Schwäbische Dialekte

Schwäbisch

Gesprochen in

Deutschland, Österreich (Außerfern in Tirol)
Sprecher  ?
Linguistische
Klassifikation
           Schwäbisch
Offizieller Status
Amtssprache in -
Sprachcodes
ISO 639-1:

-

ISO 639-2: (B) gem (T) -
ISO 639-3 (SIL):

SWG

Der Schwäbisch-Alemannische Sprachraum
Der Schwäbisch-Alemannische Sprachraum

Schwäbisch ist eine im Raum Schwaben, das heißt heute im mittleren und südlichen Bereich von Baden-Württemberg sowie in westlichen Teilen Bayerns gesprochene Gruppe von Dialekten. Linguistisch gehören sie zu den alemannischen Dialekten und damit zu der oberdeutschen Dialektgruppe.

Innerhalb der schwäbischen Dialekte gibt es erhebliche Unterschiede. Eine Möglichkeit ist die Unterscheidung nach den Formen des Partizips Perfekt von "sein" in gweä (gewesen) und gsai (gewesen). Die Gsai-Gruppe ist sprachgeschichtlich näher mit dem niederalemannischen und dem hochalemannischen gsi verwandt.

Inhaltsverzeichnis

Merkmale

Das Schwäbische wird durch einige Grammatik- und Aussprachemerkmale charakterisiert. Diese sind aber teilweise nicht auf die Schwäbischen Dialekte beschränkt und können in anderen Deutschen Mundarten vorkommen.

Aussprachemerkmale

  • Die Umlaute 'ö' und 'ü' werden als 'e' und 'i' gesprochen. (Die Aussprache 'ö' und 'ü' wird heute aber vielfach unter dem Einfluss der Standardsprache restituiert.)
  • Die Diphthongierung der mittelhochdeutschen Langvokale î und û wurde (im Gegensatz zum Hochalemannischen) zwar mitgemacht, die Betonung liegt jedoch noch immer meist auf dem zweiten Vokal (der in den anderen alemannischen Mundarten als Monophtong erscheint). In abgelegenen Gegenden haben sich die alemannischen Monophtonge zumindest teilweise bis heute gehalten. Die im Schwäbischen gebräuchlichen Diphthonge /ei/ und /ou/ fallen aber nicht mit den "alten" Diphthongen /oe/ und /ao/ zusammen, sie unterscheiden sich hörbar von diesen. Es gibt im Schwäbischen also Minimalpaare, die im Standarddeutschen gleich gesprochen werden, wie "wêis" (weiß [Farbe]), aber "wôes" oder "woas" (weiß [von wissen]), wie "d'Dêubê" (die Taube [Vogel]), aber "dr Daobe" (der Taube, Gehörlose). Die beiden Diphthonge /äu/ und /eu/ werden im Standarddeutschen gleich ausgesprochen, im Schwäbischen aber auf zweierlei Weise. Für /äu/ gibt es: "s'Dêible" (das Täubchen), "Mêis" (Mäuse) von "Mêus" (Maus), aber "Baem" (Bäume) von "Baom" (Baum). Bei /eu/ ergeben sich z. B. "Fraed" (Freude), aber "Fêier" (Feuer).
  • Die Aussprache von "-en" am Wortende als eigenen Vokal â bzw. Schwalaut, der zwischen [a] und [ə] liegt (regional unterschiedlich)
  • Die einheitliche Endung „-âd“ bei Verben im Präsens-Plural: "mir machâd, ihr machâd, se machâd" (wir machen, ihr macht, sie machen), auch im Niederalemannischen)
  • Die generelle Aussprache von "st" und "sp" als "scht" und "schp" (z.B. „Fest“, gesprochen „Fescht“) oder im Anlaut als "schd" und "schb" (z.B. „Stein“ als „Schdoi(n)“). Eine Aussprache s-t gibt es im Schwäbischen nur dort, wo Schriftdeutsch -sst- bzw. -ßt- vorliegt, z.B. „er isst“.
  • Stimmlose Plosive werden in der Wortmitte stimmhaft ausgesprochen (z.B. "schicken" als "schiggâ"). Anders formuliert: In der Wortmitte wird zwischen stimmlosen und stimmhaften Plosiven nicht unterschieden.
  • Der Konsonant r wird immer hörbar gesprochen und nicht einfach zu -a reduziert wie oft in der Standardsprache ("er", "wir", ...). Das r ist im schwäbischen Kerngebiet ein hinteres r, in Oberschwaben aber ein Zungenspitzen-r.
  • Die Verkleinerungssilbe "-le", sehr kurz gesprochen, aus "-lein": "s'Hêisle" (das Häuschen), im Plural "-lâ": "d'Hêislâ" (die Häuschen) oder Spätzlâ
  • Die (hochdeutschen) Endungen "-eln" und "-ern" (in Kartoffeln, meckern) werden zu "-lâ" und "-râ" (Kardofflâ, mäggrâ)
  • Der generelle Gebrauch des stimmlosen s an Stellen, wo im Standarddeutschen ein stimmhaftes s steht
  • man wird im Schwäbischen "mâ" oder "mr" gesprochen
  • wir wird im Schwäbischen bei Betonung "mir" gesprochen oder wenn unbetont "mr", regional auch "miér"

