| Unter Signalisierung versteht man in der Telekommunikation die Übertragung von Steuerinformationen. Einfache Signalisierungsinformation sind zum Beispiel klingeln oder Teilnehmer besetzt. Weiter gibt es Signalisierungsinformationen für Komfortfunktionen wie Rückruf bei Besetzt. Darüber hinaus gibt es wesentlich komplexere Signalisierungsinformationen, zum Beispiel beim Aufbau von Mobilfunkverbindungen. |
Das Signalling System #7, zu deutsch Signalisierungssystem Nummer 7, (im weiteren SS7 genannt) (auch Signalling System Number 7, Zeichengabesystem Nr. 7, Zentrales Zeichengabesystem Nr. 7, ZZS7, CCITT-Zeichengabesystem Nr. 7, Central Signalling System #7, C7 usw.) ist eine Reihe von Protokollen und Verfahren für die Signalisierung in Telekommunikationsnetzen, wie dem öffentlichen Telefonnetz, egal ob ISDN, Festnetz oder Mobilfunknetz, und seit etwa 2000 auch verstärkt in VoIP-Netzen. In VoIP-Netzen wird SS7 nur im Zusammenhang mit Media Gateway Controllern angewendet, sonst nicht. Es darf nicht mit dem SCCP (Skinny Client Control Protocol) von Cisco verwechselt werden.
Von der ITU-T (früher CCITT) werden in den Serien Q.600 und Q.700 detaillierte Vorschläge für die Implementierung nationaler und internationaler Signalisierungsnetze ausgearbeitet. Diese Vorschläge, die den Titel "ITU-T Recommendation Q.xxx" tragen, werden von normativen Organisationen wie ETSI (European Telecomunication Standardisation Institute) oder ANSI (American National Standardisation Institute) sowie von IETF (Internet Engineering Task Force) durch RFCs in verbindliche Normen umgesetzt. SS7 ist heutzutage das gängigste und häufig einzige Signalisierungssystem in nationalen und internationalen Telekommunikationsnetzen. In der Folge dieser Popularität wurden diverse Protokolle des SS7-Stapels für SS7oIP spezifiziert und entwickelt sowie heute eingesetzt.
Telekommunikationseinrichtungen wie Vermittlungen oder Gateways arbeiten mit SS7-Protokollstapeln, die an die nationalen Normen oder Vorgaben der einzelnen Dienstanbieter angepasst sind. Wie die meisten ITU-T Empfehlungen sind die Serien Q.600 und Q.700 sehr variabel aufgebaut und erlauben eine Vielzahl von Variationen. Daher gibt es im Gegensatz z. B. von IP keinen einheitlichen SS7-Protokollstapel, sondern spezifische Implementierungen.
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SS7 wurde 1975 von AT&T entwickelt, um die zuvor in den USA verwendeten Signalling System #5 und Signalling System #6 zu ersetzen. Bei diesen Versionen fand die Signalisierung noch in-band statt, indem bestimmte Töne zur Kommunikation zwischen den Vermittlungsstellen benutzt wurden. Dies führte zu Missbrauch, dem sogenannten Phreaking. Am Endgerät wurden Steuersignale mit dem Ziel eingeschleust, günstiger tarifiert zu werden.
Die ITU-T standardisierte das SS7 im Jahre 1981, ebenso wie sie auch die Vorgänger SS6 und SS5 akzeptiert hatte. Danach verbreitete sich das SS7 schnell weltweit.
SS7 ist ein zentrales Zeichengabesystem oder "Common Channel Signalling System". Das bedeutet, dass ein eigener Kanal in einem Übertragungssystem (üblicherweise ein Multiplexsystem) die Signalisierungsinformationen für alle Nutzerkanäle (bearer channels) bzw. Sprachkanäle überträgt. Diese Signalisierungsinformation kann z. B. Informationen über gerufene oder rufende Nummer, Gebühren, besetzt, Rufnummer unbekannt etc. enthalten.
