Selbstbild bezeichnet die Vorstellung, die jemand von sich selbst hat bzw. macht. Es steht im Gegensatz zum Fremdbild oder zur Außenwahrnehmung, was die Betrachtung einer anderen Persönlichkeit als der Eigenen bedeutet.
Die genaue Bedeutung in der Psychologie ergibt sich aus der jeweiligen Verwendung. Diese Unklarheit ist eine Folge der noch nicht angemessen entwickelten begrifflich-operationalen Normierung in der Psychologie.
Zu einem Selbstbild können im Prinzip alle Aspekte ("Dimensionen") gehören, die jemand von sich selbst haben kann. Und genau das spiegelt das praktische Bedeutungs- und Definitionsproblem wider. Im konkreten Fall meint man ganz bestimmte, meistens nicht näher ausgeführte Kriterien (Aspekte).
Die innere Struktur des Selbstbildes setzt sich zusammen aus:
Die Funktion des Selbstbildes für die psychische Regulation des Verhaltens besteht in der Motivierung der Ichbeteiligung und in der Organisation, der Gerichtetheit von Verhalten und Erleben. Die Übereinstimmung von Selbstbild und Wunschbild sowie die von Selbstbild und Fremdbild sind wesentliche Voraussetzungen für die Leistungsfähigkeit, die psychische Gesundheit und zu angemessenem interpersonalen Umgang der Person. Im folgenden seien daher zunächst einige Dimensionen des "Selbstbildes" aufgezählt:
Das bin ich: Name, Alter, Geschlecht, Lebensort. Die Identitätsfunktion ist eine psychopathologisch sehr wichtige Funktion, die gestört sein kann (z. B. bei multiplen Persönlichkeiten oder in Psychosen). Im Grunde ist die Identitätsfunktion ein Rätsel. Denn: obwohl wir alle uns ständig ändern, neue Erfahrungen machen, älter werden, vergessen, dazu lernen, bleibt die Identität bei Gesunden erhalten: stets fühle ich mich als der einundderselbe identische Mensch. Die Identität ist für Gesunde so etwas wie eine psychologische Konstante über das ganze Leben hinweg. Das trifft für das Selbstbild ansonsten nicht zu: dieses unterliegt einem Wandel und ist veränderungsfähig.
Das ist mein Körper, der zu mir gehört und so sehe ich - derzeit - aus. Ich habe die und die Gestalt, Figur, Größe, Gesicht; Gesundheit, Krankheit, Beweglichkeit, Un/ Versehrtheit, Behinderung. Körper und äußere Erscheinung können zudem eine Bewertung hinsichtlich der Attraktivität, die man sich selbst zuordnet, erfahren. Hier gibt es also zwei ganz unterschiedliche Beurteilungen: die Wahrnehmung einerseits und die Bewertung dieser Wahrnehmung andererseits.
Ich habe diese oder jene (genetischen) Anlagen und Begabungen (Ressourcen) für meine Selbstverwirklichung.
Ich habe diese oder jene Fähigkeiten und Fertigkeiten (z. B. handwerklich, geistig, praktisch, hauswirtschaftlich, technisch, sprachlich, mathematisch, naturwissenschaftlich, kommunikativ, künstlerisch, psychologische), das und dieses kann ich so oder so gut.
Bildung, Ausbildung, Arbeit und Beruf gehören zum Selbstbild dazu. Für Kleinkinder sind Kindergarten und Hort, für Schüler die Schule, für Studenten die Universität, für Hausfrauen/-männer und Rentner der Haushalt der Arbeitsplatz. Anhaltende Arbeitslosigkeit kann das Selbstwertgefühl beeinträchtigen.
Ich brauche für mein Leben dieses und jenes, das ist und das ist sehr wichtig für mein Leben: Essen, trinken, Ausscheidung, Schlaf, atmen, Schutz, Abwechslung, körperliche Nähe, Streicheleinheiten, Sex. Die Vitalbedürfnisse sind im allgemeinen lebensnotwendig und unverzichtbar.
