Sprachstatistik

Sprachstatistik (auch: Statistische Linguistik) kann auf zweierlei Weise verstanden werden: Man meint damit einerseits die Statistik der Sprachen [1], andererseits jede Art statistischer Untersuchung beliebiger sprachlicher Eigenschaften oder Gegenstände und ihrer Veränderungen.


Inhaltsverzeichnis

Aufgaben und Ziele der Sprachstatistik

Sprachstatistische Erhebungen dienen in vielen Fällen praktischen oder auch wissenschaftlichen Zwecken. Wenn man z.B. weiß, wie häufig Buchstaben in einer Sprache vorkommen, kann man verschlüsselte Texte lesbar machen. Bei stilistischen Untersuchungen (Quantitative Stilistik) geht es darum, Besonderheiten der Ausdrucksweisen einzelner Autoren, Textklassen, Epochen oder verschiedener Kommunikationsbereiche (Stil der Presse und Publizistik, Stil der Alltagssprache etc.) zu charakterisieren. Wendet man statistische Methoden auf literarische Texte an, so betreibt man nach einem Vorschlag von Fucks (1968: 77, 88) Quantitative Literaturwissenschaft. Die Möglichkeiten der Statistik bei Stiluntersuchungen skizziert Crystal (1993: 67). Auch für die Feststellung, wie schwierig ein Text gestaltet ist, kann die Sprachstatistik wesentliche Hilfe leisten. So dienen die sog. Lesbarkeitsindizes dazu, die Lesbarkeit, d.h. den Schwierigkeitsgrad von Texten, zu messen. Auch der Wortschatz der Sprachen ist unter dem Begriff Lexikostatistik in vielfältiger Weise Gegenstand der Sprachstatistik: Hier geht es u.a. um die Erstellung von Häufigkeitswörterbüchern und um die Verfallsraten, denen der Wortschatz unterliegt (Glottochronologie).

Es gibt also viele Einsatzmöglichkeiten für die Sprachstatistik. Oft geht es aber auch lediglich um die Befriedigung der Neugier: Man will einfach wissen, was wie häufig vorkommt oder wie seine Häufigkeiten sich mit der Zeit ändern, ohne dass damit unmittelbar weitergehende Ziele verfolgt werden.

Sprachstatistik des Deutschen

Zur Sprachstatistik des Deutschen: Daten zur Sprachstatistik des Deutschen (Buchstaben- und Lauthäufigkeiten, Grammatik, Wortschatz) findet man bei Meier (1967). Einige Daten stellt auch König (2005) zusammen [2]. Zu vielen Themen finden sich in Untersuchungen zur Quantitativen Linguistik ebenfalls statistische Daten zum Deutschen. [3]

Sprachstatistik - Quantitative Linguistik

Von der Sprachstatistik ist die Quantitative Linguistik zu unterscheiden, die auf der Sprachstatistik aufbaut, indem sie sich statistischer Methoden bedient, um Sprachgesetze wie das Menzerathsche Gesetz und das Zipfsche Gesetz und damit letztlich eine Sprachtheorie zu entwickeln. Ihre Ziele gehen also über das Erheben statistischer Daten zu sprachlichen Phänomenen hinaus.

Statistische Grundlagen

Statistische (und z.T. wissenschaftstheoretische) Grundlagen für Linguisten stellen Altmann (1995), von Essen (1979), Hoffmann & Piotrowski (1979), Nikitopoulos (1973) und Schlobinski (1996) für unterschiedliche Ansprüche dar.

Literatur

  • Gabriel Altmann: Statistik für Linguisten. Wissenschaftlicher Verlag Trier, Trier 1995. ISBN 3-88476-176-5
  • Karl-Heinz Best: Quantitative Linguistik. Eine Annäherung. 3., stark überarb. u. ergänzte Aufl. Peust & Gutschmidt, Göttingen 2006. ISBN 3-933043-17-4
  • David Crystal: Die Cambridge Enzyklopädie der Sprache. Übersetzung und Bearbeitung der deutschen Ausgabe von Stefan Röhrich, Ariane Böckler und Manfred Jansen. Campus Verlag, Frankfurt/ New York 1993. ISBN 3-593-34824-1
  • Otto von Essen: Allgemeine und angewandte Phonetik. 5., neubearbeitete und erweiterte Auflage. Akademie-Verlag, Berlin 1979.
  • Wilhelm Fucks: Nach allen Regeln der Kunst. Diagnosen über Literatur, Musik, bildende Kunst - die Werke, ihre Autoren und Schöpfer. Deutsche Verlags-Anstalt, Stuttgart 1968.
  • Lothar Hoffmann & Rajmund G. Piotrowski: Beiträge zur Sprachstatistik. VEB Verlag Enzyklopädie, Leipzig 1979.
  • Sebastian Kempgen: Russische Sprachstatistik. Systematischer Überblick und Bibliographie. Sagner, München: 1995. ISBN 3-87690-617-2
  • Reinhard Köhler: Bibliography of quantitative linguistics. John Benjamins, Amsterdam 1995, ISBN 90-272-3751-4
  • Reinhard Köhler, Gabriel Altmann, Rajmund G. Piotrowski (Hrsg.): Quantitative Linguistik - Quantitative Linguistics. Ein internationales Handbuch. de Gruyter, Berlin/N.Y. 2005, ISBN 3-11-015578-8
  • Helmut Meier: Deutsche Sprachstatistik. 2., erw. u. verb. Aufl. Olms, Hildesheim 1967, 1978, ISBN 3-487-00735-5
  • Charles Muller: Einführung in die Sprachstatistik. Hueber, München 1972.
  • Pantelis Nikitopoulos: Sprachstatistik. In: Hans Peter Althaus, Helmut Henne, Herbert Ernst Wiegand (Hrsg.): Lexikon der germanistischen Linguistik. 2., vollständig neu bearbeitete und erweiterte Auflage. Niemeyer, Tübingen 1980, S. 792-797.ISBN 3-484-10392-2
  • Pantelis Nikitopoulos: Statistik für Linguisten. Ein methodischer Beitrag. Narr, Tübingen 1973.
  • Peter Schlobinski: Empirische Sprachwissenschaft. Westdeutscher Verlag, Opladen 1996. ISBN 3-531-22174-4

Einzelnachweise

  1. etliche Daten dazu in: Wolfgang Viereck, Karin Viereck, Heinrich Ramisch: dtv-Atlas Englische Sprache. Deutscher Taschenbuch Verlag, München 2002. S. 236, passim. ISBN 3-423-03239-1 und http://wwwuser.gwdg.de/~kbest/einfueh.htm
  2. Werner König: dtv-Atlas Deutsche Sprache. 15. durchgesehene und aktualisierte Auflage. dtv, München 2005, 114-119. ISBN 3-423-03025-9
  3. Vgl. http://wwwuser.gwdg.de/~kbest/einfueh.htm

Weblinks

Wiktionary
Wiktionary: Sprachstatistik – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme und Übersetzungen
Quelle:
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