SS7 ist ein hocheffizientes Protokoll, das mit vergleichsweise geringen Datenmengen im Vergleich zu anderen Kommunikationsarten auskommt. So ist in den meisten Fällen eine Datenrate von 64 kbit pro Zeitschlitz ausreichend um mehrere E1-Verbindungen zu bedienen. Es können mehrere 64-kbit-Zeitschlitze zusammengefasst werden, falls ein Zeitschlitz für die Signalisierung nicht ausreicht. In den USA (ANSI) sind anstelle von E1-Verbindungen T1-Verbindungen im Einsatz. Anstelle von E1-Verbindungen mit 2 Mbit/s sind es dann nur noch 24 × 64 kbit/s, dies entspricht 1544 kbit/s.
In den Mobilkommunikationsnetzen ist der Signalisieranteil infolge der Mobilität sowie der SMS sehr hoch. Es gibt sowohl im Festnetz, vor allem aber im Mobilnetz Systeme, welche nur Signalisierverbindungen aufweisen, wie z. B. ein SMS Center.
Des weiteren hat SS7 Verfahren zur schnellstmöglichen Fehlerbehebung und zum Finden von alternativen Pfaden. Die Umschaltzeiten im Fehlerfall oder beim Ausfall eines Knotens liegen in der Regel im Bereich von einigen Millisekunden und sind somit den üblichen Verfahren in IP-Netzen wie dem Internet weit überlegen. Regulationen und Normen fordern oft Verfügbarkeitsraten von 99,9 % oder 99,999 % (Ausfallzeiten von wenigen Minuten pro Jahr!), die von Telefonbetreibern und Herstellern anhand von Langzeittests und Protokollen nachgewiesen werden müssen.
Die wichtigsten Komponenten von SS7 sind Empfehlungen, die unterschiedliche Teilaspekte des komplexen Kommunikationsmodells beschreiben:
MTP oder Message Transfer Part beschreibt, wie Signalisierungsinformationen übertragen werden. Dazu gehören Definitionen der elektrischen oder optischen Schnittstellen, Details, wie einzelne Nachrichten von einander getrennt werden und wie einzelne Vermittlungen oder besser im Jargon der ITU-T signalling points adressiert werden.
In den User Parts werden die Funktionen beschrieben, die einem Benutzer zur Verfügung stehen. Diese Funktionen können vom verwendeten Dienst (ISDN, analoges Telefon, Mobilfunk) abhängig sein und werden deshalb getrennt beschrieben. Die wichtigsten User Parts sind:
Der meist eingesetzte Part ist heutzutage ISUP. TUP wird in der Regel nicht mehr verwendet.
SCCP ist eine Zwischenschicht, die über MTP Level 3 hinaus weitere Funktionen zur Verfügung stellt (ohne allerdings Benutzerfunktionen wie die User parts) wie z. B. verbindungslose oder verbindungsorientierte Kommunikation zwischen besonderen Netzfunktionen. Die wichtigste Anwendung, die auf SCCP aufbaut, ist „Intelligentes Netz“ oder auch IN. Als Basis für IN wird jedoch TCAP benötigt. IN-Funktionen werden in speziellen Empfehlungen definiert. ISUP (ISDN User Part) wird normalerweise nicht über SCCP sondern über MTP3 geführt. SCCP erlaubt eine End-zu-End-Signalisierung. Es werden vier Dienstklassen zur Verfügung gestellt:
Über TCAP werden im wesentlichen die erweiterten Funktionen von IN (INAP im Fix-Netz) oder CAMEL (im Mobilnetz) abgewickelt. Dazu gehören u. a. Rufnummernmitnahme (LNP Local Number Portability) oder 0800-Nummern, die auch abhängig vom Standort des Anrufers zu einer nächstgelegenen Zentrale weitervermittelt werden können. Auch die Steuerung der Mobilfunknetze müssen über TCAP abgehandelt werden, da der Standort eines Mobilteilnehmers nicht fest ist. Über Roaming kann er sich in verschiedene Funkzellen und Netze einbuchen und die Systeme wie HLR und VLR müssen in der Lage sein, die Ortsveränderung und vor allem den neuen Pfad zum Teilnehmer nachzuverfolgen, welcher dann über MAP – TCAP – SCCP signalisiert wird.
