Eine Schule (lat. schola von griech. σχολή [sçoˈle], Ursprungsbedeutung: freie Zeit, Müßiggang, Nichtstun, aber auch Muße, später Studium, Vorlesung), auch Bildungsanstalt genannt, ist ein Ort des gemeinsamen Lehrens und Lernens.
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Der gesellschaftliche Auftrag der Schule, der meist im Schulgesetz festgehalten wird, ist die Entwicklung der Schüler zu mündigen und verantwortungsvollen Persönlichkeiten. Sie soll Bildung, also Wissen, Fähigkeiten und Werte im Unterricht gezielt vermitteln. Die gesellschaftlichen Grundwerte sind durch die Verfassung vorgegeben. Weitere Aufgaben sind verschiedentlich Erziehung zur Bewahrung der Umwelt oder teilweise zur Ehrfurcht vor Gott. Die schulische Persönlichkeitsbildung entbindet die Eltern nicht von ihrem Erziehungsauftrag, sondern ergänzt diesen. Die Eltern sollen bei innerschulischen Konflikten mäßigend auf ihre Kinder einwirken, ohne dass Rechtsverletzungen der Schule bzw. der Lehrer hingenommen werden müssten. Bei Wertkonflikten zwischen Eltern und Gesellschaft (z.B. in Fragen der Sexualität) vermittelt die Schule im Sinne des Kindes, muss aber wenn nötig auch gegen den Willen der Eltern die schulische Bildung durchführen. In Streitfällen entscheiden die zuständigen Verwaltungsgerichte.
Die klassischen Schulfunktionen (vgl. Helmut Fend, Theorie der Schule, 1980) sind:
Qualifikation und Sozialisation vermitteln den Heranwachsenden zusätzlich zum elterlichen Beitrag das kulturelle Kapital einer Gesellschaft in zahlreichen Dimensionen: von Grunndfähigkeiten wie Schreiben und Lesen bis zum erfolgversprechenden Auftreten. Gesellschaftskritiker sprechen von einem "heimlichen Lehrplan", der all das umfasst, was gar nicht beabsichtigt ist, aber angeeignet wird, um Erfolg zu haben, beispielsweise Schummelstrategien.
Die Schule erfüllt neben der Förderung auch die Funktion der Selektion, d.h. die Heranwachsenden nach ihrer Leistungsfähigkeit einzuschätzen und ihnen am Ende der Schulzeit durch Vergabe von Schulabschlüssen für weitere Ausbildungsgänge eine vorläufige soziale Position zuzuweisen. Die schulische Funktion einer Berechtigungsvergabe ist im deutschen Schulwesen traditionell stärker ausgeprägt als etwa in den USA, wo andere Selektionsmechanismen greifen. So richtet sich auch die Gehaltsstruktur des öffentlichen Dienstes in Deutschland (vom einfachen bis zum höheren Dienst) nach dem erreichten Schulabschluss. Auf dem Wege dahin sind Schullaufbahnentscheidungen zu treffen. In der demokratischen Gesellschaft soll jedem Schüler eine gerechte Chance gegeben werden. Die Chancengleichheit gehört zu den zentralen Streitpunkten der Bildungspolitik. Auch der Zeitpunkt der Selektion ist umstritten. Die Persönlichkeit der Schüler wird in den Schulen vorwiegend darin gebildet, sich gegenüber gestellten Leistungsanforderungen und ihrer Bewältigung positiv einzustellen. Kritiker der Selektionsfunktion wenden ein, dass die Schule faktisch weitgehend die soziale Schichtlage, in die jemand hineingeboren wird, reproduziert und insofern Chancengleichheit nur auf dem Papier existiert. Die Berechtigungen, die etwa ein Hauptschulabschluss verleiht, sind zudem recht gering geworden.
Loyalität zu gesellschaftlichen und politischen Normen stellt sicher, dass die bestehenden Institutionen und Verfahren überhaupt von der nächsten Generation akzeptiert werden und weiter funktionieren. Loyalitätssicherung ist in allen politischen Systemen eine zentrale Funktion des Bildungssystems. So war die Schule der DDR in höchstem Maße darauf ausgerichet, die Existenz der DDR zu rechtfertigen (am Ende weitgehend erfolglos). In demokratischen Systemen ist die Ausbildung eines Demokratiebewusstseins eine Hauptaufgabe der gesellschaftswissenschaftlichen Fächer. Das Auftreten von jugendlichem politischem Extremismus führt in der Regel zu einer Verstärkung der entgegensteuernden Schulaktivitäten im gefährdeten Bereich. In dieser Hinsicht erweist sich die Schule als ein die Gesellschaft stabilisierendes System.
Der staatliche Auftrag, Schulen zu unterhalten, kann vom Staat selbst (öffentliche Schulen) oder von privaten Trägern (nach Grundgesetz Art. 7 (4) (Privatschulen) erfüllt werden. Die Aufsicht liegt nach Art. 7 (1) immer beim Staat.
