Sisyphos

Sisyphos von Franz von Stuck, 1920
Sisyphos von Franz von Stuck, 1920

Sisyphos (griechisch Σίσυφος, latinisiert Sisyphus) ist ein Held der griechischen Mythologie.

Er ist der Sohn von Aeolos (Aiolos) und Enarete sowie der Gatte von Merope. Er ist der Gründer und König von Ephyra (Korinth) und Stifter der Isthmischen Spiele.

Inhaltsverzeichnis

Vergehen

Sisyphos wird als der verschlagenste aller Menschen bezeichnet; er verriet die Pläne der Götter, indem er dem Flussgott Asopos mitteilte, dass es Zeus sei, der seine Tochter entführt habe. Zeus beschloss daraufhin, ihn zu bestrafen, und schickte Thanatos, den Tod. Aber Sisyphos überwältigte diesen, indem er Thanatos so starke Fesseln anlegte, dass des Todes Macht gebrochen war. Erst als der Kriegsgott Ares den Tod aus der Gewalt von Sisyphos befreite, konnte Thanatos wieder seines Amtes walten.

Sisyphos aber wurde vom Kriegsgott ins Schattenreich entführt. Doch bevor Ares das tat, verbot Sisyphos seiner Frau, ihm ein Todesopfer darzubringen. Als keine Opfer für ihn dargebracht wurden, überredete er den Gott der Unterwelt, Hades, dass er schnell in die Menschenwelt zurückkehren wolle, um seiner Frau zu befehlen, für ihn ein Todesopfer zu halten. Wieder zu Hause, genoss der Arglistige das Leben an der Seite seiner Frau und spottete über den Gott der Unterwelt. Doch plötzlich tauchte Thanatos vor ihm auf und brachte ihn mit Gewalt ins Totenreich.

Sisyphos-Arbeit

Sisyphos (englisches Emblem, 1732)
Sisyphos (englisches Emblem, 1732)

Sisyphos’ Strafe in der Unterwelt bestand darin, einen Felsblock einen steilen Hang hinaufzurollen. Immer kurz bevor er das Ende des Hangs erreichte, entglitt ihm der Stein, und er musste wieder von vorne anfangen. Heute nennt man deshalb Aufgaben, die trotz großer Mühen so gut wie nie erledigt sein werden, Sisyphos-Arbeit.

„Und weiter sah ich den Sisyphos in gewaltigen Schmerzen: wie er mit beiden Armen einen Felsblock, einen ungeheuren, fortschaffen wollte. Ja, und mit Händen und Füßen stemmend, stieß er den Block hinauf auf einen Hügel. Doch wenn er ihn über die Kuppe werfen wollte, so drehte ihn das Übergewicht zurück: von neuem rollte dann der Block, der schamlose, ins Feld hinunter. Er aber stieß ihn immer wieder zurück, sich anspannend, und es rann der Schweiß ihm von den Gliedern, und der Staub erhob sich über sein Haupt hinaus.“

Homer: Odyssee 11. Gesang, 593–600. Übersetzung Wolfgang Schadewaldt

Sonstiges

Ein unehelicher Sohn des Sisyphos war Odysseus, der die Listigkeit seines Vaters geerbt hatte.

In der Volkswirtschaft wird mit Sisyphismus das System derjenigen Nationalökonomen bezeichnet, welche die Arbeit um ihrer selbst Willen – ungeachtet des ökonomischen Erfolgs – als schätzenswert bezeichnen.

Siehe auch

Der Mythos von Sisyphos, Stammbaum der griechischen Götter und Helden

Zitate

  • Albert Camus meint, dadurch, dass Sisyphos auf alles verzichte, was jenseits seiner unmittelbaren Erfahrung liegt, und aufhöre, nach tieferem Sinn und Inhalt zu suchen, triumphiere er.“Brian Greene (in: Der Stoff, aus dem der Kosmos ist, S. 37)
  • Albert Camus: "Ich verlasse Sisyphos am Fuße des Berges! Seine Last findet man immer wieder. Nur lehrt Sisyphos uns die größere Treue, die die Götter leugnet und die Steine wälzt. Auch er findet, daß alles gut ist. Dieses Universum, das nun keinen Herrn mehr kennt, kommt ihm weder unfruchtbar noch wertlos vor. Jeder Gran dieses Steins, jeder Splitter dieses durchnächtigten Berges bedeutet allein für ihn eine ganze Welt. Der Kampf gegen Gipfel vermag ein Menschenherz auszufüllen. Wir müssen uns Sisyphos als einen glücklichen Menschen vorstellen." (Albert Camus, Der Mythos von Sisyphos, Hamburg 1959, S. 101)

„Die Sonne ging auf bei Paderborn,
Mit sehr verdroßner Gebärde.
Sie treibt in der Tat ein verdrießlich Geschäft —
Beleuchten die dumme Erde!

Hat sie die eine Seite erhellt,
Und bringt sie mit strahlender Eile
Der andern ihr Licht, so verdunkelt schon
Sich jene mittlerweile.

Der Stein entrollt dem Sisyphus,
Der Danaiden Tonne
Wird nie gefüllt, und den Erdenball
Beleuchtet vergeblich die Sonne!“
(Aus: Heinrich Heine: Sämtliche Schriften. Herausgegeben von Klaus Briegleb. Vierter Band, Deutschland. Ein Wintermärchen (S. 605f.)

  • Im Lied Sisyphos von Samsas Traum heißt es unter anderem:

„Nichts hält mich dieses Mal zurück,
Es folgt mein Sieg oder mein Ende.
Denn auf dem Gipfel liegt mein Glück,
Ich will zurück in meine Hände.“

Weblinks

Commons
Commons: Sisyphos – Bilder, Videos und Audiodateien
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