Die denkmalgeschützte Seffersbachbrücke in Merzig ist die letzte erhaltene Hängegurtbrücke nach dem System Möller im Saarland und ein Zeugnis für frühe Bauversuche mit Stahlbeton.
Die Brücke wurde 1901 nach dem 1894 patentierten System des Braunschweiger Professors Max Möller durch die Firma Drenckhahn & Ludkop, die ebenfalls in Braunschweig ansässig und an der Entwicklung des Brückenbausystems beteiligt war, errichtet. 1936 wurde sie verbreitert und erhielt einen Gehweg auf der Westseite. Dadurch wurden die ursprünglichen Verzierungen der Brücke auf dieser Seite verdeckt. Im Zuge der Generalsanierung und des Rückbaus wurden diese Ornamente auf beiden Brückenseiten wieder sichtbar gemacht. Es handelt sich um stilisierte Eierstäbe an den äußeren Hängegurten und um Voluten an den Auflagern. Diese neobarocken Zierelemente wurden aus Zementstuck gefertigt.
Hängegurtbrücken nach dem System Paul Möllers gehören zu den ersten Versuchen, Verbundkonstruktionen aus Beton und Metall herzustellen. Die Entwicklung entsprang dem Wunsch, die Vorteile beider Materialien miteinander zu kombinieren. Während Beton großen Druckkräften gewachsen ist, die auf der Oberseite eines Trägers entstehen, ist Eisen oder Stahl gut geeignet, die Zugkräfte auf der Unterseite des Trägers aufzufangen.
Möller entwickelte eine Plattenbalkenkonstruktion, die aus Betonträgern in Kombination mit Zugbändern aus Flacheisen an der Unterseite bestand. Die Zugbänder waren fischbauchförmig und wurden mit Stahlwinkeln im Beton verankert und dann überputzt - sie lagen nicht im Sinne einer Armierung im Beton. Mehrere Träger dieser Art wurden zu einer Tafel verbunden.
Die Tragfähigkeit der Konstruktion ließ sich nicht errechnen, sondern musste empirisch ermittelt werden.
Bis 1920 wurden über 500 Brücken nach diesem System in Mitteleuropa gebaut, von denen jedoch nur wenige erhalten blieben. Möllers Idee wurde durch die Erfindung der Armierung, die heute allgemein Anwendung findet, überholt.