Die Schriftstudien (engl.: Studies in the Scriptures) sind eine von der Bibelforscher-Bewegung herausgegebene religiöse Schriftenreihe von sechs Bänden, welche am Ende des 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts von vielen an der Bibel interessierten Personen studiert wurden und welche die Freien Bibelforscher noch heute bei ihrem Bibelstudium zu Rate ziehen. Viele Details von Gottes Vorhaben werden darin auf thematische Art und Weise dargestellt. Die Schriftstudien werden nicht als Ersatz für die Bibel, sondern als ein Hilfsmittel zum Studium des Wortes Gottes betrachtet.
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Der Autor der ersten sechs Bände Charles Taze Russell, berichtete, dass er „keinen Anspruch auf geistige Überlegenheit, noch auf den Besitz von übernatürlicher Macht, Würde oder Autorität erhebt“. „Auch wurden ihm die Wahrheiten nicht in Träumen oder Visionen kundgetan, sondern allmählich fortschreitend, durch Studium und Gebet.“ Seine Aufgabe bestand darin, die seit langem verstreuten Bruchstücke der biblischen Wahrheit - wie er sie zu verstehen glaubte - zusammenzusetzen und sie dem „Volk des Herrn“ (=Kirche) zu vermitteln. Dies tat Pastor Russell im Jahre 1886, indem er begann den ersten Band der Schriftstudien (damals noch mit dem Titel: Millennium-Anbruch-Serie, englisch: Millennial Dawn) zu veröffentlichen.
In erster Linie sind sie geschrieben worden, um dem Forschenden beim Bibelstudium eine Anleitung und geeignetes Hilfsmittel zu sein. Da die Bibel nicht in einem Wörterbuchkonzept geschrieben ist, sind die Schriftstudien so gestaltet, dass jedes Thema der Bibel in ein Kapitel gefasst wurde. So ist es leicht und übersichtlich schnell ein gesuchtes Thema zu finden. Genau so verhält es sich auch mit den Bibelversen, die in jedem der Bände im Index nachzuschlagen sind und auf der jeweiligen Seite erklärt werden.
Dieser Band ist dazu bestimmt, den Gottes Plan mit der Menschheit deutlich zu machen. Er beginnt damit, dem Leser den Glauben an Gott zu befestigen, und an die Bibel als die göttlich inspirierte Offenbarung.
Beinhaltet eine vollständige Bibelchronologie. Behandelt die Art und Weise der Wiederkunft des Herrn; den Menschen der Sünde, den Antichrist; der Erde großes Jubeljahr und Gottes Königreich.
Dieser Band erläutert die Prophezeiungen die auf die "Zeit des Endes" und auf die Aufrichtung des Millennium-Königreiches Bezug nehmen; das Werk der voranschreitenden Ernte; der Rückkehr der Gnade Gottes für Israel; die große Cheops-Pyramide und ihre Übereinstimmung mit dem prophetischen Zeugnis.
Darin wird gezeigt, dass die Auflösung der gegenwärtigen Ordnung der Dinge angefangen hat, und dass alle vorgeschlagenen Rettungsmittel wertlos sind, nicht imstande, das vorhergesagte Ende abzuwenden. Es werden viele Prophezeiungen für das Ende des jetzigen Zeitalters behandelt.
Behandelt einen wichtigen Gegenstand "Das Lösegeld" (auch Sühneopfer genannt) das zentrales Thema der christlichen Lehre, um das sich alle Teile des göttlichen Vorsatzes drehen.
Behandelt die Schöpfungsgeschichte und die Kirche (Ekklesia) als Gottes Neue Schöpfung. Er betrachtet Vorrechte, Pflichten, Gebräuche und Hoffnung betreffend der Berufenen und Auserwählten Glieder des Leibes Christi.
Nicht von Russell geschrieben und erst nach seinem Tod erschienen, behandelt eine Vers für Vers Betrachtung der Offenbarung, dem letzten Buch der Bibel.
