Selbstverbrennung
Selbstverbrennung ist eine Form des Suizids, bei der ein Mensch seinen eigenen Körper mit einem Brandbeschleuniger, z. B. Benzin begießt und sich dann zumeist in der Öffentlichkeit anzündet. Eine Selbstverbrennung hat häufig zum Ziel, gegen einen Sachverhalt, z. B. Besetzung eines Staates oder Unterdrückung zu protestieren. Dabei soll die qualvolle Selbstverbrennung der Qual des empfundenen Unrechts, sei es materiell, politisch oder emotional, entgegen stehen.
Selbstverbrennung als Suizid
Die Selbstverbrennung ist eine extrem schmerzhafte und nicht unbedingt erfolgversprechende Suizidmethode. Verbrennungspatienten bleiben während des Brandes sehr lange bei Bewusstsein und erleben dadurch die Schmerzen sehr intensiv. Die Furcht vor diesen Schmerzen ist es auch, die dazu führt, dass Opfer von Hochhausbränden einen Sprung in den sicheren Tod dem Verbrennen bei lebendigem Leib vorziehen. Die moderne Medizin kann vielen Schwerstverbrannten das Leben erhalten; oft ist eine spätere Entlassung aus dem Krankenhaus möglich, allerdings meist mit schweren Behinderungen und Entstellungen. Auch der Umstand, dass eine Selbstverbrennung öffentlich vollzogen wird, ist zu beachten, da sehr schnell Löschversuche von Umstehenden unternommen werden können.
Selbstverbrennungen in der Geschichte
- Bekannt ist die traditionelle religiös erlaubte Witwenselbstverbrennung (Sati) vor allem in Indien wie auch die Selbstverbrennung buddhistischer und hinduistischer Mönche aus unterschiedlichen Gründen, zu denen politischer Protest, Frömmigkeit, Askese etc. zählen. Bestimmte Völkergruppen praktizierten sie ebenfalls wie die Kaste der Charanen oder Rajputen.
- Ab 1965 verbrannten sich vier Amerikaner zum Zeichen des Protestes gegen den Vietnamkrieg. Die 82jährige deutsche Einwanderin Alice Herz am 16. März 1965 vor der University of Michigan. Norman Morrison am 2. November 1965 vor dem Büro des US-Verteidigungsministers Robert McNamara am Pentagon nach der Verlesung eines Berichtes über die Zerstörung vietnamsischer Dörfer durch Napalm. Am 9. November 1965 verbrannte sich der 22-jährige Roger Allen LaPorte vor dem UNO-Gebäude in New York City. Am 10. Mai 1970 erlag der 23-jährige George Winne Jr. seinen Verbrennungen auf dem Campus der University of California, San Diego mit den Worten "In Gottes Namen, beendet den Krieg".[1]
- Am 8. September 1968 verbrannte sich der polnische Anwalt und ehemalige Soldat der Armia Krajowa Ryszard Siwiec während einer politischen Veranstaltung im Stadion von Warschau aus Protest gegen den Einmarsch des Warschauer Paktes in die Tschechoslowakei im August 1968.
- Fünf Monate später, am 16. Januar 1969, verbrannte sich Jan Palach aus dem selben Grund; einen Monat später tat dies Jan Zajíc am selben Platz.
- Am 14 May 1972 protestierte Romas Kalanta mit seiner Selbstverbrennung gegen die sowjetische Besetzung Litauens, dies löste einen Studentenprotest in Kaunas aus.
- Am 8. Februar 1978 verbrannten sich an der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche in Berlin eine Nonne und ein Mönch von Ananda Marga, Didi Uma und Dada Lokesh, mit bürgerlichen Namen Erika Ruppert und Helmut Kleinknecht; sie wollten mit ihrer Tat gegen die Verfolgung Ananda Margas in Indien durch Indira Gandhi sowie die im Westen diesbezüglich herrschende Gleichgültigkeit protestieren.
- Am 17. September 1978 verbrannte sich im vogtländischen Falkenstein der evangelische Pfarrer Rolf Günther in der Kirche; möglicherweise diente ihm die Tat des Pfarrers Brüsewitz als Vorbild. Jedoch waren in diesem Fall innerkirchliche Konflikte die Ursache für die Selbstverbrennung.
- Am 23. Mai 1989 verbrannte sich der 23-jährige Karl Koch, Kronzeuge im Prozess um den KGB-Hack, der Computerspionage in Zusammenarbeit mit dem russischen Geheimdienst KGB betrieb in einem Birkenwald nahe Hannover. Abnehmende Anerkennung und Verlust von Freundschaften, aber auch Angst vor einer Verschwörung der Illuminaten können als mögliche Gründe angegeben werden.
- Nach der Festnahme von Abdullah Öcalan am 15. November 1999 durch türkische Sicherheitskräfte kam es europaweit zu Demonstrationen und einzelnen Selbstverbrennungen.
- In den 1980ern wählten zahlreiche südkoreanische Studenten im Zuge der Massenproteste gegen das autoritäre Staatssystem den Tod in den Flammen.
- Am 21. März 1989 protestierte Liviu Babeş mit seiner Selbstverbrennung in Poiana Braşov gegen das rumänische Regime.
- Am 7. April 1989 verbrannte sich der taiwanesische Verleger Cheng Nan-jung. Während seiner Bestattungszeremonie verbrannten sich auch einige seiner Anhänger.
- Am 25. April 1995 suchte der 75jährige deutsche Wehrmachtsveteran und Chemiker Reinhold Elstner in München den Flammentod im Protest "gegen die andauernde amtliche Verleumdung und Dämonisierung des deutsche Volkes und der deutsche Soldaten 50 Jahre nach dem Ende des 2. Welkriegs" (Abschiedsbrief).
- Am Reformationstag, 31. Oktober 2006, verbrannte sich in Erfurt auf dem Gelände des Augustinerklosters der evangelische Pfarrer i. R. Roland Weißelberg aus Sorge über die Ausbreitung des Islam. Seine letzten Worte waren „Jesus und Oskar!“ in Anspielung auf die ähnliche Tat Oskar Brüsewitz' 1976.
Anmerkungen
- ↑ a b Loren Coleman: The Copycat Effect: How the Media and Popular Culture Trigger the Mayhem in Tomorrow's Headlines. Paraview Pocket-Simon and Schuster, New York City 2004, ISBN 0-7434-8223-9.
- ↑ http://www.greenfieldoptimist.com/content/view/366/52/
Selbstverbrennung im Islam
Viele Frauen in der islamischen Welt, welche zwangsverheiratet werden, sehen in dieser Form des Suizids den einzigen Ausweg aus der Ehe. Besonders in Afghanistan und im Irak kommt diese immer häufiger vor, weil dort immer noch Frauen sehr jung an ältere Männer verheiratet werden und in Ehen unterdrückt werden. Ca. 50 % dieser Selbstverbrennung enden tödlich.
Literatur
- Christian Braune: Feuerzeichen - Warum Menschen sich anzünden. Verlag Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2005. ISBN 3-525-46224-7
Siehe auch
Kategorie:Selbstverbrenner
Weblinks