| Seeotter | ||||||||||||
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| Systematik | ||||||||||||
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| Wissenschaftlicher Name | ||||||||||||
| Enhydra lutris | ||||||||||||
| (Linnaeus, 1758) |
Der Seeotter, Kalan oder Meerotter (Enhydra lutris) ist eine Raubtierart aus der Unterfamilie der Otter (Lutrinae). Er ist neben dem Küstenotter des Südpazifiks die einzige Otterart, die nur im Meer lebt. Der Seeotter fasziniert einerseits durch sein possierliches Aussehen und Verhalten, andererseits aber auch durch seine Intelligenz und Lernfähigkeit. Nach dem er Anfang des 20. Jahrhunderts wegen seines Fells fast völlig ausgerottet worden war, erholen sich nun die Bestände wieder.
Inhaltsverzeichnis |
Der Seeotter ist insgesamt etwa 150 cm lang, davon hat sein Schwanz allein eine Länge von bis zu 30 cm. Sein Fell besitzt eine dunkelbraune Färbung, wobei der Kopf etwas heller ist. Die Anpassung an das Wasserleben geht bei ihm weiter als bei anderen Ottern. Seine Hinterbeine sind beispielsweise nach hinten versetzt und zu großen Flossen verlängert, so dass sie ihm beim Schwimmen hilfreicher, beim Laufen an Land aber eher hinderlich sind. Die Vorderpfoten sind wesentlich kleiner und haben einziehbare Krallen. In ihren Bewegungsabläufen sowohl an Wasser als auch Land ähnelt der Seeotter daher den Ohrenrobben, die ebenfalls die Hinterflossen unter den Körper setzen und deswegen (im Gegensatz zu den Seehunden) auf vier Beinen laufen können. Der Schwanz ist nicht wie bei anderen Ottern rund sondern abgeflacht und verjüngt sich zur Spitze hin nicht. Das Gewicht eines männlichen Tieres kann rund 40 kg betragen, die Weibchen wiegen weniger und bleiben kleiner. In seinem ganzen Körperbau ähnelt der Seeotter einer Art "Mittelding" zwischen Otter und Robbe, obwohl er mit den Robben nicht näher verwandt ist. Diese Ähnlichkeiten beruhen auf konvergenter Evolution.
Der Seeotter hat 32 Zähne, was für die Unterfamilie der Otter sehr ungewöhnlich ist. Alle anderen Otter haben 36, der asiatische Zwergotter 34 Zähne. Als einziges Raubtier hat er im Unterkiefer nur zwei Paare von Schneidezähnen. Außerdem hat er kräftige, massive Backenzähne, die auf ein Zerbeißen von Muscheln und Schnecken eingerichtet sind.
Von allen im Meer lebenden Säugetieren hat der Seeotter als einziges keine isolierende Fettschicht. Stattdessen schützt ihn ein hochspezialisiertes Fell vor der Kälte des Nordpazifiks: Auf einem Quadratzentimeter wachsen rund 100.000 Haare; etwa so viele, wie ein Mensch durchschnittlich auf dem Kopf hat. Das Fell, das als das feinste im Tierreich gilt, besteht aus groberen, dunkleren Deckhaaren und einer sehr feinen, hellbraungrauen Unterwolle. Auf ein Haar des Deckfells kommen etwa 70 Haare der Unterwolle. Zwischen den seidigen Haaren sorgen normalerweise winzige, vom Otter regelmäßig in sein Fell geblasene Luftbläschen für eine gute Kälteisolierung. Diese Bläschen sorgen dafür, dass der Otter beim Schwimmen nicht bis auf die Haut nass wird. Die Haut des Fells, das der Otter regelmäßig pflegt, liegt locker am Körper an und bildet Falten und Taschen, in denen Nahrung transportiert werden kann.
Fellpflege nimmt für die Otter sehr viel Zeit in Anspruch. Die Tiere können oft beobachtet werden, wie sich "kratzen". Dieses Verhalten dient jedoch der Fellpflege. Die dazu ausgeführten Bewegungen sind mit denen einer sich putzenden Katze vergleichbar. Vorder- und Hinterpfoten werden zum Reinigen auch geleckt. Auf dem Fell der Otter sammeln sich Wassertropfen, die nicht ins Fell einsickern - ein Beweis für dessen wasserdichte Eigenschaft.