MAP bedient die spezifischen Funktionen vom Mobilnetzen. Besonders wichtig ist natürlich Roaming. Mittels Roaming kann ein Teilnehmer von einer Funkzelle in die nächste wechseln ohne Verbindungsverlust und sich in Fremdnetze einbuchen (z. B. ausländischen Mobilbetreiber mit Roamingvertrag oder um Notrufe absetzen zu können auch wenn der Teilnehmer nicht im Versorgungsbereich des eigenen Betreibers ist). Short Messages (SMS) werden nebst dem Roaming und der Steuerung der Gesprächsverbindungen auch im MAP übertragen. Weiter werden auch Funktionen zur Feststellung des Gerätetyps im MAP übertragen, damit Mobiltelephon-spezifische Konfigurationen vom Mobil-Operator auf das Endgerät übertragen werden können.
Die Funktionen für Betrieb, Pflege und Verwaltung umfassen z. B. Softwarepflege, Konfiguration und das Einrichten von Rufnummernblöcken für Telefonteilnehmer.
SS7 ist dem OSI-Schichtenmodell angelehnt. Die Schichten 1–3 werden dabei als MTP (Message Transfer Part, Nachrichtentransferteil) von SS7 bezeichnet:
| OSI-Schichten | SS7 | |||||
|---|---|---|---|---|---|---|
| Schicht 7 – Application | INAP | CAMEL | MAP | OMAP | (ISUP) | User Parts: TUP, ISUP |
| Schicht 6 – Presentation | ||||||
| Schicht 5 – Session | TCAP | |||||
| Schicht 4 – Transport | SCCP | |||||
| Schicht 3 – Network | MTP Level 3 oder M3UA | |||||
| Schicht 2 – Data | MTP Level 2 oder SCTP | |||||
| Schicht 1 – Physical | MTP Level 1 oder IP | |||||
Der Inhalt dieser Nachrichten wird durch die höchstliegende Schicht bestimmt, die anwendungsspezifisch ist. Die darunterliegenden Schichten werden nur als Transportmittel mit unterschiedlichen Funktionen und Eigenschaften betrachtet. Mit dem nun heute aufkommenden SS7oIP werden in der gebräuchlichsten Form die unteren 3 Schichten, wie im Diagram ersichtlich, ersetzt. Von den OSI-Schichten wird in der SS7-Literatur üblicherweise nichts erwähnt, da dies zu Verwirrungen Anlass geben kann. Je nach Verwendung der SS7oIP-Technologien werden dann ganze Schichten eingespart und die verwendeten Schichten können nicht mehr ins OSI Modell übertragen werden, da bis 2 Schichten wegfallen oder eingespart werden können. M3UA ist die gebräuchlichste Schicht im SS7oIP. Weitere Möglichkeiten wären zum Beispiel der Ersatz des SCCP durch SUA, wobei als Beispiel eine Schicht eingespart wird.
Das Signalisierungsnetz beschreibt die Geräte, die Signalisierungsinformation austauschen und wie sie zusammengeschaltet werden. Die Beschreibungen hierzu sind sehr weit gefasst und auf einer möglichst abstrakten Ebene angesiedelt um den Betreibern von Telefonnetzen möglichst viel Freiraum für die Gestaltung zu lassen.
Eine weitere wichtige Funktion des Signalisierungsnetzes ist das Routing. Hier wird beschrieben wie einzelne Signalisierungsnachrichten von einem Gerät zum nächsten weitergeleitet wird und wie der optimale Pfad in einem größeren Verbund gefunden wird.
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