Als Simonie wird der Kauf oder Verkauf eines kirchlichen Amtes, von Pfründen, Sakramenten, Reliquien oder ähnlichem bezeichnet. Gemeinhin wird der Begriff verwendet für den Austausch von geistlichen Werten gegen Geldwerte, beispielsweise dem Verkauf von Philosophie und Poesie gegen bare Münze. Im Zusammenhang mit dem Investiturstreit im Mittelalter wurde der Begriff zeitweilig ausgedehnt auf jede Vergabe eines kirchlichen Amtes durch einen Laien, ob gegen Geld oder umsonst (Laieninvestitur).
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Der Begriff Simonie ist abgeleitet von der in der Apostelgeschichte der Bibel erwähnten Person des Simon Magus, einem "großen Zauberer" einer Stadt in Samaria.
Die entsprechende Bibelstelle in der Apostelgeschichte (8,5-24) lautet unter Einbeziehung der Vorgeschichte wie folgt:
"Simonie" wird in diesem Text der Apostelgeschichte somit bedeutend umfassender als im kirchenrechtlichen Sinn beschrieben. Eine historische Tatsache ist aber auch, dass Simonie als Mittel zur Bereicherung an Macht wie Geld für viele Jahre ein so verbreitetes Übel war.
Mit dem Toleranzedikt von Mailand von 313 unter Kaiser Konstantin I. und seinem oströmischen Mitkaiser Licinius, das die Christenverfolgung im gesamten Römischen Reich beendete, sah sich das Christentum mit neuen, völlig anders gearteten Herausforderungen konfrontiert, denn mit dieser Akzeptanz als Staatsreligion (zunächst neben vielen anderen) wurde die Ausübung von Macht innerhalb des Christentums und des Staates erst wirklich möglich. Auf dem Konzil von Chalkedon 451 wurden Priesterweihen gegen Bezahlung ausdrücklich und offiziell verboten. Von Papst Nikolaus II. wurde die Simonie auf der Synode von 1059/1060, als "dreigeteilte simonistische Häresie" bezeichnet, was auf seiner Einteilung in simonistischen oder nicht-simonistischen Ämterkauf sowie in daran beteiligte Simonisten und Nicht-Simonisten beruhte. Jede Weihe, die auf simonistische Weise zustandegekommen sei, solle mit der Entfernung des Amtsinhabers aus dem Amt beantwortet werden.
Auch wenn dieses Verbot auf weiteren Konzilen bestätigt wurde – wie dem Konzil im Lateran II (1139), dem Konzil im Lateran III (1179) und dem Konzil von Trient (1545-1563) – war der Kauf von Ämtern weiterhin weit verbreitet.
Den Höhepunkt erreichten Ämterkauf und -verkauf gegen Ende des Mittelalters. Papst Innozenz VIII., durch Simonie an die Macht gekommen, fiel besonders durch seine Förderung der Inquisition und Hexenverfolgung auf, wobei seine Amtsführung durch Girolamo Savonarola, einem charismatischen Wanderprediger, massiv kritisiert wurde.
Sein Nachfolger Rodrigo Borgia soll sich seine Wahl zum Papst (Alexander VI.) 1492 erkauft haben, indem er das Gebot des Königs von Frankreich, Karl VIII., und der Republik Genua – 300.000 Golddukaten für ihren eigenen Favoriten – mit vier Maultierladungen Silber überboten habe. Vorsichtigere Geschichtsschreiber geben zu, dass ein Ämterkauf in diesem Fall "nicht unwahrscheinlich" sei. Möglich war dies Alexander, da er ohne zum Priester geweiht worden zu sein von seinem päpstlichen Onkel Kalixt III. zum Kardinal ernannt, in der Folge als Vizekanzler des Kirchenstaats einer der reichsten Männer Europas geworden war – und das Leben eines Renaissancefürsten mit Konkubinen und unehelichen Kindern führte.
Es ist wichtig zu erwähnen, dass die Reformation des Christentums durch Martin Luther und andere ohne Simonie nicht hätte stattfinden müssen, vielleicht nicht hätte stattfinden können: Der Verkauf von Ablassbriefen durch den Dominikanermönch Johannes Tetzel im Auftrag des Albrecht von Brandenburg, des Bischofs von Mainz, im Jahr 1517 brachte die Empörung des niederen Klerus jedoch zum Überlaufen, und Martin Luther veröffentlichte seine 95 Thesen.
