| Schlehdorn | ||||||||||||||
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| Wissenschaftlicher Name | ||||||||||||||
| Prunus spinosa | ||||||||||||||
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Der Schlehdorn (Prunus spinosa), auch Schlehendorn, Schlehe, Heckendorn oder Schwarzdorn, umgangssprachlich bisweilen fälschlich „Akazie“ genannt, ist ein mittelgroßer Strauch oder kleiner Baum der Gattung Prunus, der zur Unterfamilie der Steinobstgewächse (Amygdaloideae) innerhalb der Familie der Rosengewächse (Rosaceae) gehört.
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Die Heimat des Schlehdorns erstreckt sich über Europa, Vorderasien bis zum Kaukasus und Nordafrika. Er fehlt im hohen Norden und auf Island. Er vermehrt sich durch Aussaat und durch Wurzelausschläge.
Der Schlehdorn bevorzugt sonnige Standorte an Weg- und Waldrändern und felsigen Hängen oder in Gebüschen, bei eher kalkhaltigen, oft auch steinigen Böden. Er ist auch als Heckenpflanze weit verbreitet.
Der sparrige und sehr dornenreiche Schlehdorn wächst als Strauch oder als kleiner Baum. Er erreicht gewöhnlich Wuchshöhen von 3 m. In seltenen Fällen können auch Exemplare bis 6 m Höhe beobachtet werden. Da die Kurztriebe beinahe waagrecht von den Langtrieben abstehen, zeigt die Schlehe ein stark verästeltes Erscheinungsbild.
Die Schlehe besitzt eine sehr dunkle, schwärzliche Rinde. Die Rinde der Triebe ist rotbraun gefärbt und filzig bis fein behaart. Die Kurztriebe bilden Dornen aus, die im botanischen Sinne umgewandelte Seitentriebe sind und als eine Anpassungsleistung an Trockenheit betrachtet werden. Über einer Blattnarbe entwickeln sich meist drei hellbraune, kugelige Knospen, wobei es sich bei den seitlichen grundsätzlich um Blütenknospen handelt.
Die weißen Blüten erscheinen lange vor den spiralig stehenden, doppelt gesägten und verkehrt eiförmigen Blättern im März und April. Dadurch lässt sich die Schlehe in diesem Zeitraum leicht vom Weißdorn unterscheiden, dessen Blüten erst nach den Blättern erscheinen. Die Blätter stehen an kurzen Stielen. Junge Blätter bilden an ihrer Blattunterseite zunächst eine flaumige Behaarung aus, verkahlen jedoch in der Folge und zeigen dann eine mittelgrüne Färbung. Die Blattoberseite ist unbehaart und von mattgrüner Farbe. Am Grund der Blattspreite befinden sich Nektardrüsen.
Die ebenfalls kurzgestielten, fünfzähligen, zwittrigen, und radiärsymmetrischen Blüten haben einen Durchmesser von bis zu 1,5 cm. Sie bilden sich an der Spitze verdornter Kurztriebe und stehen dort sehr dicht einzeln oder zu je zwei aneinander. Die Kronblätter erreichen eine Länge von etwa sechs bis acht mm und umgeben die etwa 20 gelb-rötlichen Staubblätter, welche wiederum einen Griffel säumen. Außen werden die Kronblätter von einem fünf-blättrigen Kelch umgeben.
Die kugeligen, dunkelblauen bis schwarzen, stark bereiften Steinfrüchte haben einen großen Stein und grünes Fruchtfleisch. Sie sind sehr sauer - erst nach einem Frost werden sie schmackhafter. Sie reifen von Oktober bis November.
Die Schlehe wird von Insekten bestäubt. Tiere, die den Samen der Frucht wieder ausscheiden, übernehmen die Ausbreitung.
Diese Pflanzenart gehört zu den Wurzelkriechpionieren. Die weit streichenden Wurzeln treiben Schösslinge, so dass sich oftmals dichte Schlehenhecken bilden. Die Schlehe erreicht ein Alter von zirka 40 Jahren.
Der Schlehdorn gilt als Stammform der Kulturpflaume.
Der Schlehdorn ist durch seine Dornen gut gegen den Fraß von großen Pflanzenfressern (Megaherbivoren) geschützt. Wenn er einmal etabliert ist, breitet er sich durch seine Wurzelbrut leicht weiter aus. Das Stadium des Schlehen-Weißdorn-Gebüsches bildet die Überleitung zum Wald.
Der Schlehdorn gilt auch als Schmetterlingspflanze, dient also zur Zeit seiner Blüte im Frühjahr Schmetterlingen als Nahrung.[1] Für die Raupen des gefährdeten Grauen Laubholz-Spinnerspanners und Schlehen-Grünspanners oder des stark gefährdeten Schwalbenwurz-Kleinspanners stellt die Schlehe ebenfalls eine wertvolle Futterpflanze dar.
Schlehenhecken bieten Strauchbrütern einen idealen Lebensraum. Diesen nutzt zum Beispiel der Neuntöter. Er spießt an den Dornen der Schlehe seine Beutetiere wie Insekten oder Mäuse auf.
Die Blüten werden als Heilpflanze in Form von Tee zur Blutreinigung und Frühjahrskur verwendet.
Die Früchte werden zur Herstellung von Marmeladen, Fruchtsäften, Likör (Schlehenfeuer), Branntwein (Schlehenwasser), Fruchtweinen und Spirituosen genutzt. Man kann sie nach dem ersten Frost ernten und verarbeiten.
Die Zweige des Schlehdorns werden in Salinen oder Gradierwerken, zum Beispiel in Werl oder Bad Orb, verbaut.
Aus der Rinde lässt sich Tinte[2] gewinnen. Dazu muss die Rinde von den Zweigen geklopft und in Wasser eingelegt werden. Nach drei Tagen wird das Wasser abgegossen, aufgekocht und erneut über die Rinde gegossen. Dieser Vorgang wird wiederholt, bis die Rinde vollkommen ausgelaugt ist. Danach wird die Flüssigkeit mit Wein versetzt und eingekocht. Diese Dornentinte wurde in den mittelalterlichen Skriptorien verwendet, geriet dann aber - wahrscheinlich wegen ihrer mangelnden Lichtbeständigkeit - in Vergessenheit.
Die medizinische Wirkung der Schlehe ist adstringierend (zusammenziehend), harntreibend, schwach abführend und entzündungshemmend. Getrocknete Blüten als Teeaufguss werden zur Blutreinigung bei Hautkrankheiten und rheumatischen Beschwerden eingesetzt sowie als Gurgelmittel bei leichten Entzündungen der Mund- und Rachenschleimhaut. Die harntreibende Wirkung beugt Harn- und Nierensteinen vor. Mus oder Marmelade aus den Beeren wirkt gegen Appetitlosigkeit.
Da die Schlehe sehr windbeständig ist, wird sie zur Befestigung von Böschungen angepflanzt und auch als Schneeschutzgehölz verwendet.
Die Samen des Schlehdorns enthalten das Blausäure-Glykosid Amygdalin.
Der Name der Schlehe ist wohl auf die Farbe ihrer Frucht zurückzuführen und leitet sich von dem indogermanischen Wort (S)li ab. Dieses hatte die Bedeutung „bläulich“. Man findet diese ursprüngliche Bedeutung auch als Silbe im Pflaumenschnaps „Slivovitz“ wieder. Im Althochdeutschen wurde die Schlehe als „sleha“, im Neuhochdeutschen als „slehe“ bezeichnet.
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