Semperit AG, Unternehmen der Gummiindustrie und ehemals bedeutender Reifenhersteller, besteht seit 1912 und war in den fünfziger Jahren des vorigen Jahrhunderts eines der größten Unternehmen Österreichs.
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Auf Initiative des Wiener Bankvereins kommt es in den Jahren von 1910 - 1912 zu einer Fusion mehrerer Unternehmen der österreich-ungarischen Kautschukindustrie, aus dem die Semperit österreich amerikanische Gummiwerke Aktiengesellschaft entsteht. Die Vorläufer waren die vom Ungarn Josef Miskolczy (1858 - 1921) 1898 bei Traiskirchen gegründete Gummiwarenfabrik Miskolczy, die um 1906 in Semperit Gummiwerke GmbH umbenannt wurde. Der Name Semperit - eine Marketingschöpfung Miskolczys - bedeutet auf Latein in etwa "funktioniert immer". Auch die 1861 in Wien gegründete Firma Schneck & Kohnberger, die 1889 in eine Aktiengesellschaft mit dem Namen Österreichische Amerikanische Gummifabriken AG umgewandelt wird, sowie deren Tochterunternehmen, die Ungarische Gummiwarenfabrik AG gehen in der Semperit AG auf. Die Österreichische Amerikanische Gummifabriken AG stellten mit ca. 1000 Arbeitern 1897 in Zusammenarbeit mit der Continental-Caoutchuc und Gutta-Percha-Companie, Hannover in Wien vor allem den Continental-Pneumatics Reifen her. Die Semperit AG war damit vor dem Ersten Weltkrieg die größte Gummifabrikation im Gebiet der habsburger Monarchie.
Den Ersten Weltkrieg übersteht Semperit mit Schwierigkeiten, nach dem Krieg expandiert Semperit weiter. In der Wirtschaftskrise 1923 ist die Vereinigte Gummiwaren Fabriken Harburg - Wien gezwungen, ihre Gummifabrik in Wimpassing an die Semperit AG zu verkaufen. Diese 1824 von Johann Nepomuk Reithoffer (1781-1872) gegründete Gummifabrik war die älteste Europas. Auch sein Halbbruder Johann Reithoffer (1796-1858 ) hatte, nachdem er zuvor Leiter der Gummifabrik in Wien gewesen war, 1832 eine eigene Gummifabrik gegründet. Dieses Unternehmen, das nach dem Tod seines Gründers in Gummi und Kabelwerke Josef Reithoffer's Söhne umbenannt wurde, stellte erfolgreich Reifen her. 1925 mussten auch die Gummi und Kabelwerke Josef Reithoffer's Söhne mit der Semperit AG fusionieren.
1925 beschäftigte die Semperit ca. 9.000 Mitarbeiter an 9 Standorten.
Nach dem Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich blieb die Semperit AG formal selbständig, wurde aber durch ein gegenseitiges Hilfsabkommen an die Continental AG aus Hannover gebunden, von dort erhielt sie Wissen und Maschinen. Mit Beginn des Zweiten Weltkrieges wurde die Semperit AG auf Kriegswirtschaft umgestellt, so wurden neben Reifen auch Panzerketten produziert. Während des Krieges wurden verstärkt polnische Zwangsarbeiter eingesetzt, um Arbeitskräfte zu ersetzen und die Produktion aufrecht zuhalten. Der damalige Generaldirektor Dr. Franz Josef Messner wurde Ende März 1944 von der Gestapo verhaftet, da er einer Wiener Widerstandszelle angehört hatte, und am 23. April 1945 im KZ Mauthausen persönlich mit 39 weiteren Häftlingen durch den Kommandanten Franz Ziereis vergast.
Nachdem die Rote Armee den größten Teil der Maschinen demontiert hatten, begann unter großen Schwierigkeiten im August 1945 die Wiederaufnahme der Produktion. Im Oktober 1945 waren 410 Mitarbeiter bei der Semperit AG beschäftigt. 1951 waren die Schäden des Krieges behoben, bis 1972 konnte die Semperit AG stark expandieren. Ende 1972 beschäftigte die Semperit AG über 15.000 Mitarbeiter und war das zweitgrößte Unternehmen Österreichs.
Mehrheitsaktionär der Semperit AG war seit Ende des Krieges die staatseigene Creditanstalt, die gleichzeitig auch als Hausbank fungierte. Dieser Mehrheitsaktionär sorgte auch für den Untergang der Semperit AG, da dieser für eine dauernde Unterfinanzierung sorgte. Die Creditanstalt ließ keine Kapitalerhöhung zu, sondern vergab selber Kredite, mit der Folge, dass die Semperit AG sich zunehmend verschuldete. Während Wachstumsphasen war das kein Problem, in Krisenzeiten konnten die Verbindlichkeiten jedoch nicht mehr gezahlt werden.
1973 kam es im Zuge der ersten Ölkrise zu Absatzschwierigkeiten auf dem Reifenmarkt und zu großen Verlusten bei der Semperit AG. Daraufhin wird eine Kooperation mit einer Michelin Tochterfirma vereinbart und die Semkler AG gegründet. Doch die Hoffnungen erfüllen sich nicht und die Kooperation wird 1979 wieder aufgelöst. Die Semperit AG macht weiterhin Schulden, bis der österreichische Staat einspringt und eine Kapitalerhöhung ermöglicht. Damit sollte das Unternehmen für einen Verkauf gestärkt werden. 1983 wird eine Holding gegründet und die Semperit AG in mehrere Teilfirmen aufgespalten, die dann sukzessive verkauft werden.
Die Reifensparte wird 1983 als Semperit Reifen Ges.b.H vollkommen verselbständigt und wird 1985, als sie wieder Gewinn erwirtschaftet, von der Creditanstalt verkauft, und zwar an den Konkurrenten, die Continental AG Hannover, versehen mit einer Bestandsgarantie für die nächsten 10 Jahre. In den folgenden Jahren wurde die Belegschaft systematisch abgebaut. 2002 wurde die Reifenproduktion eingestellt und das letzte ehemalige Semperit Werk in Österreich in Traiskirchen geschlossen, während die beiden Tochterfirmen, die Semperit mit eingebracht in Tschechien und Slowenien bei Continental die Produktionsanlagen übernahmen unter dem Namen Semperit weiter produzieren. Continental hält nach wie vor die Markenrechte am Namen "Semperit".
Etwa 6.200 Mitarbeiter, davon ungefähr 1.000 in Österreich, sind zur Zeit bei der Semperit AG Holding in folgenden Tochterfirmen: Sempermed, Semperflex, Semperform und Sempertrans, beschäftigt. In Österreich ist der Firmensitz in Wien, die Produktionsstätte in Wimpassing in Niederösterreich ist das Stammwerk, das 1850 von Johann Nepomuk Reithoffer, der die Produktion seiner 1824 in Wien gegründeten Kautschukfabrik nach Wimpassing verlegte, erbaut wurde. In Thailand gehört die weltweit größte Erzeugung für Untersuchungshandschuhe zum Konzern. Das sonstige Erzeugungsprogramm spannt einen weiten Bogen über die verschiedensten Gummierzeugnisse in weltweit 16 Produktionsstätten.
Die Aktien notieren als eine der ältesten an der Wiener Börse, aber auch in Frankfurt, Berlin-Bremen und Stuttgart. Knapp über 50 % der Aktien hält die B&C Holding GmbH, eine Holding, welche die Beteiligungen der Bank Austria Creditanstalt AG verwaltet. Der Umsatz betrug 2005 515 Millionen Euro.