Als Seevölker werden von der modernen Forschung die in verschiedenen ägyptischen Quellen des Neuen Reichs erwähnten „Fremdvölker“ bezeichnet, die um 1200 v. Chr. Ägypten angriffen und auf die auch eine Reihe von Zerstörungen im östlichen Mittelmeergebiet zurückgeführt wird.
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Der Ausdruck Seevölker wurde von dem französischen Ägyptologen Gaston Maspero geprägt, um die von Ramses III. auf den Reliefs von Medinet Habu abgebildeten Fremdvölker zu bezeichnen. Inzwischen bezeichnet man so eine Reihe von Völkerschaften, die in ägyptischen Quellen des Neuen Reichs, vor allem aus der Zeit Merenptahs (ca. 1213–1203 v. Chr.) und Ramses III. (ca. 1184–53), erwähnt sind.
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Die Reliefs auf dem Totentempel und der Papyrus Harris berichten, dass sich hauptsächlich zur See operierende Völker zu einer Koalition zusammengeschlossen und im östlichen Mittelmeergebiet viele Städte und Reiche zerstörten. Die in weiten Teilen des östlichen Mittelmeerraums nachgewiesenen Zerstörungen um und kurz nach 1200 v. Chr. werden oft mit diesen „Seevölkern“ verbunden; z. B. soll Ugarit vernichtet worden sein. Zypern wurde in einem Zeitraum von etwa 200 Jahren mehrfach durch Seeräuber belästigt.
Anschließend griffen sie Ägypten an. Im 8. Regierungsjahr Ramses III. (ca. 1177 v. Chr.) soll der Hauptstoß sowohl zu Lande als auch zur See erfolgt sein. Bedeutendstes Zeugnis hierfür sind die Bildwerke und Inschriften im Totentempel Ramses III. in Medinet Habu, in denen die Abwehrschlachten Ramses III. detailliert beschrieben werden. Ramses gelang es zwar, die Seevölker zu besiegen, doch Ägypten war durch die vielen Kriege geschwächt und verlor viel Macht und Einfluss, insbesondere natürlich im nordöstlichen Mittelmeer.
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Das Thema „Seevölker“ zählt zu den meistdiskutierten, komplexesten und schwierigsten Forschungsbereichen der Altertumsforschung. Zahlreiche multidisziplinäre Kongresse widmeten sich ausschließlich diesem Thema. Eine allseits befriedigende und akzeptierte Lösung der „Seevölker“-Frage konnte trotzdem bis heute nicht gefunden werden. Weder ist die genaue Herkunft der einzelnen Völker geklärt, noch, welche Dimensionen der sogenannte „Seevölkersturm“ hatte, wenn er denn überhaupt stattfand.
Die Identität der meisten sogenannten „Seevölker“ ist bis heute ungeklärt. Viele Althistoriker, Sprachwissenschaftler und Archäologen gingen früher davon aus, dass es sich in der Mehrzahl um indogermanische Illyrer gehandelt habe. Ihr Vordringen führte nach Meinung einiger Forscher zum Niedergang der mykenischen Kultur in Griechenland (Pylos, Mykene u. a.) und besiegelte das Schicksal des Hethiterreichs Šuppiluliumaš' II.. Heute wird diese These – wenn überhaupt – nur noch in abgeschwächter Form vertreten. Die Theorie eines „Völkersturms“, der, vom Balkan oder gar noch weiter nördlich ausgehend die Kulturen Griechenlands und Anatoliens weggefegt haben soll, hält neueren Erkenntnissen nicht mehr stand.
Die am weitesten verbreitete Theorie besagt, dass der Ausgangspunkt der „Seevölker“-Unruhen der west- bzw. süd-kleinasiatische oder/und der ägäische Raum war. Dafür spricht auch die ägyptische Bezeichnung Haunebu für die Seevölker, die „Volk hinter den Inseln“ bedeutet und auf die Region um die Ägäis hinweist (im neuen Reich bezeichnete man in Ägypten die gesamte Ägäis mitsamt ihren Festlandküsten als die ‚Inseln‘). Zu den Bewohnern der angrenzenden Küsten zählen auch die u. a. in der Bibel erwähnten Philister (von ihnen stammt die Bezeichnung Palästina). Andere sehen die „Seevölker“ schlicht als Piraten.
Die Philister werden mit den in den ägyptischen Quellen genannten Peleset (oder Pereset von pl(r)st) gleichgesetzt und ihnen werden insbesondere Keramik aus Tell el-Jehudijeh zugeschrieben. Auf der Rückseite dieser Keramiken sind Zeichen eingebrannt, die griechischen Buchstaben ähneln (SH IIIC bzw. auf Zypern LC IIIC-Ware). Da allerdings das griechisches Alphabet damals noch nicht entwickelt war, werden die Zeichen dem Alphabet der Philister zugeordnet. Diese Zuordnung ist allerdings aufgrund der doch deutlichen Zeichenunterschiede umstritten.
Als gesichert wird die Gleichsetzung der „Lukku“ mit den Bewohnern der Lukka-Länder angesehen. Diese werden in hethitischen Texten oft genannt und waren in Südwest-Kleinasien angesiedelt. „Lukku“ sollen – wie auch die berühmten Schardana – nicht erst gegen 1200 v. Chr. als „Seevölker“ ins Blickfeld der Ägypter treten. Vermutlich haben sie bereits auf hethitischer Seite bei der berühmten Schlacht bei Kadesch (ca. 1274 v. Chr.) gegen Ramses II. gekämpft.
Die letzte Korrespondenz aus Ugarit spricht von verlustreichen Kämpfen des hethitischen Herrschers im Bereich der Lukka-Länder. Gleichzeitig war Zypern nach den Alašija-Briefen von nicht näher bezeichneten „Feinden“ angegriffen worden, die jedoch weiterzogen, und die Flotte Ugarits wurde vom hethitischen Herrscher an der kleinasiatischen Südküste eingesetzt. Truppen Ugarits waren ins hethitische Kernland verlegt worden. Unmittelbar nach dieser Schilderung wurde das schutzlose Ugarit von See aus zerstört (zwischen 1194 und 1186).