Als Sintflut wird im 1. Buch Mose der Bibel[1] eine große weltumspannende Flut bezeichnet, mit der Gott die Menschen für ihr sündiges Leben bestraft haben soll.
Das deutsche Wort „Sintflut“ ging aus mittelhochdeutsch „sin(t)vluot“, althochdeutsch „sin(t)fluot“ hervor, das so viel wie „immerwährende Überschwemmung“ bedeutet, es hat also nichts mit dem Wort „Sünde“ zu tun. Die germanische Vorsilbe „sin“ bedeutet „immerwährend, andauernd, umfassend“. Die nicht mehr verstandene Vorsilbe wurde seit dem 13. Jahrhundert volksetymologisch zu „Sünd-“ umgedeutet. Im Englischen heißt Sintflut „The Great Flood“ oder - nach dem französischen Wort - „Deluge“. Französisch heißt es „déluge“, spanisch „diluvio“ und italienisch „diluvio universale“.
Gemäß dem biblischen Bericht im Alten Testament (1. Mo 7-8) soll die Sintflut 300 Tage oder 10 Monate gedauert und selbst den höchsten Berg der Welt mit Wasser bedeckt haben, wobei das hebräische Wort „äräts“ nicht nur „Welt“ sondern auch „Land“ bedeuten kann. Die gesamte Zeit der Flut wird in vier Phasen beschrieben:
a) Regen ergießt sich 40 Tage und 40 Nächte, und das Wasser hebt die Arche an.
b) Insgesamt schwillt das Wasser 150 Tage lang an, und alle „durch die Nase atmenden“ Erdbewohner - Mensch und Tier - werden getötet.
c) Weitere 150 Tage dauert es, bis die Flut wieder abschwillt.
d) Weitere 40 sowie nochmals 7 Tage dauert es, bis Noah es wagt, die Arche zu verlassen.
Nach masoretischem Text und nach samaritanischem Pentateuch gelang es nur Noach (Noah oder Noe), der auf göttliche Anweisung hin eine Arche gebaut hatte, mit seiner Familie (Frau Hanna, die drei Söhne und die entsprechenden Schwiegertöchter) und vielen Tieren (jeweils sieben Paare von den „reinen“ und ein Paar von den „unreinen“) zu überleben. Nach Septuaginta überlebte aber auch Methusalem, der Großvater von Noe, die Sintflut um einige Jahre. Die Arche landete schließlich auf dem Gebirge Ararat; von dort verbreitete sich das Leben wieder über die Erde. Der biblische Bericht erzählt davon, dass Gott im Anschluss einen neuen Bund mit Noach und den Menschen schloss, in dem er gelobte, die Menschen nie wieder durch eine Flut zu bestrafen. Das Zeichen dieses Bundes war der Regenbogen.
Der irische Theologe James Ussher berechnete im 17. Jahrhundert in seinen Annales veteris testamenti, a prima mundi origine deducti (Annalen des Alten Testaments, hergeleitet von den frühesten Anfängen der Welt) anhand von Bibelstellen den Zeitpunkt, zu dem die Sintflut stattgefunden haben soll. Er kam auf das Jahr 2501 v. Chr.
Die ninivitische Fassung des Gilgamesch-Epos aus dem 12. Jahrhundert v. Chr., die auf einer Urform aus dem 18. Jahrhundert v. Chr. aufbaut, enthält eine Erzählung über die große Flut, die in mancherlei Hinsicht mit der Biblischen Version übereinstimmt. Auch der griechische Deukalion-Mythos, der vermutlich um 1400 v. Chr. entstand, weist Parallelen auf. Manche wollen auch in Platons Atlantis-Erzählung eine Sintflut-Überlieferung sehen, doch wird dies aus philologischen und inhaltlichen Gründen meist zurückgewiesen.
