Der Septimerpass (rätoromanisch Pass da Sett, italienisch Passo del Settimo) ist ein Alpenpass im Schweizer Kanton Graubünden. Mit einer Scheitelhöhe von 2310 m ü. M. verbindet er die Täler Oberhalbstein und Bergell. Die Luftdistanz zu den Passfussorten beträgt 6 km bis Bivio (auf 1769 m gelegen) und 4 km bis Casaccia (1458 m). Auf der Passhöhe verläuft die Europäische Wasserscheide zwischen den Einzugsgebieten von Rhein und Po. Vom Septimerpass aus lassen sich zwei weitere Pässe überschreiten: nach Westen die Forcellina (2672 m) ins Avers, nach Osten der Lunghinpass (2645 m) ins Oberengadin.
Der einstmals bedeutende, aber nicht als neuzeitliche Fahrstrasse ausgebaute Pass wird heute nur noch in den Sommermonaten von Wanderern und sattelfesten Mountainbikern überquert. Das Gebiet von Bivio bis zur Passhöhe wird vor allem vom schweizerischen Militär als Schiess- und Übungsareal genutzt.
Der Pass war mindestens seit der Römerzeit einer der wichtigsten Alpenübergänge. Als seine Vorteile galten die günstige Lage mit direkter Nord-Süd-Verbindung und die günstige Topographie, die den Wegebauern keine grösseren Probleme bereitete. Funde von römischen Schleuderbeilen weisen auf den Aufenthalt römischer Soldaten auf dem Septimer, möglicherweise beim Alpenfeldzug 15 v. Chr.
Der Besitz der gesamten Septimerroute von Chur bis Chiavenna einschliesslich der damit verbundenen Zolleinnahmen bildete seit 960 die Machtbasis des Churer Bischofs. Über den Pass - im Hochmittelalter neben Grossem St. Bernhard und Brenner die wichtigste alpenquerende Transitverbindung - zogen Händler und Heere, Könige und Kaiser, beispielsweise 961 Otto der Grosse und 1164 Friedrich Barbarossa. Das Hospiz Tgesa da Sett mit Kapelle auf der Passhöhe wurde um 1100 erbaut oder erneuert. Im Jahre 1387 beauftragte der Bischof den Bergeller Adligen Jakob von Castelmur, den Pass zu einer befahrbaren Strasse auszubauen. Die Organisation der Transporte erfolgte durch die Porten Lenz, Tinizong, Stalla und Bergell-Sopraporta.
Mit der Öffnung der Viamala 1473 gewann aber die konkurrierende Untere Strasse über den Splügenpass gegenüber der Oberen Strasse über den Septimer an Bedeutung, und durch fehlenden Unterhalt sank der Fahrweg wieder zum Saumpfad herab. Nachdem man seit dem Spätmittelalter verstärkt Weideland durch Rodung gewann, stieg die Steinschlag- und Lawinengefahr an. Wegen der besonders im Winter gefürchteten Hangtraversierung am Piz Blanch auf der Südseite des Passes verlagerte sich auch der regionale Verkehr zunehmend auf die wesentlich sicherere parallel verlaufende Route über Julier- und Malojapass. Als 1820 eine Fahrstrasse über den Julier gebaut wurde, geriet der Septimer völlig ins Abseits, und das 1646 neu errichtete Hospiz verfiel.
Das gepflästerte Strässchen von 1387 sowie eine spätere - nach Annahme von Armon Planta um 1800 erbaute - Wegvariante haben sich abschnittsweise sehr gut erhalten. Besonders eindrücklich sind die Passage am Säscel battü (behauener Stein) und, unterhalb davon, die Cranch (Kehren), mit denen der Weg ins Val Maroz absteigt.
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