Das Seebeben im indischen Ozean – auch Sumatra-Andamanen-Beben genannt – am 26. Dezember 2004 um 1:58 Uhr MEZ (7:58 Uhr Ortszeit in West-Indonesien und Thailand) hatte eine Stärke von 9,0 auf der Richterskala mit Hypozentrum vor der Nordwestküste Sumatras und verursachte durch mehrere Flutwellen verheerende Schäden in Küstenregionen am Golf von Bengalen, der Andamanensee und Südasien. Auch in Ostafrika kamen Menschen ums Leben.
Insgesamt hat das Beben etwa 230.000 Menschenleben gefordert. Allein in Indonesien waren nach offiziellen Schätzungen rund 165.000 Todesopfer zu beklagen. Über 110.000 Menschen wurden verletzt, über 1,7 Millionen Einheimische sind rund um den Indischen Ozean obdachlos geworden. Die Zahl der Toten wird jedoch vermutlich nie genau feststehen, da einerseits wegen der Furcht vor Seuchen viele Opfer ohne genaue Zählung rasch in Massengräbern beerdigt wurden, andererseits auch eine Trennung aus direkten Opfern der Katastrophe oder an Blutvergiftung (Sepsis) Verstorbener nicht möglich ist. Fast alle Trinkwasserquellen der betroffenen Gebiete wurden durch das Unglück verunreinigt.
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Vor Sumatra, den Nikobaren und den Andamanen schiebt sich die indisch-australische Platte, die einen großen Teil des Indischen Ozeans umfasst, in einer 1.000 Kilometer langen Bruchzone mit circa sieben Zentimetern pro Jahr in Richtung Nordosten unter die eurasische Platte. Dies geschieht normalerweise mit vielen kleinen Rucken, aber mit einer gewissen Regelmäßigkeit (ungefähr alle 200 Jahre) finden auch größere Beben statt [1], [2].
Am 26. Dezember 2004 kam es zu einer ruckartigen Anhebung des Meeresbodens auf zunächst 500 Kilometern Länge, die sich durch die zahlreichen Nachbeben auf 1.000 Kilometer ausdehnte. Dabei bewegte sich der Meeresboden der eurasischen Platte in dieser Länge um 10 bis 30 Meter nach oben. Diese plötzlichen Vertikalbewegungen lösten Flutwellen, Tsunamis, aus, die den ganzen Indischen Ozean durchzogen und an einigen Stellen die Küsten überschwemmten.
Es folgten im Laufe der folgenden Tage täglich etwa 25 Nachbeben mit Stärken um 5,5. Darunter eines bei den Nikobaren am gleichen Tag etwa drei Stunden später mit einer Stärke von 7,1. In Nias war ein vier Meter hoher Tsunami zu verzeichnen, während in Simeuluë ein Großfeuer die Inselhauptstadt teilweise zerstörte. Ein großes Nachbeben in der Region fand am 28. März 2005 um 17:09 MEZ mit einer Stärke von 8,7 statt (siehe Seebeben vor Sumatra 2005).
Da erfahrungsgemäß einige Jahrzehnte nach dem ersten Beben meist ein weiteres folgt, wird es daher vermutlich in den nächsten 40 Jahren – nach dem Wiederaufbau der Region – erneut zu Schäden kommen.
Das Erdbeben vor Sumatra ist mit einer Stärke von 9,3 [3] und einer Energie von rund 32 Gigatonnen TNT das zweitstärkste aufgezeichnete Beben in der Geschichte [4] (Auswahl s. u.).
Im Februar 2005 sprachen sich Geologen der Northwestern University nach Analyse von weltweiten Seismografen-Aufzeichnungen für eine Korrektur der Bebenstärke von 9,0 auf 9,3 aus. Damit wäre das Beben dreimal stärker als bisher angenommen und das zweitstärkste seit Beginn seismischer Messungen. Von offiziellen Behörden, wie etwa der USGS, wurde diese Korrektur jedoch nicht bestätigt.
