Schwerer Jäger beschreibt ein Jagdflugzeug, welches von der Standardkonfiguration (einsitzig, auf Schnelligkeit und Wendigkeit optimiert) abweicht.
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Der schwere Jäger soll das Zeitfenster der Jägeraufgaben enorm vergrößern. Aufgrund der begrenzten Treibstoffvorräte sind die Überlegenheitsjäger in der Regel auf einen Einsatz von 90 Minuten beschränkt, nach denen sie getankt und gewartet werden müssen.
Die Aufgabe des schweren Jägers wurde von den Planungsbüros der Reichsluftwaffe ersonnen. Zu Anfang des Krieges waren sie Bestandteil der massive-attack-Taktik und ein Grund für die großen Erfolge der Luftwaffe in Polen und Frankreich. Mit ihren Zuladungen konnten sie im Kampfgebiet in der wilden Jagd großen Terror auf ihren Gegner übertragen und den deutschen Truppen den Vormarsch sehr gut erleichtern.
Gerade England entwickelte jedoch schnell Maßnahnen gegen die Vorteile des schweren Jägers und konnte so seine empfindlichen Nachteile aufdecken und konsequent ausnutzen. Gerade eben die Konsequentheit im Einsatz des schweren Jägers und seinen Aufgaben erleichterte es der RAF enorm, die Jäger aufzuspüren und mit einer Überzahl von leichten Jägern abzufangen. Da Deutschland zu keiner Zeit des Krieges in der Lage war einen strategischen Luftschlag zu führen, konnte die RAF getrost die Bomber durchfliegen lassen und sich (was indes ein propagandistisches Fiasko war) der Bekämpfung der schweren Jäger widmen. Ohne sie waren die leichten Jäger und die Bomber im Fernkrieg schutzlos und leichter angreifbar.
Die Gegenmaßmahme waren schwere Abwehrbewaffnungen an Bord der schweren Jäger: mehrläufige Hecklafetten, die jedoch mit der steigenden Fähigkeit der RAF-Jagdpiloten und ihren verbesserten Hurricane und Spitfire-Flugzeugen den Nachteil in Puncto Manövrierbarkeit/Geschwindigkeit nie wettmachen konnte.
Der schwere Jäger wurde immer mehr in seine Spezialrolle (siehe oben) gedrängt und erfüllte bis Kriegsende diese Aufgaben mit überzeugendem Erfolg.
Besonders kennzeichnend für diese Epoche war der schwere Jäger Messerschmitt Bf 110 welcher durch den gesamten Krieg im Einsatz als schwerer Jäger war. Er war sehr robust (konnte mit einem ausgefallenen Motor noch gut landen), leistungsstark und mächtig bewaffnet. Obwohl es immer bessere Modelle gegeben hätte (so die Jagdvariante der Junkers Ju 88) hatte die Me 110 jedoch ökonomische Vorteile auf ihrer Seite:
Motorgondel, Ölkühler, Außenflügel, Leitwerke, Cockpitvorderhälfte, Rumpfspanten (freilich mit größerer Streckung) und sogar das Spornrad waren "Nebenprodukte" aus der ständigen Weiterentwicklung der Messerschmitt Bf 109.
Sogar der Spinner war bei allen Modellen identisch, mit einer Öffnung für die -durch das Getriebe feuernde MK der Me 109, obwohl sich bei keinem Modell der Me 110 dort ein Geschütz befunden hat.
Diese ökonomischen Vorteile mögen die RLW dazu bewogen haben, an der Me 110 festzuhalten, obwohl ihre Tage längst gezählt waren. Die Hornisse (Me 210 und Me 410) wurden viel zu spät eingeführt, um noch die Oberhand wieder zu gewinnen. Selbstverständlich existierte auch von der Messerschmitt 266 eine schwere Jagdvariante.
Die in vielfacher Hinsicht revolutionäre Arado Ar 240 war einer dieser Versuche, die offenkundigen Nachteile der schweren Jäger auszugleichen. Durch eine wesentlich höhere Steigleistung und eine entscheidend höhere Marschfluggeschwindigkeit in größter Höhe, sollte sie sich feindlicher Überlegenheit elegant entziehen können (anstatt im Kurvengefecht von den wendigeren Abfangjägern ausmanövriert zu werden). Dazu wurde eine völlige Neuentwicklung beschritten, eine Druckluftzelle sollte die Leistungsfähigkeit der Piloten steigern. Der Kühler für die geplanten 2 x 1700 PS-Motoren (Modell DB 603) sollte direkt hinter dem Propeller in einer Lochnabe liegen und so aerodynamisch die Tragfläche nicht verkleinern. Im Start, bei niedriger Geschwindigkeit und zugleich hoher Belastung der Motoren wäre so allerdings der Motor überhitzt worden, folglich baute man in die Fahrwerksklappen Zusatzkühler ein, die eingefahren dann auch aerodynamisch keine Bedeutung mehr hatten, so das Flugzeug einmal abgehoben hatte. Leider standen nur die wesentlich schwächeren DB 601 Motoren zur Verfügung, was dem insgesamt sehr schweren Flugzeug einen Leistungsknick verpasste. Defensiv sollte neben dem Piloten ein Abwehrschütze zum Einsatz kommen. Zur Konzentration des Gewichtes auf die Zelle, wurde nicht dem Vorschlag entsprochen, ein Abwehr-MG in die Heckspitze einzubauen, sondern stattdessen zwei Doppellafetten in servogesteuerten Gondeln, über und unter dem Rumpf angebracht, die ein sehr großes Schussfeld abdecken sollten und durch eine Periskopeinrichtung visiert wurden. Daher war die Ar 240 als einziger zweisitziger Jäger in der Lage, auch unter ihr befindliche Ziele mit einem Heck-MG zu beschießen. So fiel es wesentlich schwerer, sie aus der Tangentialen Schussposition abzuschießen. (Jäger beschießen sich gegenseitig eher durch das Überkurven in die Sekantenposition)
Siehe auch: Schlachtflugzeug, Kampfflugzeug, Gunship, Liste von Flugzeugtypen
Brockhaus-1911: Jäger [3] · Jäger [2] · Reitende Jäger · Jäger [4] · Jager · Afrikanische Jäger · Jäger zu Pferde · Jäger
Eisler-1912: Jäger, Hermann · Jäger, Gustav
Herder-1854: Jäger [2] · Jäger [1]
Lueger-1904: Schwerer als Luft · Jager
Meyers-1905: Jäger [1] · Jäger [2] · Reitende Jäger · Jäger zu Pferde · Afrikanische Jäger · Freiwillige Jäger · Jager
Pataky-1898: Jäger, Marie · Jäger-Meier, Frau Marie · Jäger, Elise · Jäger, A. · Jäger, Clara
Pierer-1857: Schwerer Salzäther · Schwerer Pinsel · Schwerer Wind · Schwerer Tritt · Reitende Jäger · Hirschgerechter Jäger · Freiwillige Jäger · Jäger [2] · Jäger [1]