Schuldgefühl

Das Schuldgefühl ist eine - normalerweise als negativ wahrgenommene - soziale Emotion, welche aus der bewussten oder unbewussten Überzeugung etwas Falsches getan zu haben entsteht. Mögliche körperliche Reaktionen (Erröten, Schwitzen, eventuell sogar depressive Verstimmung) sind oft vergleichbar mit denen der Scham oder Angst, aber meist schwächer ausgeprägt. In der Freud’schen Tiefenpsychologie ist das Schuldgefühl Teil des „Über-Ich“.

Inhaltsverzeichnis

Auslöser

Schuldgefühle werden ausgelöst, wenn eine sozial unerwünschte Handlung begangen wird. Dies können Verstösse gegen Normen, Gebote oder Verbote sein, aber auch die Nichterfüllung einer sittlichen oder moralischen Pflicht kann zu Schuldgefühlen führen.

Offensichtlich auslösende Faktoren können beispielsweise ein verursachter Schaden, Versäumnis eines Termins oder ähnliche (unnötige) Fehler sein. Spezifische Gründe können liegen vor, wenn Menschen verpasste Chancen bereuen oder im Nachhinein an der Richtigkeit getroffener Lebensentscheidungen zweifeln. Obwohl dies quälende Gefühle bereitet, besteht deren tiefere Sinn darin, dass sie aus vergangenen Irrtümern lernen und in Zukunft bessere und für sich stimmigere Entscheidungen treffen können (Literatur: Neal Roese).

Des Weiteren kann das Schuldgefühl aber auch durch objektiv schwer nachvollziehbare Auslöser entstehen. Es wird normalerweise entweder von der Umwelt oder vom Betroffenen selbst entwickelt und verstärkt. Hierbei ist meistens eine mehr oder weniger stark ausgeprägte Disposition, Persönlichkeitsstörung oder psychische Erkrankung mitverantwortlich. Beispielsweise können Eltern sich für eine Entwicklung ihres Kindes schuldig fühlen, welche sie nicht/schwer beeinflussen hätten können.

Reaktionen

Durch Schuldgefühle können Gewissensbisse, Ärger, Angst und sogar Panik hervorgerufen werden. Die Person wird von innerer Unruhe getrieben sein, ein schlechtes Gewissen haben und allgemein unter einem bedrückenden Gefühl leiden. Zweifel, Selbstvorwürfe und die ständige gedankliche Beschäftigung mit dem Fehlverhalten sind typisch. Die Reue, also der Wunsch, das Geschehene ungeschehen zu machen oder die Schuld wiedergutzumachen, ist besonders ausgeprägt.

Schuldgefühle im Kognitivismus

Nach der kognitiven Verhaltenstherapie entstehen Schuldgefühle, wenn der Betroffene sein Verhalten als falsch bewertet und sich dafür als Mensch verurteilt. Sie werden in dieser Therapieform nicht als „Gefühle“ sondern als Bewertungen und Schlussfolgerungen angesehen. Demnach können Schuldgefühle überwunden werden, wenn Bewertung und Schlussfolgerung überprüft und korrigiert werden. Oftmals sehen sich Betroffene verantwortlich für Ereignisse, die nicht oder nur zum Teil unter ihrer Kontrolle lagen. Betroffene trennen auch häufig nicht zwischen ihrer Person und einem einmaligen Verhalten zu einem bestimmten Zeitpunkt. Schuldgefühle generell sind nicht hilfreich, denn sie machen das Verhalten nicht ungeschehen, führen nicht unbedingt zu einer Wiedergutmachung und auch nicht zur Vermeidung zukünftigen Fehlverhaltens. Übernahme der Verantwortung und Reue genügen.

Religiöse Bedeutung

Der Buddhismus stellt das Schuldgefühl weitgehend in den Bereich des Leids von welchem man sich über den Weg der Akzeptanz befreien muss.

Im Christentum ist vorhandenes Schuld- bzw. Reuegefühl eine Grundvoraussetzung zur Vergebung der Sünden.

Literatur

  • Doris Wolf: Wenn Schuldgefühle zur Qual werden. Wie Sie Schuldgefühle überwinden und sich selbst verzeihen lernen. PAL Verlag, ISBN 3-923614-68-3
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