| Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen finden sich unter Soest (Begriffsklärung). |
| Wappen | Deutschlandkarte | |
|---|---|---|
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| Basisdaten | ||
| Bundesland: | Nordrhein-Westfalen | |
| Regierungsbezirk: | Arnsberg | |
| Kreis: | Soest | |
| Koordinaten: | 51° 34′ N, 8° 7′ O | |
| Höhe: | 90 m ü. NN | |
| Fläche: | 85,81 km² | |
| Einwohner: | 48.442 (31. Dez. 2006) | |
| Bevölkerungsdichte: | 565 Einwohner je km² | |
| Postleitzahl: | 59494 | |
| Vorwahl: | 02921 | |
| Kfz-Kennzeichen: | SO | |
| Gemeindeschlüssel: | 05 9 74 040 | |
| Stadtgliederung: | Kernstadt und 18 Ortsteile | |
| Adresse der Stadtverwaltung: | Am Vreithof 8 59494 Soest |
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| Webpräsenz: | ||
| Bürgermeister: | Dr. Eckhard Ruthemeyer (CDU) | |
Soest [zoːst] ist eine westfälische Kreisstadt des gleichnamigen Kreises im Regierungsbezirk Arnsberg in Nordrhein-Westfalen. In der sowohl etwa 50 km östlich von Dortmund als auch gleich weit westlich von Paderborn gelegenen Stadt in der fruchtbaren Soester Börde leben heute mehr als 48.000 Einwohner. Mehr als 30.000 Einwohner leben in der Kernstadt, die übrigen verteilen sich auf die umliegenden Soester Ortsteile.
Inhaltsverzeichnis |
Soest grenzt (im Uhrzeigersinn von Norden) an Lippetal, Bad Sassendorf, Möhnesee, Ense, Werl und Welver.
Die alte Hansestadt Soest (Sosat, latinisiert: Susatum) mit weit über 1000jähriger Geschichte zählte im Mittelalter zu den bedeutendsten Hansestädten Europas. Zugleich galt Soest im Hochmittelalter nach Köln als zweitgrößte Stadt in Deutschland. Mit einer ummauerten Fläche von 102 Hektar gehörte es mit Sicherheit zu den flächenmäßig größten Städten in Deutschland und hatte um 1450 ungefähr 10.000 Einwohner (zum Vergleich: Köln, die seinerzeit mit weitem Abstand größte deutsche Stadt, hatte ca. 40.000 Einwohner). Zum Territorium der Stadt Soest gehörte neben der ummauerten Stadt auch das Umland der Soester Börde mit zehn Kirchspielen.
Urkundlich erwähnt wird die Stadt erstmals im Jahr 836. Fraglos lassen sich aber bereits Siedlungen um 600 n. Chr. belegen. Im weiteren Stadtgebiet, aber auch direkt in der Innenstadt, lassen sich freilich noch viel ältere Siedlungsspuren finden. So wurde in den letzten Jahren im Stadtzentrum ein Erdwerk der Michelsberger Kultur ausgegraben und am Stadtrand eine Gehöftgruppe aus der Zeit um Christi Geburt. Bereits aus der Mitte des 20. Jahrhunderts ist ein Gräberfeld der Merowinger bekannt, dessen Siedlungszugehörigkeit aber unbekannt ist. Die Herkunft des Namens „Soest“, um die eine frühere Debatte wieder aufgeflammt ist, verweist möglicherweise auf eine uralte (vorgermanische) Siedlungstradition.
Soest gehört, wie etwa die Städte Dortmund, Unna, Werl, Erwitte, zu einer alten Siedlungskette, die einerseits durch zahlreiche Quellen nördlich von Ardeygebirge und Haarstrang, andererseits durch die alte Handelsverbindung des Hellwegs begünstigt ist. Die fruchtbare Landschaft der Soester Börde, das relativ trockene Klima sowie das reichlich vorhandene Wasser waren schon immer für eine Ansiedlung günstig. Die Solequellen in der Nachbarschaft ließen schon früh die Salzgewinnung zu einem bedeutenden mittelalterlichen Wirtschaftszweig der Stadt werden. Neben dem Salz spielte die Eisenverarbeitung, wie man seit einigen Jahrzehnten weiß, eine wichtige Rolle bei dem Aufstieg Soests zu einer der bedeutendsten Gewerbe- und vor allem Handelsstädte, deren Kontakte bis Nowgorod (Naugarden) im heutigen Russland reichten. Der Aufstieg zur Fernhandelsstadt wurde durch die günstige Lage am Kreuzungspunkt von Hellweg (Ost-West-Achse) und einer Nord-Süd-Straße unterstützt. Die Solequellen der Umgebung werden noch heute genutzt, allerdings nicht für die Salzgewinnung, sondern für den Kurbetrieb im benachbarten Bad Sassendorf und für eine Schausaline in Werl.