Auslöser dieses Erdbebens war möglicherweise ein Beben zwei Tage zuvor am anderen Ende der indo-australischen Platte. Dieses „seit 1924 stärkste Beben in der Region“ hatte die Stärke 8,1; das Epizentrum lag zwischen Australien und der Antarktis, rund 500 Kilometer nördlich von der Macquarieinsel. „Man kann vermuten, dass das Beben auf der einen Seite der Platte eine unausgeglichene Situation auf der anderen Seite verursacht hat, was zu diesem riesigen Seebeben in Asien geführt hat“, sagte Cvetan Sinadinovski vom Institut Geoscience Australia in Canberra. [5] Darüber sind sich die Experten immer noch nicht ganz einig.
Eine weitere plattentektonische These [6] besagt: Auf Grund des Unterwanderns der Plattengrenzen hat sich ein sehr hoher Druck der indo-australischen auf die eurasische Platte ergeben, der sich schlagartig entladen hat.
Im Jet Propulsion Laboratory der NASA stellten US-Forscher fest, dass sich durch die Verlagerung der tektonischen Platten infolge des schweren Bebens die Erdrotation beschleunigt haben könnte. Auf Grund der bei dem Beben bewegten Erdmasse komme man rechnerisch darauf, dass die Länge eines Tages um drei Mikrosekunden kürzer geworden sei. Außerdem habe die Erdachse bei dem Beben einen Schlag um rund 2,5 Zentimeter bekommen. Die Veränderungen werden von den Experten aber als nicht bedeutsam eingestuft. Da die Erdpole ohnehin eine variable Kreisbahn von rund zehn Metern zögen, fielen diese 2,5 Zentimeter auch nicht weiter ins Gewicht. Ferner wurde die eurasische Platte um einen Zentimeter emporgehoben und um zwei Zentimeter nach Norden verschoben, rutschte aber nach wenigen Minuten wieder in ihre Ausgangslage zurück.
Eine weitere Folge der Verschiebung der tektonischen Platten ist das Versinken von 15 kleineren der 572 Inseln der Andamanen und Nikobaren unter den Meeresspiegel. Darüber hinaus wurden die Nikobaren und die vor der Nordwestküste Sumatras und damit dem Epizentrum am nächsten gelegene Simeulue-Insel messbar etwa 15 Meter in südwestliche Richtung verschoben.
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Bei dem Tsunami starben ca. 2.240 Personen aus Nicht-Anrainer-Staaten. Dabei handelte es sich überwiegend um Urlauber aus Industriestaaten. Besonders betroffen waren Schweden und Deutschland. 537 Opfer aus Deutschland sind bislang identifiziert. 15 Personen werden nach wie vor vermisst.
Als Folge der vielen Todesopfern in Verbindung mit dem heißen Klima und vielen Pfützen, in denen Mücken heranwachsen, wurde der Ausbruch von Seuchen wie Typhus oder Cholera befürchtet. Daher wurden vielerorts Massengräber ausgehoben und Leichen verbrannt.
In Indien impfte man die Bevölkerung in den Küstenregionen gegen Typhus und Cholera .
Zu den anderen häufig auftretenden Problemen zählten Lungeninfektionen, weil verschmutztes Wasser in die Atemwege eindrang, und Sepsis („Blutvergiftung“), weil Wunden in einem feuchtwarmen Klima infektionsgefährdeter sind.
Neben den Todesopfern und Schäden an der Infrastruktur hat der Tsunami auch langfristige ökologische Schäden verursacht.
So scheint es bei den Korallenriffen, die als natürliche Wellenbrecher fungieren, vor der thailändischen Küste schwere Schäden zu geben. Vor Thailand sind etwa 10 % der untersuchten Riffe durch den Wasserdruck und mitgeführte Trümmerstücke geschädigt. Problematisch ist auch der aufgewirbelte Schlamm, der die Korallen bedeckt. Mit einer möglichen Erholung ist, wenn überhaupt, erst nach Jahren zu rechnen.
