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Blick vom Bonner Rheinufer auf das Siebengebirge
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Luftbild des Siebengebirges mit den Bonner Rheinauen
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Das Siebengebirge ist ein rechtsrheinisches, im Südosten von Bonn und im Bereich der Städte Königswinter und Bad Honnef gelegenes Mittelgebirge, das aus mehr als 40 Bergen und Anhöhen besteht. Es ist vulkanischen Ursprungs und vor etwa 25,5 Millionen Jahren im Oligozän entstanden. Die letzte vulkanische Aktivität ereignete sich im Miozän und führte zur Entstehung des Petersberges. Große Teile des Siebengebirges gehören zum Naturpark Siebengebirge, einem der ältesten Naturparks Deutschlands, und unterliegen gesetzlich bestimmten Schutzvorschriften. Das Naturschutzgebiet Siebengebirge mit noch stärkeren Schutzvorschriften ist etwas enger gefasst. Es ist das größte zusammenhängende Naturschutzgebiet Nordrhein-Westfalens.
Inhaltsverzeichnis |
Die Entstehung der Bezeichnung Siebengebirge ist nicht eindeutig geklärt. Es existieren vier Definitionen der Bezeichnung Siebengebirge (Quelle der beiden ersten Punkte: Wanderkarte Naturpark Siebengebirge, Landesvermessungsamt NRW, 7. Auflage 1995):
Vor circa 400 bis 350 Millionen Jahren lagerten sich in der Zeit des Unterdevons durch das Devonmeer und die darin mündenden Flüsse das Grundgestein Grauwacke, Tonschiefer und Sandstein ab. Vor etwa 350 bis 280 Millionen Jahren wurde dieses Gestein durch Druck aufgepresst und zusammengefaltet. Es bildete sich das Variszische Gebirge, dessen Gebiet sich von der Bretagne bis nach Polen hinzog. Vor etwa 67 bis 58 Millionen Jahren wurde das Variszische Gebirge durch Einflüsse der Umwelt, z. B. Wind und Wasser zu einem Rumpfgebirge mit welliger Oberfläche abgetragen. Infolge dieser Einflüsse brach die Kölner- bzw. Niederrheinische Bucht ein.
Vor etwa 37 Millionen Jahren verlagerte sich infolge dieser Absenkung die Nordsee bis in die Gegend des heutigen Bonns und zog sich vor etwa 25 Millionen Jahren wieder in Richtung Norden zurück. Ab ca. 28 Millionen Jahren vor Heute kam es im Siebengebirgsraum zu vulkanischen Aktivitäten, wodurch große Mengen trachytischer Asche ausgestoßen wurden und zu einer ursprünglich einige hundert Meter mächtigen Tuffablagerung führten. In die Tuffdecke drangen Trachyte, Latite und Alkalibasalte in Form von Quellkuppen, Schlotfüllungen und Gängen ein. Die stärkste Aktivität endete vor ca. 22 Millionen Jahren, nur die Förderung basaltischer Gesteine hielt länger an, sie endete vor höchstens 15 Millionen Jahren (Walter, 1995).
Erneut wurden durch Einflüsse von Wind und Wasser die Schichten (vor allem Asche) abgetragen, die nicht resistent waren. Vor etwa 450.000 Jahren begann sich der Rhein durch das sich hebende Rheinische Schiefergebirge einzuschneiden. Die zahlreichen Kurven und Knicke im Verlauf zwischen Bingen und Bonn sind als freie Mäander (Flussschlinge) in einem flachen Tal entstanden und wurden bei der Hebung als Zwangsmäander eingeschnitten.
Innerhalb von Millionen von Jahren bildete sich so die Vulkanregion Siebengebirge.
Bereits im 1. Jahrhundert n. Chr. entstanden im Siebengebirge die ersten römischen Steinbrüche. Die Römer eröffneten drei Steinbrüche am Drachenfels, dem Rüdenet und am Großvaterstuhl. Dort wurde Trachyt abgebaut, das mit Schiffen auf dem Rhein abtransportiert wurde. Vermutlich diente das harte Gestein dem Bau von repräsentativen Gebäuden.
Nach dem Zerfall des römischen Reiches kam es erst im 11. Jahrhundert zur Wiedereröffnung zahlreicher Steinbrüche. Die nun abgebauten Gesteine wurden zum Bau zahlreicher rheinischer Kirchen genutzt. Der Bau des Kölner Doms wurde bereits im Jahr 1248 mit Steinen des Siebengebirges angefangen, der Abbau dafür hielt 312 Jahre bis in das Jahr 1560 an.
Weitere Steinbrüche wurden von der Zisterzienserabtei Heisterbach (dem heutigen Kloster Heisterbach) betrieben und zur Errichtung des Klostergebäudes und der Abteikirche mit Latitgestein genutzt.