Die älteste bisher bekannte Form der Erzählung bildet das (spät)sumerische Sintflutepos, das etwa aus dem 18. Jahrhundert v. Chr. stammt. Hier zwang die Sintflut den König Ziusudra (griechisch bei Berossus: Xisouthros) von Schurupak zum Umherirren auf einem Boot. Bereits in dieser Urform des Mythos waren verschiedene Details wie die Vorwarnung an Ziusudra durch die Gottheit und das schließliche Dankopfer für die Errettung vorhanden. Im altbabylonischen Atramchasis-Epos (18.-17. Jahrhundert v. Chr.) tritt nun auch das Element der Aussendung der Vögel vor dem Ende der Flut hinzu. Ähnliche Ereignisse von alles zerstörenden Naturkatastrophen, oft auch in Form einer großen Flut, und von wenigen auserwählten Überlebenden, gibt es in vielen Religionen und Kulturen.
Dokumentarisch ist vor allem die Sumerische Königsliste in Zusammenhang mit einer großen Überschwemmung bzw. Sintflut in Sumer bedeutsam. Diese heute in fünf Dokumenten erhaltene Liste weist neben den Königen nach der großen Flut auch acht bis zehn Herrscher bis zur großen Flut auf (ebenfalls zehn Generationen von Adam bis Noah in der Bibel), die übermenschlich lange Zeit regiert haben sollen. Von diesen kulturbringenden Königen vor der großen Flut wird auch in den überlieferten Fragmenten der Babylonischen Geschichte des Berossos berichtet.
Im ersten Buch Henoch, auf das im Judasbrief des Neuen Testamentes Bezug genommen wird, das auch in den Rollen von Qumran gefunden wurde und das heute noch zum kanonischen Schrifttum der (christlichen) äthiopischen Kirche gehört, wird diese Geschichte näher erläutert. Die Sintflut wird als göttliche Reaktion auf die unentschuldbare Rebellion der sogenannten Wächterengel unter Führung von Azazel verstanden. Diese gaben sich mit ihrer Nähe zu Gott nicht zufrieden, sondern lehrten die Menschen verschiedene Künste (vgl. Prometheus im griechischen Mythos) und vermischten sich schließlich mit diesen sogar sexuell. Während Azazel mit seinen Mitverschwörern zur Strafe für seinen Hochmut auf die Erde geworfen und gebunden wird bis zum endgültigen Gericht, muss der durch den Samen der abgefallenen Gottessöhne unrettbar verdorbene Teil der Menschheit flächendeckend ausgetilgt werden. Wasser ist dabei ein probates Mittel gegen den sonst in der Wüste in der Trockenheit gedachten Wüstendämon Azazel, der alljährlich den jüdischen Sündenbock anstatt von Menschenfleisch zugeschickt bekam.
Bereits 1869 hat Lüken in großer Zahl außerbiblische Schilderungen von Völkern aus verschiedensten Regionen der Erde zusammengetragen, die auffällige Gemeinsamkeiten mit dem biblischen Sintflutbericht aufweisen. 1925 veröffentlichte Riem 268 Sintflutberichte und 21 Regenbogensagen aus aller Welt und wertete diese aus. Er kam dabei zum Ergebnis, dass einige der Überlieferungen so viele Parallelen zum biblischen Bericht aufweisen, dass ein unmittelbarer Zusammenhang bestehen muss. Seine vergleichenden Auswertungen ergaben z. B., dass die Sintflut 77 mal als Flut und 80 mal als Überschwemmung bezeichnet wird (in den anderen Fällen ist von verheerenden Bränden, Erdbeben u.a. die Rede). Immerhin 72 mal geschah die Rettung durch ein Fahrzeug; 53 mal wird als Ursache das Verschulden der Menschen genannt.
Aus dem Chinesischen Altertum der Zeit Kaiser Yaous gibt es Sagen, dass sich „Fluten bis zum Himmel türmen“, oder von „Überschwemmungen, die mit ihren Fluten den Himmel bedrohen“.[2] Diese Sagen werden meist mit der „Flut des Ogyges“ gleichgesetzt.
Als chinesische Entsprechung der biblischen Sintflutsage mit Noah wird oft Fo-his gesehen, der als einziger im ganzen Land gerettet wurde.