Auch die ebenfalls schützenden Mangrovenwälder an einigen Küsten wurden geschädigt. Sie sind jedoch zu einer weit schnelleren Regeneration fähig.
Betroffen sind daneben Nistgebiete von Meeresschildkröten wie der Lederschildkröte. Auf Nicarugo, einem Inselatoll 2,5 SM südwestlich der Nicobaren, wurden die letzten Exemplare der Feuerschildkröten ausgelöscht. Ein Sprecher der UNO bezeichnete den Verlust dieser fossilen Naturwunder als die Katastrophe für die Evolutionsforschung schlechthin.
Der Hauptschaden entstand durch das weitgehende Abtragen des Humus in den überfluteten Gebieten. Betroffen sind 250 bis 3.000 Meter breite Küstenstreifen, deren oft nur 30 Zentimeter dicke Humusschicht mitsamt vielen nicht tief wurzelnden Pflanzen fortgerissen wurde. Zurück bleibt meist nährstoffarmer, rötlicher Lateritboden aus Ton, Aluminium- und Eisenoxid. Da der Kreislauf aus Pflanzen, abgestorbenen Pflanzenteilen und Humusbildung zunächst unterbrochen ist, wird es vermutlich Jahrzehnte dauern, bis sich ähnliche Artengemeinschaften eingestellt haben, wie sie vor der Katastrophe vorhanden waren. Die Landwirtschaft ist durch den Oberbodenabtrag ebenfalls stark betroffen, mit mittelfristig geringeren Ernten muss ausgegangen werden; bodenverbessernde Maßnahmen wie Eintrag organischen Materials und von Nährstoffen können die Situation verbessern, bedürfen aber teilweise finanzieller Hilfe.
In einigen betroffenen Regionen sind historische Bauwerke, Schulhäuser, Museen, Archive und andere Kulturgüter zerstört oder beschädigt worden. Nach den Not- und Rettungsmaßnahmen, und parallel zu den allgemeinen Wiederaufbauarbeiten suchen nationale und regionale Behörden mit der Unterstützung externer Fachorganisationen, zum Beispiel der UNESCO, die kulturellen Verluste zu erfassen.
Die Armut, die diese Katastrophe bei den Überlebenden verursachte, hat aber auch bedeutende soziale Auswirkungen, die man in unseren Breitengraden nicht bedenkt. So sind oft Hochzeiten von Frauen, die plötzlich über keine Mitgift verfügen, nicht mehr möglich. Diese „Schande“ verkraften aber viele Mädchen in der Folge nicht, und die Selbstmordrate steigt rasant.
Experten kritisierten nach dem Beben, dass es im Indischen Ozean kein Tsunami-Warnsystem gab, wie es im Pazifischen Ozean zu diesem Zeitpunkt bereits existierte. Ihren Angaben zu Folge hätten mit einem solchen Warnsystem einige tausend Menschen gerettet werden können.
Die Tatsache, dass das pazifische Tsunami-Warnzentrum auf Hawaii bereits Minuten nach dem Beben eine Flutwelle voraussagte, half niemandem. In den Ländern fehlten sowohl mögliche Ansprechpartner als auch Kommunikationsinfrastrukturen.
Außerdem wurden – Berichten aus Thailand zu Folge – Warnungen mit Rücksicht auf den Tourismus nicht weitergeleitet, so dass viele Menschen keine Chance mehr hatten, zu fliehen. Bei weiteren Nachbeben in der Region konnten die Behörden dank der verstärkten Aufmerksamkeit jedoch Warnungen schneller verbreiten.
Die Regierungen von Australien und Indien entschieden, ein Tsunami-Vorwarnsystem im Indischen Ozean aufzubauen, wie es auch im Pazifischen Ozean existiert. Dieses System soll unter anderem von einem deutschen Entwicklerteam aufgebaut werden.