Dass der Name Soests (Susat) im Mittelalter weithin bekannt war, davon zeugen ausländische Überlieferungen. So berichtete 972 ein mittelalterlicher arabischer Gesandter von einem volkreichen, befestigten Ort namens Shushit, an dem Salz durch Verdampfen salzhaltigen Quellwassers hergestellt werde, und die skandinavische Thidrekssaga verlegt gar, in Übereinstimmung mit einer Soester Ortssage, den Untergang der Niflungen (Nibelungen) nach Soest.
Eine Besonderheit ist das alte Soester Stadtrecht, das erste im deutschen Raum nachweislich aufgezeichnete, überliefert in Form der alten und neuen Kuhhaut, sowie der alten Schrae. Vermutlich geht das Soester Stadtrecht auf über Köln vermittelte Vorbilder aus der Lombardei zurück. Es wurde von vielen Städten der Umgebung übernommen, beispielsweise von Korbach. Wichtiger aber war die Fernwirkung des Soester Stadtrechts: Die Übernahme durch das unter anderem von Soester Kaufleuten mitgegründete Lübeck brachte es mit sich, dass das Soester Stadtrecht in modifizierter Form, als lübisches Recht, weithin in den Ostseeraum ausstrahlte.
Soest war eine der bedeutendsten Hansestädte im Mittelalter und war Prinzipalstadt im westfälischen Hanseviertel, neben Dortmund, Münster und Osnabrück. Der letzte örtliche Hansetag für die Soest zugeordneten Städte, darunter Lippstadt, Werl, Arnsberg, Attendorn, Brilon, Rüthen und Geseke, fand 1604 statt. Das letzte Mal auf einem allgemeinen Hansetag in Lübeck war Soest im Jahre 1608 vertreten. Am letzten Hansetag 1669 der bereits im Niedergang befindlichen Hanse nahm Soest nicht mehr teil.
Wie viele andere Städte im späten Mittelalter, versuchte auch Soest seine Selbstständigkeit gegenüber der Landesherrschaft, in diesem Fall dem Kölner Erzbischof über das Herzogtum Westfalen, durchzusetzen. Bereits 1225 hatten die Einwohner von Soest die erzbischöfliche neue Pfalz gewaltsam entfestigt. Um ihre Eigenständigkeit zu wahren bzw. zu erweitern, unterstellte sich die Stadt im 15. Jahrhundert dem Schutz von Johann I., Herzog von Kleve, der ein Verwandter des burgundischen Herrscherhauses war und Soest eine weitgehende Unabhängigkeit zusicherte. Der Sieg über die Belagerungstruppen des Erzbischofs in der Soester Fehde (1444–1449) war allerdings ein Pyrrhussieg. Soest war nun fast rings umher von fremdem Gebiet umgeben, und so verlor die Handelsstadt in der Folgezeit an Macht und Einfluss und wurde mehr und mehr zu einer Ackerbürgerstadt. Viele mächtige Kaufmannshäuser aus der Blütezeit der Stadt waren nun unbewohnt und verfielen. Aus ihren Steinen entstanden die vielen Grünsandsteinmauern in der Altstadt, die häufig überraschend große Gärten umschließen.
De jure war Soest nach der Soester Fehde unabhängiger als eine freie Reichsstadt; die lockere Bindung an Kleve brachte jedoch später die Eingliederung in das sich langsam nach Westen ausdehnende spätere Preußen mit sich. Nach dem Tod Johann Wilhelms, des letzten Herzogs von Kleve, im Jahre 1609 wurde Soest als Teil des klevischen Erbes den Brandenburgern zugesprochen. Die Soester Verweigerung hiergegen hatte keinen Erfolg: Mit der Kapitulation von 1616 wurde Soest erstmals „feindlich“ besetzt. Unter dem Dreißigjährigen Krieg musste die Stadt wie andere Städte auch beträchtlich leiden. Den Tiefpunkt des Niedergangs erlebte Soest hinsichtlich seiner Bevölkerung im Jahr 1756, als es nur noch ca. 3.600 Einwohner zählte. Der preußische Absolutismus und nicht zuletzt das Bestreben des preußischen Staates, den freien Zugriff auf wehrfähige Männer zu erhalten, führten zur schrittweisen Aufhebung der städtischen Privilegien: So verlor Soest 1742 das Münzrecht, und 1751 wurde die seit mehr als 490 Jahren bestehende Ratsverfassung aufgehoben (unter Hinweis auf Manipulationen bei den innerstädtischen Wahlen).