Im Jahr 1827 erwarb die Königswinterer Steinhauergewerkschaft den Bergkegel des Drachenfelses und eröffnete im oberen Berghang mehrere Steinbrüche. Ein von der Burgruine ins Tal gestürztes Mauerstück führte zur Einstellung der Steinbrucharbeiten durch die königliche Regierung am 4. Mai 1828 in Köln. Der preußische Fiskus erwarb in den folgenden Jahren den Bergkegel des Drachenfelses für 10.000 Taler und konnte so die Burgruine Drachenfels erhalten. Der Abbau in zahlreichen weiteren Steinbrüchen im Siebengebirge (Stenzelberg, Wolkenburg, Ennert, Dollendorfer Hardt) war von dieser Rettungsmaßnahme allerdings nicht betroffen.
Die in der Devonzeit entstandenen Erzgänge der Buntmetalle Kupfer, Blei und Zink wurden spätestens seit römischer Zeit abgebaut. Im Jahre 1857 wurde in den Bonner Jahrbüchern des Rheinischen Landesmuseums der Fund einer römischen Silbermünze vermerkt, die auf dem Virneberg „in einer Tiefe von 18 Fuß gefunden wurde“. 1905 wurde in einem alten Stollen ein römisches Gefäß mit Bronzegegenständen entdeckt.
Bei Rheinbreitbach war der wichtigste St. Josefsgangzug, in dem im wesentlichen Kupfererz abgebaut wurde. Im Schmelztal und im Einsiedeltal wurden Blei- und Zinkerz gehauen. Zahlreiche Bergwerke gab es in den Aegidienberger Ortsteilen Neichen und Brüngsberg und im nahegelegenen Quirrenbach. Die nördlichsten Vorkommen des Abbaugebietes lagen bei Bennerscheid.
Mit dem Verfall der Buntmetallpreise kam der Bergbau im Siebengebirge ab 1875 zum Erliegen.
Die zahlreichen Steinbrüche zwischen dem 1. Jahrhundert n. Chr. und dem 19. Jahrhunderten führten zu einer sukzessiven Zerstörung der Landschaft. Die Steinbrüche drohten das Siebengebirge völlig zu zerwüsten. Um den markantesten Berg und seine Burgruine vor den Steinbruchbetrieb und damit dem endgültigen Veränderung zu retten, enteignete der preußische König ohne eine Rechtsbefugnis dafür zu haben die Besitzer des Drachenfelses. Im Jahre 1836 erwarb die preußische Regierung den Drachenfels samt Burgruine zum Schutze der Natur für 10.000 Taler. Zum Schutz des Siebengebirges wurde 1869 der VVS (Verschönerungsverein für das Siebengebirge) gegründet, dem zahlreiche wohlhabende Bürger aus Bonn angehörten. Nachdem im Jahre 1920 der Begriff des Naturschutzes erstmalig gesetzlich verankert wurde, ist das Siebengebirge am 7. Juni 1922 durch den preußischen Minister für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung sowie für Landwirtschaft und Forsten (zusammen mit der Lüneburger Heide) zum Naturschutzgebiet erklärt worden. Es ist somit eins der ältesten Naturschutzgebiete Deutschlands. Ein Jahr später wurde durch eine Verordnung der Kahlschlag von Wäldern verboten, sowie zahlreiche Pflanzen und Tierarten unter Schutz gestellt. Durch eine weitere Verordnung im Jahre 1930 wurde jede auf Gewinnung von Bodenschätzen gerichtete Tätigkeit untersagt. Es kam zur Einstellung jeglicher Steinbruchaktivitäten.
Es ist kein Zufall, dass der Anstoß zur Errichtung von Naturparks in Deutschland durch den Naturschützer und Mäzen Alfred Toepfer in einer Rede am 6. Juni 1956 in Bonn erfolgte. Bereits 1956 erfolgte die Einrichtung von Naturparks in Deutschland und das Siebengebirge gehörte zu den ersten Parks.
1971 wurde durch den Ministerrat des Europäischen Rates der Naturpark Siebengebirge erstmals mit dem Europäischen Diplom (heute: Europäisches Diplom für geschützte Gebiete) ausgezeichnet. Der Naturpark soll in den nächsten Jahren durch Verhandlungen mit den anliegenden Städten und Gemeinden um noch einmal die Hälfte vergrößert werden. Seit Frühjahr 2007 wird seitens der am Gebirge beteiligten Gebiete eine Umwandlung des Naturschutzgebietes in einen Nationalpark geplant, von dem der Tourismus erheblich profitieren würde. Eine im Mai 2007 vorgelegte Studie des Rhein-Sieg-Kreises bekräftigte die herausragende Stellung des Siebengebirges für den Natur- und Geotopschutz sowie die landschaftliche Schönheit und die damit verbundene Eignung als Nationalpark. Aufgrund der geringen Größe und verhältnismäßig starken touristischen Auslastung des Gebirges soll der Nationalpark auch Gebiete südlich der Landesgrenze im rheinland-pfälzischen Landkreis Neuwied umfassen, um einer zu starken Belastung entgegenzuwirken. Über die Ausweisung des Siebengebirges zum Nationalpark wird vom nordrhein-westfälischen Landesumweltministerium 2008 entschieden.[1]
Der VVS ist Träger des Naturparks. Er wurde am 4. Dezember 1869 in Bonn gegründet. Erster Präsident des VVS war Ernst Heinrich von Dechen. Hauptziel ist der Schutz des Siebengebirges. Der Waldbestand am Drachenfels und an der Löwenburg sowie einige verpachtete Immobilien befinden sich im Besitz des VVS. Forstwirtschaft, der Erhalt und Bau von Wegen sind einige Teilaufgaben. Zur Zeit hat der Verein ca. 1.500 Mitglieder. Heute hat der Verein seinen Sitz im „Naturparkhaus“ auf der Margarethenhöhe, wo auch eine Informationsstelle für das Siebengebirge untergebracht ist.
