Sinti

Sinti oder Cinti sind eine im deutschen Sprachraum lebende, teils nomadische, teils sesshafte ethnische Gruppe, die traditionell unter dem heute umstrittenen Namen „Zigeuner" zusammengefasst wurden. Ihre Vorfahren sind vermutlich in der frühen Neuzeit aus Indien eingewandert. Sie pflegen ihr eigenes Brauchtum und ihre eigene Sprache und grenzen sich von den Roma, einem osteuropäischen Zweig ihrer Ethnie, ab.

Inhaltsverzeichnis

Herkunft und Sprache

Es wird vermutet, dass sich der Name von der indischen Provinz Sindh oder von einer alten Bezeichnung des Flusses Indus, „Sindhu", ableitet. Als Eigenbezeichnung der Sinti wird oft auch Rom und Romni (Mann, Frau) verwendet. Die in Frankreich lebende Gruppe der Sinti bezeichnet sich als Manusch (frz. manouche(s)).

Wie die später in den deutschen Sprachraum eingewanderten Roma sprechen die Sinti traditionell Romanes, dessen Wurzeln auf einen nordwestlichen Dialekt einer altindischen Volkssprache zurückgehen und wohl nicht, wie oft angenommen, auf Sanskrit, welches eine Hochsprache der Brahmanen war. Für den Romanes-Dialekt der Sinti wird in der Linguistik das Kunstwort Sintitikes verwendet.

Die Sinti sind nicht zu verwechseln mit den Jenischen, die ethnisch anderer Herkunft sind, allerdings vor allem in der Vergangenheit als „fahrendes Volk“ eine ähnliche soziologische Nische besetzten und sprachliche Entlehnungen aus der Sprache der Sinti verwenden.

Der Name Zigeuner wird vor allem seit der Nachkriegszeit überwiegend als Schmäh- und Schimpfwort empfunden, findet sich aber, vor allem in älteren Quellen, zuweilen auch neutral verwendet, als die Selbstbezeichnung Sinti noch nicht gängig war.

Die ersten Zeugnisse einer Präsenz dieser indischen Gruppe der Sinti im deutschen Sprachraum gehen auf das 15. Jahrhundert zurück. Es handelte sich damals um Flüchtlingsströme aus der Sklaverei in Südosteuropa, vermutlich als indirekte Folge der osmanischen Invasion auf dem Balkan. Waren sie zuvor wohl ortsgebunden, nahmen sie jetzt (vermutlich erneut) eine nomadische Lebensweise an.

Geschichte der Sinti in den deutschen Regionen

Die Sinte, Roma und verwandte Gruppen stammen ursprünglich aus dem indischen Raum und sind im 14./15. Jahrhundert über Nordafrika und den Balkan nach Europa und in den deutschen Sprachraum eingewandert.

Waren sie zu Beginn des 15. Jahrhunderts vielerorts zumindest geduldet, wurden die Lebensbedingungen für sie durch Reichstage in Lindau (1496) und Freiburg (1498) schwieriger. Auf dem Augsburger Reichstag von 1551 und in verschiedenen darauf folgenden Gesetzen und Landesordnungen wurde wahlweise die Tötung oder Beraubung von Sinte (als „zciegener“ oder Zigeuner bezeichnet) legitimiert. Im 18. und 19. Jahrhundert wurde vielerorts versucht Sinti und Roma sesshaft zu machen. In dieser Zeit wurden auch Kinder ihren „zigeunerischen“ Eltern weggenommen und die Assimilation erzwungen.

Eine zweite indische Gruppe, Roma, kam im 19. Jahrhundert, als in Rumänien die Sklaverei aufgehoben wurde. 1939 lebten etwa 13.000 Sinti im Deutschen Reich; in der Bundesrepublik Deutschland in den 1990er Jahren waren es etwa 50.000.

In der Zeit des Nationalsozialismus wurden Sinti und Roma aus Gründen der Rasse verfolgt. 1935 wurde im Rahmen der Nürnberger Gesetze nicht nur den den Juden, sondern auch den Sinti und Roma das Wahlrecht aberkannt und Mischehen mit anderen „Ariern“ verboten. Sinti wurden zum Objekt der Rassenbiologie der Nazis und wurden von NS-Wissenschaftlern mit abenteuerlichen Argumenten als erblich bedingt arbeitsscheu oder „asozial“ dargestellt. Ab 1938 waren vermutlich 85% der Sinti-Bevölkerung in Konzentrations- oder Arbeitslagern interniert, wovon nur ein geringer Teil überlebt hat.

Kultur der Sinti

Die Sinti haben, trotz des immensen Anpassungsdruck, seit Jahrhunderten eine beträchtliche kulturelle Eigenständigkeit bewahrt, darunter oft noch die eigene Sprache, das Romanes. Darüber hinaus gibt es viele Bräuche und Rechtsnormen, die teilweise wohl auf ihre nordindische Heimat zurückgehen.

Traditionell wird das Leben der Sinti durch ein strenges Gesetz geregelt, an das sich jeder halten muss, der nicht aus der Gemeinschaft ausgeschlossen werden will. Hierüber wachen Rechtsprecher, d.h. anerkannte Älteste der jeweiligen Sippe (Familienverband). Sinti sind sehr familiengebunden, das Wort der Älteren gilt viel. Besondere Reinlichkeitsnormen der Sinti haben möglicherweise ihre Wurzeln in religiös-rituellen hinduistischen Waschungen der nordindischen Urheimat.

Aus dem Kulturkreis der Sinti sind seit den 1970er Jahren eine Anzahl Bands und Musiker bekannt geworden, die an Django Reinhardt und die ungarische Volksmusik, an Swing, Bossa Nova, Musettewalzer u.a. anknüpfen. Hervorgetreten sind u.a. Schnuckenack Reinhardt und Bireli Lagrene.

Siehe auch

Literatur

Weblinks

Quelle:
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