Vielerorts waren sämtliche Kommunikationsverbindungen mehrere Tage unterbrochen. Funkamateure nahmen unmittelbar nach der Katastrophe den Notfunkbetrieb auf und leiteten Notrufe sowie Lagemeldungen und später auch Nachrichten von Überlebenden an Angehörige weiter.
Das deutsche Verteidigungsministerium entsandte den Einsatzgruppenversorger (EGV) „Berlin“, der mit einem Marine-Einsatz-Rettungszentrum (MERZ), dass wie ein kleines Krankenhaus ausgerüstet ist und 45 Patienten aufnehmen kann, ausgerüstet war. Beamte des BKA und Sanitätsoffiziere der Bundeswehr waren vor Ort, um bei der Identifizierung der Opfer zu helfen [15]. Die Bundeswehr entsandte am 29. Dezember einen MedEvac-Airbus A310 zur intensivmedizinischen Versorgung und Rückholung deutscher Touristen in das betroffene thailändische Phuket. Insgesamt wurden bisher auf 3 Flügen 130 vornehmlich deutsche Personen aus dem Katastrophengebiet ausgeflogen. Ein weiterer Airbus A310-MRT wurde mit der MedEvac-Konfiguration ausgestattet und war Mitte der ersten Januarwoche einsatzbereit. Darüber hinaus wurde durch das Kommando Schnelle Einsatzkräfte Sanitätsdienst (Kdo SES) in Banda Aceh ein Rettungszentrum leicht aufgebaut und in Betrieb genommen. Dort versahen 120 deutsche Bundeswehrsoldaten ihren Dienst, die eng mit dem EGV „Berlin“ zusammenarbeiteten. In dem Rettungszentrum leicht (RZ le) gab es unter neben einer Notaufnahme, einen OP und Möglichkeiten zur Intensivpflege. In einer Pressekonferenz am 29. Dezember 2004 kündigte Bundeskanzler Schröder an, dass bei Bedarf weitere Einheiten der Bundeswehr – nötigenfalls auch für längere Zeit – im Katastrophengebiet eingesetzt werden sollen. Insbesondere der Aufbau und Betrieb von Trinkwasseraufbereitungsanlagen soll von Soldaten übernommen werden, um die Arbeit ziviler Hilfsorganisationen zu ergänzen und den großen Bedarf zu decken. Diese Zusage wurde realisiert und in Anspruch genommen.
Das Technische Hilfswerk (THW) war seit dem 27. Dezember 2004 mit einem dreiköpfigen Erkundungsteam in Sri Lanka. Die SEEBA ist seit dem 28. Dezember 2004 mit 19 Helfern in Phuket, Thailand um dort die Bergungsarbeiten zu unterstützen. 16 Helfer der SEEWA waren seit dem 29. Dezember 2004 in Sri Lanka und haben ihr Ziel im Distrikt Galle, um dort zwei Trinkwasseraufbereitungsanlagen zu betreiben. 23 Helfer wurden am 31. Dezember 2004 auf die Malediven gesandt um dort die Trinkwasserversorgung mit mobilen Geräten sicherzustellen und zerstörte Infrastruktur wieder in Gang zu setzen. [16]
Mitarbeiter von Caritas, der Diakonie Katastrophenhilfe und Malteser-Hilfsdienst organisierten erste Hilfen wie Nahrungsmittel, Trinkwasser, Hygieneartikel und Notunterkünfte für 50.000 Opfer in den südindischen Bundesstaaten Tamil Nadu und Andhra Pradesh. Auch auf Sri Lanka und in Thailand sind die lokalen Partner vor Ort, jetzt allerdings um Wiederaufbau zu leisten.
Großbritannien entsandte Identifikationsexperten von Scotland Yard sowie mehrere hundert Soldaten in die Region, insbesondere nach Sri Lanka. Die Royal Air Force begann am 27. Dezember 2004 mit dem Ausfliegen von Touristen, unter anderem mit vier Aeromed (MedEvac) Lockheed-Tristar Flugzeugen sowie gecharterten russischen Transportflugzeugen. Zudem traf am 2. Januar ein Flottenverband der Royal Navy mit Hilfsgütern, technischem Gerät und Hubschraubern vor der Küste Sri Lankas ein.