Ich würde gerne so und so leben, wäre gern dieser oder jener, würde gerne dieses oder jenes erleben und erfahren, möchte gerne dieses oder jenes tun (beruflich, persönlich, kulturell, sozial, öffentlich: in meiner Rolle als Bürger u.a.m). Wie möchte ich mein Leben gestalten (Lebensträume), wonach strebe ich, was ist mir wichtig, wo liegen meine Hauptinteressen?
Ich orientiere mich an folgenden Grundwerten, z. B. Echtheit, Ehrlichkeit, Zuverlässigkeit (Vertragstreue), Leistungs- und Anstrengungsbereitschaft, Toleranz, Gerechtigkeit, Solidarität, Selbst / Verantwortung usw. bzw. mein höchster Wert ist meine eigene Glückseligkeit, die anderen interessieren mich nur insofern als ich sie dafür nutzen kann (Egoismus)
Wie lebe ich? Verschiedene Lebensformen, Lebensstile und Grundorientierungen: individuelle und kollektive angepasst oder oppositionell. Lebensstilaspekte stehen oft im Bezug zu den Dimensionen Wünsche und Träume sowie Sozialbeziehung, da sich die individuellen Lebensstilentwürfe nicht selten aus den kollektiven Idealen und Erfahrungen speisen, die sich aus Zugehörigkeiten zu gesellschaftlichen Gruppen (Milieus, Schicht, Szene etc.)ergeben und sich auch in übernommen Kathegorien niederschlagen, beispielsweise: bürgerlich, proletarisch, Bohemien, alternativ, akademisch, aristokratisch, Single, Außenseiter/ Randgruppe; Single-, Wohngemeinschafts-, Ehe- oder "Lebensabschnittsgefährtenschaftstyp" ... Siehe z. B. auch homo oeconomicus
Hierher gehört, was einer alles schon erfahren und erlebt hat (habe ich nur in den Computer geglotzt, Videos geschaut und ferngesehen oder auch richtig gelebt?).
Vermögen, Sach- und Geldwerte, Anleihen (Bonds), Sparguthaben und Geld spielen für mehr Menschen eine wichtigere Rolle als sie sich oftmal eingestehen. Was habe ich, wie gut bin ich gesichert (Versicherungen) sind hier die Fragen. Empfehlenswert ist natürlich, seine Lebenszufriedenheit nicht auf diese Dimension aufzubauen.
Zu mir gehören auch meine zwischenmenschlichen und Sozialbeziehungen, das Milieu, in dem ich mich bewege und bewegen mag ("Sage mir, mit wem Du umgehst, und ich sage Dir, wer Du bist"). Auch: Konflikte / Feindschaften, auch der Umgang mit Konflikten (z. B. Aggression, Flucht / Vermeidung, Diskussion).
Zum Selbstverständnis und zur Eigencharakteristik eines Menschen gehört auch, wie er den Reproduktionsbereich, Freizeit, Erholung, Entspannung, Spiel, Sport, Muse, Muße und Vergnügen gestaltet und lebt.
Das Selbstbild lässt sich für psychologisch-psychotherapeutische Zwecke noch wie folgt betrachten und klassifizieren:
Im allgemeinen gilt, dass jeder Mensch ein im Grunde stabiles und positiv kongruentes Selbstbild haben will und sollte.
Ein positives Selbstbild wird gefördert durch eine Umgebung, die einen in seinem Selbstbild bestätigt, wertschätzt und unterstützt. Es ist daher sinnvoll, sich als Erwachsener sein soziales und zwischenmenschliches Umfeld entsprechend einzurichten und zu gestalten. Metapher: wer sein Zelt auf einem Misthaufen aufstellt, bei dem wird es stinken.
Hinweis Weblink: Mehr noch und Glossar mit Kurzkennzeichnungen: [1]
Die verschiedenen Ebenen und Projektionen machen die Selbstbildforschung nicht nur sehr spannend und attraktiv, sondern auch sehr verwirrend und schwierig. Ein paar Beispiele können die Probleme verdeutlichen: