Solvay

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Solvay ist eine international tätige Gruppe von Chemie- und Pharmaunternehmen. Sie beschäftigt über 30.000 Menschen in 50 Ländern. Ihr Ursprung liegt im Ort Rebecq, nahe bei Brüssel. Solvay Deutschland hat seinen Hauptsitz in Hannover.

Soda-Patente und erstes Werk 1863

Das erste Werk wurde dort 1863 von den Brüdern Albert und Ernest Solvay gegründet. Während Albert mehr für die wirtschaftlichen Aspekte zuständig war, war sein Bruder Ernest eher Chemiker und Philanthrop. Er entwickelte das Solvay-Verfahren (auch Ammoniak-Soda-Verfahren), welches nach ihm benannt wurde und 1865 Patentreife erreicht hatte.

Freilich stand das junge Unternehmen in den ersten Jahren ständig am Rande eines Konkurses, denn die Produktion war viel teurer als gedacht. Um sie gewinnbringend betreiben zu können, waren weitere Experimente nötig. Der chemische Prozess war 1872 perfektioniert, doch waren hohe Schulden aufgelaufen. Gegen das 1790 von Nicolas Leblanc entwickelte Verfahren zur Gewinnung von Natriumcarbonat konnte sich Solvay nicht durchsetzen. Der Vater machte sich Sorgen um seine Söhne, doch Ernest schrieb ihm: „Um die Zukunft zu sichern, muss ich heute Opfer bringen.“ Das Unternehmen scheiterte. Der Unternehmer Solvay nahm jedoch in einem neuen Anlauf Gesellschafter und Kapital hinzu und konnte sein Verfahren durchsetzen.

Als das Verfahren zu einer preiswerten Massenproduktion verfeinert war, vergaben die Brüder Lizenzen und errichteten ab 1880 weitere Anlagen in England, Frankreich (1896 in Salin-de-Giraud), USA, Deutschland und Österreich. Um 1900 entfielen bereits 95 Prozent der globalen Soda-Produktion auf Solvay, und heute gibt es weltweit etwa 70 Fabriken, die mit dem Verfahren arbeiten. Die Soda-Produktionsmethode der Brüder Solvay ist im wesentlichen bis heute unverändert.

Durch Ernest Solvay wurden 1911 die berühmten Solvay-Konferenzen ins Leben gerufen. Mit Geldern der Firma Solvay wurde auch das "nationale Hilfskomitee" unterstützt, das gegen Ende des Ersten Weltkrieges von belgischen Industriellen und Bankern gegründet worden war.

Die ursprüngliche Firma unterstützte - vor allem in der Person von Ernest Solvay - zahlreiche Sozial- und Bildungsprojekte und führte sogar den Achtstundentag ein. Dies ist ein beachtlicher Vorgriff zur Arbeitspolitik der Mitte des zwanzigsten Jahrhunderts. Auch andere Wissenschaften wie Soziologie und physikalische Chemie wurden durch Institutsgründungen an der Uni Brüssel gefördert, wofür sich vor allem Ernest einsetzte. Ferner wurden aus den Einnahmen drei Forschungsinstitute in Brüssel finanziert, weil der Mäzen der Menschheit einen Teil seines Reichtums zurückgeben wollte.

Der Solvay-Konzern heute

Solvay-Werksgelände in Bad Wimpfen
Solvay-Werksgelände in Bad Wimpfen
Ersatzteillager von Solvay Bad Wimpfen, fotografiert vom Riesenrad auf dem Wimpfener Talmarkt
Ersatzteillager von Solvay Bad Wimpfen, fotografiert vom Riesenrad auf dem Wimpfener Talmarkt

Die Soda-Produktionsmethode der Brüder Solvay ist im wesentlichen bis heute unverändert. Im Laufe der Jahrzehnte hat sich aber die Produktpalette auf andere Grundstoffe der Chemie und auf die Pharmaindustrie erweitert, wobei das Wachstum eindeutig auf Albert Solvay zurückgeht.:

Im März 2006 wurde ein 50/50 Joint Venture namens SolviCore mit der belgischen Umicore vereinbart. Gegenstand des Unternehmens ist die Weiterentwicklung, Produktion und Vermarktung der sog. Membran-Elektroden-Einheit (MEA), dem Herz der Brennstoffzelle. Unabhängig davon setzen beide Unternehmen Ihre Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten im Bereich Brennstoffzellen weiterhin in ihren Spezialgebieten Membrane (Solvay) bzw. Edelmetallkatalysatoren (Umicore) getrennt fort.

Der Solvay-Konzern ist heute Marktführer in der Herstellung von HF (Fluorwasserstoff). Das Werk, das sich auf die Herstellung dieses Produktes spezialisiert hat, steht in Bad Wimpfen. Hier nahm die Herstellung von HF, das in der chemischen -, Stahl- u. Mineralölindustrie, sowie in der Erdöl- und Erdgasbohrtechnik eingesetzt wird, ihren Anfang.

2006 verhängte die Europäische Kommission wegen Wettbewerbsabsprachen im Bereich von Bleichmittelprodukten dem Unternehmen eine Geldstrafe in Höhe von 167,1 Millionen Euro.

In dem Bernburger Werk hat es 04. Februar 2007 einen Unfall gegeben. Der Damm einer Kalkschlammhalde ist gebrochen und 200.000 Tonnen Schlamm haben eine angrenzende Straße auf 650 Metern begraben. Nur durch Glück sind keine Menschen auf der viel befahrenen Straße zu Schaden gekommen.

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