Ältere Tiere haben an Kopf, Hals und Schultern ein blasseres Fell als am übrigen Körper. Das Fell fühlt sich deutlich weicher an als z.B. das von Katzen.
Der Seeotter gilt als kleinstes Meeressäugetier. Zusammen mit dem längeren aber leichteren Riesenotter und dem wesentlich hochbeinigeren Vielfraß gehört er allerdings zu den größten Vertretern der Marderfamilie. Zum Vergleich: Die heimischen Steinmarder werden maximal einen halben Meter lang und bringen zwei Kilo auf die Waage. Der Fischotter bringt es immerhin auf 90 Zentimeter und 12 Kilogramm.
Für die Marderfamilie sehr ungewöhnlich ist, dass dem Seeotter Analdrüsen ("Stinkdrüsen") fehlen.
Seeotter leben an den Küsten des Beringmeers in Alaska, auf den Aleuten und den Kommandeurinseln, kleinere Bestände auch an der kanadischen und kalifornischen Pazifikküste. Ursprünglich war der Seeotter von Nordjapan über die gesamte Nordpazifikküste bis nach Mexiko (Niederkalifornien) verbreitet. Starke Bejagung hat das Verbreitungsgebiet verkleinert, die Bestände erholen sich allerdings dank Schutzmaßnahmen. Die Südgrenze des ursprünglichen Verbreitungsgebietes deckte sich etwa mit der Südgrenze des Aufstroms von kaltem Tiefenwasser an der amerikanischen Westküste. Nur hier kommen die großen Tangwälder vor, in denen sich der Otter besonders gern aufhält.
Im Gegensatz zu früher ist der Seeotter heute vergleichsweise lückenhaft verbreitet. Von der Halbinsel Niederkalifornien und damit den mexikanischen Küsten ist er völlig verschwunden. In Kalifornien dagegen kommt er nach wie vor vor, fehlt aber vor Oregon und Washington, wo auch Wiederansiedlungen nicht erfolgreich verliefen. Von der kanadischen Pazifikküste erstreckt sich das Verbreitungsgebiet über Alaska, die Aleuten nach Sibirien. Ursprünglich war er auch an der Nordküste von Hokkaido (Japan) beheimatet. Seit die Art geschützt ist breitet sie sich sukzessive wieder aus.
Nach Norden hin wird das Verbreitungsgebiet offenbar durch die Grenze des Treibeises begrenzt. Das nördlichste gesicherte Vorkommen offensichtlich verdrifteter Seeotter wurde in der ostsibirischen See auf 70°N festgestellt.
Seeotter sind die Otterart mit der besten Anpassung ans Wasserleben (s.o.). Dementsprechend verbringen sie den größten Teil des Lebens im Wasser. Allerdings verlassen sie dabei die Küstengewässer nicht und halten sich fast immer in Landnähe auf. Dabei bevorzugen sie felsige Küstenabschnitte.
Seeotter gelten als typische Arten der großen Kelpwälder der amerikanischen Pazifikküste, in denen sie häufig auf Nahrungssuche gehen. Schwimmende Seeotter können besonders häufig in großen Kelpbeständen beobachtet werden.
Der Stoffwechsel des Seeotters ist etwa dreimal höher als bei Landsäugern. Durch diese Anpassung kann er seine Körperinnentemperatur von 38°C aufrechterhalten, ist so aber andererseits deshalb gezwungen, sehr große Mengen kalorienreicher Nahrung zu sich zu nehmen. Diese besteht aus Muscheln, verschiedenen Arten von Meeresschnecken, z. B. Napf- und Käferschnecken sowie insbesondere Seeigeln und Seeohren, seltener auch langsam schwimmende Fische. Auch Seesterne werden vom Seeotter nicht verschmäht. Seeigel machen dabei den Hauptteil der Nahrung des Otters aus. Dabei ist zu beobachten, dass die Nahrung der Tiere zu weit über 70% aus Seeigeln besteht, solange eine Population klein ist. Nähert sich der Bestand an einem Küstenabschnitt aber einem Maximum, so ist die Nahrung der Tiere weitaus vielfältiger zusammengesetzt. Allerdings entwickeln einzelne Otter so etwas wie einen individuellen "Geschmack" und spezialisieren sich auf bis zu drei bestimmte Beutetiere. Da sie sich teilweise von stark purpur gefärbten Seeigeln ernähren, sind die Knochen mancher Seeotter leicht violett.
