Der Seanad Éireann (Senat von Irland) ist die offizielle Bezeichnung des irischen Oberhauses innerhalb des Parlaments der Republik Irland (Oireachtas). Im Gegensatz zum Unterhaus, dem Dáil Éireann, wird der Senat nicht direkt gewählt sondern besteht aus Mitgliedern, die auf verschiedene Art gewählt werden. Die Machtbefugnisse sind viel geringer, als die des Dáil, so ist es dem Senat z.B. nur möglich einen Gesetzesvorschlag zu verzögern, diesen aber nicht abzulehnen. Der Senat tagt im Leinster House in Dublin.
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Der Senat besteht aus 60 Mitgliedern:
Per Verfassung darf die Wahl zum Senat nicht später als 90 Tage nach der Unterhauswahl stattfinden. Die Wahl findet mittels des Systems Single transferable vote statt. Senatsmitglied kann jeder werden, der auch für das Unterhaus kandidieren kann, eine Unterhausmitgliedschaft schließt aber eine gleichzeitige Senatsmitgliedschaft aus.
| Partei | Anzahl der Senatoren |
|---|---|
| Fianna Fáil | 29 |
| Fine Gael | 15 |
| Unabhängige | 6 |
| Labour Party | 5 |
| Progressive Democrats | 5 |
Die Machtbefugnisse des Senats sind angelehnt an die des britischen Oberhauses (House of Lords). Es war von vorneherein gedacht, dass der Senat eine eher beratenden und prüfende Rolle spielen und nicht gleichberechtigt zum Unterhaus sein sollte. Daher kommt es, dass jedes Gesetz durch beide Häuser genehmigt werden muss, der Senat dieses aber lediglich aufschieben konnte.
Per Verfassung hat der Senat folgende Beschränkungen:
Der Senat hat aber auch folgende Rechte, um seine Position zu stärken:
Der Senat setzt alleine seine "Geschäftsordnung" fest, bestimmt selbst seinen Präsidenten, den sog. 'Cathaoirleach', richtet eigene Ausschüsse ein und entsendet Senatoren zu gemeinsamen Versammlungen des Parlaments. Maximal 2 Senatoren dürfen Mitglied der Regierung sein. Der Senat hat aktuell 3 Ausschüsse, eines davon hat 2 Unterausschüsse:
Das erste parlamentarische Oberhaus in Irland war seit dem Mittelalter das House of Lords innerhalb des Parliament of Ireland. Wie sein britisches Gegenstück, bestand das Oberhaus zu dieser Zeit ausschließlich aus Mitgliedern des Adels mit erblichen Titeln. Nach der Auflösung des Parlaments durch den Act of Union im Jahr 1800, gab es in Irland bis zum 20. Jahrhundert kein eigenständiges Parlament.
1919 führten irische Nationalisten ein außergerichtliches (und nicht anerkanntes) Parlament unter dem Namen Dáil Éireann ein, das lediglich aus einer Kammer bestand und kein Oberhaus beinhaltete. 1920 wurde das südirische Parlament durch britische Gesetze gegründet, das ein Oberhaus (Senat genannt) besaß. Der Senate of Southern Ireland bestand aus einer Mischung von irischen Adligen und Senatoren, die durch die Regierung bestimmt wurden. Der Senat versammelte sich erstmals 1921, wurde aber von irischen Nationalisten boykottiert, so dass er niemals wirklich handlungsfähig war. Mit der Einführung des irischen Freistaates 1922 wurde der südirische Senat aufgelöst.
Die Bezeichnung Seanad Éireann wurde erstmals als Name des Oberhauses des irischen Freistaates verwendet. Der erste Senat bestand aus einer Mischung von Personen, die direkt durch den Präsidenten des Exekutivrates bestimmt bzw. indirekt durch das Unterhaus gewählt wurden. Es war beabsichtigt, dass der Senat im Endeffekt direkt durch die Bevölkerung gewählt wird, doch nach der ersten dieser Direktwahlen wurde das System bereits wieder abgeschafft und durch eine indirekte Wahl ersetzt. Der Freistaat wurde 1936 aufgelöst.
