Sozialfaschismusthese

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Die Sozialfaschismusthese wurde von den der Kommunistischen Internationale (Komintern) angeschlossenenen kommunistischen Parteien zwischen 1928 und 1934 vertreten. Ihr zufolge stellte die Sozialdemokratie den „linken Flügel des Faschismus“ dar und war daher vorrangig zu bekämpfen. Vom 10. Plenum des Exekutivkomitees der Kommunistischen Internationale (EKKI) im Juli 1929 formell bestätigt, war die Sozialdemokratie demnach eine bloße Variante des Faschismus und jegliche Einheitsfront der kommunistischen Parteien mit den sozialdemokratischen daher unzulässig. Kanonischer Rang kam in der kommunistischen Agitation und Propaganda dabei einer Äußerung Stalins aus dem Jahr 1924 zu: "Der Faschismus ist eine Kampforganisation der Bourgeoisie, die sich auf die aktive Unterstützung der Sozialdemokratie stützt. Die Sozialdemokratie ist objektiv der gemäßigte Flügel des Faschismus. ... Diese Organisationen schließen einander nicht aus, sondern ergänzen einander. Das sind keine Antipoden, sondern Zwillingsbrüder." ("Zur internationalen Lage", Stalin, Werke, Band 6, S. 251-269, hier S. 253.) In Deutschland trug die an der "Sozialfaschismus"-These orientierte Politik der Kommunistischen Partei entscheidend dazu bei, die Spaltung und Lähmung der Arbeiterbewegung, die indirekt mit zum Sieg des Nationalsozialismus beitrug, zu zementieren. Selbst nach Errichtung der NS-Diktatur hielt die Kommintern, die "die politische Linie und die organisatorische Politik" der KPD "mit dem Genossen Thälmann an der Spitze" für "vollständig richtig" erklärte, an dieser These fest. Noch im Mai 1933 erklärte die KPD: "Die völlige Ausschaltung der Sozialfaschisten aus dem Staatsapparat, die brutale Unterdrückung auch der sozialdemokratischen Organisation und ihrer Presse ändern nichts an der Tatsache, dass sie nach wie vor die soziale Hauptstütze der Kapitalsdiktatur darstellen." (Von oppositionellen Kommunisten wurde die "Sozialfaschismus"-These scharf kritisiert; Trotzkis Kampf gegen die "Sozialfaschismus"-Linie der KPD und sein Eintreten für eine Einheitsfront der Arbeiterbewegung gegen den Nationalsozialismus etwa schien seinem Biographen Isaac Deutscher seine "größte politische Tat im Exil".)

Inhaltsverzeichnis

Konflikt

Bis 1914 war die deutsche Arbeiterbewegung weitestgehend in der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (SPD) vereinigt gewesen. Nachdem deren Führung die Bewilligung der Kriegskredite befürwortete, spaltete sich 1917 die Unabhängige Sozialdemokratische Partei Deutschlands (USPD) unter Hugo Haase ab. Noch radikalere Kräfte um Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht gründeten den Spartakusbund, aus dem die Kommunistische Partei Deutschlands entstand.

Später traten SPD-Politiker und -Beamte den Kommunisten oft als Vertreter der Staatsgewalt entgegen. So betrieben Reichspräsident Friedrich Ebert und Reichswehrminister Gustav Noske die Niederschlagung der kommunistischen Bestrebungen, eine Räterepublik nach russischem Vorbild zu bilden, nachdem an der Novemberrevolution 1918 auch Sozialdemokraten noch beteiligt waren. Auch für die folgende Ermordung der kommunistischen Führer Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht durch Freikorpseinheiten wurde die SPD von kommunistischer Seite mitverantwortlich gemacht.

Nachdem 1920 kommunistische und sozialdemokratische Arbeiter gemeinsam den rechtsradikalen Kapp-Putsch verhindert hatten, ließ die sozialdemokratische Regierung die Arbeiter gewaltsam entwaffnen, wobei es viele Tote gab.

Konsequenzen

Neben Sozialfaschismus kannte die KPD in der Weimarer Republik z.B. noch den „Zentrums-“ oder „Brüningfaschismus“ und den „Papen-Faschismus“. Somit war nach dieser These der Nationalsozialismus nur eine weitere Spielart eines bereits existierenden „faschistischen“ Systems. Nicht wenige kommunistische Funktionäre erhofften sich, aus einer vorübergehenden Regierung der „Hitler-Faschisten“ heraus direkt eine revolutionäre Situation entfachen zu können.

Auch die Sozialdemokraten sahen in den Kommunisten meist nicht mögliche Verbündete gegen den Faschismus, sondern weitere Feinde neben den Nationalsozialisten. So wurde möglicherweise eine Chance vertan, durch ein Bündnis von KPD und SPD den Aufstieg der Nationalsozialisten zu verhindern.

Es gibt auch die Theorie, daß die Sozialfaschismusthese im außenpolitischen Interesse der Sowjetunion gewesen sei. Man habe damit die SPD schwächen, eine Verbesserung der deutsch-französischen Beziehungen verhindern, und die Erstarkung der nicht-kommunistischen europäischen Gegner der Sowjetunion verhindern wollen.

Erst auf dem 1935 stattfindenden VII. Weltkongreß der Komintern wurde die „Sozialfaschismustheorie“ verworfen und die Volksfront (Einheitsfront) gegen den Faschismus propagiert. Dort definiert Georgi Dimitrow den Faschismus als „die offene terroristische Diktatur der am meisten imperialistischen Kreise des Finanzkapitals“ - ein Modell das ganz eigenen Probleme mit sich bringen sollte, und auch die Sowjetunion nicht von der Unterzeichnung des Deutsch-sowjetischen Nichtangriffspaktes im Jahre 1939 abhielt.

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  • Der führende KPD-Fuktionär Heinz Neumann war als wichtigster KPD-Ideologe der Jahre 1928 bis 1932 für die Sozialfaschismusthese federführend verantwortlich, er ergänzte sie aber mit der gegen die NSDAP gerichtete Parole „Schlagt die Faschisten, wo ihr sie trefft“. Neumann fiel 1937 der stalinistischen Säuberung in der Sowjetunion zum Opfer.

Siehe auch

Weblinks

Literatur

  • Siegfried Bahne: 'Sozialfaschismus' in Deutschland. Zur Geschichte eines politischen Begriffs. In: International Review of Social History. Vol. X (1965), Assen (Niederlande)
Quelle:
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