Grammatikalische Merkmale

  • Die Verwendung des Dativs in Ermangelung des Genitivs: "'m Vaddr sae Riassl" (dem Vater sein Rüssel = Vaters Nase), auch beim doppelten Genitiv: „'m Wirt sairer Aldâ ihr Bäsle“ (dem Wirt seiner Alten ihre Base = die Kusine der Frau des Wirts)
  • Abweichende Fälle bei bestimmten Verben, z.B. Dativ statt Akkusativ: „I ruf dir aa“ (ich rufe dich an).
  • Die Verwendung einer Form mit -i- auch bei der ersten Person Singular in solchen Verben, die in der Standardsprache -i- in der 2./3. sg. haben ("I iss Floesch" anstatt "i ess Floesch" bzw. Ich esse Fleisch), vgl. Standarddeutsch "du/er isst".
  • "wo" als stets unveränderliches Relativpronomen statt "der, die, das, welcher, welche, welches". ("Diâ Frao, wo i ân Kuss gäbâ hann, ..." – 'Die Frau, der ich einen Kuss gegeben habe, ...')
  • Wegfall der Vorsilbe 'ge-' bei den Partizipien von Verben auf 'g', 'k', 'b', 'p', 'd' und 't', sonst verkürzt auf 'g-': "gangâ, kommâ, brôchd, butzd, donnerd, dronggâ" (gegangen, gekommen, gebracht, geputzt, gedonnert, getrunken) und "ghedd, gnommâ" (gehabt, genommen).
  • Das Ausbleiben der neuhochdeutschen Monophthongierung ist auch typisch für das Schwäbische (liab statt lieb, guat statt gut), obwohl sie im nördlichen Dialektgebiet nicht überall erscheint.
  • Konjugation der Verben der Ruhe (Bewegungslosigkeit) mit 'sein', nicht mit 'haben': "I benn glägâ, är isch gschdandâ ond diâ andârâ senn gsessâ." (Ich bin gelegen, er ist gestanden und die anderen sind gesessen. [nach Duden korrekt])
  • Die Uhrzeiten "vierdl (drei)" und "dreivierdl (fenfe)" bedeuten in anderen Sprachregionen "viertel nach ... (zwei)" und "viertel vor ... (fünf)". Diese Sprechweise kommt (oder kam) aber auch in anderen Regionen vor, z. B. in Berlin.
  • Ziffern haben männliche Form und Geschlecht: "dr Oeser" (der Einser), "dr Nuller" usw., ebenso Zahlen, wenn sie als Nummern gebraucht werden: "der Siebenundzwanziger" (z. B. als Nummer einer Straßenbahnlinie).
  • Gewisse Substantive haben vom Standarddeutschen abweichendes Geschlecht, so "der Budder" (die Butter), "des Deller" (der Teller), "der Bangg" (die [Sitz-]Bank), aber "die Bangg" (die [Geld-]Bank), entsprechend französisch "le banc" und "la banque" oder italienisch "il banco" und "la banca".
  • Die Wortbeugung nach Geschlecht bei Verwendung des Wortes Zwei: "Zwee Manne, zwoa/zwo Weiber, zwoi Kend" (2 Männer, 2 Frauen, 2 Kinder). Weiterhin gilt: "Zwoi Leid" (2 Leute, wenn unklar ist, ob sie sich einem bestimmten Geschlecht zuordnen lassen). "Dia Zwoi hend gheiret" (die beiden haben geheiratet - wegen der Verschiedenheit der Geschlechter dominiert hier das Neutrum).
  • Die Reduplikation gewisser Verben, die eine Tätigkeit ausdrücken, zu der man sich unmittelbar begibt. Zum Beispiel "i gang ge-schaffa (ich gehe zur Arbeit)" oder "mir goant ge-metzga (wir gehen schlachten)".

