Siim Kallas

Siim Kallas
Siim Kallas

Siim Kallas [ˈsiːm ˈkallas] (* 2. Oktober 1948 in Tallinn, Estland) ist Vizepräsident der Europäischen Kommission sowie Kommissar für Verwaltung, Audit und Betrugsbekämpfung.

Inhaltsverzeichnis

Ausbildung

Kallas, studierter Volkswirtschaftler, graduierte 1967 an der „22. Schule“ (Gymnasium) in Tallinn und 1972 an der Universität Tartu im Fach „Finanzwesen und Kredit“ (cum laude, d.h. mit der in Estland höchsten Auszeichnung). 1973–1975 war er im gleichen Fach Aspirant und schloss mit der Promotion ab.

Politische Karriere in Estland

Kallas war im Finanzministerium der Estnischen Sowjetrepublik (1975–1979), als Direktor des Vorstands der Estnischen Sparkassen (1979–1986), als stellvertretender Herausgeber der Parteizeitung Rahva Hääl („Stimme des Volkes“) (1986–1989) tätig, 1989–1991 dann als Vorsitzender der Zentralunion der Gewerkschaften. Während der estnischen Autonomiebestrebungen wurde Kallas bekannt als Protagonist der Wirtschaftsliberalisierung und besonders der monetären und wirtschaftlichen Unabhängigkeit Estlands von der Sowjetunion.

Von 1991 bis 1995 war Kallas, als ausgewiesener Wirtschafts- und Finanzfachmann, Präsident der Estnischen Nationalbank, deren Einfluss allerdings wegen der fixen Bindung der Estnischen Krone an die Deutsche Mark (bzw. dann den Euro) begrenzt ist. Nebenher blieb Kallas weiterhin an der Universität Tartu tätig, erst als Dozent auf einer Viertelstelle und dann als Gastprofessor.

1994 gründete er die wirtschaftsliberale Estnische Reformpartei (estnisch: Reformierakond). Er führte diese Partei von ihrer Gründung 1994 bis zum November 2004. Sein Nachfolger ist Andrus Ansip, zuvor von 1998 bis 2004 Bürgermeister von Tartu. Durch die großen Erfolge der Reformierakond bei den Wahlen 1995 trat Kallas von seinem Amt als Vorsitzender der Nationalbank zurück und wurde Außenminister (1995–1996) sowie Finanzminister (1999–2002). Durch eine erneute Regierungsumbildung wurde er 2002 Ministerpräsident von Estland (bis zu den Wahlen 2003). Seit dem war er einfacher Abgeordneter im Estnischen Parlament.

Politische Karriere in der EU

Am 1. Mai 2004 wurde er EU-Kommissar, zusammen mit Joaquín Almunia zuständig für Wirtschaft und Währungsangelegenheiten. In der neuen Kommission, seit 18. November 2004 im Amt, ist er Kommissar für Verwaltung, Audit und Betrugsbekämpfung. Einen Namen hat er sich besonders in der Durchsetzung von Transparenz-Initiativen zumal innerhalb der EU-Vergabepraxis gemacht.

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