Die Schreibweise deutscher Pflanzennamen ist in der Botanik anders als die lateinisch-griechische binominale Nomenklatur nicht eindeutig festgelegt. Die allgemein geläufigen Pflanzennamen entsprechen nicht immer den zugrundeliegenden Gattungen bzw. lassen sie nicht eindeutig erkennen, da sie meist älter als ihre taxonomische Zuordnung sind oder nach allgemein sprachlichen und nicht nach wissenschaftlichen Gesichtspunkten gebildet wurden. Zusätzlich haben einige Pflanzen mehrere Namen oder Namens- bzw. Schreibungsvarianten, was in der wissenschaftlichen Literatur zu Uneinheitlichkeit oder Unklarheiten führen kann.
Versuche, deutsche Pflanzennamen unter wissenschaftlichen Gesichtspunkten zu vereinheitlichen, gibt es seit längerer Zeit: Die erste Standardliste erstellte R. Mansfeld 1940 mit dem Verzeichnis der Farn- und Blütenpflanzen des Deutschen Reiches. 1973 folgte die Liste der Gefäßpflanzen Mitteleuropas von F. Ehrendorfer. Seit 1998 gibt es die Standardliste der Farn- und Blütenpflanzen Deutschlands von R. Wisskirchen und H. Haeupler.
Agnes Pahler und Karlheinz Rücker haben, anstatt eine weitere Referenzliste zu erstellen, ein heute unter Botanikern weitgehend anerkanntes Regelwerk vorgeschlagen, das für alle denkbaren deutschsprachigen Pflanzennamen geeignet ist und – soweit möglich – den Namensbestandteil, der die Gattung bezeichnet, durch einen Bindestrich abtrennt:
Es bleiben einige Zweifelsfälle: So kann z. B. „Distel“ nicht eindeutig einer Gattung zugeordnet werden, „Zwiebel“ kann als Pflanzengattung oder als Pflanzenteil aufgefasst werden, die Schreibung „Knoblauch“ statt „Knob-Lauch“ wird entgegen den Regeln empfohlen, da „Knob“ nicht mehr als eigenes Wort wahrgenommen wird. Bei mehreren Gruppenbezeichnungen für eine Gattung schließlich, z. B. „Pflaume“, „Kirsche“, „Mandel“, werden diese als gleichwertige Gattungsnamen in ihrem jeweiligen Zusammenhang aufgefasst („Briançon-Aprikose“, „Zwerg-Mandel“, „Gewöhnliche Trauben-Kirsche“; alles Prunus-Arten).
Diese Schreibung deutscher Pflanzennamen nach botanischer Nomenklatur weicht zum Teil vom allgemeinen Sprachgebrauch und dem amtlichen Regelwerk zur Rechtschreibung ab. Bei einem Teil der deutschen Pflanzennamen können sie dafür Botanikern eindeutige Hinweise auf die Gattung geben, ähnlich wie die binominale Nomenklatur, und ermöglichen vor allem eine einheitliche Schreibung.
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