Als Schneeballsystem oder Pyramidensystem bezeichnet man einen sozialen Prozess, bei dem bisher Unbeteiligte von Werbenden dazu aufgefordert werden, selber zu Werbenden zu werden. Es wird erwartet, dass jeder Werbende mehrere bisher Unbeteiligte wirbt. Dadurch steigt die Zahl der Werbenden schnell an.
Im Regelfall sind für den Beitritt zu einem Schneeballsystem Beitrittsgebühren fällig, für die keine Produkte oder Dienstleistungen geboten werden, und die einzig und allein dazu da sind, dem Werber einen Teilbetrag auszuzahlen. In letzter Zeit treten diese vermehrt in Gestalt von Schenkkreisen oder Herzkreisen auf.
Bei einem Schneeballsystem werden keine realen werthaltigen Produkte oder Dienstleistungen angeboten, sie basieren auf rein finanziellen Systemen nach dem System "zahle 500 Euro, wirb jemanden, dieser zahlt 500 Euro, du bekommst davon 250, wirb 3 Leute und du hast deinen Beitrittsbetrag +250 Euro steuerfreien Gewinn". Das Internet ermöglicht es besonders leicht mit Scheinprodukten (Dateien, E-Books ohne Marktwert) ein Schneeballsystem aufzubauen.
Im Gegensatz dazu werden in Pyramidensystemen Produkte von oben nach unten weiter gereicht, dabei kommt es zu einer Preissteigerung. A wirbt B, B muss bei A ein Produkt kaufen (dieses kostet B z. B. 50 Cent mehr als A), B kann dieses Produkt nun weiter verkaufen, oder wirbt C, der das Produkt ab sofort von B bezieht (50 Cent teurer) usw... Dies funktioniert nur bis zu einem bestimmten Preis, danach bricht das System für die untersten zusammen. Das Gefährliche daran ist der Produktfluss von oben nach unten in die Breite, die Weitergabe der Produkte von A nach B zu C und die Veränderung der Preise.
Die letzten, die einem solchen System beitreten, haben keinerlei Profit. Die großen versprochenen Gewinnchancen betreffen meist nur die Gründer des Systems. Aus diesem Grund werden Schneeballsysteme regelmäßig von der deutschen Rechtsprechung als sittenwidrig und damit nichtig eingestuft; Teilnehmer an Schneeballsystemen können geleistete Beiträge zurückfordern (vgl. im Einzelnen dazu die Ausführungen bei Schenkkreisen).
Verkaufsstrategien mit den Namen Multi Level Marketing (MLM), Network Marketing bzw. Netzwerk-Marketing oder auch Affiliate Marketing / Empfehlungs-Marketing sind legal, sofern es sich u. a. nicht um ein illegales Schneeballsystem handelt. (Siehe Link MLM sowie Links unten – insbesondere des Landeskriminalamtes.)
Ein Schneeballsystem im weiteren Sinn ist ein sozialer Prozess, bei dem Frühteilnehmende relativ profitieren, Spätteilnehmende relativ benachteiligt werden. Ein Beispiel ist die Geldanlage: Wer in einem jungen Wirtschaftssystem (z. B. Deutschland der 1950er Jahre) Geld anlegt, kann wegen der hohen Zinsen durch das Wirtschaftswachstum beträchtliche Gewinne erzielen. Wer dagegen in einem gewachsenen Wirtschaftssystem mit gesättigten Märkten Geld anlegt, kann wegen der niedrigen Zinsen nur erheblich geringere Gewinne erzielen.
Als Schneeballsystem werden auch allgemein Geschäftsmodelle von Unternehmen bezeichnet, die zu ihrem Funktionieren bzw. ihrem Fortbestand zwingend auf eine ständige Expansion und Umsatzsteigerung angewiesen sind. So wurde das betrügerische Geschäftsgebaren des im Februar 2006 zusammengebrochenen Werttransportunternehmens Heros in der Medienberichterstattung häufig als Schneeballsystem bezeichnet.
Kettenbriefe mit großen Gewinnversprechen kursieren seit sehr langer Zeit und gewinnen in regelmäßigen Abständen immer wieder an Popularität. Ein solches System führte im Jahr 1997 in Albanien sogar zum sogenannten Lotterieaufstand und dem Zusammenbruch der staatlichen Ordnung im Lande. Ein anderes Beispiel war die grassierende Beteiligung am European Kings Club in einigen Schweizer Kantonen. Dieses System brach 1994 mit massivem Verlust zusammen.
Ein historisch frühes Schneeballsystem in Deutschland war die 1746 gegründete Dukatensozietät.
Nach dem Italiener Charles Ponzi werden Pyramidensysteme auch als "Ponzi-Systeme" bezeichnet. Ponzi betrieb 1919/1920 in Boston ein auf Postgutscheinen basierendes Schneeballsystem.
Pyramidenspiele sind in Österreich nach §168a StGB seit 1. März 1997 verboten: Der Strafrahmen beträgt dabei bis zu 6 Monate; gibt es viele Geschädigte, drohen bis zu 3 Jahre Haft.