Zootiere werden nach Angaben des Antwerpener Zoos mit Fischfilets, Schalentieren, Krabben und Tintenfisch gefüttert. Die Fütterung mit geschlossenen Muscheln führt zu Problemen, da die Otter schnell lernen, sie zum Öffnen gegen Glasscheiben zu schlagen. Die Fütterung mit geschlossenen Muscheln findet deshalb in den Stallungen der Tiere statt. Allerdings wurde schon beobachtet, dass die Otter Muscheln in ihren Felltaschen versteckten und mit ins Schaubecken nahmen.
Die harten Schalen der bevorzugten Beutetiere werden mit Steinen geöffnet, die als Werkzeug benutzt werden. Dazu schwimmt der Otter auf dem Rücken, legt sich einen Stein auf die Brust und schlägt die Beute darauf; umgekehrt legt er sich manchmal die Beute auf die Brust und zerschlägt sie mit dem Stein. Das Fell an der Brust liegt nicht fest am Körper an und bildet Falten und Taschen, um eine Selbstverletzung bei diesem Verhalten zu verhindern. Der Otter verwendet auch Steine, um z. B. Muscheln am Meeresgrund loszubrechen. Auch die Verwendung eines Steins als "Hammer" und eines anderen als "Amboss" wurde schon beobachtet. Die Verwendung von Werkzeugen ist sonst nur noch von sehr wenigen Säugetieren (z. B. Schimpansen) bekannt.
Neben Steinen werden von den Seeottern auch andere Gegenstände genutzt. So wurden schon Tiere beobachtet, die Schalentiere an Glasflaschen zerschlugen.
Ein bevorzugtes Gebiet für die Nahrungssuche sind die Kelpwälder an der amerikanischen Westküste. Dabei wurde beobachtet, dass die Otter stark zum Schutz der Tangwälder beitragen, da sie sich in großem Maße von pflanzenfressenen Seeigeln ernähren. Der Einfluss der Otter ist dabei regional sehr unterschiedlich, lässt sich aber vergleichsweise leicht feststellen, da die Tiere inzwischen etliche Gebiete wiederbesiedeln, in denen sie im Zuge der Pelztierjagd (s. u.) ausgerottet waren.
Veränderungen an der Umwelt durch den Menschen scheinen den intelligenten Tieren nicht unbedingt zu schaden, da sie in der Lage zu sein scheinen, sich bestimmte Auswirkungen der Zivilsation zunutze zu machen. So haben es manche Otter gelernt, Tintenfische zu fressen, die sich in weggeworfenen Coladosen versteckt haben: Eine Coladose wird vom Meeresgrund geholt, aufgebissen und der "Bewohner" verspeist.
Um erbeutete Krabben am weglaufen zu hindern während andere Beute gefressen wird, können Seeotter diese Tiere fesseln: Sie umwickeln Krabben mit Kelpsträngen um sie am Weglaufen zu hindern.
Es wurde auch schon beobachtet, dass Seeotter Tintenfische von Fischerbooten im Hafen von Monterey stehlen. Dort gibt es auch Tiere, die sich von Fischern und Besuchern füttern lassen.
Einige männliche Tiere scheinen sich auf die Jagd auf Schwimmvögel (z.B. Renntaucher oder Brillenenten) spezialisiert, die sie von unten angreifen während die Vögel an der Wasseroberfläche ruhen.
Eine weitere Besonderheit ist die Fähigkeit des Seeotters, unversehrt Seewasser zu trinken. Seine speziellen, relativ großen Nieren können das überschüssige Salz wieder ausscheiden.
Auch die Paarung findet im Wasser statt und zwar in der für Säugetiere recht seltenen Bauch zu Bauch-Stellung, in der die Tiere sich regelrecht umarmen. Eine Begattung kann bis zu 35 Minuten dauern. Nach Marderart geht es dabei recht grob zu: Begattete Weibchen haben oft Wunden auf der Nase.
Seeotter bilden keine dauerhaften Paare. Männchen und Weibchen bleiben maximal einige Tage zusammen. Interessanterweise beanspruchen die Männchen innerhalb der Ruhezonen der Weibchen Reviere, in denen sie keine anderen Männchen dulden.
Die Weibchen bringen nach einer Tragzeit von ca. 8-9 Monaten pro Wurf nur ein Junges zur Welt, das ca 1,8 kg wiegt. Die Geburt findet in der Regel im Wasser statt, ist aber auch an Land möglich. Zwillingsgeburten wurden beim Seeotter schon beobachtet, es ist aber äußerst unwahrscheinlich, dass beide Jungen überleben.