Begriffsumdeutungen

Im Schwäbischen haben eine Reihe von auch im Hochdeutschen gebräuchlichen Wörtern abweichende Bedeutungen:

  • bei Körperteilen: mit „Fuaß“ wird das Bein bis zum Oberschenkel bezeichnet, das "Kreiz" (Rücken) umfasst den ganzen Rücken; analog dazu werden Hand, Unterarm, Ellbogen und Oberarm bis zum Schultergelenk als "Hand" zusammengefasst, und der "Bauch" umfasst den ganzen Korpus. Ein Schwabe ist in der Lage, einen Krampf an der Stelle zu bekommen, "wo der Fuß in den Bauch mündet".
  • bei Tieren: eine Stubenfliege (Musca domestica) heißt im Schwäbischen „Fluig“, eine Stechmücke (Culicidae) „Schnôg“ (Schnake); für die Mückenfamilie der (nichtstechenden) Tipulidae, die üblicherweise als Schnaken bezeichnet werden, gibt es den Begriff "Mugg" (in Stuttgart oft auch "Großvater" genannt, auch der Begriff "Habergoes" ist regional anzutreffen). Der Bedeutungswandel des Worts „Schnake“ ist mittlerweile umgangssprachlich über das Schwäbische hinaus verbreitet. Die Fliegenklatsche heißt auf Schwäbisch "Fluigabätschr" oder auch "Muggabatschr" (Mückenbatscher).
  • bei Bewegungsverben:
    • „gângâ“ (gehen) wird nur benutzt, um den Ortswechsel zu beschreiben - gehen als Art der Bewegung heißt im Schwäbischen „laufâ“, laufen heißt „springâ“ (hüpfen heißt „hopfâ“ oder „hopsâ“), springen heißt „sprengâ“ aber auch „juggâ“ (jucken hingegen heißt „beißâ“); schnelles Laufen heißt „rennâ“ oder „sauâ“.
    • "gângâ lâu!" oder "Gâu lâu!" (gehen lassen!/Imperativ) ist nicht im Sinne eines Ortswechsels zu verstehen, sondern kommt vom "Teig gehen lassen", also "ruhen lassen". D.h. Sagt ein Schwabe:" Oh verreck, wenn's so isch, ôifach gâu lâu" meint er:"So ein Mist, wenn das so ist, einfach in ruhe lassen"
    • Hingegen: "I muâß jetzêtt 'gâu gâu'!" Hier bedeutet das erste "gâu" = "gleich", das zweite = "gehen".Also:" Ich muss jetzt 'gleich gehen'!"
    • "G'schwend" (geschwind) wird im schwäbischen nicht zur Definition einer Geschwindigkeit benutzt, sodern um einen Zeitabstand zu verdeutlichen: z.B. "Komsch du (oder"dâu") mol gschwênd?" = "Kommst du mal kurz"
    • halten heißt im Schwäbischen „hebâ“, heben heißt „lupfâ“ (ein Nagel in der Wand „hebd“ das Bild, während der Stuhl auf den Tisch „glupfd“ wird.)
    • arbeiten heißt im Schwäbischen "schaffâ" und schaffen "machâ".
  • In einigen Regionen gibt es auch Entdifferenzierungen von Farbattributen: helles Orange, Ocker, und Hellbraun werden oft zu "gäal" (Gelb) zusammengefasst, dunkles Orange, Rot, Rosa oder Violett dagegen heissen "raod" oder "rood" (Rot), analog werden Grautöne schon bei mittlerer Helligkeitsintensität als "schwarz" bezeichnet.
  • wir heißt im Schwäbischen „mir“: „Mir kennât älles, bloß koe Hochdeitsch“ (Wir können alles außer Hochdeutsch) - „Mir kennad au Hochdeitsch, mir wellad bloß ned“ (Honoratiorenschwäbisch: Wir können auch Hochdeutsch, wir wollen bloß nicht)
  • bei Haushaltsgegenständen: Mit "Teppich" wird eine (Woll-)Decke bezeichnet, die zum Zudecken geeignet ist.