Die Bibelforschern behaupten nicht, die Schriftstudien würden die Bibel ersetzen. Es gibt verschiedene Methoden die Bibel zu studieren. Die sechs Bände sind so geschrieben, das sie selbst viele Teile der Bibel enthalten, wie die dazu passenden Kommentare und Auslegungen der Aussprüche der Bibel. Wie hat Jesus die Schrift ausgelegt? Indem er die Stellen aus dem Alten Testament zitierte und diese mit anderen Stellen erläuterte. Sie gaben somit wichtige und schlüssige Gedanken ihren Zuhörern. So ist der Inhalt der Bände auf den Gedanken und Lehren der Worte Jesu und der Apostel gegründet, dass keine Zweifel über die richtige Anwendung bleiben. In ihnen wird die Treue und Loyalität zum Wort Gottes gesehen.
Die Schriftstudien weisen auf das Ende dieses Zeitalters hin oder das Ende (der Selbstherrschaft) der Zeiten der Heiden. Matth. 13,39 sagt, dass das Ende des Zeitalters die Ernte ist. In dieser Ernte würde, wie in der ersten Ernte, der Herr wiederkommen, dabei würde er den Weizen vom Scheinweizen trennen. Jesus würde bei seiner Parusie, Wahrheiten ans Licht bringen und Speise zur rechten Zeit (Matth. 24,45-47). So wie in der Bibel die Texte auch im Kontext studiert werden müssen, ist es auch ratsam die Schriftstudien in ihrem Gesamtzusammenhang zu lesen. Wo Aussagen jedoch aus diesem Zusammenhang gelöst wurden, kommt es häufig zu Missverständnissen sowohl außerhalb als auch innerhalb der Ekklesia.
Der Theologieprofessor Friedrich Loofs, der auf deutschem Boden die erste nennenswerte Publikation über die Bibelforscherbewegung publiziert hatte (1918 als Zeitschriftenartikel, in erweiterter Form 1921 als selbstständige Schrift), meinte über Charles Taze Russell, dass er „Bibelforscher im Sinne des Pietismus“ sei. Dieser Tendenz stand Loofs, als Universitätstheologe fern. So wirft Loofs den Bibelforschern vor, sie seien „antinational und deutschem Empfinden abträglich“. Weiter, so Loofs: „Vollends unverträglich mit nationalem deutschen Empfinden sind die religiösen Grundgedanken … die nationalen Reiche sind satanischen Ursprungs; ihre Zeit ist nun bald zu Ende; kein Heilmittel wird ihren durch den Weltkrieg eingeleiteten Zusammenbruch verhindern können.“
Über Aussagen dieser Art entrüstete sich schon Loofs. Er sollte im kirchlichen Bereich, zur Zeit der Weimarer Republik, noch viele Nachahmer finden, die den Faden von Loofs weitersponnen, und die Bibelforscher gar zu „religiösen Kommunisten“ hochstilisierten. Die gesamte kirchliche Polemik dieses Zeitraumes ist letztendlich von dieser schon von Loofs eingeleiteten Weichenstellung bestimmt.
In den Schriftstudien hatte Russell in der Tat auf das „Vergehen der Reiche dieser Welt“ hingewiesen, ohne dass er dabei den Seinigen eine aktiv handelnde Rolle zuschrieb. Aber er glaubte auch, dass die sich angesammelten Spannungen politischer Art, in seiner Lebensphase nur in einem „Ende mit Schrecken“ zum Ausdruck finden könnten. So sah er die Endzeit bereits 1799 beginnend, und verweist dabei besonders auf Napoléon Bonaparte, der sich auch in den theologischen Entwürfen geistesverwandter Kreise (etwa im Schrifttum der Ellen G. White von den Adventisten) wiederfindet.
Die Schriftstudien Russells sind vom Verlag der Zeugen Jehovas (Wachtturmgesellschaft) letztmalig 1926 neu aufgelegt worden. Mit dem Aufkommen des immensen Schrifttums von Joseph Franklin Rutherford traten sie in den Hintergrund. Lediglich die Freien Bibelforscher mit ihrem Verlag "Tagesanbruch Bibelstudien-Vereinigung" haben die "Schriftstudien" seither neu aufgelegt.
Maßgeblich von Ch. T. Russell und seinen "Schriftstudien" beeinflusst erwies sich der altkatholische Pfarrer Dr. Walter Kueppers.