Die Seestraße in Berlin-Wedding ist eine ca. 3,2 km lange von südwestlich nach nordöstlich führende Hauptverkehrsachse und Zubringer zur Stadtautobahn.
Die Straße beginnt im Süden als Fortführung der Berliner Stadtautobahn, Abfahrt „Seestraße“. Sie führt südlich am Plötzensee, dem sie ihren Namen verdankt, vorbei in Richtung Kreuzung mit der Afrikanischen und der Amrumer Straße.
Auf diesem Abschnitt befinden sich an ihrer nördlichen Seite die St. Pauls-, Nazareth- und St. Johannis-Kirchhöfe und gegenüber, auf der südlichen Seite, das Areal des „Rudolf-Virchow-Klinikums“. Am Kreuzungspunkt mit der Müllerstraße befindet sich der von Heinrich Jennen geplante und 1923 eröffnete U-Bahnhof Seestraße sowie der Haupteingang zum städtischen Urnenfriedhof Seestraße. Weiter verläuft die Straße südlich des St. Philippus- und des städtischen Urnenfriedhofs sowie des Apostelkirchhofs bis zum Luise-Schröder-Platz.
Die Straße verläuft durch das Gebiet der früheren Kämmereiheide. Sie entstand im Zuge der Parzellierung dieses Forstgebiets im Jahre 1827. Ihre Bebauung erfolgte zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Die südliche Verlängerung der Seestraße verlief früher noch weiter entlang des nördlichen Ufers des „Neuen Verbindungskanals“ bis zum Habsburger Ufer. Dieser Teil wird mittlerweile als Berliner Stadtautobahn A100 genutzt, die an der Seestraßenbrücke ihren Anfang nimmt.
Ursprünglich verlief die Seestraße an ihrem östlichen Ende, dem heutigen Louise-Schroeder-Platz - damals noch Oskarplatz - diagonal weiter bis zur Letteallee. Dieses Ende wurde jedoch am 15. November 1957 in Reginhardstraße umbenannt. Die direkte Verbindung zwischen Oskarplatz und heutiger Reginhardstraße wurde zugunsten einer übersichtlicheren Kreuzungsführung aufgelöst.
Am südlichen Ende der Seestraße befindet sich das Abwasserpumpwerk Seestraße. Hier wurde bereits 1886 das Abwasser zu den nördlich Berlins gelegenen Rieselfeldern nach Schenkendorf, Müllersfelde, Lindenhof und Schönerlinde gepumpt. Das 1997 modernisierte Werk befördert die Abwässer heute zum Klärwerk Ruhleben.
Auf der anderen, nördlichen Seite des südlichen Endes dieser Straße befindet sich das frühere Strafgefängnis Plötzensee mit der nahe gelegenen Militärbadeanstalt. Heute befindet sich auf diesem Gelände die Jugendstrafanstalt und die Jugendhaftanstalt Plötzensee. Auf dem Gelände der Strafanstalt findet sich auch die Gedenkstätte Plötzensee. Die ehemalige Militärbadeanstalt ist ein Freibad mit Bootsverleih geworden.
Hier agierte der Schuhmacher Wilhelm Voigt, der am 13. Oktober 1906, in der Uniform eines Hauptmanns auftauchend, die in der Seestraße stationierte Mannschaft der Schwimmschulwache vom Plötzensee seinem Kommando unterstellte, mit ihr nach Köpenick fuhr und dort die Ratsschatulle übernahm. Durch Carl Zuckmayers 1931 geschriebenen Roman „Hauptmann von Köpenick“ ging der Streich in die Literaturgeschichte ein.
Die Seestraße ist von Beginn an recht breit mit einem grünen Mittelstreifen angelegt worden. Von der am Südende der Straße gelegenen Beusselstraße über den damaligen Oskarplatz weiter bis nach Prenzlauer Berg fuhren seit Beginn der 1930er auf dem Mittelstreifen Straßenbahnen. Sie dienten unter anderem als Zubringer zur Olympischen Radrennbahn, die 1936 direkt neben der Strafanstalt Plötzensee errichtet wurde.
Nachdem am 15. Januar 1953 der gemeinsame Straßenbahnbetrieb zwischen Ost- und West-Berlin endete und am 2. Oktober 1967 auch die letzte West-Berliner Straßenbahn ihren Betrieb einstellte, wurde erst nach der Wende wieder eine Straßenbahnstrecke auf der Seestraße bis zum Virchow-Klinikum neu erbaut und am 25. Oktober 1997 in Betrieb genommen.
Entlang der Seestraße befindet sich der ehemalige Produktionsstandort der Fabrik S. Bergmann und Co., der 1932 von den Osram-Glühbirnenwerken bezogen wurde. Mittlerweile werden die unter Denkmalschutz stehenden ehemaligen „Osram-Höfe“ anderweitig vermietet.
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