Die Republik Österreich entsandte Polizisten und Rettungsleute nach Thailand und Sri Lanka, die bei der Vermisstensuche und Heimholung der Verletzten helfen sollten, sowie Cobra-Leute und Gerichtsmediziner zur Hilfe bei der Identifizierung von Personen. Das Österreichische Rote Kreuz sowie der ASB schickten am 27. und 28. Dezember 2004 eine Fact Finding Mission in das Katastrophengebiet, um vorerst den österreichischen Touristen zu helfen und in der Folge weitere Hilfsmöglichkeiten auszuloten. Speziell auf dem Gebiet der Trinkwasseraufbereitung war das Rote Kreuz tätig. Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) in Genf lieferte eine Datenbank, in der alle Vermissten namentlich gelistet werden mussten, ehe nach ihnen gesucht werden konnte.
Die Schweizerische Rettungsflugwacht Rega hat in Zusammenarbeit mit diversen Versicherungen über 60 Patienten aus Thailand und Sri Lanka repatriiert. Das Schweizerisches Korps für Humanitäre Hilfe (früher Schweizer Katastrophenhilfekorps genannt) hat unter der Leitung der Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA) der Schweizer Regierung am 28. Dezember 2004 Expertenteams und medizinisches Material nach Indien, Sri Lanka und Thailand geschickt. [17] Die Expertenteams sollten abklären, welche weiteren Spezialisten (Ärzte, Psychologen, Hundestaffeln, Bauspezialisten etc.) vor Ort benötigt wurden.
Die USA haben die Flugzeugträgergruppe um die „USS Abraham Lincoln“ von Hong Kong aus nach Sumatra beordert, wo seit dem 2. Januar 2005 die Soldaten und die Hubschrauber bei der Versorgung der Bevölkerung helfen. Ein weiterer Schiffsverband wurde in die Umgebung von Sri Lanka beordert. Die medizinischen Einrichtungen auf den Schiffen (OPs auf Flugzeugträger etc.) werden außerdem die Spitäler in der Gegend entlasten.
Japan hat verschiedene Einheiten der japanischen Selbstverteidigungsstreitkräfte in die Krisenregion entsandt. Das bisher 20-köpfige Erkundungsteam könnte laut Regierung auf bis zu 800 Mitglieder erhöht werden, so die Zusage des Staatschefs. Diese Kräfte wurden vollständig abbeordert und leisteten ihren Dienst.
Frankreich hat am 2. Januar 2005 den Hubschrauberträger Jeanne d'Arc ins Krisengebiet entsandt.
Die Organisation Ärzte ohne Grenzen e.V. (MSF) schickte einen Charterflieger mit 32 Tonnen Hilfsgütern von Ostende nach Sumatra. Die Lieferung beinhaltete medizinische und sanitäre Hilfsgüter, die für 30.000 bis 40.000 Menschen reichen mussten. Zudem reiste ein Notfallteam, bestehend aus sechs Personen, in die Region. Darunter sind Wasserexperten, Logistiker und Mediziner (Quelle: Kurier).
Am 28. Dezember 2004 brach bereits die griechische Hilfsorganisation ESEPA nach Colombo auf, um gemeinsam mit weiteren Hilfsorganisationen Hilfsmaterial und Spendengüter zu überführen. [18], [19]
Ferner war das Greenpeace-Schiff Rainbow Warrior zur Unterstützung von Ärzte ohne Grenzen seit dem 4. Januar 2005 unterwegs an der Westküste von Sumatra, um deren Einsatz im Katastrophen-Gebiet auf Aceh logistisch zu unterstützen. Es brachte Nahrungsmittel, Helikopter-Treibstoff, medizinische Geräte, Medikamente, und medizinisches Fachpersonal in die schwer erreichbare Krisenregion.
