aus zwei Scharfschützen: einem Schützen (engl. Shooter) und einem Beobachter (engl. Spotter), der den ersten Schützen unterstützt. Schütze und Beobachter tauschen in bestimmten Abständen die Rollen. Ziel ist, die Kampfmoral des Feindes zu mindern, Feindkräfte zu binden oder zu behindern (wie etwa beim Transport) und wertvolles Material oder Schlüsselpersonal auszuschalten. Dazu zählen in erster Linie gegnerische Scharfschützen, feindliche Führer, Bedienungspersonal von Geschützen u. Ä., Maschinengewehr-Schützen, sowie Funker und Bediener von Kommunikationseinrichtungen, aber auch Radaranlagen, Kommunikationseinrichtungen und elektronische Zielfindungseinrichtungen.
Das Überleben des militärischen Scharfschützen hängt in erster Linie von seiner Tarnung und Geländeausnutzung bei Annäherung und Absetzen, sowie vom Vorhandensein ausreichend getarnter und gedeckt erreichbarer Wechselstellungen ab. So fertigt normalerweise jeder Scharfschütze seine Tarnanzüge selbst.
Die Reichweite von Militärscharfschützen kann bis zu 2.500 Meter betragen. Sie ist von Waffe, verwendeter Munition und Witterungsverhältnissen abhängig. Die übliche Einsatzreichweite beträgt etwa 600 bis 800 Meter. Die geringste Distanz hängt von den Versteck- und Tarnmöglichkeiten ab. Es wurden schon erfolgreiche Einsätze mit nur 90 Metern Entfernung durchgeführt. Die besten Maßnahmen gegen Scharfschützen sind der sofortige Einsatz von Rauchkörpern und eigenen Scharfschützen (counter-sniping). Probate Gegenmaßnahme kann auch das Verbergen von äußerlichen Hinweisen auf militärische Ränge sein. In solchen Fällen sollte das militärische Grüßen und das Tragen von Offiziersuniformen unterbleiben. Horatio Nelson wurde von einem französischen Scharfschützen erschossen, weil er an der Uniform als kommandierender Admiral erkannt wurde.
Der weiteste bekannte Treffer liegt bei 2.430 Metern auf einen MG-Schützen, ausgeführt von einem kanadischen Scharfschützen in Afghanistan mit einem McMillan Tac-50 im Kaliber 12,7 x 99 mm NATO. [1]
Als Squad Designated Marksman werden in der United States Army und dem United States Marine Corps Schützen bezeichnet, die ihre Squad direkt unterstützen, indem sie Ziele in 200–600 Metern Entfernung mit gezieltem Einzelfeuer bekämpfen.
Diese Soldaten agieren als regulärer Teil ihrer Gruppe, haben aber einen zusätzlichen Lehrgang absolviert und sind mit modifizierten Varianten des regulären M16 (Zielfernrohr, schwerer Lauf, Zweibein) oder, wie z. B. bei den Marines, mit speziellen Gewehren, so genannte Designated Marksman Rifle (DMR), ausgerüstet. In der israelischen Armee heißen diese ZF-Schützen Kalat Saar. Als deutsche Übersetzung wird manchmal das Wort „Gruppenscharfschütze“ verwendet.
„Erfunden“ wurde der Designated Marksman wahrscheinlich während des Zweiten Weltkrieges, als man auf deutscher Seite Scharfschützen in Infanteriegruppen einband, damit diese sich besser gegen sowjetische Scharfschützen verteidigen konnten. Dasselbe wurde dann auch von den Amerikanern als Antwort auf deutsche Scharfschützen an der Westfront getan. Nach dem Krieg wurde dieses Prinzip nur von der Sowjetunion standardmäßig weitergeführt. Dort gab es in jeder Gruppe einen Schützen, der mit einem Dragunow-Scharfschützengewehr im Kaliber 7,62 x 54R ausgerüstet war.
Als Präzisionsschütze wird im allgemeinen ein Schütze bezeichnet, der durch seine Ausrüstung und Ausbildung in der Lage ist, auf größere Distanz Ziele präzise zu bekämpfen. Er verfügt jedoch nicht über die „Einzelkämpferausbildung“ eines militärischen Scharfschützen.
Präzisionsschützen der Polizei haben den Auftrag, durch gezielte Schüsse eine extreme Gefahrensituation abzuwenden, also z. B. Verbrechensopfer zu retten. Außerdem dienen sie als Beobachter, was in den meisten Fällen ihre einzige Funktion bleibt, und helfen bei der Planung von Sicherungsmaßnahmen bei gefährdeten Ereignissen. Im Vergleich mit militärischen Scharfschützen ergeben sich für ihren Einsatz völlig andere Beschränkungen und Rechtsgrundlagen bedingt durch die Unterschiede von Polizeirecht und Kriegsrecht.
