Schrumpfgermane
Schrumpfgermane ist eine ab 1926 umgangssprachlich abschätzige Bezeichnung für einen kleinwüchsigen Deutschen, besonders in der Zeit des Nationalsozialismus. In Neonazi-Kreisen wird dieser Ausdruck vereinzelt heute noch gebraucht.
Das Schimpfwort war zur Zeit des Nationalsozialismus der Beiname von Joseph Goebbels. Er wurde aufgrund seiner Behinderung und Kleinwüchsigkeit von Rivalen und Feinden der NSDAP als nachgedunkelter Schrumpfgermane oder ungebleichter Schrumpfgermane bezeichnet.
Eine zärtliche Umdeutung erhielt der Begriff durch die 1968er Generation, wo Hanns Dieter Hüsch Schrumpfgermane als liebevolle Bezeichnung für ein deutsches Baby einführte (Das Wort zum Montag, 1968). Auch diese Wortverwendung wird heute noch, neben der Verwendung als Schimpfwort oder abschätzige Bezeichnung, praktiziert. (Belegstellen im Internet sind beispielsweise Baby-Foren).
Fundstellen
- Sa-Sturmführer, Anfang 30, blonder Vollgermane, kernig und erbgesund, sucht auf diesem Wege die Mutter seiner Kinder und Wahrerin seines Hortes. Selbige muss Garantin für die reinrassige Vollwertigkeit kommender Generationen sein. Stattliche Blondine bevorzugt, nachgedunkelte Schrumpfgermanin unerwünscht.
- Hermann Vinke reflektiert Goebbels in seinem Buch Das dritte Reich (ausgezeichnet mit dem Literaturpreis LUCHS) als Schrumpfgermanen.
- In seinem Werk Wie Hitler den deutschen Geist zerstörte: Kulturpolitik im Dritten Reich schreibt Hermann Glaser über Goebbels: Der Schrumpfgermane als Demagoge.
- Hanns Dieter Hüsch 1968 verwendet in seinem Programm Das Wort zum Montag im Wiegenlied "kleiner Schrumpfgermane, du" als Bezeichnung für ein eigenes fiktives Kind "Hänschen".
- In dem Theaterstück Das Alte Land (1985) des Österreichers Klaus Pohl (Autor) kommt die Figur Schrumpfgermane vor.
Weblinks