Viele Firmen oder Konzerne zeigten sich willig, zu spenden. So spendete Pfizer Corp. 35 Millionen US-Dollar oder die Deutsche Bank 10 Millionen Euro.
Verschiedene vermögende Privatpersonen spendeten hohe Beiträge, so zum Beispiel Michael Schumacher 10 Millionen Dollar, Bill Gates 3 Millionen Dollar, der Filmregisseur Steven Spielberg 2 Millionen Dollar. Acht Millionen Dollar überwies die saudische Herrscherfamilie, der saudische Prinz al-Walid ibn Talal, der die Finanzgeschäfte der Familie kontrolliert, spendete 18,5 Millionen Dollar. Der saudische König Fahd ibn Abd al-Aziz selbst stellte 5,3 Millionen zur Verfügung, Kronprinz Abdullah spendete 2,8 Millionen Dollar.
| Land/Institution | Beträge in Millionen Euro | |||
|---|---|---|---|---|
| staatlich | privat | insgesamt | Anteil am BIP | |
| Deutschland | 500 | 502,50 | 1002,50 | 0,04% |
| IWF | 735 | - | 735 | |
| Australien | 600 | 45 | 645 | |
| EU-Kommission | 500 | - | 500 | |
| Kanada | 324,08 (425 USD) | 93,61 (123 USD) | 447 | 0,49% |
| USA | 260 (350 USD) | 152,30 (200 USD) | 412 | |
| Japan | 370 | k. A. | 370 | |
| Niederlande | 230 | 115 | 345 | |
| Großbritannien | 73,06 (96 USD) | 143,84 (189 USD) | 216 | |
| Weltbank | 190,26 (250 USD) | - | 190 | |
| Italien | 112 (146 USD) | 69,05 | 181 | |
| Norwegen | 135 | 41 | 175 | 0,085% |
| Schweiz | 17,3 | 143 (224 CHF) | 160 | |
| Asian Development Bank | 133,18 (175 USD) | - | 133 | |
| Schweden | 59 | 40 | 99 | |
| Frankreich | 49 | 45 | 94 | |
| Vereinigte Arabische Emirate | 30 | 62,36 | 92 | |
| Kuwait | 76,05 (100 USD) | k. A. | 76 | |
| Österreich | 50 | 20 | 70 | 0,02% |
| Und weitere Länder | ||||
| Gesamt | ~4,8 Mrd. | >> 1,5 Mrd. | ||
Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) in Genf ist dafür zuständig, bei Katastrophen internationalen Ausmasses die Hilfe zu koordinieren und eine Datenbank zur Registrierung aller Vermissten zu verwalten. Es befehligt einen Suchdienst und wurde seinerzeit von Regierungsseite mit diesen Aufgaben betraut Genfer Konvention
Beim Seebeben in Südostasien 2004 hatte das IKRK die Aufgabe, zusammen mit dem Aktionsbündnis Roter Halbmond die Vermisstensuche zu koordinieren und zog weitere Suchdienste hinzu, um diesen Aufgaben gerecht zu werden. Es wurde unterstützt von der halbamtlichen Organisation THAICAREYOU, über die Anhand Kleidung und Detailzusammenführung die mögliche Identität der Opfer zusammengepuzzelt wurde. Das wurde dann an die IDKOs vor Ort weitergegeben. Über DNA und den Abgleich des Zahnstatus (angefordert beim Zahnarzt der Opfer) konnte die Identität oft zweifelsfrei bestätigt werden. Dann wurde dies an das ICRC zurückgemeldet, welche dann über Regierungsstellen oder direkt die Verständigung der Angehörigen / Freunde übernahm. Bis zur endgültigen Klärung kann es immer noch Jahre dauern.