Auch der eigentliche Einsatz unterscheidet sich grundlegend: Polizeischützen schießen auf vergleichsweise kurze Entfernungen zwischen 50 und 120 Meterm, während militärische Scharfschützen Distanzen von bis zu 2.500 Metern abdecken. Sie stehen dabei in ständigem Kontakt zur Einsatzleitung, die auch das Ziel und den Zeitpunkt des Schusses klar festlegt. Außerdem müssen Präzisionsschützen der Polizei mit dem ersten Schuss unbedingt den Straftäter an der Fortsetzung seiner Tathandlung hindern. Hierzu wird nach Möglichkeit der Hirnstamm des Straftäters anvisiert. Bei Zerstörung des Hirnstammes wird der Getroffene augenblicklich handlungsunfähig (Mannstoppwirkung) und ist auch zu keinen reflexartigen Reaktionen mehr fähig. Beispielsweise kann er so die Drohung nicht mehr wahrmachen, eine Geisel zu ermorden, falls auf ihn geschossen wird.
Viele Probleme für militärische Scharfschützen entfallen im Polizeieinsatz: Tarnung spielt keine so maßgebliche Rolle wie bei den Streitkräften, da Polizeischützen in der Regel nicht durch Feindaufklärung und Beschuss bedroht sind und nach der Schussabgabe nicht verborgen bleiben müssen. Ebenso dauert ein polizeilicher Präzisionsschützeneinsatz nur wenige Stunden, in denen sich die Schützen abwechseln können. Ein Problem für zivile Präzisionsschützen in Deutschland ist jedoch die teilweise unterschiedliche Gesetzeslage hinsichtlich des finalen Rettungsschusses (siehe dort) in den einzelnen Bundesländern. Auch bei polizeirechtlich vorgesehenem finalen Rettungschuss muss die Verhältnismäßigkeit anschließend von der Justiz geprüft werden.
Die Entwicklung des polizeilichen Scharfschützenwesens lässt sich mit dem Aufkommen des Terrorismus und ähnlicher Schwerstkriminalität in den 1970er Jahren ansetzen.
Scharfschützen sollen besonders stressresistent, ausgeglichen, geduldig und intelligent sein. Diese Fähigkeiten werden benötigt, da Scharfschützen im Einsatz meistens auf sich gestellt sind, häufig einer sehr monotonen Aufgabe nachgehen und unabhängig in kleinen Gruppen operieren. Deshalb müssen sie in der Lage sein Entscheidungen selber zu treffen, auf neue Situationen zu reagieren und zahlreiche Informationen auszuwerten.
Die besondere Einsatzart des Scharfschützen, aus dem Hinterhalt zu töten und nicht aus einer konkreten Notwehrsituation, kann besondere psychische Probleme verursachen.[2]
Beispielsweise lernt der Schütze während einer Observation, die Stunden oder Tage dauern kann, das Ziel mit all seinen menschlichen Eigenheiten (Lachen, Essen und anderen Dingen des normalen Lebens) kennen und kann dessen Mimik sehen. Gleichzeitig stellen die beobachteten Personen keine persönliche Bedrohung dar und wissen oft nicht mal von der Existenz des Schützen. Dabei kann eine Subjektivierung einsetzen, bei der das Ziel zum Menschen wird, den man zu kennen glaubt. Wenn dann der Befehl zum Schuss kommt, ist der Schütze nicht mehr in der Lage abzudrücken. Deshalb muss der Schütze psychisch so stabil sein, auch bei vermeintlicher Individualisierung des Ziels abzudrücken ohne dabei übermäßig unter dem von ihm verursachten Tod des Ziels zu leiden. Nicht selten ist wegen dieser Individualisierung psychologische Betreuung nach einem Einsatz erforderlich. Um dies psychisch ohne Schaden zu verarbeiten, ist eine stabile Persönlichkeit nötig, die entweder religiös oder in ihrer eigenen Philosophie verankert ist.
Die historischen Wurzeln der Scharfschützen reichen wenigstens bis zu den napoleonischen Kriegen zurück. So wurde in England bereits 1800 eine experimentelle Scharfschützeneinheit ins Leben gerufen, die 1802 in das reguläre Feldheer als 95th (Rifle) Regiment aufgenommen wurde. Ähnliche Einheiten finden sich mit den Tirailleurs auch auf französischer Seite. Im Amerikanischen Bürgerkrieg werden erneut eigenständige Scharfschützeneinheiten aufgestellt, so etwa die Freiwilligen der „Berdan-Sharpshooters“.
Die Entwicklung des modernen Scharfschützenwesens im eigentlichen Sinne beginnt mit dem Ersten Weltkrieg. Zunächst wurden hier noch mit Zielfernrohren bestückte Jagdwaffen verwendet, aber bereits ab 1916 beginnt in England und Deutschland die gezielte Auswahl besonders geeigneter Läufe aus der aktuellen Gewehrproduktion.