1531 führte die Stadt, über Philipp Melanchthon vermittelt, die Reformation ein. So sind die zahlreichen, kunstgeschichtlich teilweise bedeutsamen mittelalterlichen Gotteshäuser der Altstadt wie auch der Börde alle, bis auf den St.-Patrokli-Dom als ehemalige Stiftskirche, evangelisch. Als Strafe für einen Soester Jagdfrevel auf kurkölnischem Gebiet wurde 1661 die Madonnenstatue durch den Erzbischof von Köln aus der Wiesenkirche (und damit die seit der Reformation ruhende Marienwallfahrt) nach Werl überführt. Dorthin pilgern in jedem Jahr mehrere Hunderttausend Wallfahrer und haben Werl zum drittgrößten Wallfahrtsort in Deutschland gemacht. Im Gefolge der Säkularisation zu Anfang des 19. Jahrhunderts wurden die Nonnenklöster Paradiese und Welver in der Soester Börde in den Jahren 1808 und 1809 aufgehoben, 1811 folgte das Stift St. Patrokli, 1812 das Stift St. Walburgis sowie das Dominikaner- (1812) und das Franziskanerkloster (1814).
Während der napoleonischen Zeit (1809) ging Soest auch seiner Börde, immerhin ca. 20.000 Hektar mit 48 Dörfern, verlustig.
Obwohl Soest zu Anfang des 19. Jahrhunderts mit etwa 5.000 – 8.000 Einwohnern nach Münster, Iserlohn und Minden noch zu den größten Städten Westfalens zählte (1843 hatte Soest mit 8.750 Einwohnern immer noch mehr als Dortmund mit 7.650), verpasste es im 19. Jahrhundert weitgehend den wirtschaftlichen Anschluss. Die mittelalterliche Bausubstanz verfiel zusehends; wichtige Baudenkmäler, darunter drei Kirchen, Teile des mittelalterlichen Rathauses und 9 von 10 Stadttoren, wurden in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts niedergelegt. Am wirtschaftlichen Rückstand änderte zunächst weder die Erhebung zur Kreisstadt 1817 etwas noch der Bahnanschluss 1849. Erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts verbesserte sich die wirtschaftliche Lage, als der Güterbahnhof mehr und mehr Arbeitskräfte band (in der Hochzeit ca. 2.000 Beschäftigte) und sich eine mittelständische Industrie im Bereich von Lebensmittel- (Zuckerfabrik, Soest als Mittelpunkt der fruchtbaren Börde) und Eisenverarbeitung entwickelte. Gleichwohl war Soest zu Beginn des 20. Jahrhunderts noch eine beschauliche Provinzstadt, die kaum über die Stadtumwallung hinausgewachsen war und gerade wegen ihres romantischen Charakters zum Zentrum des Westfälischen Expressionismus wurde. Bedeutsam für die moderne Architektur sind drei Villen des Architekten Bruno Paul aus den 1920er Jahren. Die kleinste dieser Villen („Plange-Villa“) beherbergt heute das Kreisarchiv. In den 1930er Jahren gab es erfolglose Bestrebungen in NS-Kreisen, das mittelalterlich anmutende Soest zu einem Nationaldenkmal zu erklären.
Im Zweiten Weltkrieg wurde Soest mehrfach Ziel alliierter Bombenangriffe, da es über einen der bedeutendsten Rangierbahnhöfe im damaligen Deutschen Reich verfügte (Güterverkehr vom Ruhrgebiet nach Sachsen und Schlesien). Außerdem befand sich in der Innenstadt eine kriegswichtige Akkumulatoren-Fabrik der Firma Akku Hagen. Außerhalb des keilförmigen Hauptbombenfeldes zwischen Bahnhof und Fabrik blieb der historische Stadtkern jedoch zu großen Teilen erhalten, obwohl insgesamt 60 % des Hausbestandes beschädigt und zum Teil zerstört wurden. Der Rangierbahnhof wurde zwar nach dem Zweiten Weltkrieg in kleinerer, jedoch modernerer Form wieder aufgebaut, ist aber später stillgelegt und abgerissen worden.