Der Besuch einer Schule ist in Deutschland durch die Schulpflicht vorgeschrieben. Üblicherweise gilt die Schulpflicht vom sechsten bis zum fünfzehnten oder sechzehnten Lebensjahr. Rückstellungen sind unter Umständen möglich, neue Tendenzen legen den Schulbeginn bereits in das fünfte Lebensjahr. Durch die Schulpflicht schreibt in Deutschland der Staat im Gegensatz zu einer Bildungspflicht sogar vor, wie und in welcher Form Bildung zu erfolgen hat. Hausunterricht, bei dem Schüler von ihren Eltern oder Privatlehrern unterrichtet werden, ist – von wenigen Ausnahmen abgesehen – in Deutschland unzulässig. Aus der Schulpflicht folgt eine Aufsichtspflicht der Schule über die Kinder und Jugendlichen.
Es ist daher auch falsch, die Schule als reine staatliche Dienstleistung zu betrachten, sondern sie setzt auch eine Ausübung von legitimer Macht um und schränkt einige Grundrechte der Eltern und Kinder nach gesetzlichen Normen ein. Insofern hat sie eine hoheitliche Funktion, die letztlich nur vom Staat geregelt werden darf.
Die Einschulung erfolgt auch heute noch immer nur einmal im Jahr. Dieses geht zurück auf das 18. Jahrhundert - damals waren mehrere Einschulungstermine auf Grund der landwirtschaftlichen Besonderheiten (Kinderarbeit) nicht möglich. Es gibt aktuelle Überlegungen, dies zu ändern.
Während des 20. Jahrhunderts wurden traditionelle Schulen zum Gegenstand verbreiteter Kritik. In Deutschland zeigte sich dies in allen Strömungen der Jugendbewegung und Reformpädagogik. In den 1970er Jahren fand die antiautoritäre Erziehung breite Sympathie. Alternativschulen wurden gegründet, bedeutsam war z. B. die Glockseeschule Hannover.
Schulen wurden beschuldigt, das Lernen bei Kindern eher zu verhindern als zu fördern, vor allem indem die Unterrichtssituation Angst erzeugt. Pädagogen wie Francisco Ferrer oder Alexander Sutherland Neill gründeten freiere Schulen (Summerhill), während andere wie John Holt im Home Schooling eine Alternative sahen (siehe auch: Deschooling).
Der amerikanische Psychologe David Keirsey zeigt in seinen kritischen Essays, dass vom Schulsystem nur bestimmte Temperamenttypen gefördert, andere hingegen gehemmt werden. Er spricht sich auch deutlich gegen verhaltensändernde Pharmazeutika aus, die besonders im amerikanischen Raum häufig eingesetzt werden.
Der in Lateinamerika tätige Priester Ivan Illich verwies besonders für die Dritte Welt auf das Versagen der Schule (Schulen helfen nicht, 1972).
Der französische Soziologe Pierre Bourdieu zeigte in seinem Buch Die feinen Unterschiede (frz. 1979), wie Schulen zum Erhalt von Klassenstrukturen beitragen.
Siehe auch Schulkritik
Schulentwicklung bezeichnet die Weiterentwicklung von Schulen in personeller und organisatorischer Sicht. Ziel ist die inhaltliche Veränderung von Schule als Reaktion auf gesellschaftliche Rahmenbedingungen zu Beginn des 21. Jahrhunderts. Dieses Konzept ergibt sich aus der internen Diskussion der an Schule beteiligten Institutionen.
Die rechtlichen Beziehungen zwischen den Angehörigen der Schule sind im Schulrecht geregelt. Über das Schulgesetz, Erlasse und Verordnungen sowie Lehrpläne werden die Schulangelegenheiten von den zuständigen Landesparlamenten und Kultusministerien geregelt. Der Schulleiter sorgt für die rechtsstaatliche Einhaltung aller Bestimmungen und ist der Empfänger von Beschwerden gegen die Lehrer. Bei der Leitung einer Schule konkurrieren das hierarchische Schulverwaltungsrecht (Schulleiter leitet die Schule) und das demokratische Schulmitbestimmungsrecht (Entscheidungsinstanzen der Schule sind die Gremien, z.B. Schulkonferenz) miteinander. Die Notengebung ist der Mitbestimmung durch Konferenzen weitgehend entzogen, während Entscheidungen über Nichtversetzung von Schulgremien getroffen werden.
Über die einzelnen Schulen wachen auf verschiedenen Ebenen (je nach Schulform) die Schulaufsicht sowie die für Schule zuständigen Ministerien (ebenfalls mit verschiedenen Namen in den Bundesländern und Zuschnitten). Der direkte Vorgesetzte des Schulleiters ist meist ein Schulrat oder ein -dezernent.
Die Organisation einer Schule beruht auf einer Schulgemeinschaft. Sie besteht je nach Schulart und Ausstattung aus:
Die Zusammenarbeit in der Schule ist in Konferenzen organisiert:
Die Bezeichnungen für Schultypen unterscheiden sich je nach Land oder Landteil ebenso wie ihre Ausprägungen. Auch die Dauer der Schulzeit variiert. Siehe auch Schulsystem.