Die Inder kennen den Fisch Matsya, der den König Manu zum Bau einer Arche aufforderte, in der er die sieben Rishis rettete.
Auch die amerikanischen Indianer kennen Geschichten von einer Flut, die die gesamte Erdoberfläche überspült haben soll.[3]
Die historisch-kritische Analyse sieht im vorliegenden biblischen Text mindestens zwei Quellen mit zum Teil unterschiedlichen Angaben unverbunden ineinandergefügt.
Viele heutige Exegeten bestehen nicht auf einer Historizität der Genesistexte, sondern weisen ihnen den Charakter eines Mythos zu, in dem sich Glaubenserfahrung ausdrückt. Von römisch-katholischer oder protestantisch-landeskirchlicher Seite wird eine Geschichtlichkeit der Sintflut nicht als notwendiger Bestandteil christlichen Glaubens angesehen. In Kreisen evangelikaler Christen gilt die Sintflut dagegen bis heute als historisches Ereignis.
Für die biblische Rechtfertigung der Sintflut als einzigartiges Gericht Gottes über die von ihm selber geschaffene und im Schöpfungsbericht der Bibel von ihm selbst als sehr gut angesehene Schöpfung ist die unmittelbar chronologisch vor der Noah-Geschichte stehende Erzählung der Gottessöhne in Genesis Kapitel 5 aufschlussreich:
Die Sintflut wirft in theologischer Hinsicht die Frage auf, warum ein allwissender und gütiger Gott es überhaupt zur Sintflut kommen lassen konnte. Nicht nur Atheisten stellen die Frage, warum Gott dem biblischen Bericht gemäß in der Sintflut seine eigene Schöpfung nahezu vollständig verwarf.
Das Judentum hat darauf unter anderem im Raschi-Kommentar die Antwort gegeben, dass die harte Strafe Gottes wegen des Umfangs der menschlichen Verbrechen und der Bosheit der vorsintflutlichen Geschlechter notwendig wurde. Es kam demnach zum Brudermord sowie zu massiver Gewalt zwischen den Menschen, insbesondere gegenüber Frauen, so dass das Recht des Stärkeren herrschte. Zum Beleg dient unter anderem eine Textstelle aus dem 1. Buch Mose 6:2, in der es heißt: „Sie nahmen sich zu Weibern, welche sie nur wollten“.
Das Urteil Gottes lautete daher: „Alles Trachten ihres Herzens war die ganze Zeit nur böse“ (6:5) und „Die Erde war voller Gewalttat“ (6:11), womit im konkreten Fall besonders schändliche Gewalt wie etwa Raub bezeichnet wurde. Die Reaktion Gottes versteht das Judentum daher als Antwort auf die so bezeichneten Gräuel: „Das Ende allen Fleisches ist bei mir beschlossen.“ (6:13). Gewalttätiges Verbrechertum, Raub und Vergewaltigungen, sind, folgt man der Sintflutgeschichte, in theologischer Hinsicht die größte Sünde.
In den Worten des Rabbi Jochanan findet diese Ansicht in den Worten
ihren Ausdruck. Der Midrasch betrachtet es als korrumpierende Natur der „Gewalt, die fähig ist, das Gute im Menschen zu demoralisieren und die als unüberwindbare Barriere zwischen dem Menschen und seinem Schöpfer steht“. Die Frage, warum Gott den Tod der Sünder wünscht und nicht deren Umkehr, wird also durch die unrettbar durch Gewalt korrumpierte Menschheit begründet. Nur mit einem neuen, aus einem Gerechten hervorgegangenen Menschengeschlecht war demnach ein Neuanfang möglich.
