Schuhfetischismus (veralt.: Retifismus) ist eine Form des sexuellen Fetischismus, bei dem Schuhe als Fetisch dienen.
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Die früher in der Sexualforschung benutzte, heute jedoch ungebräuchliche Bezeichnung Retifismus, geht zurück auf Nicolas-Edme Rétif de la Bretonne. Dieser beschrieb seine fetischistische Vorliebe für Frauenschuhe 1769 in seinem Werk Le Pied de Fanchette.[1] Damit ist der Schuhfetischismus die einzige Form des Fetischismus mit einem Eigennamen[2]; alle anderen Fachbezeichnungen werden durch Anhang von -philie gebildet.
| Klassifikation nach ICD-10 | ||
|---|---|---|
| F65.0 | Fetischismus | |
| F65.1 | Fetischistischer Transvestitismus | |
| ICD-10 online (WHO-Version 2006) | ||
Der Schuhfetischismus stellt eine Störung der Sexualpräferenz bzw. eine körperlich nicht begründbare Verhaltensstörung dar. Im internationalen Diagnosekatalog der Weltgesundheitsorganisation (ICD-10) wird der Schuhfetischismus zwar nicht ausdrücklich genannt. Weil er aber nur eine spezielle Form des Fetischismus darstellt, wird er in den Ziffern F65.0 und F65.1 miterfasst.[3]
Andererseits kann mit Schuhfetischismus aber auch eine unbedenkliche Vorliebe für Schuhe gemeint sein. Das trifft vor allem dann zu, wenn die Bezeichnung im sozialtypischen Sinne Verwendung findet, wenn es dem Betroffenen um die Anhäufung einer unbestimmt großen Anzahl von Schuhen geht, um diese entweder zu tragen oder - beispielsweise als modisch begehrtes Objekt - lediglich in dessen Besitz zu führen.
Eine bloße Sammelleidenschaft oder außerordentliches modisches Interesse für Schuhe sind deshalb allein gesehen noch keine Hinweise auf Schuhfetischismus. Die Bezeichnung ist erst dann angebracht, wenn aus den Schuhen sexuelle Lust bezogen wird. Der Schuhtick kann allerdings als eine frühere Phase in der Entwicklung des Schuhfetischismus auftreten.
Schuhfetischismus gilt allgemein als der häufigste Kleiderfetisch.
Prinzipiell eignet sich jeder Schuh als Fetisch. Verbreitet ist die Vorliebe für Schuhe mit hohen bis extrem hohen Absätzen (z. B. High-Heels, sog. Ballettstiefel) und Langschaftstiefel (z. B. Overknees, Reitstiefel). Neben Faktoren wie Absatzhöhe, Schafthöhe und Material ist häufig entscheidend, ob und von wem die Schuhe vorher getragen wurden und ob sie schmutzig sind. Schuhfetischismus geht häufig mit Fußfetischismus oder verwandten Kleiderfetischen (z.B. zu Nylonstrümpfen und/oder Socken) einher.
Meist beziehen Schuhfetischisten sexuelle Lust aus dem Betrachten, Berühren oder Beriechen (sniffing, „Schnüffeln“) der Schuhe. Insbesondere das Spielen mit den Schuhen wie ständiges An- und Ausziehen (footplay, „Fußspiel“, shoeplay, „Schuhspiel“) oder das Hängenlassen an den Zehen (dangling, „Baumeln“) kann erotisierend wirken. Einige Schuhfetischisten genießen den Anblick beschuhter Füße, die die Gas-, Brems- und Kupplungspedale eines Fahrzeugs bedienen (pedal pumping, „Pedalpumpen“). Auch das Verschmutzen von Schuhen, z. B. beim Befreien eines im Schlamm stecken gebliebenen Fahrzeugs (carstuck), oder das Sauberlecken und Putzen der Schuhe (shoeworshipping, „Schuhverehrung“) kann sexuell stimulierend wirken. Eine andere Spielart ist das Eindringen mit den Fingern in einen am Fuß getragenen Schuh (shoe fisting, „Schuhfausten“).
Manche Schuhfetischisten masturbieren, indem sie ihre Geschlechtsteile mit Schuhen reiben und in oder auf die Schuhe ejakulieren oder Teile der Schuhe vaginal oder anal einführen. Alternativ kann auch der Sexualpartner die Geschlechtsteile des Fetischisten mit den beschuhten Füßen bis zum Orgasmus reizen (shoejob, „Fußarbeit“, vgl. Blowjob).
Stärker in Richtung BDSM gehen Spielarten, bei denen der Sexualpartner mit Schuhen über den Körper des Fetischisten läuft (trampling) oder auf oder in die Genitalien des männlichen Schufetischisten tritt (Cock and Ball Torture bzw. Ballcrushing, Ballbusting).
(from wikipedia.org)