Dialektgruppen

Dialektgruppen:

  • Niederschwäbisch (Neckarschwäbisch) im oberen und mittleren Neckartal und den angrenzenden Gebieten (Schwäbische Alb, Ostschwarzwald): Gwä, Gwäâ
  • Oberschwäbisch in Württemberg südlich der Donau und im bayerischen Regierungsbezirk Schwaben (südlicher Übergang zum niederalemannischen Gsi über Gsai))
  • Ostschwäbisch in der Region Ostwürttemberg und im bayerischen Landkreis Donau-Ries (etwa zwischen Ulm, Donauwörth, Dinkelsbühl und Schwäbisch Gmünd; Niederschwäbisch mit Übergang zu Oberschwäbisch)
    • Rieser Schwäbisch - eine Dialektform, die deutliche Anklänge an das Neckarschwäbische zeigt, jedoch deutlich davon verschieden ist: so sagt der Rieser nicht "Do hanna", sondern "do dranna", wenn er "da dort" meint.
  • Allgäuerisch (Tiroler Schwäbisch) im Unter- und Ost-Allgäu, auch verwendet in angrenzenden Gebieten Tirols (Lechtal, Außerfern), sowie Vorarlberg und Oberbayern (Lechrain); klar getrennt vom niederalemannischen Allgäuerisch (Ober- und Westallgäu) durch die Wiib-Weib-Linie

Regionale Individualisierung

Schwäbischexperten können die Herkunft einer Person von der Schwäbischen Alb dank ihres Dialekts überraschend zuverlässig genau einem Ort (schwäbisch "Fleggâ") zuordnen. Dabei spielt u.a. die Aussprache von "nicht" als "nedd", "nedda", "edd", "edda", "nitt", "idd", "idda", "itt" oder "itta" eine Rolle. Diese Feinheiten verschwinden in der Sprachkultur der jüngeren Generationen immer mehr. Die Unterschiede zeigen sich auch darin, dass selbst eingeborene Stuttgarter kaum einen Satz verstehen, wenn ein sogenannter Älbler richtig loslegt. Das Albschwäbisch ist gekennzeichnet durch einen melodiösen Singsang in der Sprache. Ein Merkmal des Albschwäbischen ist teilweise der Gebrauch des Konjunktivs anstelle des Indikativs: "mir häbe" (neben han); "siâ sêie" (neben sän) - hochdt.: wir haben; sie sind.

In Oberschwaben, insbesondere aber am badischen Ufer des Bodensees, wird der hochalemannische Einfluss stärker. So findet man in dieser Region häufig die hochalemannische Monophtongierung ("Ziit" statt "Zaid" = hochdt. Zeit oder "uff" statt "auf") und viele Gemeinsamkeiten mit dem Südbadischen und Schweizerdeutschen. Dies gilt auch für die Dialekte des Allgäus, der großteils zu Bayern gehört. Der im Tiroler Außerfern um die Bezirksstadt Reutte gesprochene Dialekt entspricht weitgehend der Oberallgäuer Mundart und wird von den Einheimischen ebenso meist Schwäbisch genannt (Tiroler Schwaben).

In diesem Zusammenhang interessant ist auch die unterschiedliche Färbung des Schwäbischen je nach Religionszugehörigkeit des Sprechenden. In den altwürttembergisch = evangelischen (Lutherischen) Orten ist die Aussprache einiger Wörter anders als in den katholischen Orten. Th. Troll führt das auf den Predigtstil der Pfarrer zurück. Beispiele:

  • kath.: Lehrer, Seele, Ehre - evang.: Lährer, Sähle, Ähre
  • kath.: Vahder (für Vater) - evang.: Vaddr

Eigenständige Ausdrücke

In vielen Gemeinden gibt es Spitznamen für die Einwohner wie z.B. Spandale, Spältleskucker oder Loable, die mit der eigentlichen Ortsbezeichnung nichts gemein haben (s. Ortsnecknamen). Diese Namen finden auch oft in den Namen von Narrenzünften Verwendung.