Leider gab es kaum seriöse Listen von Opfern, die bereits gefunden waren. Insgesamt waren die Mitarbeiter vor Ort mit der Situation überfordert und haben mehrere gravierende Fehler gemacht. Listen der Gefundenen wurden von Regierungsseite nur in Lautschrift und völlig unzureichend geführt (Doppelregistrierungen), andere von KH-Verlegungen der Opfer wurden nicht geführt oder verschwanden, so dass man keine Info hatte, wohin die Vermissten verlegt worden waren oder ob sie entlassen wurden bzw. verstarben (z. B. Sepsis). Auch die Listen über Personen, die von den MedEvacs oder sonstigen Flügen ausgeflogen wurden, erreichten die Suchforen nicht. Letztere schossen wie Pilze aus dem Boden, allerdings teilweise ohne jeden Erfolg.
Hauptbeben und Nachbeben bei Sumatra. 26. Dezember 2004 ab Stärke 5,0, ab 27. Dezember 2004 ab Stärke 6,0. Dabei ist für eine korrekte Einschätzung der Zerstörungskraft der einzelnen Beben zu beachten, dass die Erhöhung um einen Magnituden-Punkt etwa die 32-fache Energiefreisetzung bedeutet. Ein Erdbeben der Stärke 9,0 setzt also ca. 32 mal mehr Energie frei als ein Erdbeben der Stärke 8,0 (s. Richterskala [21]). Daraus folgt wiederum, dass ein Erdbeben der Stärke 9,0 etwa 32768 (= 32³) mal so energiereich ist wie ein Beben der Stärke 6,0.
Am 28. März 2005 gab es ein weiteres schweres Beben an der Westküste von Nordsumatra (Indonesien) mit einer Stärke von 8,7 auf der Richterskala. Hauptsächlich betroffen waren die Banyak-Inseln, außerdem Nias und Simeuluë. Nach Angaben von US-Geologen handelte es sich hierbei um ein Nachbeben des Seebebens vom 26. Dezember 2004. Auf der Insel Nias stürzten 80% der Häuser ein, es gab 600 Tote, 3.000 wurden obdachlos. Deutsche Touristen waren nicht betroffen.
Am 17. Juli 2006 ereignete sich ein weiteres direktes Nachbeben des Seebebens vom 26. Dezember 2004, bei dem auf Java bislang 660 Todesopfer zu verzeichnen sind und noch ca. 300 vor allem Einheimische vermisst werden. Deutsche Touristen waren auch hier nicht betroffen.
Im pazifischen Feuerring kommt es immer wieder zu Nachbeben. [22], [23], [24], [25]
Das Beben ereignete sich fast exakt (nur eine Stunde früher) ein Jahr nach dem verheerenden Erdbeben in Bam (Südiran). Es erinnert auch an den Ausbruch des Krakatau 1883, der aufgrund einer Flutwelle 36.000 Menschen das Leben kostete.
Bei keinem anderen Ereignis seit dem 29. April 1991, als vor der Küste Bangladeschs ein verheerender Wirbelsturm tobte und eine anschließende 6 Meter hohe Flutwelle hervorrief, der die Küstenregionen verwüstete und etwa 200.000 Todesopfer insgesamt forderte, sind so viele Menschen ums Leben gekommen.
In den Medien aufgestellte Superlative („Schwerste Katastrophe aller Zeiten“, „Jahrtausendkatastrophe“) sind dennoch, selbst wenn man sich auf Naturkatastrophen oder Erdbeben beschränkt, deutlich übertrieben. Regelmäßig wiederkehrende Überschwemmungen in China bleiben im Westen weitgehend unbeachtet. 1887 beispielsweise forderten Überschwemmungen in Henan 900.000 Opfer, eine Dürreperiode in Indien 1965-1967 1,5 Mio. Allerdings ist die Größe des 2004 betroffenen Gebietes bisher einmalig.
Daten zu großen historischen Erdbeben:
Knieper, Thomas (2006): Die Flut im Wohnzimmer: Die Tsunami-Berichterstattung als traumatischer Stressor für die bundesdeutsche Bevölkerung. In: Publizistik: Vierteljahreshefte für Kommunikationsforschung. 51. Jahrgang, Heft 1. Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften, S. 52–66.
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