Im Zweiten Weltkrieg wurden Scharfschützen von allen Kriegsbeteiligten eingesetzt, am massivsten von Russland und Amerika da Deutschland dieser Waffengattung anfangs zu wenig Bedeutung beimaß; besonders bekannt geworden sind neben den Angehörigen der Wehrmacht die weiblichen Scharfschützen der Roten Armee. Deutsche Scharfschützen wurden u. a. in Österreich in speziellen Scharfschützenschulen ausgebildet. Das Scharfschützenabzeichen im Dritten Reich war hoch angesehen und nach dem 150. bestätigten Feindabschuss wurde der Schütze von Reichsmarschall Hermann Göring persönlich zur Jagd eingeladen. Ein bestätigter Abschuss musste von einem Offizier mit eigenen Augen gesehen und bestätigt worden sein. Da die Scharfschützen aber meist alleine auf „freier Jagd“ waren, dürfte die tatsächliche Abschusszahl weit höher liegen als die Anzahl der bestätigten Abschüsse.
Im Korea- und im Vietnamkrieg setzte sich die Einsicht in die Bedeutung spezialisierter Scharfschützen durch, als man erkannte, dass das Verhältnis zwischen abgefeuerter Munition und Treffern zu groß war. So schuf man in den USA so genannte Sniperschools, um den Soldaten das effektive Schießen beizubringen.
Mit der Anpassung der deutschen Streitkräfte an die Erfordernisse der Zeit nach dem Ende des Kalten Krieges ist auch in der Bundeswehr die Bedeutung der Scharfschützen enorm gewachsen und es werden entsprechende Bemühungen um Ausbildung und Ausrüstung unternommen.
Das Wort „Schütze“ entstand im deutschen Sprachraum als ein Ausdruck für „Sender für Geschosse“, wobei kein Bezug zu der Form des Projektils oder der Schusswaffe bestand. Die Gebrüder Grimm als Autoren des Deutschen Wörterbuches leiten die Entwicklung dieses Begriffes aus dem althochdeutsch „scuzzo“ ab und verweisen auf die verwandten Worte in anderen Sprachräumen, „skut“ im Angelsächsischen, „skytt“ und „skytte“ im schwedischen und dänischen. In Anlehnung daran verweisen spätere Sprachforscher auf die enge Beziehung zum friesischen „sketta“ und dem niederdeutschen „schütte“, aus dem dann im mittelhochdeutschen „schütze“ entstand.
Die französische Sprache bezieht ihr Wort für Schütze, „tireur“ aus dem Verb „tirer“, d. h. „ziehen“, und beschreibt damit die Tätigkeit beim Abfeuern eines Bogen, einer Armbrust (Sehne) oder einer Schusswaffe (Abzug), während der lateinische Schütze nach seiner Waffe oder dem Geschoss als „sagittarius“ (Pfeilschießer) oder „ballistarius“ (Schleuderer) bezeichnet wurde.
Die Bezeichnung für einen besonders guten Schützen entstand in der deutschen Umgangssprache in Verbindung mit dem Wort „scharf“, welches auch mit „Scharfblick“, „scharfes Auge“, aber auch mit „scharfe Munition“ eine besondere Bedeutung erhält. Das Französische kennt nur die Steigerung des „tireur d'elite“, des Meisterschützen oder Eliteschützen. Am Aufschlussreichsten sind die im englischen entstandenen Begriffe: so bezeichnet „marksman“ jemanden, der mit Genauigkeit das „mark“ (Ziel) trifft.
Der „sharpshooter“ entstanden als eine direkte Weiterführung des deutschen Begriffs, ist spätestens seit dem 17. Jahrhundert bekannt. Auch die Herleitung von den amerikanischen „Sharpshooters“, den Schützeneinheiten mit weitrechenden Sharps-Gewehren, ist möglich.
Zusätzlich kam der Begriff „Sniper“ für den militärischen Spezialisten auf, hier aus dem Jagdbereich. Jemand der eine „snipe“ (Schnepfe) treffen konnte, musste schon ein sehr guter Schütze sein, da diese Vögel äußerst scheu und zudem gut getarnt sind. Sniper ist inzwischen auch in Deutschland und z. B. im russischen Snajper – Снайпер eine gebräuchliche Bezeichnung für Scharfschützen.
Das Schimpfwort „Heckenschütze“ entwickelte sich aus der Umgangssprache des Mittelalters und steht in Beziehung zu den im Hinterhalt lauernden „Heckenräuber“. Es fand in den militärischen Sprachgebrauch noch in einem anderem Zusammenhang Eingang: Das preußische Exerzierreglement von 1714 sah zur Abwehr umherstreifender Kavallerie das „Heckenfeuer“ vor. Aus jedem halben Peloton (Aufstellungsart beim Gefecht) traten zwei Rotten hervor, gaben ihre gezielte Salve ab und traten wieder zurück. Sie traten dabei oft an die „Hecke“ heran, ein „Abatis“ genanntes Gewirr von Holzgestrüpp, gefällten Bäumen und Ästen, das dem Feind als erstes Hindernis in den Weg gelegt wurde. Das Heckenfeuer war kein Einzelfeuer, sondern Salvenschießen, wobei das Zielen eher sekundär war.
Monographien
Zeitschriften
| Wiktionary: Scharfschütze – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme und Übersetzungen |
| Commons: Scharfschütze – Bilder, Videos und Audiodateien |