Im neuen Testament dient die Sintflut im Lukasevangelium (17, 27) und der entsprechenden Parallelstelle im Evangelium nach Matthäus (24, 38) als Gleichnis für das Kommen des Menschensohns, das als plötzlich und unerwartet prophezeit wird:
Martin Luther, der, anders als die meisten seiner modernen Interpreten, sich durch die Schrift nicht befugt sah, den Glauben an die Historizität der Fluterzählung anderen und sich selbst zu erlassen und daher bewusst an ihr festgehalten hat, sieht in seinen verschiedenen Auslegungen des Buches Genesis[4] die Flut mit Genesis 6 als Gottes gerechte Strafe für den Abfall aller Menschen von Gott, der sich unter den Gliedern der „wahren Kirche“ (d.h. den Nachkommen des Patriarchen Seth im Gegenüber zu denen des Kain) vor allem durch „Mischehen“ mit den ungläubigen Nachkommen Kains ausdrückte (6,2, vgl. Gen. 24,3; Deut. 7,3-4).
Die moderne Frage der Theodizee stellt sich ihm daher so nicht, da er gerade in Genesis 6 entscheidende Belege für die Erbsündenlehre erblickt (bes. vv. 3 u. 5); er rechnet also nicht mit einem natürlichen Gutsein des Menschen, demgegenüber Leid (und Strafe) eigens begründet werden müssten (siehe Gen. 3,17-19; 4,10ff.). Überhaupt weist er es in seiner Auslegung zu Gen. 6,5-7 als theologisch gefährlich zurück, über Gottes Wesen und dessen Eigenschaften -- etwas über seine Güte und Allmacht -- abgesehen von seinem Wort zu spekulieren. Derartiges Tun der Vernunft des Menschen führe, so Luther, nicht zum wahren Gott, sondern an diesem vorbei.
Obwohl er die (jüdische) Interpretation von Gen. 6,2 auf Dämonen- oder Engelwesen kennt, lehnt er sie ab: die „Söhne Gottes“ sind für ihn die, die durch Glauben an den im sog. Protoevangelium (Gen. 3,15) verheißenen Retter Glieder der „wahren Kirche“ sind oder doch jedenfalls sein sollten (vgl. Gal. 3:26). Am Ende war es jedoch nur Noah, der am Glauben festhielt (vgl. Hebr. 11,7) und daher auch ein exemplarisches sittliches Leben führte, das ihn von seinen Zeitgenossen abhob. Luther macht also hier mit seiner grundlegenden Einsicht ernst, dass der allein seligmachende Glaube durch Liebe tätig ist (Gal. 5,6). Wo ersterer verlorengeht, da schlägt die Liebe Gottes und des Nächsten (entsprechend den beiden Tafeln des Dekalogs) in Selbstliebe zurück (Röm. 1). Die Flut ist also nach Luther nicht einfach ein Aufruf zu moralisch-mitmenschlichem Handeln, sondern vor allem ein Ruf zum Glaubens an Christus angesichts der drohenden Wiederkehr des Menschensohnes zum Weltgericht (siehe Matth. 24,37-39).
Luther sieht gerade in Noah, dem „Prediger der Gerechtigkeit (des Glaubens)“ (2. Petrus 2,5), den Prototyp aller wahren Propheten und Prediger, die vom wahren Gott den Auftrag haben, ihre Zeitgenossen zum Wort des Herrn und damit zum allein rettenden Glauben an Christus zurückzurufen, jedoch bis zum Ende der Welt damit wegen der Verderbheit der Menschen nicht großen Zulauf gewinnen werden, sondern als wenig überzeugende Unheilspropheten verspottet werden (siehe wieder Matth. 24,37-39 und 2. Petrus 3,3ff.).
Die Tatsache, dass der Gerechte seine Rettung, die Arche, selber bauen und danach durch schwieriges Wasser führen musste, ist ein theologisches Bild. Es wird manchmal von modernen Theologen aufgegriffen, wenn ein aufgeklärter Humanismus als heutige Entsprechung eines solchen Archebaus dargestellt wird.
An der Verpflichtung dem Mitmenschen gegenüber treffen sich jüdische, christliche und muslimische Exegeten bei der Interpretation der Sintflutgeschichte.