Nach dem Zweiten Weltkrieg wuchsen Fläche und Bevölkerung der Stadt in kurzer Zeit beträchtlich an, als im Südosten die seinerzeit bundesweit größte geschlossene Siedlung für vornehmlich schlesische Flüchtlinge (vor allem aus der Region von Glatz) errichtet wurde. Über mehrere Jahrzehnte war die Stadt ein wichtiger Garnisonsstandort für zunächst kanadische, dann belgische Einheiten (drittgrößter belgischer Standort in Deutschland), auch wohnten in der Stadt zahlreiche englische Soldatenfamilien aus Standorten in den umliegenden Gemeinden. Mit zwei Anschlüssen an die in den 1970er Jahren fertiggestellte BAB 44 und der Einrichtung der Hochschule (siehe unten) wurde die Grundlage dafür gelegt, dass sich Soest heute als wirtschaftlich prosperierende Stadt und beliebter Wohnort für Pendler ins östliche Ruhrgebiet darstellt.
Die historische Gliederung der Stadt bestand aus der eigentlichen Stadt mit ihren sechs sogenannten „Hofen“ und dem Umland, der „Börde“. Aus den einzelnen Gemeinden der Börde gingen mit der Gebietsreform von 1969/1974 die Gemeinden Welver und Bad Sassendorf hervor. Seit 1969 besteht die Stadt Soest aus der Kernstadt und 18 Ortsteilen, darunter auch die alten Kirchdörfer Ostönnen und Meiningsen. Ebenfalls eingemeindet wurde damals die winzige Gemeinde Paradiese, deren ehemaliges Kloster in den letzten Jahren teilweise restauriert wurde. Das Kloster Paradiese ist eng mit der Stadtgeschichte verbunden und wurde durch Grimmelshausens Simplicius Simplicissimus literarisch verewigt.
Zu den althergebrachten Spezialitäten der Soester Küche zählen Möppkenbrot und Pumpernickel. Ob allerdings Soest wirklich der „birthplace of pumpernickel“ ist, wie eine amerikanische Enzyklopädie vermerkt, muss strittig bleiben, denn um diesen Ehrentitel streiten sich mehrere Städte in Westfalen, wie beispielsweise auch Rheine. Fest steht jedoch, dass die Bäckerei Haverland im Stadtzentrum, ehemals königl. bayrischer Hoflieferant des schwarzen Brotes, auf eine mehrhundertjährige Betriebstradition (seit 1570) verweisen kann. Eine mittlerweile auch nicht mehr ganz junge Neuerung unter den Soester Spezialitäten ist das „Bullenauge“, ein Mokkalikör, der vor allem zur Allerheiligenkirmes ausgeschenkt wird.
Bei den Wahlen zum Stadtrat am 26. September 2004 hatte die SPD zwölf Sitze, allerdings spalteten sich zum Jahresbeginn 2005 zwei Mitglieder der SPD-Fraktion ab und bildeten die Gemeinschaft sozial-liberaler Wähler (GSLW), so dass nun auf die SPD zehn und auf die GSLW zwei Sitze entfallen, woraus sich folgende Sitzverteilung ergibt:
| Partei / Gruppierung | Sitze |
|---|---|
| CDU | 19 Sitze |
| SPD | 10 Sitze |
| BG | 6 Sitze |
| Grüne | 5 Sitze |
| FDP | 3 Sitze |
| GSLW | 2 Sitze |
| SO! | 1 Sitz |
In der Liste[1] werden nur Parteien und Wählergemeinschaften aufgeführt, die mindestens 2,95 % der Stimmen bei der jeweiligen Wahl erhalten haben:
| Jahr | CDU | SPD | BG | FDP | Grüne | SO! |
|---|---|---|---|---|---|---|
| 1975 | 40,4 | 34,2 | 12,9 | 10,0 | ||
| 1979 | 43,5 | 36,9 | 9,9 | 6,7 | ||
| 1984 | 39,5 | 36,4 | 9,8 | 4,3 | 8,2 | |
| 1989 | 33,4 | 38,4 | 12,8 | 4,5 | 8,1 | |
| 1994 | 34,0 | 43,7 | 11,3 | 3,2 | 7,8 | |
| 1999 | 47,0 | 30,6 | 15,1 | 6,0 | ||
| 2004 | 40,1 | 26,7 | 13,4 | 6,8 | 9,9 | 3,1 |
Die alte Stadtmauer mit ihrem Wall ist noch zu 3/4 erhalten, 1/4 wurde ab 1890 den Bahnschienen geopfert. Allerdings ist der noch erhaltene Teil nur der sogenannte innere Wall, da der äußere Teil bereits 1586 aus militärtaktischen Gründen abgerissen wurde. Als einziges von ehemals zehn Stadttoren (acht Haupttore und zwei Nebentore) ist noch das Osthofentor komplett erhalten, das heute eines der städtischen Museen beherbergt. Die mit Bäumen bepflanzten Wälle wie die vorgelagerte parkähnliche Gräfte sind vollständig begehbar und eignen sich gut für einen Spaziergang, zum Beispiel zum Kattenturm.
