In der Kirchenmusik und der Literatur des Mittelalters ist eine Sequenz eine Textierung (Tropus) des gregorianischen Halleluja (klassische Sequenz) oder ein daraus entstandener lyrischer, hymnenartiger Gesang. Der Begriff Sequenz stammt vom lateinischen Wort sequi (zu deutsch „folgen“) ab, weil der Gesang in der Liturgie unmittelbar dem Zwischengesang folgt.
Die Geschichte der Sequenz beginnt um 850 mit der Textierung des Alleluja-Schlussmelismen (klassische Sequenz). Bis zum 12. Jahrhundert bildet sich die vom Halleluja unabhängige Reimsequenz heraus mit gereimten und rhythmisch angeglichenen Versen. Sie führt zu den groß angelegten Strophensequenzen des 13. Jahrhunderts (bedeutende Autoren Thomas von Celano und Thomas von Aquin). Reimsequenzen haben die Struktur mehrstrophiger, metrisch geordneter und gereimter Hymnen.
Sequenzen wurden im späten Mittelalter sehr beliebt. Es sind etwa 5000 Reimsequenzen bekannt. Das Konzil von Trient (1545–1563) ließ allerdings nur noch vier Sequenzen in der offiziellen römischen Messliturgie zu:
Das Stabat Mater (am Gedenktag der Schmerzen Mariens, ad libitum) kam 1727 als fünfte Sequenz hinzu.
Das Dies irae wird in der offiziellen Liturgie aufgrund des Bildes eines zornigen Gottes („Tag des Zornes ...“), das die Sequenz vermittelt, nicht mehr verwendet, ist jedoch beim großen Requiem zu Allerseelen zugelassen, damit der Schatz der Kirchenmusik (M. Haydn, Mozart) gepflegt werden kann.