Selbstbewusstsein ist ein Begriff, der in mehreren Fachdisziplinen verwendet wird. Nach allgemeiner Auffassung ist dieser Begriff zuerst in der Philosophie definiert worden. Er spielt aber auch in der Soziologie, Psychologie und Geschichtswissenschaft stets eine bedeutende Rolle. Der Begriff Selbstbewusstsein hat mehrere Bedeutungsebenen. Es gibt ein Selbstbewusstsein des Individuums, aber auch ein kollektives Gruppenselbstbewusstsein.
Zum einen wird darunter das aktive durch innere Denkvorgänge herbeigeführte Erkennen der eigenen Persönlichkeit verstanden. Die Frage: „Wer oder was bin ich?“ kann als Ergebnis dieses Denkvorgangs beantwortet werden. Auch eine passive Zuschreibung, die Attribuierung durch andere denkende Lebewesen der Gruppe, führt zum Erkennen und Definieren der eigenen Person bzw. Persönlichkeit.
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Selbstbewusstsein heißt das Bewusstsein seiner selbst.
Umgangssprachlich wird Selbstbewusstsein auch als ein Wertgefühl seiner selbst verstanden, das eine Person oder eine Gruppe von sich selbst besitzt. Sieht sich eine Person oder eine Gruppe als sehr wertvoll an, so spricht man von großem Selbstbewusstsein. Das Selbstbewusstsein oder der gedankliche Wert einer Person oder Gruppe wird durch deren Eigenschaften (z. B. Mitmenschlichkeit, Hilfsbereitschaft aber auch gepflegtes Aussehen, Reichtum, ...) und Fähigkeiten (z. B. Intelligenz, Sportlichkeit, ...) bestimmt. Selbstbewusstsein kann als eigenes Wertgefühl durch Aneignen neuer Eigenschaften (z. B. Besseres Erscheinungsbild durch Schönheitsoperationen) oder neuer Fähigkeiten (z. B. Erhöhen der Intelligenz durch Erlernen weiterer Sprachen oder Erhöhen der Selbstverteidigungsfähigkeit durch das Erlernen asiatischer Kampfsportarten) gesteigert oder im Fall des Misslingens verringert werden.
Selbstbewusstsein entsteht durch Beobachtung und Reflexion des eigenen Ich, der eigenen Persönlichkeit, von außen. Das Ich ist hierbei gleichzeitig passives Objekt und aktives Subjekt. Nach Kant bildet sich das Selbstbewusstsein durch seine Doppelnatur als Objekt und Subjekt seiner selbst heraus. Kant: „‚Ich bin mir selbst ein Gegenstand der Anschauung und des Denkens‘ ist ein synthetischer Satz a priori und der Grundsatz der Transzendentalphilosophie.“ (Vorlesungen über Metaphysik).
„Der synthetische Satz: daß alles verschiedene empirische Bewußtsein in einem einigen Selbstbewußtsein verbunden sein müsse, ist der schlechthin erste und synthetische Grundsatz unseres Denkens überhaupt.“ (Kritik der reinen Vernunft; Abschnitt : Der Deduktion der reinen Verstandesbegriffe, seine Stern Anmerkung)
In einer seiner bedeutendsten philosophischen Schriften, der Phänomenologie des Geistes, vor allem im berühmten Kapitel „Selbständigkeit und Unselbständigkeit des Selbstbewusstseins; Herrschaft und Knechtschaft“ führt Hegel aus, dass das Selbstbewusstsein als Ergebnis der Anerkenntnis durch den Anderen sich herausbildet, und sich in Abhängigkeit eines Gegenüberstehenden formt bzw. verwandelt. Hegel beschreibt das Selbstbewusstsein als die Summe der Erfahrung der Dialektik von Selbstständigkeit und Unselbstständigkeit, bildlich in Form eines Konflikts um Anerkenntnis zwischen Herr und Knecht.
Ein kollektives Gruppenselbstbewusstsein wurde von Hegel in seiner Schrift „die Philosophie der Geschichte“ beschrieben. In diesem Werk beschreibt er unter anderem die Entwicklung des kollektiven Selbstbewusstseins von Völkern und ihren Zivilisationsstufen. So behauptet Hegel, dass „das unglückliche Bewusstsein der römischen Kaiserzeit“ in das Christentum gemündet sei, und dass das kollektive Selbstbewusstsein des Christentums „die Vorstufe der Vernunft“ sei.
Umgangssprachlich wird der Begriff Selbstbewusstsein gewöhnlich im Sinne von Selbstwert benutzt. Wer ein hohes Selbstwertgefühl hat - oder zu haben scheint - gilt als selbstbewusst.
Aleksandar Jeremic: "Zweifel ist der Treibstoff der Selbstbewussten."
Bewusstsein, Geist, Gotthard Günther, Interkulturelle Kompetenz, Künstliche Intelligenz, Reflexion, Selbst