Das Siebengebirge ist eine bewaldete Hügellandschaft. Der Naturpark Siebengebirge umfasst davon ein Areal von 4800 ha und ca. 200 km ausgeschilderte Wanderwege. Die Eigentümer des Siebengebirges sind die Städte Bad Honnef und Bonn, der Verschönerungs-Verein Siebengebirge, die Bundesrepublik Deutschland, die Mannesmann AG sowie zahlreiche kleinere Waldbesitzer. Der Naturpark Siebengebirge dient heute als Erholungsgebiet und wird bis auf die Teile des Naturschutzgebietes land- und forstwirtschaftlich (geregelte Abholzung, Anbau von Trauben, Getreide etc.) genutzt.
Politische Aufmerksamkeit erfährt das Siebengebirge durch das Bundesgästehaus (offiziell Gästehaus der Verfassungsorgane der Bundesrepublik Deutschland) auf dem Petersberg.
Da die Stadt Königswinter seit Jahren massiv Bauland im Siebengebirge ausweist, sind insbesondere die Landesstraßen L 331 (Königswinter–Ittenbach), L 268 (Oberdollendorf–Oberpleis) und L 490 (Oberkassel–Birlinghoven), die diese Gebiete an die Arbeitsplatzschwerpunkte in Bonn anbinden, im Berufsverkehr überlastet. Deshalb fordern die Stadt Königswinter sowie eine Bürgerinitiative den Ennertauftstieg (auch Siebengebirgsentlastung) als Teil der Südtangente, der die A 562 bis zur A 3 mit einem Tunnel durch den Ennert (nördlicher Ausläufer des Siebengebirges) verbinden würde.
Da die Realisierungschancen des Projektes aufgrund der Herausnahme aus dem Bundesverkehrswegeplan gesunken sind, wurde ein Verkehrskonzept für den Siebengebirgsraum erstellt und alternative Entlastungsmöglichkeiten geprüft. Nunmehr werden Maßnahmen wie eine Ortsumgehung von Ittenbach und ein Tunnel durch den Großen Ölberg vorgeschlagen. Eine Verbesserung des Öffentlichen Personennahverkehrs wird dagegen von den Verkehrsplanern des Rhein-Sieg-Kreises abgelehnt, die sich weiterhin für die Südtangente einsetzen.
Der Rheinsteig von Bonn nach Wiesbaden führt über die schönsten Teile des Siebengebirges. In Königswinter-Oberdollendorf ist ein Stück des dortigen 2,2 km langen Weinwanderweges in den Rheinsteig eingebunden.
Im Siebengebirge gibt es neben Wander- und Radwegen durch die vulkanische Bergregion zahlreiche weitere Sehenswürdigkeiten:
Der Park des Schloss Drachenburgs und das Arboretum Park Härle wurden in die Straße der Gartenkunst zwischen Rhein und Maas aufgenommen.
Es gibt viele Sagen über das Siebengebirge; die mittelalterliche Sage über Den fiesen Drachen ist eine der bekanntesten.
Sie handelt von einem Drachen, der von seinem Berg – dem Drachenfels – aus auf Handelsschiffe wartete, die auf dem Rhein entlang fuhren. Sobald ein Schiff nahe genug war, spuckte er Feuer in diese Richtung und sah freudig zu, wie die Besatzung verbrannte oder in den Wogen des Rheines ertrank.
Eines Tages kam wieder einmal ein Schiff am Drachenfels entlang. Es war jedoch randvoll mit Pulver beladen, doch dies bemerkte der Drache nicht. Er wartete in einem sicheren Versteck am Hang des Berges und spie wieder sein Feuer in diese Richtung, als das Schiff nahe genug war. Doch konnte er gerade noch sehen, wie das Schiff Feuer fing – denn im nächsten Moment explodierte das Schiff mit einem Knall, den man bis Köln hören konnte. Die Explosion riss den Drachen weit fort, und er wurde nie mehr gesehen.
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