Die Soester Innenstadt steht zu großen Teilen unter Denkmalschutz, insgesamt über 600 Gebäude. Einige der alten Häuser an den vielen, oft von Grünsandsteinmauern eingefassten schmalen Gassen sind nur wenige Meter breit. Eine Besonderheit Soests sind die vielen Gärten in der Innenstadt. Vor allem im Mai ist ein Stadtbummel zwischen altem Fachwerk, urigem Grünsandstein und der Blütenpracht der vielen Gärten ein besonderes Erlebnis („Soester Baumblüte“).
Von den vielen unter Denkmalschutz stehenden Häusern sind unter anderem besonders bemerkenswert das „Haus zur Rose“ oder „Freiligrath-Haus“, benannt nach dem Dichter Ferdinand Freiligrath, das „Pilgrim-Haus“, ältester Gasthof Westfalens, eine ehemalige Pilgerherberge der Jakobspilger, der „Burghof“ mit stadtgeschichtlichem Burghofmuseum und Romanischem Haus, das doppelgieblige Fachwerkhaus „Zum wilden Mann“.
Sehenswert sind die Kirche St. Petri („Alde Kerke“) (evangelisch, erster Bau um 780 n. Chr. und damit die wohl älteste Kirchengründung Westfalens; im heutigen Stil ab 1150) und der St.-Patrokli-Dom (ein katholisches Münster, gegründet 954 n. Chr. als Kollegiatstift), die im Stadtzentrum weniger als zehn Meter auseinder stehen. Die Petrikirche war früher mit der ersten Pfalz (später so genanntes „Hohes Hospital“) verbunden, deren Mauerreste in Nachbarschaft des Turmes noch besichtigt werden können („Wittekindsmauer“). Der St.-Patrokli-Dom – „Inbegriff der Romanik in Westfalen“ – feierte vor kurzem sein 1050. Weihejubiläum und zählt somit zu den ältesten Kirchen in Deutschland. Besonders monumental wirken der Turm („Turm Westfalens“; von Experten oft als schönster romanischer Turm Deutschlands bezeichnet) und das Westwerk, in dessen oberer Etage sich das Dommuseum befindet. Weitere Sehenswürdigkeiten sind u.a. die in unmittelbarer Nähe des Doms gelegene Nikolaikapelle, die aus dem 14. Jahrhundert stammende Kirche St. Maria zur Wiese (Wiesenkirche) – eine der schönsten gotischen Hallenkirchen Deutschlands – und die so genannte „Hohnekirche“ (St. Maria zur Höhe) mit mittelalterlichen Innenausmalungen (teilweise wahrscheinlich von griechischen beziehungsweise byzantinischen Künstlern verfertigt) und einem Scheibenkreuz, wie man es sonst nur auf Gotland findet, ein Relikt der weitgespannten Handelsbeziehungen im Mittelalter. Die Dombauhütte der Wiesenkirche ist in Expertenkreisen ebenso bekannt wie die des Kölner Doms. Wie auch die anderen der insgesamt noch sieben Kirchen und zwei Kapellen (Nikolaikapelle und Brunsteinkapelle) im historischen Stadtkern, sind auch diese beiden Kirchen aus heimischem Grünsandstein, wie er in Anröchte gewonnen wird, erbaut.
