Sebastian Brant

Portrait Brants: Zeichnung von Albrecht Dürer (Ausschnitt)
Portrait Brants: Zeichnung von Albrecht Dürer (Ausschnitt)
Titelseite aus Brants Narrenschiff, Albrecht Dürer um 1493
Titelseite aus Brants Narrenschiff, Albrecht Dürer um 1493
Esopi appologi sive mythologi: cum quibusdam carminum et fabularum additionibus Sebastiani Brant (1501)
Esopi appologi sive mythologi: cum quibusdam carminum et fabularum additionibus Sebastiani Brant (1501)

Sebastian Brant (* 1457 oder 1458 in Straßburg; † 10. Mai 1521 in Straßburg) war ein deutscher Humanist und Verfasser des Narrenschiffs, eines der populärsten Bücher im 16. Jahrhundert.

Der Sohn eines Gastwirts studierte ab 1475 an der Universität Basel Jura und klassische Sprachen, wurde dort 1489 zum Doktor beider Rechte promoviert und war ab 1496 besoldeter Professor. 1501 kehrte er nach Straßburg zurück, wo ihn der Rat 1503 zum Stadtschreiber bestellte, d.h. zum obersten städtischen Beamten. Der Kaiser Maximilian I. machte ihn schließlich zum kaiserlichen Rat und zum Beisitzer des Reichskammergerichts in Speyer.

Bekannt ist er durch sein Narrenschiff, eine gereimte Satire gegen die Missstände der Zeit: 111 Narren verkörpern menschliche Torheiten und Laster in ihren Ausprägungen durch alle Stände. Sie besteigen ein Schiff und machen sich auf die Reise nach Narragonien.

Zur Wirkung des Narrenschiffs trugen sowohl die reichlich eingestreuten Sprichwörter, als auch die wirkungsvollen Holzschnitte bei (deren Großteil Dürer zugeschrieben wird).

Der große Erfolg des Buches verursachte eine Welle von Übersetzungen, Nachahmungen und Adaptionen. Brant wird dadurch zum bekanntesten Vertreter der Narrenliteratur.

Brant lieferte 1494 die vermutlich erste Beschreibung des Schlaraffenlandes.

In der Rechtsgeschichte spielt Sebastian Brant eine bedeutende Rolle als Verfasser einiger kleinerer Traktate, insbesondere aber als Herausgeber zweier bedeutender Rechtsbücher: 1509 ließ er den Laienspiegel Ulrich Tenglers drucken, ab 1516 den Klagspiegel von Conrad Heyden.

Werke

  • Das Narrenschiff. Nach der Erstausgabe (Basel 1494) mit den Zusätzen der Ausgaben von 1495 und 1499 sowie den Holzschnitten der deutschen Originalausgaben hrsg. von Manfred Lemmer. 4., erw. Auflage, Tübingen 2004. ISBN 3-484-17105-7.
  • Das Narrenschiff. Hrsg. von Joachim Knape, Stuttgart 2005 (Reclams Universalbibliothek 18333). ISBN 3-15-018333-2.
  • Kleine Texte. Hrsg. von Thomas Wilhelmi. 3. Bde. Stuttgart- Bad Cannstatt 1998. ISBN 3-7728-1898-6.

Literatur

  • Sebastian Brant Das Narrenschiff mit den Holzschnitten des Drucks Basel 1494, hrsg. und eingeleitet v. Heinz-Joachim Fischer, marixverlag Wiesbaden 2007. ISBN 9783865391308.
  • Joachim Knape Einleitung zu Sebastian Brant: 'Das Narrenschiff'. in: Brant, Sebastian: 'Das Narrenschiff', mit allen 114 Holzschnitten des Drucks Basel 1494, hrsg. v. Joachim Knape, Stuttgart (Reclam): 2005. ISBN 3150183332
  • Manfred Lemmer (Hrsg.): Die Holzschnitte zu Sebastian Brants 'Narrenschiff'. Insel Vlg. Frankfurt 1994. ISBN 3458085939.
  • Barbara Könneker: Sebastian Brant, Das Narrenschiff, München 1966.
  • Barbara Könneker: Wesen und Wandlung der Narrenidee im Zeitalter des Humanismus : Brant, Murner, Erasmus, Wiesbaden 1966.
  • Michael Rupp: "Narrenschiff" und "Stultifera navis": deutsche und lateinische Moralsatire von Sebastian Brant und Jakob Locher in Basel 1494 - 1498; Münster, München, Berlin 2002. ISBN 3830911149.

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