Der Ausdruck "semantisches Merkmal" ist ein Fachausdruck der Linguistik, genauer ihrer Teildisziplin der Semantik und wurde zunächst in der strukturellen Semantik entwickelt.
Semantische Merkmale sind die kleinsten Einheiten (Bestandteile) der Bedeutung eines Lexems (eines Wortes oder Morphems).
Als Seme werden semantische Merkmale durch eine Komponentenanalyse gewonnen.[1]
Es können auch paradigmenübergreifende generelle Merkmale (Klasseme) durch Abstraktion gewonnen werden[2]
Synonyme sind "Inhaltskomponente", "semantische Komponente", "semantische Konstituente"; "Inhaltsfigur" (Hjelmslev) bzw. "figurae" (Hjelmslev)[3], "Noem"[4] und "Begriffsmerkmal". Im Englischen spricht man von "semantic marker"; "marker" oder "semantic feature"; im Französischen von "trait sémantique" oder "trait sémantiquement pertinent".
Der Ausdruck semantisches Merkmal wurde analog zu dem Ausdruck des phonetischen Merkmals der strukturalistischen Phonologie gewonnen. „In der Phonologie hat das Merkmal seinen Ursprung im Begriff der privativen (ausschließenden) Opposition, ...“[5]. Der phonologisch-strukturalistische Ursprung führt dazu, dass semantische Merkmale als binär aufgefasst werden, was kritisiert wird[6].
Semantische Merkmale dienen der semantischen Strukturanalyse:
Der Streit um den ontologischen Status semantischer Merkmale ist letztlich ein Universalienstreit.
Dieser Streit hat seine Parallele in dem Streit darum, ob und inwieweit eine Bindung an eine nur einzelsprachliche Lexik besteht oder semantische Merkmale "in onomasiologischer Perspektive als außereinzelsprachliche Elemente eines Begriffssystems, als interlinguale Noeme, oder begriffliche Komponenten interkulturell vergleichbarer Klassifikationen"[8] anzusehen sind.
Im letzten Fall wird - unter anderem - eine so genannte Universalismusthese vertreten, die (in ihrer extremen Form) wie folgt zusammengefasst wird. Es soll gelten:
“a) dass es eine festgelegte Menge semantischer Merkmale gibt, die in allen Sprachen lexikalisiert sind;
b) dass die formalen Kombinationsprinzipien aufgrund derer aus Merkmalen Bedeutungen konstituiert werden, universal sind;
c) dass alle lexikalischen Einheiten aller Sprachen restlos in derartige Merkmale auflösbar sind“ [9]
Die Kritik der Theorie der semantischen Merkmalen richtet sich gegen eine (für sie nicht zwingende) Vorstellung, dass semantische Merkmale "statisch, kontext- und variationsfrei"[10] sind.
Bei Beachtung dieser Kritik gilt die Theorie der semantischen Merkmale jedoch als für die Semantik "unverzichtbar"[11].
Merkmale werden in der Wissenschaftstheorie [12] in wesentliche bzw. unwesentliche Merkmale eingeteilt, wobei der Einteilungsgrund in der Regel außerlogischer Natur, d. h. durch spezielle Begriffsanalysen gerechtfertigt ist. Ein wesentliches Merkmal nennt man mitunter auch ein notwendiges Merkmal, ein unwesentliches Merkmal dann ein akzidentielles oder zufälliges. Ein Merkmal heißt kennzeichnend oder charakteristisch, wenn es seinen Begriff notwendig bestimmt (z. B. „Nässe“ für „Wasser“).
Ein unterscheidendes Merkmal (Differentia specifica) grenzt einen Begriff gegen andere ab (siehe auch: Definition).
Gegenstände fallen unter einen Begriff, indem sie dessen Merkmal/e zu Eigenschaft/en haben.