Die Kirche Alt-St. Thomä fällt durch ihren „schiefen“ Turmhelm auf. Vermutlich im Zusammenhang mit der ehemals benachbarten (2.) bischöflichen Pfalz entstanden, gehört sie heute der reformierten Gemeinde. Der zumeist unzugängliche eigentliche Kirchenraum ist ein beeindruckendes Erlebnis, da die Wände unverputzt und der Boden ebenfalls kaum bedeckt ist. Im Chorbereich der Kirche findet sich, auch vom Wall aus sichtbar, eines der wahrscheinlich ältesten gotisch eingefassten Fenster in Deutschland.
Beachtenswert ist auch der sogenannte „Große Teich“, der die Besonderheit aufweist, dass er aufgrund mehrerer salzhaltiger Quellen auch im Winter nicht zufriert.
Soest besitzt nach Bamberg das zweitgrößte historische Geläut in Deutschland. Herausragend in dieser Beziehung ist vor allem das Geläut des Patroklidomes. Allein im Dom befinden sich 11 der 34 Glocken.
Zahlreiche alte Kirchen in Soest besitzen bedeutende Orgeln. Ein kunst- und musikhistorische Besonderheit von internationalem Rang ist die Orgel in St. Andreas zu Ostönnen, eine der ältesten bespielbaren Orgeln der Welt.
Mit dem Amtsgericht Soest ist die Stadt Gerichtsstandort.
Die alten Handelsstraßen, denen Soest seine frühere Bedeutung verdankt, gibt es noch heute: aus dem alten Hellweg aus der Hansezeit, den zuvor Karl der Große als Verbindung von Aachen nach Paderborn begründete, wurde die heutige B 1. Diese verläuft, aus dem Ruhrgebiet kommend, zumeist schnurgerade direkt auf die Kirchtürme Soests zu und ebenso weiter in Richtung Paderborn. Die alte Nord-Süd-Verbindung bilden heute in etwa die B 475 ins Münsterland, die seit einigen Jahren aber an Soest vorbeigeleitet wird, und die im Soester Süden beginnende B 229 ins Sauerland.
Wichtigster Verkehrsweg von und nach Soest ist die südlich an der Stadt vorbeiführende, das Ruhrgebiet im Westen und Kassel im Osten verbindende Autobahn 44 mit den Ausfahrten „Soest“ an der B 229 und „Soest-Ost“ zur B 475.
Die Anbindung an das Eisenbahnnetz erfolgt über die von IC-, ICE-, Regionalexpress-Zügen und Regionalbahnen befahrene Strecke Münster–Hamm–Paderborn und die Bahnstrecke Dortmund–Soest. Die folgenden Nahverkehrslinien bedienen Soest:
Soest liegt im Verkehrsgebiet der Verkehrsgemeinschaft Ruhr-Lippe.
Nach Stilllegung und Abbruch des Rangierbahnhofes wurde auch die örtliche Bedienung des Eisenbahngüterverkehrs eingestellt.
In Soest befindet sich ein Campus der Hochschule für Technik und Wirtschaft (Fachhochschule Südwestfalen) mit den drei Fachbereichen Agrarwirtschaft, Elektrische Energietechnik und Maschinenbau-Automatisierungstechnik (früher: Universität/Gesamthochschule Paderborn - Abteilung Soest). Bei internationalen Studiengängen besteht eine Kooperation unter anderem mit der Soester Abteilung „Westphalia“ der „Swiss German University of Jakarta“. Entstanden ist der Campus aus der Konversion, also Um- und zum Teil auch Neugestaltung eines ehemaligen Kasernengeländes der früher in Soest stationierten belgischen Streitkräfte. Zur Bildungslandschaft gehören drei Gymnasien, das Aldegrever-Gymnasium, das Archigymnasium und das Conrad-von-Soest-Gymnasium, zwei Realschulen, die Christian-Rohlfs-Realschule und die Hansa-Realschule, weiterhin eine reformorientierte Gesamtschule sowie eine Waldorfschule. Das Archigymnasium ist das älteste humanistische Gymnasium in Westfalen. Soest besitzt eine Stadtbücherei und ein überregional bedeutsames Stadtarchiv, hinzu kommt das Kreisarchiv des Kreises Soest. Wichtig unter den Soester Archiven ist auch das Islam-Archiv Deutschland, maßgeblich mitgeformt von Mohammed Salim Abdullah.
In der Stadthalle gastieren regelmäßig bekannte deutsche Tourneetheater. Darüber hinaus finden hier Konzerte, Musicals, Opern, Operetten, Kindertheater und Ballettveranstaltungen statt.