Das Junge wird vom im Wasser auf dem Rücken schwimmenden Muttertier gesäugt. Ältere Junge dagegen liegen auch selbst im Wasser und trinken, während sie im rechten Winkel zur Mutter treiben. Die Milch des Seeotters ist - ähnliche wie bei Walen und Robben - sehr fettreich. Ab etwa dem zweiten Lebensmonat beginnt das Junge, das bei der Geburt noch nicht aktiv schwimmen, wohl aber treiben kann, zu tauchen und von der Mutter die Nahrungssuche zu lernen. Trotzdem wird es erst nach 6-8 Monaten von der Mutter unabhängig.
Da sich Weibchen normalerweise erst dann wieder paaren, wenn ihr Junges selbständig ist, ist ein Seeotterweibchen im Schnitt nur alle zwei Jahre trächtig. Man geht davon aus, dass pro 100 Tieren pro Jahr etwa 16 Junge zur Welt kommen.
Seeotter schlafen im Wasser und umwickeln sich vorher mit Seetang, um nicht abgetrieben zu werden. Auf diese Weise schützen Muttertiere auch ihre Jungen, wenn sie sie während eines Tauchganges an der Wasseroberfläche zurücklassen müssen.
Anders als die meisten anderen Marderarten sind Seeotter keine strengen Einzelgänger. So versammeln sich oft größere Gruppen sowohl in den Kelpwäldern vor der Küste wie auch auf den Felsen zur Rast. Eine Seeottergruppe wird im Englischen als raft bezeichnet, was soviel wie Floß bedeutet. Wie schon unter „Fortpflanzung“ angesprochen sind die Ruhebereiche der Seeotter oft nach Männchen und Weibchen getrennt, wobei die Ruhebereiche der Männchen oft kleiner und dementsprechend dichter besetzt sind. In den Ruhebereichen der Weibchen beanspruchen die Männchen Reviere, in denen sie sich mit den entsprechenden Weibchen paaren.
Der Seeotter wird ähnlich wie Wale und Robben als „aquatisches“ Säugetier bezeichnet. Die übrigen Otter gelten als „semiaquatisch“. Diese Klassifizierung trägt dem Umstand Rechnung, dass die Otter der Binnengewässer bisweilen auch in größerer Entfernung vom Wasser angetroffen werden können.
Seeotter haben das dichteste und feinste Fell aller Pelztiere, ihr Fell war deshalb zeitweilig sehr begehrt. 1741 wurden die Otter bei der Kamtschatka-Expedition Vitus Berings entdeckt, der auch die ersten Felle mitbrachte. Diese Einnahmequelle war dem russischen Staat sehr willkommen, zumal der Zobel durch die starke Nachstellung bereits stark dezimiert war. In Folge siedelten sich Pelztierjäger im Osten Sibiriens an. Obwohl schon 1799 von Russland erste Maßnahmen zum Schutz der Otter getroffen wurden, sanken die Bestände weiter. Nicht zuletzt aus diesem Grunde wurde Alaska, für das die Seeotterfelle eine wichtiger Wirtschaftsfaktor war, mit der Alaska Purchase 1867 an die USA verkauft. Dadurch wurden die Schutzmaßnahmen von 1799 unwirksam. Schätzungen besagen, dass in Alaska bis zum Ende der Jagd über 800.000 Seeotter getötet wurden. Ein gutes Fell erlöste in London 1903 einen Preis von 1.100 US-Dollar.
Der Pelzhandel führte dazu, dass der einst häufige Otter so stark bejagt wurde, dass er um 1910 fast ausgerottet war. Nur kleine Restbestände hatten sich gehalten. Bis zum Zusammenbruch der Bestände spielte der Seeotter allerdings als Wirtschaftsfaktor eine nicht zu unterschätzende Rolle für die Nordpazifikregion. Nicht zuletzt wegen der Jagd auf die Otter wurden einige Landstriche erst besiedelt.