Für die Sintflut gibt es zahlreiche Erklärungsversuche. Eine Theorie, die eine zufriedenstellende Erklärung geben könnte, konnte bislang aber noch nicht gefunden werden. [5] Viele Erklärungsansätze missachten zudem wichtige Details der biblischen Geschichte wie die wochenlangen Regenfälle. Andererseits ist bei Mythen- und Legendebildung in der Regel zu beobachten, dass hierbei die Dramatik der eigenen Situation schnell ins grenzenlose erhöht wird und so sich leicht schreckliche Erfahrungen Einzelner in die phantastische Vision vom Untergang aller umgeformt haben kann.
Die in der Wissenschaft bislang bevorzugte Theorie besagt, dass alle mesopotamischen Flutmythen und damit letztlich auch die biblische Sintflutgeschichte auf die traumatische Erfahrung der unvorhersagbaren und gelegentlich lokal katastrophalen Schwemmfluten von Euphrat und Tigris im Zweistromland zurückgehen. Ein Zusammenhang mit den textlich oft verschiedenen Mythen anderer Weltregionen wird zudem meist nicht gesehen.
Andere vermuten, dass steigende Meeresspiegel zum Ende der letzten Eiszeit vor etwa 10.000 Jahren zum Beispiel im Gebiet des Roten oder des Schwarzen Meeres für entsprechende Sagen verantwortlich sind. So gibt es sichere Hinweise auf Ansiedlungen und fruchtbare Gebiete, die heute beispielsweise im Schwarzen Meer mehr als 100 Meter unter dem Meeresspiegel liegen. Kritiker wenden allerdings ein, dass der Anstieg - obwohl im geologischen Zeitrahmen als schnell zu bezeichnen - gemäß menschlichen Maßstäben kaum als Flut zu bezeichnen gewesen wäre. Auch die Kontinuität der Überlieferung über viele Jahrtausende hinweg wird als äußerst zweifelhaft angesehen. Selbst wenn sich flutartige Überschwemmungen am Ende der letzten Eiszeit nachweisen ließen, wäre äußerst unsicher, ob es sich dabei tatsächlich um die Hintergründe der Sintflutlegende handelt - ebenso wie bei lokalen Überschwemmungen lassen sich wichtige Details nicht mit einem reinen Anstieg des Meeresspiegels in Einklang bringen.[6]
Nach langjährigen Forschungen entwickelten 1997 der US-amerikanischen Marinegeologen Walter Pitman und William Ryan die Theorie, die Sintflut gehe auf einen Wassereinbruch in das Schwarze Meer zurück. Nach ihrer Ansicht hat dieser stattgefunden, als nach dem Ende der letzten Eiszeit durch das Abschmelzen der Gletscher alle Meeresspiegel weltweit anstiegen und damit sich auch der des Mittelmeers hob und etwa im 7. Jahrtausend v. Chr. das Niveau des Bosporus erreichte. [6] Innerhalb kurzer Zeit hat sich so der Wasserspiegel in der Senke um mehr als 100 Meter erhöht. Von Petko Dimitrov (Bulgarien) an verschiedenen Orten gemachte Funde von Süßwassermuscheln aus Sedimentablagerungen in Tiefen von bis zu 120 Metern und Ablagerungen eines Salzwassermeeres darüber mit einer sehr dünnen Grenzschicht, die mit der Radiokarbonmethode datiert wurden, stärken diese Theorie [7], denn sie belegen, dass das Schwarze Meer bis zum Ende der letzten Eiszeit ein großer Süßwassersee war, der dann auch nach Prof Yossi Mart (Universität Haifa, Israel) abrupt zum Salzwassermeer wurde[8], wobei sich auch der alte Küstenverlauf eindeutig rekonstruieren ließ.[9] Siedlungsfunde im heutigen Küstenbereich des Schwarzen Meeres (Rumänien) legen nahe, dass es sich bei den damaligen Bewohnern um Nachfahren der Menschen handelt, welche die mit hoher Wahrscheinlichkeit ebenfalls besiedelten tiefergelegenen Gebiete durch die kontinuierliche Salzwasserüberflutung fluchtartig verlassen mussten.[10] Im Jahre 2006 entwickelte Dr. Mark Sidall an der Universität Bern (Schweiz) ein physikalisches Computermodell des Schwarzen Meeres und des vorgelagerten Bosporus [11] und zeigte an diesem durch Strömungsversuche die Spuren auf, welche eine Flutwelle in Richtung der Senke hinterlassen haben müsste. Bei der anschließenden meeresgeologischen Überprüfung mit Echolot konnte die tatsächliche Existenz der vorausgesagten Unterwassergrabenstruktur parallel zur Küste eindeutig nachgewiesen werden. [12]
In einem weiteren Erklärungsversuch werden die Geschehnisse der Sintflut auf die Explosion des Santorin und den nachfolgenden Tsunami in der Zeit der Minoer zurückgeführt. Dabei wird zusätzlich darauf hingewiesen, dass die Sintflutgeschichte den entsprechenden Sagen der Griechen und Kreter stark ähnelt und, vermittelt durch die küstenbewohnenden Philister, von den Hebräern übernommen worden sein könnte. Die meisten Judaisten schließen dies wegen der intensiven Feindschaft zwischen Hebräern und Philistern aus.