In Soest ist das größte englischsprachige Tourneetheater Europas ansässig, das White Horse Theatre, das vornehmlich pädagogische Ansätze verfolgt.
Zum 669. Mal fand im November 2006 die Allerheiligenkirmes statt. Sie ist die größte Altstadtkirmes in Europa (Eintrag im Guinness-Buch der Rekorde als größte Innenstadtkirmes Europas) und verläuft durch große Teile des mittelalterlichen Stadtkerns. Die Allerheiligenkirmes beginnt immer am ersten Mittwoch nach Allerheiligen und dauert insgesamt fünf Tage. In jedem Jahr wird zur Allerheiligenkirmes das Jägerken von Soest als Symbolfigur für die Stadt ernannt. Der Jäger von Soest ist die Hauptfigur in dem 1669 erschienenen Simplicissimus-Roman von Hans Jakob Christoffel von Grimmelshausen, der im Dreißigjährigen Krieg spielt. Ein verfremdeter Landsknecht, der den Jäger von Soest symbolisieren soll, wirbt jährlich auf den Werbeplakaten zur Allerheiligenkirmes.
Der Bördetag am zweiten Wochenende im Mai ist das große Stadtfest in Soest. Neben verkaufsoffenem Sonntag und Trödelmarkt wird ein reichhaltiges Unterhaltungsprogramm mit Musik und Show geboten. In jedem Jahr wird zum Bördetag die Bördekönigin ernannt.
Jägerken und Bördekönigin vertreten meistens gemeinsam die Stadt Soest auf Stadtfesten in und außerhalb von Soest.
Das Bürgerschützenfest ist immer am Samstag nach Johanni im Juni. Ausgerichtet vom Bürger-Schützen-Verein zu Soest, der seinen Ursprung im Spätmittelalter hat, mit seinem Schützenfestauftakt dem "Wippen in den großen Teich". Ein alte Tradition besteht in Soest, wo zwei bekannte Soester Bürger und ein Schützenbruder jährlich in den Teich gewippt werden. Die Malefikanten müssen eine Holztreppe hinauf gehen, welche in der Mitte anfängt zu kippen, bis zum Ende, um dann mit einem Sprung in den "großen Teich", einen Ententeich mitten in der Innenstadt, zu gelangen. Der Teich wird vorher nicht gereinigt. Bis zu 3500 Menschen schauen sich das Schauspiel an. Freitagabend folgt der große Zapfenstreich an der Stadthalle und am Schützen-Samstag die große Festrede auf dem Markt und anschließend die große Parade vor dem Rathaus sowie Sonntagmorgen der Empfang des Kommandeurs im Burghofmuseeum für das neue Königspaar mit Ehrengästen und Schützenbrüdern.
Eine der ältesten Veranstaltungen seiner Art ist das Philippsessen, das der Rat der Stadt alljährlich mit offiziell geladenen Gästen im historischen Burghof durchführt.
Soest ist ein Zentrum des Kraftsports. So ist der AC Soest mehrfacher Deutscher Meister im Gewichtheben und hat in den vergangenen Jahren eine Reihe von bedeutenden Gewichthebern und anderen Kraftsportlern hervorgebracht. Ende der 80er Jahre war Soest Austragungsort der Weltmeisterschaft im Kraftdreikampf. Auch fand die Wrestlingliga wXw in Soest statt.
In Soest ist das Ziel des größten Silvesterlaufes Deutschlands. Der Silvesterlauf von Werl nach Soest, dessen 15 Kilometer lange Strecke über die Bundesstraße 1 führt, lockt jährlich über 8000 Läufer.
Der Verein TuS Jahn Soest hatte in den 1980er Jahren eine starke Tischtennis-Damenmannschaft. Sie spielte seit der Saison 1979/80 in der 2.Bundesliga und schaffte 1984 den Aufstieg in die 1.BL. [2] Bekannte Spielerinnen waren Jin-Sook Cords, Katja Nolten, Ilka Böhning, Brigitte und Nicole Dekein, Eva Ferenczi, Olawunmi Majekodunmi.
Des Weiteren hat am nahegelegenen Flugplatz Soest-Bad Sassendorf (im Lohner Klei) die Flugsportgemeinschaft Soest e.V. ihren Sitz und übt dort die Sportarten Motorflug und Segelflug aus.
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Soest, Friesenhausscher Hof, um 1700 |
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