Simplikios (6. Jahrhundert n. Chr.) stammte aus Kilikien und war ein spätantiker griechischer Philosoph.
Der dezidiert heidnische Neuplatoniker Simplikios gilt oft als der letzte bedeutende Philosoph des Altertums. Er war Schüler des Ammonios Hermiae in Alexandria und des Damaskios in Athen, dessen bemerkenswerte Zeittheorie wir nur dank Simplikios kennen, und gehörte der neuplatonischen Schule in Athen an, die sich in der Nachfolge der platonischen Akademie sah; diese Philosophenschule war bis zuletzt ein Hort antiker Gelehrsamkeit und paganer Religion. Nachdem Kaiser Justinian I. 529 (oder erst 531) ein Lehrverbot für Heiden erlassen hatte, wanderten Simplikios, Damaskios und fünf weitere Philosophen, vermutlich spät im Jahr 531, nach Persien aus: Dem neuen Großkönig Chosrau I. sagte man nämlich eine Neigung zur griechischen Philosophie nach. Im Herbst 532 wurde ein Frieden zwischen den Sassaniden und den Römern geschlossen, und in einer der Klauseln des Vertrages soll der Großkönig darauf bestanden haben, dass die Philosophen unbehelligt wieder ins Oströmische Reich zurückkehren durften. Simplikios verließ Persien und ließ sich vielleicht in Carrhae (in der heutigen Türkei) nieder, wo er eventuell eine neue neuplatonische Schule begründete; eine solche ist jedenfalls dort im 10. Jahrhundert nachweisbar und wird kaum erst in islamischer Zeit gegründet worden sein. Diese These ist jedoch nicht unumstritten; möglich ist auch eine Rückkehr nach Athen oder Alexandria oder der Weggang an einen anderen Ort.
Simplikios war nicht nur sehr belesen, sondern auch ein erstaunlich origineller Denker; vielen gelten seine großen Aristoteleskommentare als unübertroffen, wobei er bemüht war, die Lehren Platons und die des Aristoteles zu harmonisieren. Zudem bewahrte er zahlreiche Fragmente ansonsten verlorener Werke früherer Philosophen. Sein Einfluss lässt sich noch in der Philosophie des Mittelalters (etwa bei Thomas von Aquin) und der Renaissance nachweisen; danach geriet Simplikios allerdings weitgehend in Vergessenheit. Erst in jüngster Zeit widmet ihm die Forschung wieder mehr Aufmerksamkeit.