Sofia Alexejewna (Russland)

Sofia Alexejewna, (russisch: Софья Алексеевна, * 5. September 1657; † 3. Juli 1704) war von 1682 bis 1689 Regentin von Russland.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Sie war das vierte Kind und die dritte Tochter des Zaren Alexei I. und dessen erster Ehefrau Maria Milovskaja. Ihr 1661 geborener Bruder Fjodor war in der Nachfolge ihres Vaters von 1676 bis 1682 Zar. Sofia wuchs mit starken religiösen Prägungen und häufigen Züchtigungen auf und lebte überwiegend im Terem-Palast. Ihre große Stunde sollte erst nach dem Tod ihres Bruders Fjodor kommen.

Machtkampf

Nach dem Tode Fjodors III. entstand zunächst die Frage, ob dessen Bruder Iwan trotz seiner geistigen Schwäche Thronfolger sein könne. Rechtlich stand der Inthronisation nichts im Wege, da kein Thronfolgegesetz bestand, sondern das Gewohnheitsrecht zur Thronfolge angewandt wurde. Im Zuge der Thronauseinandersetzung stellten sich die Strelizen auf die Seite der Zarentochter und nach einer blutigen Säuberungsaktion wurde der Streit schließlich in einer Art Kompromiss gelöst. Sie übernahm im Jahre 1682 die Regentschaft für die beiden unmündigen Zaren Iwan V. (galt als „Erster Zar“) und Peter I. (galt als „Zweiter Zar“).

Regentschaft

Zum ersten Mal hatte jetzt ein Frau das Sagen auf dem russischen Thron. Sie war eine kluge und energische Herrscherin. Von ihrem Erzieher und Lehrer, dem Hofprediger, Gelehrten und Dichter Simeon Polozki, hatte sie eine ausgezeichnete Bildung erhalten. Ihre Stellung als Regentin von Russland blieb von Anfang an unsicher. Der hochgebildete Fürst Wassili Golizyn stand ihr als Berater und Favorit zur Seite. Sie entwickelte besondere Aktivität in der Außenpolitik, wie die Verträge mit Schweden 1684, Polen 1686 („Ewiger Friede“) und China 1689 (Vertrag von Nertschinsk) zeigten. In ihren Regierungsjahren hatte sie einige Ergebnisse vorzuweisen, sie hatte mit Polen Frieden geschlossen und entsandte in elf europäische Hauptstädte Botschafter. Die erste höhere Schule in Russland wurde während ihrer Amtszeit auf Veranlassung von Golizyn errichtet. Die Feldzüge, die die Regentin und Golizyn in den Jahren 1687 und 1689 gegen die Krimtataren unternahmen, blieben jedoch erfolglos und führten schließlich zu ihrem Sturz Anfang August 1689.

Erneuter Machtkampf

Repins Gemälde von 1879: Sofia Alexejewna im Nowodewitschi-Kloster
Repins Gemälde von 1879: Sofia Alexejewna im Nowodewitschi-Kloster

Die Kriegsniederlagen führten dazu, dass das Ansehen von Peter I. zunahm; sein politisches Engagement wuchs und die Beliebtheit in der russischen Bevölkerung nahm stetig zu. Auch der kranke Iwan V. begann nun sich gegen Sofia aufzulehnen. Mit der heranstehenden Volljährigkeit Peters wurde für Sofia die Gefahr der Absetzung immer deutlicher und sie plante mit ihren Verbündeten einen Anschlag auf Peter. Dessen Agenten hatte dieses Attentat frühzeitig erkannt und Peter konnte sich durch Flucht entziehen. Den Sieg um die Auseinandersetzungen um den Thron errang schließlich die Partei Peters I., die Sofia ins Nowodewitschi-Kloster bei Moskau verbannte. Als im Zusammenhang mit dem erneuten Aufstand der Strelitzen in Moskau vom Jahre 1698 Sofia der Konspiration verdächtigt wurde, befahl der Halbbruder, Zar Peter I., sie zur Nonne zu scheren.

Quellen

  • Jean-Francois Chiappe: Die berühmten Frauen der Welt von A–Z. Gütersloh; Stuttgart; Wien 1976
  • Hans Joachim Torke (Hrsg.): Die russischen Zaren 1547–1917. Verlag C.H. Beck, München, 1999. ISBN 3-406-42105-9
  • E.M. Almedingen: Die Romanows – Die Geschichte einer Dynastie, Russland 1613 - 1917. Verlag Ullstein, 1992. ISBN 3-548-34952-8


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