Hauptartikel: Deutsches Schulwesen
In Deutschland steht das Bildungswesen unter der Kulturhoheit der Bundesländer. Sowohl die Bezeichnungen für einzelne Schultypen als auch deren Inhalte unterscheiden sich deshalb von Bundesland zu Bundesland. Die Kultusministerkonferenz vereinbart Regeln zur Vergleichbarkeit von Abschlüssen und andere Eckpunkte.
Schultypen (unvollständig):
Staatliche berufliche Schulen (unvollständig):
Hauptartikel: Schultypen in Österreich
In Österreich ist das Schulwesen bundeseinheitlich geregelt.
Hauptartikel: Schulsystem in der Schweiz
In der Schweiz sind die Kantone für das Schulwesen zuständig.
Hauptartikel: Schulsystem Liechtensteins
Im Fürstentum Liechtenstein ist das Schulwesen einheitlich geregelt.
Laut PISA-Studien hat Finnland das weltweit erfolgreichste Schulsystem. Eines der Vorbilder war das Schulsystem der DDR, dessen Zug zur Uniformität aller aber abgelehnt wurde. In heutigen Tagen suchen finnische Bildungspolitiker nach neuen Vorbildern, um Kosten zu sparen und eine effektivere Selektion in Finnland einzuführen. Das Schulsystem des heutigen Deutschland ist daher in Finnland als Vorbild im Gespräch. Das derzeitige deutsche Schulsystem gilt laut PISA-Studien als in vielen Hinsichten nicht zufriedenstellend.
So besuchen 90 % der finnischen Schüler im Alter von 6 Jahren eine qualifizierte Vorschule. Die Schulpflicht beginnt mit 7 Jahren. Die Klassenstärken liegen bei ca. 20 Schülern. Sitzenbleiben ist unbekannt.
Da diese Länder zumeist auf Grund politischer Instabilitäten und Fehlentwicklungen weder über das erforderliche Budget noch über ein wahres Interesse am "lesenden Volk" verfügen, sind qualifizierte Schulsysteme in diesen Ländern selten. Somit ist das Bildungsniveau in diesen Ländern über Jahrzehnte hinweg katastrophal und mit einer der Hauptgründe für fehlende Demokratisierungsprozesse und fehlende wirtschaftliche Erfolge.
In den ehemaligen englischen Kolonien wie z.B. Tansania, Kenia und Gambia orientiert sich das Schulwesen an der früheren Kolonialmacht. Es gibt auch noch die klassische Schuluniform. Eine Schulpflicht wird hier nicht durchgesetzt. Neben einem monatlichen Schulgeld müssen die Schüler auch die Schulmaterialien bezahlen sowie die Lehrkräfte finanziell unterstützen (Korruption). Kinder aus wohlhabenden Familien gehen zumeist in England zur Schule.
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Die Chengdu Shishi Zhongxue ist die älteste weiterführende Schule der Welt.
Siehe auch Römische Erziehung, Deutsches Bildungssystem, Bildungsreform
Siehe Mathematik für die Schule, Chemie für die Schule, Englisch für die Schule, Schüleraustausch, Schülerverbindung, Hausaufgabe.
Einstiegsseiten: Portal:Pädagogik, Portal:Bildung und Portal:Schule
"Wer hat denn Schulen eingerichtet? Der Statt (Anm.: der Staat). Für wen hat er sie eingerichtet? Für sich... und wenn die Väter durch Ihre Sorge für das Fortkommen ihrer Söhne sich verleiten lassen, hiernach die Anlage der Ihrigen zu beurteilen, so muß die Pädagogik sie vollständiger belehren. Sie kann sie zuvörderst erinnern, daß der Statt sich um den minder tauglichen auch minder kümmert. Seine Schulen sollen ihm die Subjekte liefern, die er braucht. Er wählt die brauchbarsten, die übrigen mögen für sich sorgen!" Johann Friedrich Herbart (1776-1841) - aus: Herbart Werke, 1984, 2.Bd./S.165
| Wiktionary: Schule – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme und Übersetzungen |
Adelung-1793: Schule, die · Real-Schule, die
Brockhaus-1809: die Veterinair-Schule · Die Florentinische Schule · Die Flamändische Schule
Brockhaus-1911: Hohe Schule · Megarische Schule · Tübinger Schule · Antiochenische Schule · Eleatische Schule · Elische Schule
DamenConvLex-1834: Niederländische Schule
Eisler-1904: Schottische Schule · Milesische Schule · Elische Schule
Eisler-1912: Schottische Schule · Elische Schule
Herder-1854: Italienische Schule · Megarische Schule · Salamantinische Schule · Elische Schule · Florentiner Schule · Ionische Schule
Meyers-1905: Pneumatische Schule · Paritätische Schule · Megarische Schule · Tübinger Schule · Schule von Athen · Schule · Ionische Schule · Eleatische Schule · Antiochēnische Schule · Alexandrinische Schule · Hohe Schule · Erētrische Schule · Elische Schule
Pierer-1857: Elische Schule · Eleatische Schule · Florentiner Schule · Italienische Schule · Ionische Schule · Antiochcnische Schule · Alexandrinische Schule · Aristotelische Schule · Brabanter Schule · Bologneser Schule