In Deutschland werden derartige Systeme von § 16 Abs. 2 UWG (Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb) erfasst. Das Delikt ist als so genanntes Unternehmensdelikt und als abstraktes Gefährdungsdelikt ausgestaltet. Das heißt, es muss nicht einmal ein Schaden entstehen. Schon der "Versuch" ein Schneeballsystem ins Leben zu rufen, ist strafbar. Juristisch betrachtet gibt es also gar keinen Versuch im Sinne des § 22 StGB, da Versuch und Vollendung zusammenfallen. Strafdrohung sind Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren oder Geldstrafe. Eine Strafbarkeit wegen § 263 Strafgesetzbuch (Betrug) scheitert dagegen in der Regel daran, dass die Betroffenen nicht über den Inhalt des Spiels getäuscht wurden.
Schwierigkeiten bereitet oft die Abgrenzung von illegalen Schneeballsystemen zu legalem Strukturvertrieb oder Multi-Level-Marketing. Der Übergang ist fließend und teilweise nicht alleine von der Ausgestaltung der Regeln, sondern auch dessen faktischer Umsetzung abhängig. Grundfrage für die Abgrenzung ist: Würde der Kunde das angebotene Produkt erwerben, selbst wenn er keine Provision für die Vermittlung von Neukunden erhält?
Bei einem Schneeballsystem steht regelmäßig die Verdienstmöglichkeit für die Anwerbung von Neukunden im Vordergrund. Dies zeigt sich bereits bei der Ansprache: Bei Schneeballsystemen wird mit Verdienstmöglichkeiten statt mit Konsumprodukten geworben. Bei zulässigem Multi-Level-Marketing wird das Produkt hauptsächlich an Verbraucher vertrieben, die nicht gleichzeitig Teil des Vertriebssystems werden.
Indizien für ein illegales Schneeballsystem sind:
Rechtsgeschäfte, die gegen ein gesetzliches Verbot verstoßen, sind gem. § 134 BGB nichtig. Einzahlungen können daher theoretisch nach § 812 BGB zurückgefordert werden. Häufig scheitert die Anspruchsdurchsetzung jedoch gegenüber dem Veranstalter des Schneeballsystems.
Personen, die ein Schneeballsystem fördern, insbesondere veranlassen, dass neue Mitglieder eintreten, haften für entstandene Schäden aus unerlaubter Handlung. Dies kann den Kreis der Anspruchsgegner über die Veranstalter hinaus erheblich erweitern. Für Mitglieder eines Schneeballsystems entsteht daher das zusätzliche Risikopotenzial, nicht nur die eigene Einlage zu verlieren, sondern auch neuen Mitgliedern auf Schadensersatz zu haften.
Schneeballsysteme enden in der Praxis – entgegen der theoretischen Prognose – nie dadurch, dass durch steigende Progression sämtliche Menschen der Weltbevölkerung Mitglieder geworden sind und damit keine neuen Mitglieder mehr zur Verfügung stehen. Tatsächlich wachsen gut durchdachte Schneeballsysteme eher langsam und kollabieren entweder durch staatlichen Eingriff oder an verbreitetem Erkenntnisgewinn bei den potenziellen Neukunden. Schneeballsysteme sind in der Regel leicht zu erkennen, so dass Neukunden gewarnt werden können. Es wird im Laufe der Zeit immer schwieriger, neue Mitglieder anzuwerben, die auf das System hereinfallen. Allmählich steigt der Anteil der Mitglieder, die ihre Investition nicht mehr amortisieren können. Das System kollabiert, wenn auch die zuvor erfolgreichen Mitglieder aufgeben und das System wechseln.
Es ist ein weit verbreiteter Irrglaube, dass nur die letzten Teilnehmer ihre Einsätze verlieren und die Teilnehmer der ersten Stunde große Gewinne machen. Abgesehen davon, dass der Zeitpunkt des Kollaps schwer vorhergesagt werden und sehr plötzlich eintreten kann, gibt es in jedem System von Anfang an Mitglieder, die – ob aus Einsicht oder Unfähigkeit – keine neuen Mitglieder anwerben und ihren Einsatz verlieren. Hierdurch erklärt sich das langsame Wachstum.
Die Anzahl der Spieler, die nötig sind, um das Spiel am Laufen zu halten, steigt extrem schnell mit jeder neuen Ebene, die das Spiel erreicht. Mathematisch gesehen steigt sie mit exponentiellem Wachstum. Die Tabelle zeigt die Anzahl der nötigen Spieler, wenn jeder Spieler 10 neue werben soll.
| Ebene | Anzahl der neuen Spieler | Gesamtzahl der Spieler |
|---|---|---|
| 1 |
10 (101)
|
11
|
| 2 |
100 (102)
|
111
|
| 4 |
10.000 (104)
|
11.111
|
| 6 |
1.000.000 (106)
|
1.111.111
|
| 10 |
10.000.000.000 (1010)
|
11.111.111.111
|
| Weltbevölkerung |
6.555.000.000
|
6.555.000.000
|
Schon nach nur 10 Stufen reichen die auf der Erde lebenden Menschen nicht mehr aus, um das Spiel fortzusetzen!
Einige Ökonomen haben falsch behauptet, dass die staatliche Altersvorsorge wie etwa die AHV in der Schweiz ein Schneeballsystem sei, da jene Leute, die jetzt Gelder einzahlen, jenen Personen die Rente finanzieren, die früher Geld eingezahlt haben. Sobald das Verhältnis Arbeitstätige zu Pensionierten abnimmt, käme die Altersvorsorge in eine ähnliche Situation wie ein Schneeballsystem kurz vor dem Zusammenbruch.
Wichtige Unterschiede einer Altersvorsorgeversicherung zu einem Schneeballsystem sind aber:
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