Seil

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Historische Darstellung eines Seilers aus dem 16. Jahrhundert
Historische Darstellung eines Seilers aus dem 16. Jahrhundert

Ein Seil ist ein aus zusammengedrehten Fasern oder Drähten bestehendes längliches, biegeschlaffes, elastisches Element zur Übertragung von Zugkräften.

Inhaltsverzeichnis

Bestandteile und Aufbau

Materialien

Seile werden aus Naturfasern (Hanf, Naturseide, Flachs), Kunstfasern (Polyester, Polyamid (Nylon, Perlon), Polypropylen, Polyethylen) oder Metall (Drahtseil aus Stahl oder Edelstahl) hergestellt.

Die früher z.B. beim Segeln und Bergsteigen verwendeten Seile waren meist aus Hanf; heute werden überwiegend synthetische Materialien verwendet. Sie sind bei geringerem Gewicht und Durchmesser stabiler, scheuerfester und besser knotbar. Außerdem saugen sie abhängig von der Imprägnierung kaum Wasser auf und frieren dadurch nicht so leicht ein. Allerdings altern Kunststoffseile durch den UV-Strahlungsanteil des Sonnenlichtes schneller, so dass ihre Haltbarkeit und Festigkeit mit der Zeit abnimmt.

Herstellung

Seilherstellung auf einer Vorrichtung aus dem Jahr 1928.
Seilherstellung auf einer Vorrichtung aus dem Jahr 1928.
Handwerkliche Seilherstellung in einer Seilerei.
Handwerkliche Seilherstellung in einer Seilerei.
Der Führungsdorn um die Litzen zusammen zu verdrillen.
Der Führungsdorn um die Litzen zusammen zu verdrillen.
Der Seiler auf dem Weg zum fertigen Seil.
Der Seiler auf dem Weg zum fertigen Seil.

Seile wurden früher per Hand auf Seilerbahnen, auch Reeperbahnen genannt, gedreht. Heutzutage erfolgt die Herstellung maschinell mittels Seilschlagmaschinen. Sie tragen diesen Namen, weil man das Verdrillen auch schlagen nennt, um es vom Flechten zu unterscheiden.

Die Fasern eines Kunststoffseils sind zu millimeterdicken Fäden gesponnen (etwa 1 - 3 mm) und werden gruppenweise zu Litzen zusammengedreht. Ein dünnes Seil besteht aus 3 bis 4 solcher Litzen, die verdrillt werden.

Gleichschlagseile sind Seile, bei denen die Verdrillung der einzelnen Litzenbündel und deren Verdrillung untereinander in der selben Drehrichtung erfolgt. Die Litzenbündel bleiben dadurch so wie die Litzen im Einzelnen zueinander verschieblich. Dadurch wird das Seil geschmeidiger und damit biegsamer.

Bei Gegenschlagseilen sind die Verdrillungen der Litzenbündel in sich und zueinander verschieden. Das Seil ist somit in sich ausgefacht, da durch die Reibung der Litzen zueinander eine Art Fachwerk entsteht. Das Seil ist somit steifer.

Dickere Seile (Trossen) bestehen wiederum aus mehreren dünneren Seilen, die miteinander verdrillt werden und in dieser Funktion Kardeelen heißen. Die Schlagrichtung der Kardeelen und des gesamten Seils sind einander entgegengesetzt, was ein Aufdrehen des Seiles verhindert.

Neben geschlagenenen Seilen werden auch geflochtene Seile hergestellt, die meist elastischer sind und sich nicht aufdrehen, aber eine größere Oberfläche haben. Sie werden meist um ein inneres Seil, die Seele, geflochten.

Das Verbinden von Seilenden erfolgt durch spleißen, bei dem die Seilenden ineinander verflochten werden.

Herstellung von Stahlseilen

Stahlseile haben im Bauingenieurwesen einen hohen Stellenwert, beispielsweise im Brückenbau. Sie werden um ein inneres Seil herum angefertigt, das man Seele nennt. Stahlseile mit einer Stahlseele haben eine größere Bruchlast (die Kraft, bei der das Seil bricht, oder umgangssprachlich: reißt), Stahlseile mit Hanfseele sind leichter zu handhaben und unempfindlicher gegen kleinere Krümmungsradien unter Belastung.

In Stahlseile werden oft textile Fäden eingearbeitet, die mit Öl getränkt sind. Durch ständige Abgabe des Öles beim Bewegen des Seiles erfolgt eine geringe Schmierung des Seiles und es wird geschmeidiger. Außerdem wird Rost am Seil verhindert. Drähte für Stahlseile haben eine Zugfestigkeit um 2000 N/mm².

Bezeichnungen

Textile Seile werden umgangssprachlich auch als Strick oder Kordel bezeichnet.

Seemännisch unterscheidet man zwischen Leinen (dünnen Seilen) und Trossen (dicken Seilen). Schiffe werden mit Festmacherleinen festgemacht, jedoch mit Schlepptrossen geschleppt. Unter einem Tampen versteht man in der Seemannssprache das Ende eines Seiles oder ein kurzes Stück Seil. Seile werden in der Seefahrt ferner nach ihrer Funktion unterschiedlich benannt, so etwa als Schoten, Fallen, Wanten und Stage.

Aufbewahrung und Pflege

Für längere Aufbewahrung ist es für viele Seile am besten, sie auf einer Seiltrommel aufzuspulen; trockene und nicht zu warme Räume sind im Allgemeinen vorzuziehen, doch brauchen manche Materialien eine gewisse Feuchtigkeit. Des weiteren sollten insbesondere Kunststoffseile bei der Lagerung nicht dem Sonnenlicht ausgesetzt sein, da die UV-Strahlung sie dann schnell altern lässt und ihre Reißfestigkeit reduziert. Beim Waschen von Kletterseilen verwendet man kaltes Wasser und lässt sie dann langsam an der Luft - keinesfalls in praller Sonne - trocknen. Man sollte sie grundsätzlich nicht mit Reinigern oder sonstigen haushaltsüblichen Chemikalien zusammenbringen.

Siehe auch

Weblinks

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Wiktionary
Wiktionary: Seil – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme und Übersetzungen
Quelle:
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