Im Schwäbischen gibt es insbesondere eine reiche Anzahl an derben Redewendungen mit denen sich hervorragend schimpfen lässt. ("Dir schlage d´Fiaß ab, daß de uff de Schdomba hoimquaddla muasch.", "Des isch vrschdônga ônd vrloga!","I schlah dr's gwänd ah", "Dem henge s Greiz aus!", "Mir gôht glei dr Gaul durch.", "Wenn du so lang wärsch wia bleed, nô könnsch dr Mond am Arsch lägga.","Dem lauft ´d rotz dá backa nuff", "I schlag dr oine and Battrie nò", "wenn ia an hendera hed wia dei gsicht, no dät ia mi sogar beim scheissa schäma" u.v.m.) Ein umfangreiches Schimpfwortverzeichnis findet man hier [1]

Personen, die von nördlich des Oberdeutschen Sprachraums herziehen, werden als "Raigschmeggde" (Hereingerochene) bezeichnet, was als ein Makel gilt, der frühestens – wenn überhaupt – nach mehreren Jahrzehnten oder gar Generationen der Integration behoben werden kann. Auffallend ist in diesem Zusammenhang auch die Vielfalt scheinbarer Schimpfworte. So hat das Wort "Siach", was in seiner sekundären Form auf Hochdeutsch soviel wie Strolch heißen würde, mehrere Bedeutungen von denen auch einige positiv sind. Da dies stark von der Betonung abhängt, ist es vor allem für "Raigschmeggde" eher schwierig, sich einzuleben. Der sogenannte Schwäbische Gruß (das Götz-Zitat "Legg me am Arsch!") kann, nach Thaddäus Troll, zahlreiche Bedeutungen haben und klingt in den Ohren Einheimischer oft weniger beleidigend als für "Raigschmeggde", beispielsweise ist es auch Ausdruck allergrößten Erstaunens.

Weil v.a. Oberschwaben eine landwirtschaftlich geprägtes Region ist, gibt es viele Worte, die sich auf Dinge aus dem Bauernleben beziehen. So ist ein feuchter Schmutz, der auf eine Oberfläche trocknet und festklebt, "nachbichád". Der Schmutz, der sich an Körper von Tieren bildet, wenn sie in Schlamm oder Mist lagen, "Kladdrá". Ein Kalb, das Kurz vor der Geschlechtsreife steht, ist ein "Jommbá", eine geschlechtsreife Kuh, die noch kein Kalb geboren hat und deshalb keine Milch gibt, ist ein "Boschá", und ein Bulle, der zu Jung ist, um zur Besamung eingesetzt zu werden, ein "Hähgalé".

Sprachliches Volksgut

Werbung auf schwäbisch: „Halten Sie sich links, wenn Sie nach Stuttgart wollen.“
Werbung auf schwäbisch: „Halten Sie sich links, wenn Sie nach Stuttgart wollen.“

Einige bekannte schwäbische Zungenbrecher:

