Semstwo oder auch Zemstvo (russisch Земство) bedeutet Landstand oder Landschaftsvertretung und bezeichnet lokale Selbstverwaltungseinheiten auf Kreis- und Gouvernementsebene, die 1864 im Zuge liberaler Reformen im damaligen Kaiserreich Russland eingeführt wurden.
In das jeweilige Semstwo wurden Vertreter des Adels, der Stadtbewohner und der Bauern auf drei Jahre gewählt. Der Aufgabenbereich der lokalen Verwaltungen enthielt unter anderem das Gesundheits-, Bildungs- und Verkehrswesen, die Wohlfahrtspflege und die Armenfürsorge, die Industrie, den Handel und die Landwirtschaft. Die Finanzierung beruhte auf Steuereinnahmen, für die ebenfalls die jeweiligen Semstwoverwaltungen zuständig waren.
Der 1914 entstandene Gesamtrussische Semstwobund beteiligte sich mit dem Städtebund an der Heeresversorgung. Die Semstwobewegung war eine wichtige Grundlage des russischen Liberalismus. Seit 1900 gerieten die Semstwoverwaltungen allerdings zunehmend unter bürokratischen Einfluss.
Ein Dekret des Rates der Volkskommissare vom 23. Dezember 1917/5. Januar 1918 entmachtete die Leitungen der Semstwos und der städtischen Vertretungen (Stadtbünde). Schon wenige Tage später wurden die Komitees der Leitungen der Stadtbünde durch ein weiteres Dekret vom 4./17. Januar 1918 verboten. Die Eigentumsanteile mussten dem Obersten Volkswirtschaftsrat übertragen werden. Seit dem 18./31. Dezember 1917 hatte ein Volkskommissariat für die örtlichen Semstwos die Aufsicht. Im Zuge der revolutionären Umwälzungen wurden die Semstwos Anfang 1918 aufgelöst. Ihre Funktion sollte von den Sowjets übernommen werden.