Die umstrittenste Theorie besagt, dass ein oder mehrere Meteoriten oder Asteroiden durch einen Einschlag im Meer genug Wasser aufwirbelten, um große Gebiete tage- oder wochenlang mit Regen zu übergießen. So soll es unter anderem einen großen Einschlag vor ungefähr 7600 Jahren und einen kleineren vor etwa 3150 Jahren gegeben haben, jedes Mal mit katastrophalen Folgen für die Menschheit; auch diese These hat sich bisher jedoch in der Wissenschaft nicht durchsetzen können. Es ist allerdings äußerst wahrscheinlich, dass in den letzten 10.000 Jahren zahlreiche Meteoriten in den Ozean eingeschlagen sind - unklar ist hingegen, welche Folgen diese Einschläge hatten. Am unumstrittensten ist noch, dass jeder Impakt eine vom Einschlagsort ausgehende Flutwelle, einen sogenannten Tsunami ausgelöst hätte, der auch in entfernt liegenden Küstenregionen noch starke Verwüstungen hätte anrichten können; weitergehende Angaben gelten dagegen weithin als Spekulation, so dass eine Anerkennung der These in größeren Teilen der Wissenschaft bisher auf sich warten lässt.
Für eine Art von „Sintflut“ fanden die Wissenschaftler des Bremer Forschungszentrums Ozeanränder jüngst die Belege. Bei der Analyse von Meeresablagerungen im nördlichen Roten Meer fanden sie heraus, dass diese damals (nach der Eiszeit) wie heute sehr trockene Region zwischen 7.000 und 4.500 v. Chr. von einem monsunartigen Klima geprägt war. Spezifisch dafür sind regelhafte Winde, die ihre Richtung im Laufe des Jahres um 120 oder mehr Grad ändern. Sie sind durch ihre Luftfeuchte bzw. Wärme klimabestimmend.
Der etwa 7.000 v. Chr. einsetzende Monsun könnte das Vorbild für die Geschichte von der „Großen Flut“ gewesen sein. Noah steht für den Neuen Bund, den Bund nach der Flut, wird aber logischerweise wie zuvor Adam sogleich mit dem Ackerbau verbunden. Der Monsunbeginn fällt mit dem Untergang der „alten Plätze“ in der Levante zusammen. Archäologisch feststellbar geschah dieser offenbar gewaltsam und stellt ein real erfolgtes Schisma dar, das das AT mit Noah personifiziert. Die Arche wäre bei dieser Sachlage reine Fiktion. Ab ca. 4.600 v. Chr. kam es zu einem Ende des Monsun-Klimas im Mittelmeerraum. Das mediterrane Klima wurde trockener.
Zu weltweit verbreiteten Sintflutberichten:
Zu den Beziehungen zwischen orientalischer, biblischer und antiker Sintfluttradition:
Zur Schwarzmeer-Überflutungs-Theorie
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