  • "Isch a Dennede en denne Denna denna?" ('Dennede' ist die schwäbische Pizza, 'denne' bedeutet 'diesen', 'Denna' bedeutet 'Tenne' bzw. 'Scheune' und 'denna' entspricht dem Wort 'drinnen'.)
  • "Schället se edd an sällere Schäll, sälle Schäll schällt edd. Schället se an sällere Schäll, sälle Schäll schällt." ('Schäll' heißt 'Klingel', "schällâ' 'klingeln' und 'sälle' heißt 'diese'.)
  • "Wemmr d'Hennâ hennâ hend, kemmr gô gao, d'Abbarat ra draagâ ond d'Foddo d'fo do." (Wenn die Hennen drin sind, können wir bald gehen, den Apparat runtertragen und den Fotoapparat wegbringen ["davon-tun"].)
  • "Wenn d' Hennâ dennâ send, no kemmr gau gao und dr Barbara dr Abbarad d' Trepp ra tra." (Wenn die Hennen drin sind, dann können wir bald gehen und der Barbara den Apparat die Treppe hinunter tragen.)
  • "Dr Babschd hôt s'Schbätzlesbschtegg zschbäd bschdelld." (Der Papst hat das Spätzle-Besteck zu spät bestellt.)
  • "..s'Rad ra draga ond s'Kreiz õschlaga" (..das Rad heruntertragen, und das Kreuz anschlagen.. das õ dabei nasal - etwa Richtung ö und ä - also Albschwäbisch aussprechen)
  • "I han âmôl oen kennd khedd, der hôdd oene kennd. Dui hôdd a Kend khedd, dees hôdd se abbr edd vo sällam khedd. Där hot nemlich nemme kennd khedd. Se hôdd abbr no an andârâ kennd khedd. Där hôdd no kennd khedd. Ond wenns se deen nedd khennd khedd hedd, nô hedd se koe Kend khedd." (Ich habe einmal einen gekannt [gehabt], der hat eine gekannt. Die hat ein Kind gehabt, das hat sie aber nicht von diesem gehabt. Der hat nämlich nicht mehr gekonnt [gehabt]. Sie hat aber noch einen anderen gekannt [gehabt]. Der hat noch gekonnt [gehabt]. Und wenn sie diesen nicht gekannt hätte, dann hätte sie kein Kind gehabt.)
  • "En Ulm, om Ulm ond om Ulm d'rom." (In Ulm, um Ulm und um Ulm herum.)
  • "Glêi bêi Blaubêirâ lêid â Gletzle Blêi. Â Gletzle Blêi lêid glêi bêi Blaubêirâ." (Gleich bei Blaubeuren [Städtchen] liegt ein Klötzchen Blei. Ein Klötzchen Blei liegt gleich bei Blaubeuren.)
  • "Wa dennd denn dia en denne danne denne." (Was machen denn die in diesen Tannen drinnen.)
  • "Hitza hotse, saidse, häbse und bei Nacht so Schwitza miasdse, saidse, dädse." (Die Hitzen hat sie, sagt sie, habe sie und bei Nacht so Schwitzen müsse sie, sagt sie, tut sie.)
  • "Isch der älle älle? Wer war do do? (Ist der alle alle [leer]? Wer war da hier? [Eine Werbung für Honig])
  • "Dr Pfarrer hôts Schpeck Bschteck zschbôat bschtellt." (Der Pfarrer hat das Speck-Besteck zuspät bestellt)
  • "Mõl emõl e mõle nõ" (Mal einmal ein Männchen hin)
  • "Oi äu!" (Ein Ei!)
  • "Hosch au a oagnehm-grea-ogschdrichns Gardadierle?" (Hast du auch ein unangenehm-grün-angestrichenes Gartentürchen?)
Aufkleber einer Werbekampagne des Landes Baden-Württemberg
Aufkleber einer Werbekampagne des Landes Baden-Württemberg
  • "Auch ist eine interessante Eigenheit der schwäbischen Sprache die etwas exotische Definition des Begriffs Preuße ? auf schwäbisch "Prêiß". Besonders im West-Allgäu sind 'Preußen' alle Bewohner Deutschlands nördlich der Donau. Dass der Schwabe eine Abneigung gegen die "Prêißâ" hat, bringt ein bekannter schwäbischer Witz zum Ausdruck:

Frieher, wo em Allgae d'Wihsâ no griê gwä senn ond mâ s'Wasser us de Bächlâ no hôt sêufe kennâ, hôt amôl ên Mêh aus so êmê Bächle sêufâ wellâ. Dô hôt halt grad ên Bêuer weider obâ am Bach sêi Bschiddfass laofâ lassâ. Dô schreid er nab "Kruze! Id sêufâ, isch gifdich." Da said dê Mêh "Wat habn Sie jesacht, juter Mann?" Drauf dê Bêuer "Mid boede Händ sêufâ!" ? (Früher, als im Allgäu die Wiesen noch grün waren und man das Wasser aus den Bächlein noch trinken konnte, wollte einmal ein Mann aus so einem Bächlein trinken. Da hat eben gerade ein Bauer weiter oben am Bach sein Güllefass ("Beschüttefass") laufen lassen. Da schrie er hinab "Kruzifix! Nicht trinken, das ist giftig!" Da sagte der Mann (in einem preußischen Dialekt) "Was haben Sie gesagt, guter Mann?" Daraufhin der Bauer "Mit beiden Händen trinken!")


  • "Dahoggeddiemo(wo)emmerdahogged" ( Hier sitzen die, die immer hier sitzen ) Besitzanspruch auf einen Stammtisch in der Kneipe, meist durchgehend geschrieben um zu verwirren .