Offiziell war das Geld aus dem Verkauf der Ablasszettel für den Bau des Petersdoms in Rom vorgesehen, eine Geheimabmachung mit Papst Leo X. (Papst von 1513 bis 1521), dem zweiten Sohn von Lorenzo de Medici, erlaubte es Albrecht jedoch, die Hälfte des Geldes zur Rückzahlung seiner immensen Schulden zu verwenden. Albrecht musste sich den – dem Kirchenrecht widersprechenden – Erwerb seiner drei Bistümer nämlich mit einer halben Million Mark teuer erkaufen und hatte sich beim Bankhaus Fugger in Augsburg hoch verschuldet. Mit dem Verkauf der Ablasszettel sollten bei dieser unheiligen Liaison von Politik, Finanz und Kirche alle Seiten gewinnen. Dass Albrecht im Dezember 1517 in Rom eine Beschwerde gegen Luthers reformatorisches Auftreten einbrachte, verwundert letztlich nicht.
Neben dem kirchenrechtlichen und geschichtlichen Aspekt ist jedoch noch ein weiterer zu erwähnen, der sich durch die tiefenpsychologische Deutung erschließt. Simon wird als einer beschrieben, der sich selbst einen großen Namen gegeben hat, zweifelsohne um größer zu scheinen, als er tatsächlich ist. Er selbst wird sich also wesentlich kleiner fühlen, als er zugeben möchte und nach außen hin tut. Als er Phillipus das Evangelium verkündigen hört und so wie alle anderen in der Stadt den neuen Glauben annimmt hält er "sich zu Philippus" und sieht die "Zeichen" und "großen Wunder" die dieser tut. Und gerät außer sich. Wir können vermuten, dass nicht nur das Wirken, sondern auch die Wirkung dieses Mannes ihn aus dem bisherigen Gleichgewicht bringen, er aber diese Erschütterung abzuwehren versucht. Er scheint weiterhin nicht bereit zu sein, seine eigene Kleinheit vor dem (Vertreter des) Herrn – also dem, der alles sieht – zuzugeben. Haben oder Sein – es ist ganz klar, auf welcher Seite dieser Dichotomie Simon anzutreffen ist. Die Konsequenz ist wie selbstverständlich, dass er sich zu kaufen sucht, was er sonst nie zu bekommen glaubt. Demut, Geschenk und Gnade und vor allem Vertrauen sind Begriffe, die für Simon wichtig wären. Insofern ist sein Versuch, sich die "Gaben Gottes" erkaufen zu wollen, das genaue Gegenteil des "wahren Glaubens". Petrus erkennt dies und erschüttert ihn nun nachhaltig. Der Neid – "der Fürst der Galle", Ferdinand Raimund: Der Bauer als Millionär – und Kleingläubigkeit liegen als die wahren Motive seines Handelns und als Grund seiner "Bosheit" offen da. Simon kann nun seine Beschränktheit vor Gott anerkennen und um Fürsprache bitten, anstatt weiter verleugnen und agieren zu müssen.
Gemäß dieser Deutung sind Neid und Habsucht als Folge eines gestörten Vertrauens in die Heilskraft Gottes und seiner "Diener" die Beweggründe für den Irrglauben, sich mit Geld alles – also auch die Macht zur Heilung der Menschen – kaufen zu können.
Diese Form der Simonie ist allerdings schwerer zu erkennen bzw. kirchenrechtlich nicht mehr strafbar. Dafür weitet sich das Feld der potentiell Gefährdeten. Es sind nicht mehr nur Kleriker, die sich mit Studium und Zölibat ihre Macht über andere Menschen – und sich selbst – "erkaufen" wollen. Alle anderen Angehörigen von Helferberufen – Ärzte, Pflegepersonen, Hebammen, Psychotherapeuten, im weiteren Sinn auch Lehrer usw. – sind gefährdet, ihren Beruf nicht als Berufung, sondern zum Zweck einer Machtausübung zu erlernen, die tiefgreifende menschliche Unzulänglichkeiten verdecken soll.
In seiner modernen Variante wird Simonie wohl nie ganz verschwinden, auch nicht in der Kirche. Die mittelalterliche Simonie ist allerdings nicht mehr vorstellbar und auch verboten. Mit der Trennung von Kirche und Staat ist dieses Problem grundlegend entschärft worden.
Relevanz hat der Begriff der Simonie jedoch im Rahmen der Papstwahl (Konklave). Gemäß Can. 149 § 3 des römisch-katholischen Codex Iuris Canonici ist eine durch Simonie erfolgte Amtsübertragung grundsätzlich unwirksam. Papst Johannes Paul II. hat aber in der Apostolischen Konstitution "Universi Dominici Gregis" (1996 - Kapitel IV, §78), der letzten Wahlrechtsänderung, ausdrücklich bestätigt, dass die Wahl eines neuen Papstes auch bei Bestechung gültig bleibt:
| Wiktionary: Simonie – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme und Übersetzungen |