Shared Space

Shared Space (auf deutsch etwa: gemeinsam genutzter Raum) ist ein EU-finanziertes Verkehrsprojekt, das Methoden entwickeln soll, durch die der öffentliche Straßenraum besser gemeinsam allen Verkehrsteilnehmern und auch anderen Nutzern zur Verfügung steht. Es wird versucht, den innerstädtischen Verkehr neu zu regeln und den Menschen und dessen vielfältige Aktivitäten dabei in den Mittelpunkt zu stellen. Shared Space geht von der Erkenntnis aus, dass besonders in Städten öffentlicher Raum nur begrenzt zur Verfügung steht und deshalb nicht nur den Zweck der Mobilität zu erfüllen hat. Um dies zu erreichen, werden neue Erkenntnisse der Verkehrspsychologie und der Verkehrsplanung angewandt.

Es ist nicht beabsichtigt, den gesamten Straßenraum eines Landes nach diesen Ideen umzusetzen. Das Konzept gesteht zu, dass stets Räume benötigt werden, die ausschließlich Verkehrsfunktionen erfüllen, um den Menschen ein schnelles Vorankommen zu ermöglichen.

Shared Space geht auf den niederländischen Verkehrswissenschaftler Hans Mondermann zurück. Da das Konzept noch recht neu ist, hat sich in der Fachwelt noch kein einheitlicher Begriff durchgesetzt.

Inhaltsverzeichnis

Grundgedanke

Die Raumplanung der letzten Jahrzehnte war besonders von der Vorstellung des Verkehrs geprägt. Ausdruck fand dies zum Beispiel in der Verbreiterung von Straßen, also in einer Umgestaltung des Straßenraums, um mehr Platz für den Autoverkehr zu schaffen. Oft geschah dies auf Kosten der Lebensqualität von Anwohnern und anderen Nutzern, oder es führte zur Zerschneidung von Ortsteilen, die sozial und historisch zusammengehören.

Seit Beginn der 1990er Jahre setzte sich jedoch unter Verkehrsplanern langsam die Erkenntnis durch, dass der öffentliche Raum nicht nur der motorisierten Fortbewegung dient, sondern auch ein Ort ist, an dem Menschen sich aufhalten und verweilen wollen. Ausdruck dieser veränderten Verkehrspolitik sind zum Beispiel Tempo-30-Zonen und verkehrsberuhigte Zonen. Im Unterschied zu diesen Maßnahmen setzt Shared Space jedoch nicht auf restriktive Regeln für den Autoverkehr, sondern will eine freiwillige Verhaltensänderung aller Nutzer des öffentlichen Raumes erreichen, die allerdings durch eine entsprechende Raumgestaltung unterstützt werden muss.

Umsetzung

Erreicht werden soll dies, indem Verkehrsregeln beseitigt und durch soziale Regeln ersetzt werden. Zur Regelung des Verkehrs werden nicht mehr Vorschriften und Verbote benutzt, sondern es wird auf ein Miteinander gesetzt. Eine einseitige Bevorzugung irgendeines Nutzers soll vermieden werden. Auffälligstes Merkmal bei der Umsetzung des Projektes ist, nach Möglichkeit sämtliche Verkehrsschilder, Ampeln und Straßenmarkierungen abzubauen. Auch werden die Wege nicht mehr nach verschiedenen Nutzungsarten unterschieden; Fuß- und Radwege werden entfernt, es gibt nur noch eine Verkehrsebene. Eine Trennung wird höchstens optisch markiert; die gemeinsame und gemeinschaftliche Nutzung des zur Verfügung stehenden Raumes ist das Ziel. Dem Autofahrer soll bewusst werden, dass er Teil eines sozialen und kulturellen Gefüges ist, dem er sein Fahrverhalten anpassen muss.

Projekte

In der EU beteiligen sich sieben Städte und Provinzen an Shared Space:

  • die Gemeinde Oostende (Belgien)
  • die Gemeinde Ejby (Dänemark)
  • die Gemeinde Bohmte (Deutschland)
  • die Grafschaft Suffolk (England)
  • die Gemeinde Emmen (Niederlande)
  • die Provinz Fryslân (Niederlande)
  • die Gemeinde Haren (Niederlande)

Darüber hinaus gibt es noch etwa ein Dutzend Gemeinden in den Niederlanden, die die Idee des Shared Space-Projekts mehr oder weniger intensiv umgesetzt haben, ohne finanzielle Förderungen zu erhalten.

Erste Ergebnisse

Nach ersten Erkenntnissen gingen in den Gemeinden, die Shared Space umgesetzt haben, die Unfallzahlen zum Teil drastisch zurück; der Verkehr läuft insgesamt flüssiger. Systematisch werden die Projekte von Shared Space jedoch erst 2008 ausgewertet.

Allerdings stießen die Ideen von Shared Space auch auf erhebliche Vorbehalte. So wurden etwa in der Gemeinde Bohmte, die seit 2006 an dem Projekt teilnimmt, nur ungefähr die Hälfte aller Verkehrsschilder entfernt.

Dass das Konzept punktuell Vorteile bringt, scheint jetzt schon deutlich zu sein. Ob dieses Projekt auch auf komplette Wohngebiete anwendbar ist, wird unter Stadt- und Verkehrsplanern positiv diskutiert.

Weblinks

Quelle:
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