Eigenständiges Vokabular im Schwäbischen

Eine Vielzahl an Wörter / Vokabeln kommen (v.a. bei der älteren Generation) im Hochdeutschen nicht vor, werden also nicht nur anders ausgesprochen, sondern müssen in der Tat meistens übersetzt werden. (Daher rühren auch z.B. die Wörterbücher "Schwäbisch - Deutsch"). Da der Umfang und die noch heute bestehende Verwendung regional unterschiedlich ist, sollen hier nur ein paar wenige berühmte Beispiele verdeutlichen:

Substantive:

  • Preschtling = Erdbeeren
  • Grommbierên = Kartoffeln - eigentlich "Erd-Birnen" (vgl. Krume und sächsisch "Abern", siehe auch Abernmauke)
  • Zibebên = Rosinen
  • Stêagâ = Treppen(-aufgang) von Stiege
  • Behne = Dachboden (von Bühne)
  • Krattâ = (kleiner) Korb
  • Schietê(n) = großer Korb, meist Holztragekorb (von "schütten" i.S. "ausleeren")

...

Verben:

  • hudlê = sich beeilen (von "Huddel", einem im Backhaus eigesetzten feuchten Lappen zum Auswischen des Holzofens zur Entfernung der glühenden Kohlereste vor dem Einsetzen der Brotlaibe; dieser durfte natürlich nicht verbrennen und wurde dementsprechend schnell bewegt)
  • kirrê machen = (jmd.) verrückt machen
  • beigâ(n) = stapeln (dazu muss man sich "bücken" oder "beugen")

...

Adjektive:

  • hee/henag = kaputt/zerstört

Grammatikalische Besonderheiten

Das schwäbische hat, heute nur noch vereinzelt, eine eigene Grammatik, die sogar manchmal der des nahen Frankreichs ähnlich ist. Folgende Beispiele unterstreichen die Aussage, dass das schwäbische wie eine eigenständige Sprache verstanden werden muss (natürlich mit den typ. regionalen Unterschieden. Einfachhalber wurde hier, um die grammatikalische Eigenart hervor zu tun, auf die schwäbische Lautschrift verzichtet:

  • 'In' die Pilze gehen = Pilze sammeln
  • der Butter = die Butter
  • jemandem anrufen = jemanden anrufen
  • gramm. Angleichung von Zahlen an das Nachfolgende Substativ,welches dadurch meist hin-fällig wird:

z.B.: zwee, zwûa, zwôa = zwei ( 2 )

  • =>zwûa für weibliche Substantive (die) "zwuâ Frauâ" = 2 Frauen
  • =>zwee für männliche Substantive (der) "zwee Kerlê" = 2 Kerle
  • =>zwôa wenn gemischt oder neutral (das) "zwôa Menschenâ" = 2 Menschen

(Vgl. hier den französischen Einschlag)

...

Mischformen

Was früher als Honoratiorenschwäbisch bezeichnet wurde und eher als Manierismus galt, ist heute eine weitverbreitete Anverwandlung des Schwäbischen an hochsprachliches Deutsch. In vielen Situationen werden statt reinem Schwäbisch Mischformen gebraucht, die Schriftdeutsch, umgangssprachliches Deutsch und Schwäbisch in verschiedenen Anteilen mischen. Typische Situationen sind solche, in denen reines Schwäbisch nicht verstanden wird, Hochdeutsch aber nicht angemessen wäre oder in denen der Sprecher das Gefühl hat, nicht verstanden zu werden, auch wenn die Gegenseite sehr wohl Schwäbisch versteht, oder in Situationen, wo sie dem Gesagten besonderen Nachdruck verleihen will. Zum Beispiel werden sehr häufig im Gespräch mit schwäbischen Kindern Mischformen verwendet ("So, jetzt muâsch du dô drückhhen." "Ich sag dir des noch einmal.")

Es gibt verschiedene Mischungsgrade, die die Sprecher sehr genau an ihre Umgebung anpassen müssen. Verwenden sie zu viel Schriftdeutschanteil im Gespräch mit anderen Schwaben, gelten sie als hochgestochen oder bedauernswert korrumpiert und verflacht; verwenden sie zu viel Schwäbisch in einer stärker schriftdeutschsprachigen Umgebung, gelten sie als weitgereiste "Auswärtige" ("Wo kommsch denn du her?") und von Menschen, die unter Mühen Hochdeutsch als Fremdsprache erlernt haben, werden sie schlichtweg nicht verstanden.

