Siegmund Freiherr von Herberstein (* 24. August 1486 in Wippach, † 28. März 1566 in Wien, begraben in der dortigen Kirche St. Michael) war ein österreichischer kaiserlicher Rat und Gesandter am Russischen Hof. Seine Reisebeschreibungen in seiner berühmten "Moscovia" machen ihn zum Begründer der Russlandkunde. Er gilt als der schreibfreudigste Autobiograph Österreichs im 16. Jahrhundert.
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Herberstein entstammte dem Krainer Zweig eines der bis heute bekanntesten steirischen Adelsgeschlechter. Nach dem Studium in Wien wurde Herberstein in der Finanzverwaltung sowie insbesondere im diplomatischen Dienst der Habsburger tätig, für den ihn seine weitreichende Bildung und seine umfangreichen Sprachkenntnisse prädestinierten.
Aus der Reihe seiner zwischen 1515 und 1553 unternommenen 69 Auslandsreisen ragen neben den 1541 erfolgreich verlaufenen Verhandlungen über eine Waffenruhe mit dem osmanischen Sultan Süleyman I. zwei Reisen nach Russland heraus.
Bereits mit seiner ersten Russlandreise 1516/17 avancierte Herberstein zum "Osteuropaexperten" in habsburgischen Diensten. 1525/26 führte ihn eine weitere Reise an den Hof des Moskauer Großfürsten. Seine dabei gesammelten Eindrücke publizierte Herberstein 1549 in lateinischer Erstausgabe unter dem Titel Rerum Moscoviticarum Commentarii in Wien, die 1551 in Basel in geringfügig veränderter und 1556 in einer vom Autor erweiterten Ausgabe neu aufgelegt und in der Folgezeit dann häufig nachgedruckt wurde. Eine italienische Bearbeitung unter dem Titel Comentari della Moscovia et parimente della Russia et delle altre cose belle et notabile erschien 1550 in Venedig. Herberstein selber veranstaltete auf der Grundlage der lateinischen Ausgabe von 1556 eine neuerlich erweiterte Ausgabe in deutscher Sprache, die 1557 unter dem Titel Moscovia der Hauptstat in Reissen in Wien erschien. Unabhängig von dieser verfasste Johannes Pantaleon (1522–1595), Doktor der Artes und der Medizin zu Basel, noch eine zweite deutsche Übersetzung, die unter dem Titel Moskoviter wunderbare Historien 1563 in Basel erschien und in der Folgezeit mehrfach, gelegentlich auch unter dem Titel Die Moskovitische Chronica, nachgedruckt wurde, so unter anderem auch in einer von Katharina der Großen initiierten Petersburger Ausgabe von 1795.
Herbersteins Beschreibung ist auch heute noch historisch und kulturhistorisch von Wert, weil der Autor sich neugierig und sprachkundig bei seinen Gesprächspartnern informiert, auch Abschriften aus Quellen und Dokumenten anführt und seine Informationen und eigenen Beobachtungen kritisch auszuwerten versteht. Sein Werk war der erste bedeutende Bericht aus der Feder eines Westeuropäers über das im Abendland seit Generationen nur am Rande zur Kenntnis genommene Russland. Denn die von 1238/40 bis 1480 dauernde Mongolenherrschaft hatte den russischen Raum eine andere Entwicklung nehmen lassen und ihn aus dem Blickfeld der meisten Mitteleuropäer gerückt. Interessant sind an dem Bericht dieses aufmerksamen Beobachters neben den detaillierten Schilderungen der Verhältnisse am russischen Hof seine Feststellungen über Kulturkontakte zwischen Russland und dem Westen, die zu seiner Zeit besonders mit Italien bestanden und unter anderem durch das Wirken italienischer Renaissance-Baumeister den russischen Kirchenbau geprägt hatten.