Der moderne Senat wurde durch die irische Verfassung im Jahr 1937 geschaffen. Dieser Senat war der direkte Nachfolger des Freistaatensenats, so dass der erste Senat unter der neuen Verfassung als "Second Seanad" (2. Senat) bezeichnet wurde.
Das neue System der Einteilung der Kandidaten in Berufsgruppen wurde durch die römisch-katholische Gesellschaftslehre der 1930er Jahre beeinflusst, die teilweise auf marxistischen Konzepten der Klassenkonflikte beruhte.
Seit 1928 gab es 12 unabhängige Berichte über fällige Reformen des Senats, in denen u. a. auch die Abschaffung des Oberhauses gefordert wurde. Die Kritik am Senat nach 1937 hat eine Reihe von Gründen: Der Senat gilt als "schwach" und von der Regierung dominiert. Weiterhin gibt es Vorwürfe der "Vetternwirtschaft" in der Ernennung seiner Mitglieder, da Senatoren oftmals enge Vertraute des Taoiseach oder nicht gewählte Dáil-Mitglieder waren.
Weiterhin stimmt man weitestgehend darin überein, dass die Wahl nach Berufsgruppen nicht so funktioniert, wie es ursprünglich gedacht war. Es wird oft angeführt, dass viele der Kandidaten nicht über entsprechende Kenntnisse in der ihnen zugeordneten Gruppe verfügen und dass der Nominierungsprozess nach wie vor von Parteizugehörigkeiten dominiert wird.
Die Universitäten haben eine lange Tradition in der Auswahl unabhängiger Kandidaten. Doch auch hier entgegnen Kritiker, dass das System an den Universitäten zur Auswahl der Senatoren elitär sei. Interessenverbände, wie die Graduate Equality, fordern, dass das Stimmrecht zur Wahl auch auf die nachrangigen Ausbildungsstätten ausgebildet werden sollte. Anderen geht dieser Vorschlag noch nicht weit genug; sie verlangen, dass mindestens ein Teil des Senats direkt vom Volk gewählt und auch die irischen Emigranten oder die Bevölkerung von Nordirland berücksichtigt werden müssen. In der Vergangenheit hatten die Premierminister unter ihren Kandidaten oft auch respektierte Persönlichkeiten aus Nordirland, z. B. Gordon Wilson, Seamus Mallon oder Joe Hendron.
Die genaue Zusammensetzung des Senats wurde ursprünglich durch die Verfassung festgelegt. 1979 wurde durch die 7. Verfassungsänderung dem Parlament das Recht eingeräumt, die Wahlberechtigten der Universitäten per Gesetz auf die der anderen Ausbildungsstätten auszuweiten. Der Gedanke war, dass alle akademischen Bildungsanstalten das Recht erhielten, an der Senatswahl teilzunehmen, doch bis heute wurde dieses Gesetz nicht eingebracht.
Der aktuelle Bericht über den Senat stammt aus dem April 2004 und wurde von einem Unterausschuss des Senats erstellt. Doch der "Bericht über Senatsreformen", dem im Vorfeld bessere Chancen auf Erfolg zugeschrieben wurden, als seinen Vorgängern, empfahl keinerlei grundsätzliche Änderungen an den Machtbefugnissen des Oberhauses. Es wurde aber vorgeschlagen, dass die Wahl mittels Berufsgruppen abgeschafft, 32 Sitze durch eine direkte Wahl besetzt, die Wahl in den Universitäten auf alle akademischen Bildungsanstalten ausgedehnt und dass der Taoiseach formell dazu angehalten werden soll, seine Stimmen dafür zu nutzen, um eine Repräsentation Nordirlands, der Kirche und anderen Minderheiten zu gewährleisten. Ein weiterer Vorschlag lautet, dem Senat neue Aufgaben zu geben, z. B. eine größere Rolle bei der Überprüfung der Regierung sowie bei der EU-Gesetzgebung.