Schutter (Baden-Württemberg)

Die Schutter ist ein 55 km langer baden-württembergischer linker Nebenfluss der Kinzig.

Sie entspringt am Hünersedel (Schwarzwald) oberhalb von Schweighausen auf 680 Meter Höhe , wobei die Schutter erst im Ort Schweighausen aus dem zusammenfluss zweier kleinerer Bächen, dem Geisbergbach und dem Lohbach (Schuttertquelle) entsteht. Der Fluss fließt zunächst in nordwestliche Richtung durch die Gemeinden Schuttertal und Seelbach. Allmählich knickt der Fluss nach Westen ab und durchfliesst die Stadt Lahr. Dort verlässt sie auch den Schwarzwald und fließt in nördliche Richtung parallel zum Rhein durch die Oberrheinische Tiefebene. Sie durchquert die Gemarkungen von Friesenheim, Hohberg, Neuried, Schutterwald und mündet bei Kehl in die Kinzig, wenige Kilometer, bevor diese in den Rhein mündet.

Am Ende der letzten Eiszeit (Würmeiszeit) floss die Schutter mit weiteren Schwarzwaldflüssen parallel zum Rhein in der noch heute erkennbaren Kinzig-Murg-Rinne (Kinzig-Murg-Fluss).

Über die etymologische Bedeutung des Namens "Schutter" sind sich die Sprachwissenschaftler uneinig. Vermutlich liegt dem Wort "Schutter" die frühgermanische Form "scutro" zugrunde, was so viel wie das "schnell, flink dahinfließende Gewässer" heißen soll. "scutro", das die indogermanische Wurzel "sceud" beinhaltet, lässt aber auch die Auslegung im Sinne von "Umdämmung", "Aufstauung des Wassers" zu und weist auf die an Dämme und Mühlen reiche Schutter der Ebene hin. 19 Städte und Dörfer durchfließt die Schutter, bis sie in die Kinzig mündet. Auf diesem Weg war der Fluss für die gewerbetreibenden Anlieger jahrhundertlang ein wichtiger Energielieferant. Nach dem Badischen Wasserkraftkataster von 1925 hat die Schutter damals nicht weniger als 36 Wasserkraftanlagen mit insgesamt 47 Wasserrädern, 12 Generatorenkraftanlagen mit 17 Turbinen betrieben, darunter Haus- und Hofmühlen, Kundenmühlen, Hammerschmieden, Elektrizitätswerke, Ölmühlen, Gerstenstampfen und Sägewerke.

Das Wasser der Schutter wurde auch zur Wiesenwässerung genutzt (Wässerwiesen). Dies geschah auf den Gemarkungen der heutigen Gemeinden Hohberg und Neuried. Das Wasser wurde oberhalb von Mühlen (Schutterzeller Mühle, Dundenheimer Mühle)in Bewässerungsgräben abgeleitet, da dort der Fluss so stark aufgestaut ist, dass die Wasseroberfläche über der umgebenden Landoberfläche liegt. Die größten Wässerwiesen waren die Unterwassermatten (heute Naturschutzgebiet), deren Wässerung etwa hundert Jahre in Betrieb war und 1935 aufgegeben wurde.

Für die entlang der Schutter lebenden Menschen war der meistens friedlich dahinfließende Fluss aber oft auch eine große Gefahr, denn die Schutter trat immer wieder über ihre Ufer, überflutete wertvolles Ackerland und zerstörte Straßen, Brücken und Häuser. Das Schutter-Hochwasser war zu allen Zeiten gefürchtet - und dies nicht nur im Schuttertal, sondern auch in Lahr und in der Rheinebene. Bis zum heutigen Tag sind in der Bevölkerung die schlimmen Hochwasserjahre von 1958, 1970, 1978, 1980 und 1987 unvergessen. Außer den vielen Berichten über die Hochwasserschäden in den örtlichen Gemeinderatsprotokollen erinnert heute noch das "Hochwasserkreuz" in Schweighausen an eine Hochwassernot im Jahr 1895. Damals am 6. Juni 1895 haben die Fluten der Schutter den Landwirt Landolin Bauer mit seinem Pferdefuhrwerk mit sich fortgerissen. Das am Unglücksort, oberhalb des Stefisbauernhofs in der Steig zum ehrenden Gedenken an den verunglückten errichtete Kreuz vergegenwärtigt noch heute in Inschrift und Bild das Unglück.

Um die Schutter-Anliegergemeinden in der Rheinebene auf Dauer vor Hochwasser zu schützen, wurde schließlich in den Jahren 1936 bis 1938 vom Reichsarbeitsdienst der Schutter-Entlastungskanal zwischen Lahr-Dinglingen und Nonnenweier gebaut. Inwiefern die in jüngster Zeit angelegten Hochwasserrückhaltebecken in Lahr-Kuhbach (erbaut von 1983 bis 1985) und Seelbach-Wittelbach (erbaut von 1989 bis 1991), den Menschen im Schuttertal und in Lahr Hochwasserschutz bieten, wird sich beim nächsten Jahrhundert-Hochwasser der Schutter beweisen.

Neben den bereits genannten Gemeinden Schuttertal und Schutterwald tragen auch Schuttern, ein Ortsteil von Friesenheim, und Schutterzell, ein Ortsteil von Neuried, den Namen des Flusses in ihrer Bezeichnung. Des weitern leiten sich die Bezeichnungen einiger landschaftlich markanter Punkte, wie z.B. des Schutterlindenbergs in Lahr, vom Namen des Flusses ab.

Größere Zuflüsse zur Schutter sind der Sulzbach und die Unditz.

Geodaten

Quelle:
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