Das Mischen der Sprachen erfolgt nicht zufällig, sondern nach Regeln. Einige davon sind:

  • Verben und Hilfsverben werden schriftdeutsch; typisch ist die Kombination deutscher Wortstamm, schwäbische Endungen ("Willsch du noch was thringâ?" statt "Widd no ebbâs drenggâ?", "dô haune" wird "dô hab e").
  • Betonte Wörter werden schriftdeutsch ("Des nemmsch jetzt auch no").
  • Partikel ohne silbischen Wert werden Vollsilben ("sHaus" wird "des Haus" ("des" unbetont), "dSchdrôß" wird "die Schdrôß"/"die Schdraß"/"Die Schdraße").
  • die Satzbedeutung besonders tragende schwäbische Wörter werden in schriftdeutsche oder den schriftdeutschen ähnlichere gewechselt (Bsp. Negation: "ed" wird "ned", "koi" wird "keine", "des isch keine guade Idee").
  • dem Schriftdeutschen allzu unähnliche Varianten werden durch Schriftdeutsch oder dem Schriftdeutschen ähnlichere Varienten ersetzt (Bsp.: "i" wird "ich").
  • Berlinerische Varianten, die schwäbischen Lautgesetzen folgen, werden vor schriftdeutschen bevorzugt.
  • Zusammenziehungen werden rückgängig gemacht ("sdädmr" "s tät mir", "däffe?" wird "Därf e?"/"Därf i").
  • Das silbische r und l erhalten einen zusätzlichen Vokal ("mr" wird "mir", "Segl" wird "Segäl").
  • Der Satzbau der Schriftsprache wird übernommen.

Man kann von einem schwäbischen Satz ausgehen und ihn graduell ins Hochdeutsche übergehen lassen oder umgekehrt, die Reihenfolge der Ersetzungen kehrt sich dabei jeweils um.

Beispiele:

  • â lângâ Rôi - â lânge Rôie - â lânge Reihe - eine lange Reihe
  • â graoß Feârschdr - â großes Fenschdr - ein großes Fenster

Schwäbisch im beruflichen Alltag

Schwäbisch als alleinige Hauptsprache gilt außerhalb Baden-Württembergs als ein Hinweis auf eine ländliche Herkunft. Bürger, die kein „Hochdeutsch“ beherrschen, können mit Nachteilen und Diskriminierung im beruflichen Alltag rechnen. Es gibt z. B. eine Reihe von international tätigen Unternehmen in Baden-Württemberg, die u.a. keine Hauptschüler/innen einstellen, die die hochdeutsche Sprache nicht in Wort und Schrift gut beherrschen. Ein schwäbischer Akzent ist in Baden-Württemberg allerdings weit verbreitet und gilt in der Wirtschaft keineswegs als Karrierehindernis.

Schwäbische Mundartdichter und Dialektautoren

Literatur

Wörterbücher

(Auswahl, chronologisch sortiert)

  • Johann Christoph von Schmid: Schwäbisches Wörterbuch, mit etymologischen und historischen Anmerkungen, Stuttgart 1831 (Digitalisat)
  • Dionys Kuen: Oberschwäbisches Wörterbuch oder Bauernsprache von mehr als zweitausend Wörtern und Wortformen, Buchau 1844 (Digitalisat eines Faksimiles von 1986)
  • Anton Birlinger: Wörterbüchlein zum Volksthümlichen aus Schwaben, Freiburg 1862 (Digitalisat)
  • Hermann Fischer, Wilhelm Pfleiderer: Schwäbisches Wörterbuch. 7 Bände, 1901-1936 – das bis heute maßgebliche Wörterbuch des Schwäbischen (Digitalisat: Bd. 1, Bd. 2, Bd. 3, Bd. 4, Bd. 5, Bd. 6.1, Bd. 6.2)
  • Hermann Wax: Etymologie des Schwäbischen. Geschichte von mehr als 4.500 schwäbischen Wörtern. 2. erw. Auflage, Tübingen 2005, ISBN 3-9809955-1-8

Sonstiges

  • August Holder: Geschichte der schwäbischen Dialektdichtung. Max Kielmann, Heilbronn 1896 (Digitalisat)
  • Ulrich Engel: Mundart und Umgangssprache in Württemberg. Beiträge zur Sprachsoziologie der Gegenwart. Dissertation, Universität Tübingen 1955
  • Eberhard Frey: Stuttgarter Schwäbisch. Laut- und Formenlehre eines Stuttgarter Idiolekts. Elwert, Marburg 1975, ISBN 3-7708-0543-7

Weblinks

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