Sonia Gandhi (सोनिया गांधी), geb. Sonia Maino, (* 9. Dezember 1946 in Lusiana bei Vicenza, Italien) ist eine indische Politikerin und Präsidentin der indischen Kongresspartei. Die gebürtige Italienerin war Ehefrau des ermordeten indischen Premierministers Rajiv Gandhi und hatte auch selbst Chancen auf dieses Amt, auf das sie jedoch verzichtete.
Als Schwiegertochter Indira Gandhis war sie, im Gegensatz zur Frau des früh verunglückten Sanjay Gandhi, die gehorsame und respektvolle Schwiegertochter, die die indischen Traditionen achtet.
Nach der Ermordung ihres Mannes bei einer Wahlkampfrede zu Regionalwahlen in Südindien am 21. Mai 1991 durch einen Sprengstoffanschlag der Rebellenorganisation Liberation Tigers of Tamil Eelam (LTTE), die für die Errichtung eines unabhängigen Tamilenstaates in Sri Lanka kämpft, übernahm sie erst die traditionelle Rolle einer Witwe, die um ihren Mann trauert und begann sich nur vorsichtig politisch zu engagieren, trotz des Rufes aus Teilen der Bevölkerung, ihrem Mann im Amt des Premierministers nachzufolgen. Sie wartete einige Jahre, in denen sie zur grauen Eminenz der Kongresspartei wurde, bis sie dann im Jahre 1998 offiziell die politische Szene betrat, die Führung der Kongresspartei als neue Vorsitzende übernahm und sich schließlich zur Kandidatin für das Amt des Ministerpräsidenten erklärte.
Nicht zuletzt wegen ihres Familiennamens gelang es ihr massenhaft Menschen anzuziehen und so ihre Partei zu revitalisieren. Bei den Wahlen 1999 errang sie ein Mandat im Parlament und wurde zur Oppositionsführerin im Indischen Nationalkongress.
Dennoch blieb sie eine etwas geheimnisumwitterte Persönlichkeit und die Opposition, hauptsächlich in Form der Bharatiya Janata Party, erinnerte immer wieder daran, dass sie als Ausländerin nach Indien gekommen war und nicht flüssig Hindi sprechen konnte (dies, wiewohl sie es wesentlich besser spricht als ihr Mann, ihre Schwiegermutter Indira Gandhi und deren Vater Jawaharlal Nehru), bis sie in die Politik eintrat, wobei ihr mehr oder weniger unterstellt wurde, sie habe außer ihrem Familiennamen keinerlei Qualifikationen für das angestrebte Amt. Deshalb wird sie von ihren Gegnern sogar als Antonia Maino alias Sonia Gandhi bezeichnet.
In ihrem Wahlkampf stellte sie immer wieder die angeblich in Reichweite liegende Vision eines Shining India ("Strahlendes Indien") in Frage und wies auf die breiten Bevölkerungsschichten hin, die vom Boom der letzten Jahre nicht wie die indische Mittelklasse profitieren konnten.
Sonia Gandhi stellt sich, wie die Kongresspartei insgesamt, gegen den oft überschäumenden Hindu-Nationalismus. Viele ihrer wenig privilegierten Wähler sehen sie wohl als die Außenseiterin, die durch Geduld, Beharrlichkeit und das Wahren der überkommenen Regeln letztendlich doch ihr Ziel erreichte.
Nach der indischen Parlamentswahl im Mai 2004, die der Kongresspartei einen unerwarteten Sieg brachte, war sie zunächst als Ministerpräsidentin gehandelt worden. Am 18. Mai 2004 verzichtete sie überraschend auf diesen Posten. Am 23. März 2006 legte sie ihr Parlamentsmandat nieder, nachdem sie bereits längere Zeit wegen einer für Parlamentsmitglieder derzeit unzulässigen, bezahlten öffentlichen Nebentätigkeit als Vorsitzende des Nationalen Beraterrates in der Kritik - nicht nur der Opposition - stand.
Ihr Sohn Rahul Gandhi wurde 2004 ins Parlament gewählt und ihre Tochter Priyanka Gandhi war im selben Jahr ihre Wahlkampfmanagerin.
Siehe auch: Nehru-Gandhi-Familie