Da das Seeotterfell sehr locker am Körper anliegt und zahlreiche Falten hat, ist es - gemessen an der Größe des lebenden Tieres - sehr groß. Neben den feinen, weichen Haaren ist die Dauerhaftigkeit des Pelzes bemerkenswert, der besonders bei chinesischen und russischen Würdenträgern als Besatz sehr begehrt war. Nachdem der Handel mit Seeotterfellen, von wenigen Ausnahmen abgesehen, seit 1911 verboten ist, spielt er heute keine wirtschaftliche Rolle mehr.
1911 schlossen Japan, Russland, die USA und Großbritannien (damals noch als Kolonialmacht Kanadas) das sog Fur Seal Treaty, das neben dem Seeotter auch die gleichermaßen durch die Pelzjagd stark gefährdeten Seebären schützen sollte. Seitdem ist er wieder häufiger geworden. Von 1000 Seeottern im Jahr 1910 ist der Bestand wieder auf 150.000 angewachsen. In Alaska steigen bis heute die Bestände an.
Der Kalifornische Seeotter galt lange Zeit als ausgestorben. Zwar waren 1915 bei Point Sur wieder 32 Otter beobachtet, die Entdeckung allerdings geheim gehalten worden. Erst 1938 - bei Eröffnung des Pacific Coast Highway zwischen Monterey und San Simeon - wurde ein kleiner Bestand an der berühmten Bixby Creek Bridge der Öffentlichkeit bekannt. Heute können z.B. in Monterey wieder Seeotter beobachtet werden. Das berühmte Monterey Bay Aquarium zeigt nicht nur Seeotter sondern bemüht sich auch um den Schutz der wildlebenden Tiere, von denen in Kalifornien heute wieder ca. 2000 leben.
Ende der 60er Jahre wurden in Alaska noch einmal wenige tausend Tiere erlegt - hauptsächlich auf Betreiben der Fischer, die in den Ottern nach wie vor Konkurrenten sehen.
Wurde der Seeotter früher hauptsächlich als Pelztier betrachtet, so hat sich dieses Bewusstsein heute größtenteils gewandelt. Der große Marder gilt als possierlich und liebenswert. Er steht Modell für Plüschtiere, Photos und Zeichnungen von auf dem Rücken im Wasser treibenden Seeottern zieren Bildbände, Gruß- und Glückwunschkarten. Hier spielt eine nicht unwesentliche Rolle, dass auf dem Rücken liegende Seeotter oft die Vorderpfoten so heben, dass der Eindruck entsteht, sie würden "winken". An der Monterey Bay gelten die Kalifornischen Seeotter heute als Touristenattraktion und werden in zahlreichen Prospekten und Reiseberichten erwähnt. Darstellungen des Seeotters aller Art (aus Plüsch oder Gummi, auf T-Shirts, Postkarten usw.) sind viel angebotene Souvenirs an der kalifonischen Pazifikküste.
Dem Menschen gegenüber sind Seeotter ausgesprochen zutraulich, was ihnen während der "großen Jagd" vor 1911 oft zum Verhängnis wurde. Ein deutscher Journalist berichtete, bei der Recherche in Kalifornien sei ein besonders neugieriger Seeotter fast in sein Boot geklettert. In Monterey schwimmen die Otter bis weit in den Hafen und suchen sogar zwischen den Segelbooten nach Futter. Die Anwesenheit des Menschen scheinen sie dabei zu ignorieren.
Der eingestellten Jagd zum trotz schaden dem Seeotter weiterhin menschliche Einflüsse: Eine weitere große Gefahr für dieses Tier und sein Fell sind die immer wieder vorkommenden Ölteppiche der Tanker, weil sie das Fell verkleben und die Otter dadurch schnell ihre lebensnotwendige Körpertemperatur verlieren. Die durch die Exxon Valdez ausgelöste Ölpest von 1989 tötete etwa 5000 Seeotter. Das Öl verklebt sein hochspezialisiertes Fell und macht es wasserdurchlässig. Bei Reinigungsversuchen nimmt er zusätzlich das schädliche Öl in den Körper auf. Zusätzlich schädigen ihn Umweltgifte wie PCB, die von den fettreichen Tieren, die seine Nahrung bilden, stark im Körper angereichert werden. Dies führt - insbesondere bei erwachsenen Tieren - zu einer Degeneration des Gehirns, die die Tiere den Umgang mit ihren Werkzeugen und die Jagd verlernen und sie verhungern lassen. Ziehen die betroffenen Tiere gerade Junge auf, so sind diese ebenfalls zum Verhungern verurteilt. Um die Folgen dieser Sterblichkeit abzumildern wurden verwaiste Otterjunge in einer Spezialabteilung des Monterey Bay Aquarium aufgezogen. Diese Aktivitäten wurden inzwischen eingestellt, da man die "ganze Spezies" und nicht einzelne Tiere in den Mittelpunkt der Bemühungen um den Erhalt der Art stellen möchte.
Nachdem Seeotter heute einigermaßen wirksam geschützt sind, ist der Schwertwal der Feind, dem die meisten Otter zum Opfer fallen. Normalerweise jagt der Orca Robben; da jedoch deren Bestände aufgrund der Fischarmut ebenfalls gesunken sind, erbeutet er nun auch die kleineren Marder. Auch weiße Haie erbeuten hin und wieder Seeotter. Hin und wieder kommt es auch immer noch zu illegalen Tötungen einzelner Seeotter.
Eine große Gefährdung geht außerdem von Algenblüten aus. Giftstoffe bestimmter Kieselalgen reichern sich in den Schalentieren an, die der Otter frisst. Während sie seinen Beutetieren selbst nichts ausmachen erkrankt oder stirbt der Seeotter jedoch an Giften. Eine weitere Gefahr geht von Toxoplasma gondii aus, einem einzelligen Parasiten, der bei Meeressäugetieren schwere Hirnschäden hervorruft während er für Landsäuger zumeist ungefährlich ist. Die entsprechenden Keime gelangen insbesondere über Fäkalien ins Meer. Aus diesem Grund wird in Kalifornien z.B. sehr intensiv dazu aufgerufen, Katzenfäkalien nicht über die Toilette zu entsorgen.
Im Winter 2006/2007 verhungerten in Westalaska viele Seeotter weil ihre Nahrungsgründe, die Meeresküsten, besonders intensiv zugefroren waren. Die schwachen, ausgehungerten Tiere wanderten auf Nahrungssuche kilometerweit in die Tundra, wo sie zur leichten Beute von Adlern und Wölfen wurden. Außerdem wurden von den Ureinwohnern der Aleuten viele von ihnen wegen des Fells geschlachtet. Den Ureinwohnern Nordamerikas ist die Subsistenzjagd auf Seeotter nach wie vor erlaubt.
Der Seeotter ist von den anderen Ottern so verschieden, dass man ihm lange eine exklusive Sonderstellung einräumte. Dies ging sogar so weit, dass eine nähere Verwandtschaft zu den Hundsrobben angenommen wurde[1]. Oft ist es üblich gewesen, ihn in einem eigenen Tribus Enhydrini von den anderen Ottern abzugrenzen. Den morphologischen Analysen von Berta und Morgan zufolge bilden der Seeotter zusammen mit den fossilen Gattungen Enhydritherium und Enhydriodon eine Klade, die allen anderen Ottern als Schwestergruppe gegenübersteht[2]. Zu einem anderen Schluss kamen Koepfli und Wayne nach molekulargenetischen Analysen des mitochondrialen Cytochrom-b-Gens von neun Otterarten. Nach ihren Ergebnissen kam es zur Abspaltung des Seeotters erst nach den Abzweigungen des Riesenotters und der Neuweltotter. Somit ist der Seeotter enger mit den altweltlichen Ottern verwandt. Das Alter des zum Seeotter führenden Zweiges wird auf 13 Millionen Jahre geschätzt[3]. Seine Position im Kladogramm ist demnach wie folgt:
Otter
|-- Riesenotter
`--+-- Neuweltotter
`--+-- Seeotter
`-- Altwelt-, Finger- und Zwergotter
Über die ursprünglichen Unterarten vor der "großen Jagd" ist nichts bekannt. Innerhalb der verbliebenen und heute wieder erstarkten Bestände unterscheidet man drei Unterarten:
Außerhalb ihrer Heimat sind Seeotter nur selten in Zoos anzutreffen. Eine Gruppe Seeotter gehört zu den großen Attraktionen des Monterey Bay Aquarium in Kalifornien. Auch das Aquarium of the Pacific in Long Beach und der Zoo im kanadischen Vancouver zeigen Seeotter - ebenso wie weitere Zoos und Aquarien in den USA. In Europa sind sie im Zoo Antwerpen sowie im Ozeaneum in Lissabon zu sehen, wo auch bereits mehrere Jungtiere geboren wurden. Seeotter gehören auch zum Repertoire des Computerspiels Zoo Tycoon.
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